Inhalt:
Epstein-Barr-Virus
Synonym
Kissing Disease - Virus, EBV, Morbus Pfeiffer, infektiöse Mononukleose, Mononucleosis infectiosa und Monozytenangina
Zusammenfassung
Das humanpathogene Epstein-Barr-Virus ist ein doppelsträngiges DNA-Virus. Es gehört zu den Gamma - Herpesviren, einer Unterfamilie, die sich durch ein enges Wirtsspektrum auszeichnet.
So infizieren Gamma-Herpesviren typischerweise T- oder B-Lymphozyten, also spezielle Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen) des Immunsystems.
Die Dauer der Virusvermehrung variiert. Außerdem führt diese Gruppe zur Zellvermehrung, kann in lymphoiden Zellen (weiße Blutkörperchen) überleben (med. persistieren), was man als Latenzstadium bezeichnet und reaktivieren, was man, je nach Ablauf des Wiederauflebens des Virus mit oder ohne Symptome, Rekurrenz oder Rezidiv nennt.
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ist Verursacher der infektiösen Mononukleose, die auch als Kusskrankheit bezeichnet wird, da die Viren unter jungen Erwachsenen häufig durch Küssen übertragen werden. Des Weiteren kann das Epstein-Barr-Virus (EBV) für gutartige Vergrößerungen und das Anschwellen von Lymphknoten (Lymphome) und bei Immungeschwächten für besondere Tumore ursächlich sein. Wie alle Herpesviren kann auch das Epstein-Barr-Virus nach Erstinfektion des Wirts lebenslang in infizierten Wirtszellen überdauern und reaktiviert werden
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Aufbau des Virus

- Virusaufbau
Die Erbinformation des Epstein-Barr-Virus (EBV), die DNA, windet sich um ein Eiweißmolekül, welches als Core oder Nukleoid bezeichnet wird, und wird von einem Proteinmantel, dem Kapsid umgeben.
Diese viruseigene Eiweißummantelung schützt das Erbmaterial des Virus vor schädlichen äußeren Einflüssen und erfüllt wichtige Aufgaben bei der Infektion der Wirtszelle durch das Virus.
Umgeben ist das Kapsid wiederum von einer Virushülle. Diese besteht aus einem Anteil der Plasmamembran der Wirtszelle oder Membranen, die Strukturen innerhalb der Wirtszelle umgeben.
Außerdem trägt die Hülle viruseigene Zuckereiweiße, die für das Andocken des Virus an seine Wirtszelle nötig sind, sowie die Verschmelzung der Membranen ermöglichen, damit das Viruserbmaterial in die Zelle eingeschleust werden kann. Antikörper, die vom Wirtsorganismus gegen das Virus gebildet werden, sind gegen Zuckereiweiße der Virushülle gerichtet. Behüllte Viren sind im Gegensatz zu nackten Viren für äußere Einflüsse wie Hitze oder Austrocknung sehr anfällig.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch eine Tröpfcheninfektion oder Kontaktinfektion insbesondere mit Speichel oder durch eine Schmierinfektion. Seltenere Übertragungsmöglichkeiten bieten Transplantationen oder Bluttransfusionen, möglicherweise auch sexueller Kontakt mit einem Infizierten.
Da das Virus auf seinen Reservoirwirt, den Menschen, angewiesen ist, um zu überleben, hat es im Lauf der Evolution versucht, sich an dessen Leben anzupassen, um die menschlichen Zellen zwar zu infizieren, aber nicht abzutöten. Die Erkrankung Pfeiffersches Drüsenfieber, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) hervorgerufen wird, verläuft deshalb auch nur sehr selten tödlich.
Infektion
Das Virus befällt die Epithelzellen in Mund, Nase und Rachenraum, sowie die B-Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören und wichtige Aufgaben bei der Abwehr gegen in den Körper eingedrungene Erreger erledigen. Die Erstinfektion erfolgt zumeist im Kindesalter und verläuft in der Regel asymptomatisch.
