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Alkoholunverträglichkeit

Einleitung

Eine Alkoholunverträglichkeit liegt vor, wenn schon bei einem Konsum geringer Mengen Alkohol Beschwerden auftreten, die sonst nur bei höheren Mengen auftreten. Es kommt zu einem verlangsamten Abbau von Ethanol beziehungsweise dessen Abbauprodukten. Durch den verlangsamten Abbau kommt es zu den typischen Symptomen einer Alkoholunverträglichkeit. Diese bestehen aus Rötungen, Schwellungen und Magenproblemen, bis hin zu tagelang anhaltenden „Kater“-Symptomen, wie Muskel-, Glieder-, und Kopfschmerzen.

Ursachen

Ursächlich für eine Alkoholunverträglichkeit ist ein gestörter Abbau des Ethanols. Der Abbau des Ethanols wird im Körper von zwei Enzymen bewerkstelligt. Veränderungen dieser Enzyme führen dazu, dass der Abbau gestört ist. In manchen Fällen sind die Veränderungen dieser Enzyme genetisch bedingt, besonders in Asien haben viele Menschen eine Alkoholunverträglichkeit, die durch eine Veränderung auf genetischer Ebene bedingt ist.

Andere Ursachen für eine Alkoholunverträglichkeit sind Organschäden, wie Leber- oder Nierenschäden, die Abbau und Ausscheidung des Alkohols beeinträchtigen. Außerdem kann durch bestimmte Medikamente, wie Antibiotika, der Alkoholabbau in der Leber gestört werden, wodurch eine reversible Alkoholunverträglichkeit entsteht. Im Normalfall wird Ethanol über die Alkoholdehydrogenase zum giftigen Acetaldehyd abgebaut. Dieses wird daraufhin durch die Aldehyddehydrogenase weiter zum nicht-giftigen Acetat abgebaut, das daraufhin ausgeschieden wird. Sind diese Enzyme allerdings fehlerhaft, kann Alkohol nur verlangsamt abgebaut werden. Ist das Enzym Alkoholdehydrogenase nicht voll funktionsfähig, wird das Ethanol verlangsamt abgebaut und der Blutalkohol-Spiegel sinkt nur sehr langsam. Die häufigere Ursache ist allerdings eine funktionseingeschränkte Aldehyddehydrogenase. Die Folge ist ein hoher Acetaldehyd-Spiegel. Das giftige Acetaldehyd ist für die typischen „Kater“-Symptome verantwortlich. Hohe Konzentrationen dieses Stoffes schädigen die Organe.

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Mit welchem Test kann man eine Alkoholunverträglichkeit nachweisen?

In vielen Fällen wird eine Alkoholunverträglichkeit vom Betroffenen selber festgestellt. Schon geringe Mengen Alkohol führen zu starken Beschwerden nach dem Alkoholkonsum. Der Betroffene kann die Symptome dann durch den Verzicht auf alkoholische Getränke vermeiden. Soll geprüft werden, ob eine genetisch bedingte Alkoholunverträglichkeit vorliegt, dann gibt es die Möglichkeit der DNA-Analyse. Bei dieser Untersuchungsmethode wird der Teil der DNA untersucht, auf dem sich die Gene für die Enzyme zum Alkoholabbau befinden. Liegt die genetische Variante der Alkoholunverträglichkeit vor, dann können in den Genen der Alkohol- bzw. Aldehyddehydrogenase Veränderungen festgestellt werden. Es sind gewisse Veränderungen des DNA-Abschnitts bekannt, die für einen Funktionsverlust des jeweiligen Enzyms verantwortlich sind. Besteht eine Unverträglichkeit aufgrund von Leber- oder Nierenschäden, ist es notwendig, die jeweiligen Organe zu untersuchen. Hierfür können die Leber- und Nierenwerte durch ein Bluttest bestimmt werden. Des Weiteren können bildgebende Verfahren angewendet werden. Bei Auffäligkeiten ist es wahrscheinlich, dass ein geschädigtes Organ die Alkoholunverträglichkeit verursacht.

Symptome

Die typischen Symptome einer Alkoholunverträglichkeit ähneln im Allgemeinen den Symptomen, die auch bei Gesunden nach dem Konsum von Alkohol auftreten. Bei einer Alkoholunverträglichkeit treten die Symptome allerdings bereits bei wesentlich geringeren Mengen aufgenommenen Alkohols auf und es kann zu einer lebensgefährlichen Vergiftung  kommen. Außerdem halten die „Kater“-Symptome, je nach Ausmaß der Unverträglichkeit, mehrere Tage an.

