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Bronchiektasie

Als eine Bronchiektasie wird eine Erkrankung bezeichnet, die durch eine permanente Erweiterungen von Bereichen der Atemwege gekennzeichnet ist. Betroffen sind die Bronchien, welche der Luftröhre nachgeschaltet sind, also tiefer im Lungengewebe liegen.

Die Erweiterungen sind sackförmig oder zylindrisch und häufig mit eitriger Flüssigkeit gefüllt.

Ursachen

Die Bronchien sind Teil des Atemsystems. Durch sie muss eingeatmete und ausgeatmete Luft bei jedem Atemzug hindurch. Es gibt verschiedene Ursachen, die dazu führen können, dass sich Erweiterungen in den Bronchien bilden, die medizinisch als Bronchiektasien beschrieben werden.

Prinzipiell werden zwei unterschiedliche Formen der Bronchiektasie unterschieden.

  1. Die angeborene Form kann in Zusammenhang von verschiedenen Krankheiten auftreten, wobei Zystische Fibrose, Kartagener Syndrom, alpha-1 Antitrypsin Mangel und bestimmte Formen der Pneumonie als auslösende Ursachen aufzuführen sind. Angeborene Ursache können außerdem Fehlbildungen während der Embryonalphase zugrunde liegen. Bei dieser Form liegen von Geburt an Erweiterungen der Bronchien vor, was eine Quelle für Infektionen darstellt. Insgesamt ist die angeborene Form der Bronchiektasie eine sehr seltene Erkrankung.
  2. Die zweite Form der Bronchiektasie wird als erworbene Bronchiektasie bezeichnet. In früheren Zeiten entstand diese Form der Bronchiektasie meist als Folge von Erkrankungen, die meist im Kindesalter auftreten, wie Keuchhusten oder Masern. Heutzutage ist dank relativ flächendeckender Standard-Impfung diese Ursache deutlich seltener. Es kann jedoch auch heutzutage noch zu dem Krankheitsbild der erworbenen Bronchiektasie kommen. Ursachen hierfür können mehrere Faktoren sein. Infektionen und Entzündungen der Atemwege zum Beispiel durch Influenzaviren können diese schädigen und Bronchiektasien hervorrufen. Hierbei ist zu erwähnen, dass besonders Infektionen die im Kindes- und Jugendalter entstehen, das Gewebe dahingehend schädigen können, dass später Bronchiektasien entstehen können. Außerdem können Fremdkörper oder Tumore Erweiterungen der Atemwege hervorrufen.

In einigen, seltenen Fällen können Bronchiektasien außerdem idiopathisch entstehen. Dass bedeutet, dass kein offensichtlicher Grund gefunden werden kann, welcher die Entstehung der Erkrankung erklären kann.

Diagnose einer Bronchiektasie

Häufig kommen betroffene Personen zu ihrem Hausarzt mit typischen Symptomen dieser Atemwegserkrankung. Die Spezialisten für die Diagnose und Behandlung dieses Krankheitsbilds sind die Fachärzte für Pneumologie, für die der Hausarzt in aller Regel eine Überweisung ausstellt.

Diagnostiziert wird eine Bronchiektasie üblicherweise mithilfe eines bildgebenden Verfahrens: der hochauflösenden Computertomographie (HR-CT der Lunge). Die Krankengeschichte der betroffenen Personen geben den behandelnden Ärzten außerdem Anhaltspunkte, die Schwere der Erkrankung einschätzen zu können. Wichtig sind vor allem Art und Dauer der Beschwerden, und ob diese in bestimmten Situationen schlimmer sind als in anderen. Verhaltensweisen wie Rauchen und die Einnahme von Medikamenten sowie die Information ob in der Familie ähnliche Erkrankungen vorliegen sind ebenfalls wichtig für den jeweiligen Arzt.

Eine körperliche Untersuchung kann andere Atemwegserkrankungen unter Umständen ausschließen, beziehungsweise die Diagnose Bronchiektasie bestärken. Hierfür kann der behandelnde Arzt die Lunge und die Atemwege mit einem Stethoskop abhören und weitere Symptome (s.u.) untersuchen.

Mithilfe eines Lungenfunktionstests kann außerdem die Funktionsfähigkeit der Lunge und der Atemwege untersucht werden, welche bei einer Bronchiektasie, aber auch bei anderen Krankheitsbildern stark vermindert sein können.

Zuletzt spielt auch das MRT der Lunge eine zunehmende Rolle. Insbesondere durch das Kontrastmittel Helium (ein für den Menschen ungiftiges Gas) können die Brochiektasien im MRT besser dargestellt werden.