Jugendliche und Erwachsene, die sich zum ersten Mal infizieren, zeigen grippeähnliche Symptome, zumeist ohne Komplikationen. Die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufene Erkrankung wird neben einigen weiteren Namen mit Student’s Kissing Disease oder Kusskrankheit bezeichnet, da das Virus besonders bei jungen Erwachsenen von Mund zu Mund übertragen wird.
Die eigentliche Bezeichnung Morbus Pfeiffer geht auf den Namen von Emil Pfeiffer zurück, der um 1900 als Kinderarzt praktizierte. Weitere Bezeichnungen für die durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöste Erkrankung sind infektiöse Mononukleose, Mononucleosis infectiosa und Monozytenangina.
Der Ausbruch der Erkrankung, einhergehende Komplikationen und der Verlauf sind von vielen, zum Teil unverstandenen Faktoren abhängig. Unter anderem spielt die Stärke des Immunsystems eine wichtige Rolle. Demnach erkranken vor allem Immungeschwächte. Bis zum 30. Lebensjahr sind schätzungsweise 95% der Bevölkerung infiziert. Nach dem 40. Lebensjahr wird eine Durchseuchung von nahezu 100% (ca. 98%) vermutet.
Das Virus durchläuft zwei Entwicklungsphasen. In der lytischen ersten Phase vermehrt es sich in den infizierten Wirtszellen, wird dann in unzähligen Kopien von diesen freigesetzt und kann weitere Zellen infizieren, während es hingegen in der zweiten Phase, die auch als Latenzphase bezeichnet wird, in der Wirtszelle ruht und sich dem Immunsystem des Wirtsorganismus entzieht, sodass es ein Reservoir bildet, das bei einer erneuten Aktivierung aufbrechen und Viren freisetzen kann.
Während einer Infektion mit EBV werden Antikörper gegen das Virus gebildet, die bei 95% der Bevölkerung im Blut nachgewiesen werden können. Das Virus verbleibt lebenslang im Körper und verweilt in so genannten Gedächtniszellen der weißen Blutkörperchen (B-Gedächtniszellen). Reaktivierungen treten bei geschwächtem Immunsystem auf, werden allerdings zumeist unbemerkt durch die natürliche Abwehr des Körpers erfolgreich eingedämmt. In dieser Phase können im Speichel bspw. Viren nachgewiesen werden, durch die andere Personen sich ebenfalls unbemerkt anstecken können. Bei Patienten, deren Immunsystem supprimiert ist, bspw. bei HIV-Patienten oder organtransplantierten Patienten, kann das Virus sich im Körper ungehindert ausbreiten, vermehren und zu Komplikationen führen.
Es ist für die Entstehung verschiedener seltener Krebserkrankungen wie das Burkitt-Lymphom verantwortlich. Dieses taucht in Afrika, hervorgerufen durch eine besondere EBV-Spezies, lokal auf ein Gebiet begrenzt immer wieder (endemisch) auf. Das Burkitt-Lymphom ist ein bösartiger, schnell wachsender Tumor, der in Afrika vor allem bei Kindern auftritt. Im asiatischen Raum gilt das Virus als Risikofaktor für die Entstehung des Nasopharynxkarzinoms, eines bösartigen Tumors, der die Nase, den Rachenraum und den Kehlkopfes infiltriert.
Des Weiteren wird EBV als Cofaktor bei der Entstehung von Brustkrebs und Malaria diskutiert.
Diagnose
Zumeist bleibt eine Infektion vor allem bei Erstinfektionen im Kindesalter mangels Symptomatik unbemerkt und wird demnach nicht diagnostiziert.
Der Nachweis von Epstein-Barr-Virus-Antikörpern im Blut eines Patienten kann eine Verdachtsdiagnose sichern, falls sich der Patient mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit beim Arzt vorstellt. Hierfür stehen verschiedene Tests zur Verfügung, mit denen unterschiedliche Typen von durch den Wirtsorganismus gegen das Virus gebildete Antikörper nachgewiesen werden können. Mithilfe dieser Untersuchungen können auch frische von vergangenen Infektionen unterschieden werden.
Zumeist, jedoch nicht zwangsläufig ist die Konzentration der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blut erhöht (Leukozytose) und vor allem zeigen die B-Lymphozyten im Vergleich zu den restlichen Leukozyten einen Anstieg (relative Lymphozytose).