Zu den Symptomen zählen Kreislaufprobleme, die durch die blutgefäßerweiternde Wirkung des Alkohols entstehen. Um dem entgegen zu wirken, reagiert der Körper mit einer Erhöhung der Herzfrequenz, diese Erhöhung wird auch Tachykardie genannt. Ebenfalls durch die Erweiterung der Blutgefäße verursacht wird auch eine sogenannte Flush-Symptomatik. Das bedeutet, es kommt zu Rötungen und Schwellungen am ganzen Körper, insbesondere am Gesicht. Eine weitere Folge der Blutgefäß-Erweiterung ist eine erhöhte Wärmeabstrahlung, die mit einem Hitzegefühl einher geht. Des Weiteren treten bei einer Alkoholunverträglichkeit auch schon bei einer geringen Menge aufgenommenen Alkohols Kopfschmerzen auf. Weitere Symptome, die typischerweise auftreten sind Übelkeit, Magenprobleme und Diarrhoe. Die Übelkeit wird einerseits durch die Magenprobleme ausgelöst, die durch eine erhöhte Säureproduktion im Magen entstehen, andererseits wird die Übelkeit durch die anhaltend hohe Konzentration der Gifte Ethanol und Acetaldehyd ausgelöst.

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Hautausschlag

Ein Hautausschlag, der nach dem Konsum von geringen Mengen Alkohol auftritt, kann insbesondere beim Konsum von Histamin-haltigen Getränken, wie Rotwein, entstehen. Ein Ausschlag ist ein ernst zu nehmendes Symptom einer Allergie auf bestimmte Bestandteile des konsumierten alkoholischen Getränkes und sollte unbedingt abgeklärt werden. Eine echte Allergie auf Ethanol ist hingegen sehr selten, könnte sich allerdings auch durch einen Hautausschlag äußern. Eine Allergie auf Bestandteile des konsumierten Alkohols unterscheidet sich in der Ursache von einer Alkoholunverträglichkeit. Bei einer Allergie stuft der Körper die jeweiligen Bestandteile als gefährlich ein und reagiert mit der Aktivierung des Immunsystems. Eine Allergie kann besonders gefährlich werden, wenn es durch Schwellungen zu Atemproblemen kommt.

Rote Flecken

Rote Flecken nach Alkoholkonsum können in Kombination mit anderen Symptomen ein Zeichen für eine Alkoholunverträglichkeit sein. Die roten Flecken, die meistens im Gesicht auftreten, entstehen durch Blutgefäße, die durch Ethanol erweitert sind. Allerdings treten rote Flecken auch bei Gesunden nach Alkoholkonsum auf. Im Normalfall allerdings erst nach dem Konsum von sehr großen Mengen Alkohol.

Mehr hierzuRote Flecken im Gesicht- Ursachen und Behandlung

Durchfall

Durchfall kann generell durch den Konsum von Alkohol entstehen. Im Dünndarm werden durch Alkohol die Zellen der Darmwand beeinträchtigt. Eine wichtige Funktion des Darmes ist die Aufnahme von Wasser und Salz. Durch die Wirkung von Alkohol wird dieser Prozess beeinträchtigt und es verbleibt mehr Wasser im Stuhl. Dadurch kommt es nach der Aufnahme von Alkohol zu Durchfall. Zudem verbleibt ein geringer Anteil des Alkohls selbst im Darm, der wiederum Wasser bindet und so ebenfalls abführend wirkt. Durchfall kann ein Hinweis auf eine Alkoholunverträglichkeit sein, allerdings tritt dieser meist nicht als einziges Symptom auf. Außerdem kann Durchfall sehr viele Ursachen haben. Auch aufgenommene Nahrung kann zu Durchfällen führen. Kommt es allerdings häufiger schon nach der Aufnahme geringer Mengen Alkohols zur Durchfällen, ist es möglich, dass eine Alkoholunverträglichkeit vorliegt.

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Kann man Alkoholunverträglichkeit behandeln?

