Inhalt:
Adnexitis
Synonyme im weiteren Sinne
Entzündung der Gebärmutteranhängsel wie Eierstock und Eileiter
Eileiterentzündung, Eierstockentzündung
Englisch: adnexitis
Lesen Sie auch:
Definition
Die Aufgabe der Gebärmutteranhängsel besteht darin das befruchtungsfähige Ei reifen zulassen (Eierstock) und anschließend in die Gebärmutter zu transportieren, was über den Weg des Eileiters geschieht.
Mit dem Begriff der Adnexitis wird nun die Entzündung des Eierstocks (Ovar) und des Eileiters (Tuba uterina) beschrieben.
Natürlich können beide Organe, Eierstock (Ovar) und Eileiter (Tuba uterina), auch getrennt von einander entzündet sein. Allerdings kommt eine solche isolierte Entzündung extrem selten vor, da die Erreger meist über den Eileiter zum Eierstock gelangen und sich somit die Entzündung auf beide Organe ausbreitet. Es befindet sich sowohl rechts wie auch links der Gebärmutter je ein Eileiter und ein Eierstock, so dass die Adnexitis sowohl einseitig wie auch zweiseitig auftreten kann.
Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) prägte einen international anerkannten Sammelbegriff, der verschiedene chronische und akute Entzündungen im Becken einschließt. Pelvic inflammatory disease (PID) lautet der Sammelbegriff und beinhaltet die Entzündung des Eileiters (Salpingitis = Eileiterentzündung), die Entzündung des Eierstocks (Salpingoophoritis = Eierstockentzündung) sowie als Komplikationen die Entzündung des Bauchfells (Pelveoperitonitis = Bauchfellentzündung) und die Entzündung der Aufhängebänder der Gebärmutter (Parametritis).
Die Adnexitis gehört zu den ernsten gynäkologischen Erkrankungen. Es kann auch trotz erfolgter Behandlung zu chronischen Verläufen oder Spätfolgen, wie Verwachsungen (Adhäsionen), einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extraunteringravidität) oder Unfruchtbarkeit (Sterilität) kommen.
| Lokalisation der Gebärmutter im Körper:
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Epidemiologie
Eine akute Entzündung des Eierstocks tritt bei jungen Frauen auf, welche nicht schwanger aber sexuell aktiv sind.
Gerade Frauen, deren Zahl an verschieden Geschlechtspartnern hoch ist, deren sexuelle Aktivität früh begann und deren Hygiene unzureichend ist, weisen ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf.
Jährlich erkranken etwa von 1000 Frauen 11 – 13 neu, wobei die Neuerkrankungen vor allem bei Patientinnen zwischen 16 und 20 Jahren zu finden sind.
Ursache

- Bakterien als Ursache der Adnexitis
Die Auslöser der Adnexitis sind in den meisten Fällen Bakterien. Diese gelangen entweder von den unteren Geschlechtsorganen über die Scheide und die Gebärmutter hinauf zu den Eileitern und den Eierstöcken. Dieser Infektionsweg ist für Bakterien nur dann durchlässig, wenn die normalen Schutzbarrieren, wie der geschlossene Muttermund, aufgehoben sind. Dies ist zum Beispiel während der Monatsblutung (Menstruation), nach Geburten oder Fehlgeburten sowie nach Eingriffen über die Scheide der Fall, wie etwa das Einsetzen der Spirale oder eine Ausschabung der Gebärmutter. Diese Form der von unten aufsteigenden (aszendierenden) Entzündung findet man fast ausschließlich bei geschlechtsreifen und sexuell aktiven Frauen.
Eine weitere Möglichkeit der Entzündungsausbreitung besteht im Absteigen (deszendierende Infektion) der Bakterien aus den Bauchorganen. Ist ein benachbartes Bauchorgan entzündet gelangen die Bakterien direkt an den Eileiter oder Eierstock und verursachen dort eine Adnexitis oder aber die Bakterien werden über die Lymphwege zu den Organen gebracht und lösen als Folge eine Adnexitis aus
Tritt nach einer Bauchoperation wie der Entfernung des Blinddarms bei einer Blinddarmentzündung (Appendektomie) ein Infekt im Operationsgebiet auf, so können auch die hier eingedrungen Bakterien zu einer Adnexitis führen.
Als auslösende Bakterien sind in mehr als 75% der Fälle Chlamydien, Gonokokken (Tripper-Erreger) und Mykoplasmen bekannt. Sehr selten kann die Infektion auch von einer Tuberkulose herstammen.