Im Blutausstrich kann man unter dem Mikroskop charakteristische Veränderungen der T-Lymphozyten erkennen, die als Pfeiffer-Zellen bezeichnet werden und diagnosesichernd sind. Da die Viren neben den Epithelzellen des Nasen-Rachenraums auch Leberzellen bewohnen können, sind bei Infizierten zumeist die Leberwerte erhöht.
Symptome
Bei einer Erstinfektion im Jugend- oder Erwachsenenalter treten unspezifische grippeähnliche Symptome auf. Patienten zeigen eine erhöhte Temperatur zwischen 38,5° und 39° Celcius, Glieder- und Leibschmerzen, sowie Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Des Weiteren sind oftmals die Lymphknoten am Hals und Nacken, selten in den Achseln oder an der Leiste geschwollen (Lymphadenopathie). Erkrankte können zusätzlich eine Hals- oder Mandelentzündung (Angina tonsillaris) ausbilden und zeigen manchmal einen eher schmutziggrauen statt weißen Belag auf den Mandeln, der mit einem übelriechenden Mundgeruch (=Foetor ex ore) einhergeht.
Außerdem können verschiedene andere Symptome und Veränderungen im Wirtsorganismus, wie bspw. eine Milz- oder manchmal auch Lebervergrößerung, Bauch-, Muskel- oder Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Depression, Stimmungsschwankungen, allgemeine Schwäche, Ausschlag, Schwindel oder Orientierungsstörungen, Schüttelfrost, trockener Husten und Übelkeit auftreten.
Die Erkrankung kann sich von mehreren Tagen bis einige Wochen hinziehen, in welchen die Patienten geschwächt sind.
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Komplikationen
Asymptomatische Verläufe treten vorwiegend bei Kleinkindern auf. Patienten mit einem chronischen Krankheitsverlauf leiden monatelang unter Müdigkeit und Abgeschlagenheit, sowie Fieber und vermindertem Antrieb. Sie zeigen häufig chronische, schmerzhafte Lymphknotenschwellung.
Reaktivierungen des Virus sind bei Herpesvirus-Infektionen nicht selten und zeigen meist einen schwächeren Verlauf. Bei etwa jedem zehnten Infizierten tritt eine bakterielle Coinfektion der Mandeln mit Streptokokken-Bakterien auf.
Diverse seltenere Komplikationen beinhalten eine Entzündung des Gehirns (Encephalitis), Veränderung der Blutzellen oder eine Blutarmut, Leber- und Milzschwellung (Hepato- und Splenomegalie), sowie Herzmuskelentzündung (Myocarditis) und Nierenentzündung (Nephritis). Aufgrund der Milzschwellung und der damit einhergehenden Gefahr des Milzrisses (Milzruptur) sollten die Betroffenen Anstrengungen, wie sportliche Aktivitäten und das Heben schwerer Gegenstände im Verlaufe der Krankheit und einige Wochen danach bis zum Abschwellen der Milz vermeiden.
Therapie
Gegen das Pfeiffer’sche Drüsenfieber gibt es keine spezielle Therapie.
Fieber verlangt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, gegebenenfalls fiebersenkende Medikamente und vor allem viel Ruhe. Ferner kann die Erkrankung zusätzlich symptomatisch mit schmerzstillenden Medikamenten und bei Auftreten einer zusätzlichen bakteriellen Infektion mit Antibiotika behandelt werden.
Prophylaxe
Es gibt gegen das durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Pfeiffer’sche Drüsenfieber bislang keine Impfstoffe, sodass als Vorbeugemaßnahme nur das Meiden von Infizierten in Frage kommt. Dies ist allerdings durch die hohe Durchseuchungsrate der Bevölkerung mit dem Virus und den unspezifischen Verlauf einer Infektion unmöglich.
Postinfektiöse Immunität
Wie bereits erwähnt, werden im Rahmen einer Erstinfektion Antikörper gebildet, die dem Infizierten in der Regel eine lebenslange Immunität ermöglichen. Bei Immunsupprimierten kann es zu Reaktivierungen kommen. Die Gründe hierfür sind allerdings bisher nicht ausreichend verstanden.
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