Ist die Alkoholunverträglichkeit genetisch bedingt, so ist es nicht möglich die Ursache zu behandeln. Die veränderten Gene, die für die Einschränkung der Funktionsfähigkeit der Enzyme verantwortlich sind, können nicht repariert werden. Die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht in diesem Fall in einem Verzicht auf Alkohol. Betroffene Personen wissen unter Umständen nicht, dass bei ihnen eine Alkoholunverträglichkeit vorliegt. Es ist jedoch wichtig, bei einer Alkoholunverträglichkeit auf Alkohol zu verzichten oder den Konsum auf ein Minimum zu reduzieren. Der Grund dafür ist, dass schon geringe Mengen Alkohol größere Schäden an den Organen auslösen.

Ist die Alkoholunverträglichkeit allerdings durch Organschäden verursacht, so ist es unter Umständen möglich, diese Organe zu behandeln. Wenn es möglich ist, die Organschäden vollständig zu beheben, so kann eventuell auch die Alkoholunverträglichkeit behoben werden. Oftmals sind die Organschäden allerdings durch Alkoholmissbrauch verursacht. In diesem Fall ist es ratsam, auf Alkohol zu verzichten. Dies ist schwierig, da bei einem durch Alkoholmissbrauch verursachten Organschaden oftmals eine Alkoholsucht  vorliegt und ein Beenden des Alkoholkonsums dadurch erschwert wird. Wenn Medikamente dafür sorgen, dass Alkohol nur schlecht abgebaut werden kann, so ist die Unverträglichkeit meist reversibel. Wird die Behandlung mit dem entsprechenden Medikament beendet, so kann der Alkohol oftmals wieder normal abgebaut werden. Einige Medikamente müssen allerdings dauerhaft eingenommen werden, bei diesen ist es wichtig auf Alkohol zu verzichten.

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Prognose

Wird bei einer Alkoholunverträglichkeit konsequent auf Alkohol verzichtet, so bewirkt diese keine Verkürzung der Lebenszeit. Der Verzicht auf Alkohol stellt allerdings in der westlichen Welt oftmals eine Reduktion der Lebensqualität dar, deshalb fällt der Verzicht schwerer, als in Kulturkreisen, in denen generell weniger oder kein Alkohol konsumiert wird. Wird bei einer Alkoholunverträglichkeit Alkohol in hohen Mengen aufgenommen, so kommt es zu den typischen Symptomen einer Alkoholunverträglichkeit. Es ist wichtig zu betonen, dass die Symptome unter Umständen lebensgefährlich sein können. Insbesondere bei einem vorgeschädigten Herzen, kann die erhöhte Belastung durch den schnellen Herzschlag zu Problemen führen.  

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Welche Rolle spielt die Schilddrüse?

Menschen, die an einer Schilddrüsenunterfunktion  leiden, vertragen teilweise keinen Alkohol. Es kommt also zu einer Abnahme der Toleranz gegenüber Alkohol. Andererseits kann Alkohol, wird er in Maßen zu sich genommen, den Stoffwechsel anregen. Diese Wirkung kommt einem Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion entgegen, da Stoffwechsel bei dieser Erkrankung verlangsamt ist. Wird die Unterfunktion gut korrigiert, werden also die Hormone, die die Schilddrüse eigentlich produziert, in der richtigen Menge von außen zugeführt, so ist es möglich, dass die Unverträglichkeit zurück geht.

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Welche Rolle spielt die Leber?

Die Leber spielt bei der Entgiftung des Körpers vom Alkohol die wohl wichtigste Rolle, da die die Enzyme zum Abbau von Alkohol in der Leber produziert werden. Ist die Leber durch einen exzessiven Alkoholkonsum, einen ungesunden Lebensstil oder die Einnahme von Medikamenten geschädigt, so kann sie die benötigten Enzyme nicht mehr im benötigten Umfang produzieren.

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Warum leiden Asiaten häufiger an einer Alkoholunverträglichkeit?

Der Grund dafür, dass Asiaten häufiger an Alkoholunverträglichkeit leiden ist, dass in ostasiatischen Gebieten bei einer größeren Bevölkerungsgruppe eine genetische Variante des Enzyms Aldehyddehydrogenase vorliegt. Bei anderen Ethnien liegt diese Variante, die zur Alkoholunverträglichkeit führt, nur sehr selten vor. Der Grund für die Häufigkeit der Genvariante ist allerdings unbekannt.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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