Diagnose
Um den Verdacht einer Adnexitis zu erhärten, fragt der Arzt nach den letzten Eingriffen im Bereich des Unterbauchs und wie diese zeitlich mit der Monatsblutung zusammenhingen. Durch einen Abstrich aus der Scheide oder des Gebärmutterhalses können die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt werden, welche in erhöhter Anzahl auf eine Entzündung hinweisen. Meist wird außerdem noch Blut abgenommen um auch hier die Anzeichen einer Entzündung festzustellen.
Ansonsten kann der Arzt (in der Regel eine Facharzt für Gynäkologie) durch Tasten einen Schmerz des Gebärmutterhalses auslösen oder eventuell im fortgeschrittenen Stadium den angeschwollenen Eileiter spüren.
Mit Hilfe des Ultraschallgerätes lassen sich Flüssigkeitsansammlungen, Verdickungen sowie vergrößerte Eierstöcke gut darstellen und deren Größe und Ausmaß bestimmen.
Kann durch diese Untersuchungsmethoden die Diagnose noch nicht ausreichend gesichert werden oder ist durch die Therapie bisher kein Erfolg zu verzeichnen, so kann eine so genannte Pelviskopie (endoskopische Untersuchung des Beckenraums) unter Narkose von Nöten sein. Diese Untersuchung stellt die einzige Methode dar, um eine Adnexitis durch den Blick auf den Entzündungsherd sicher zu diagnostizieren. Außerdem kann innerhalb dieses Eingriffes direkt ein Abstrich der Infektion abgenommen werden, so dass daraus die Erreger bestimmt werden und passende Therapie begonnen werden kann. Auch können unter diesem Eingriff schon mögliche vorangegangene Verwachsungen gelöst werden.
Therapie
Ziel der Therapie ist es den Eileiter in seiner kompletten Funktion und damit die Fruchtbarkeit der Frau zu erhalten. Deshalb wird sofort nach Entnahme des Abstrichs mit einer Antibiotikatherapie begonnen. Diese erfolgt 10 Tage lang direkt in die Vene, weshalb ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig ist. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung empfiehlt sich Bettruhe. Erkrankte Frauen sollten genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen sowie auf regelmäßigen Stuhlgang und Wasserlassen achten.
Gerade in der akuten Phase können zusätzlich noch Schmerzmedikamente gegeben werden um so eine Besserung des Allgemeinzustands der Patientin zu erlangen. Außerdem wirken die verabreichten Schmerzmittel dem Entzündungsprozess entgegen. Während der Phase der akuten Krankheit ist möglichst auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.
Unterstützend wird mit einer physikalischen Therapie begonnen. Dabei führen stundenweise Kühlungen in der akuten Krankheitsphase zu einer verringerten Durchblutung und damit zu einer geringeren Ausbreitung der Entzündung. Später, nach dem die akuten Beschwerden vorüber sind, soll die Durchblutung mit Hilfe von feuchtwarmen Umschlägen gesteigert werden um so Verwachsungen entgegenzuwirken.
Eine Operation kommt nur dann zum Tragen, wenn durch die akute Entzündung weiter Organe betroffen sind, wie zum Beispiel der Blinddarm (Appendix = Blinddarmentzündung) oder das Bauchfell (Peritoneum = Bachfellentzündung). Auch Flüssigkeiten (Abszesse) können sich im Bauchraum, insbesondere zwischen Gebärmutter und Rektum (DOUGLAS-Raum), angesammelt haben. Diese müssen punktiert werden.
Besteht nach der Therapie noch weiterhin ein verklebter Eileiter und Verwachsungen so stellt eine Operation den einzigen Weg einer Wiederherstellung der Fruchtbarkeit (Fertilität), bzw. Beseitigung der Unfruchtbarkeit, dar. Bei dieser werden die Verklebungen gelöst und die Öffnung des Eileiters wieder durchgängig gemacht.
Prophylaxe
Einen nachweislich schützenden Effekt hat die Verwendung von Kondomen. Außerdem ist auf eine gute Hygiene und Intimpflege zu achten. Eine Prävention mit hormonellen Kontrazeptiva ist nicht einheitlich gesichert.
Prognose
Der Erhalt der Fertilität und die Chance auf Heilung ist gut wenn möglichst frühzeitig die Diagnose gestellt und mit der entsprechenden Therapie begonnen wird. Dies ist in etwa 80% der Fall. Sind ausgeprägte Verklebungen und große Ansammlungen an Flüssigkeit vorzufinden, wird die Prognose hinsichtlich der Fertilität deutlich schlechter. Eine Unfruchtbarkeit droht.
Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: Unfruchtbarkeit.
Einen chronischen Verlauf entwickelt sich, wenn die Infektion nicht vollständig ausgeheilt ist. Diese Entwicklung gilt es zu verhindern.
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