Häufigkeitsverteilung

Dank regelmäßiger Impfungen und moderner Antibiotikatherapie sind die erworbenen Bronchiektasien heutzutage deutlich seltener als früher. Die meisten Bronchiektasien in Deutschland treten aufgrund anderer vorliegenden Erkrankungen auf, meist der zystischen Fibrose. Studien, die die Häufigkeitsverteilung innerhalb einer bestimmten Population untersuchen kommen auf unterschiedliche Zahlen. So beschreibt einer Studie aus den USA 52 Fälle mit Bronchiektasie auf 100.000 Einwohner, wogegen eine Studie aus Australien 3,7 Fälle bei einer Population von 100.000 beschreibt.

Symptome

Personen, die an Bronchiektasien leiden, klagen vor allem über produktiven, also Schleim produzierenden, Husten. Beim Husten kommt meist schleimiges, übel riechendes Sekret zum Vorschein, welcher auch blutig sein kann und typisch für das Krankheitsbild der Bronchiektasie ist. Würde man das Sekret in ein Glas oder Röhrchen füllen, würde man drei Schichten beobachten können. Oben würde man Schaum, in der Mitte Schleim und unten abgesetzten Eiter sehen.

Da Bronchiektasien einhergehen mit starken Entzündungsvorgängen der Atemwege, können auch unspezifische Symptome einer Entzündung mit dem Erkrankungsbild einhergehen. Dies würde sich in einer erhöhten Körpertemperatur, aber auch mit Lungenentzündungen zeigen.

Da die Bronchien ein wichtiger Bestandteil des Systems des Atemgasaustauschs darstellen und deshalb gleichermaßen einen wichtigen Bestandteil der Sauerstoffversorgung unseres Körpers liegen häufig Symptome vor, die mit einer erniedrigten Sauerstoffversorgung einhergehen. Besonders an den Händen sind diese Veränderungen bei chronischem Sauerstoffmangel relativ gut zu beurteilen. Dort treten nach einiger Zeit Uhrglasnägel, sowie Trommelschlegelfinger auf. Der Begriff Uhrglasnägel beschreibt das Phänomen, dass das Bindegewebe unter dem Nagel sich vergrößert (hypertrophiert), und als Reaktion darauf sich die Nägel nach oben wölben, und damit einem Uhrglas ansatzweise ähneln. Dem Symptom der Trommelschlegelfingern liegt die gleiche Ursache zugrunde, und beschreibt eine Veränderung der Fingerendglieder, welche sich bei chronischem Sauerstoffmangel rundlich vergrößern.

Therapie

Das Krankheitsbild der Bronchiektasie verläuft chronisch und ist aus heutiger Sicht grundsätzlich nicht heilbar. Grunderkrankungen, die für das Entstehen einer Bronchiektasie verantwortlich sind, sollten in jedem Fall vorerst behandelt werden. Die gängigen Therapieprinzipien beruhen auf dem Versuch, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die üblichen Ansätze der Therapie teilen sich allgemein in drei unterschiedliche Gruppen.

  • Die medikamentöse Therapie setzt unter anderem auf Medikamente, die eine schleimlösende Wirkung besitzen. Zu diesen Medikamenten gehört zum Beispiel N- Acetylcystein, dessen dauerhafter Einsatz bei Patienten mit Bronchiektasie jedoch umstritten ist. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist jedoch in jedem Fall bei betroffenen Personen zu empfehlen, damit das Sekret nicht zu dickflüssig ist und leicht abgehustet werden kann. Ein anderes Medikament, welches vor allem bei häufig auftretenden Entzündungen der Atemwege unverzichtbar ist, sind Antibiotika. Eine gezielte Therapie mittels Sputumanalyse kann lebensbedrohliche Lungenentzündungen und andere Komplikationen verhindern. Falls durch den behandelnden Arzt Entzündungsreaktionen der Bronchialgewebes diagnostiziert werden, kann außerdem eine gezielt eingesetzte Kortisontherapie indiziert sein.
  • Das zweite unverzichtbare Form der Therapie bei Bronchiektasie ist die physikalische Behandlung der Betroffenen. Diese kann und sollte teilweise eigenständig und regelmäßig vom Betroffenen selbst durchgeführt werden. Wichtig ist hierbei die sogenannte „Bronchialtoilette“, bei der das Bronchialsekret täglich abgehustet werden sollte. Wichtig ist die genaue Durchführung dieses Manövers, damit der meiste Schleim aus den Atemwegen mobilisiert wird. Hierfür können schleimlösende Medikamente zur Unterstützung eingenommen werden.
    Zuerst sollte das Sekret durch leichtes Klopfen auf den oberen Rücken gelöst werden und dann mit gesenktem Oberkörper und den Ellenbogen auf dem Knie kräftig abgehustet werden. Es gibt unterschiedliche Hilfsmittel, die das Abhusten des Schleims außerdem erleichtern können. Diese Hilfsmittel reichen von Vibrationsmassagegeräten zur Lösung des Schleims zu bestimmten Übungen, die erlernt werden können, die das Abhusten erleichtern. Das Abhusten ist deshalb wichtig, da sich in dem Sekret Bakterien sammeln, die Entzündungen hervorrufen können und sogar gefährliche Komplikationen wie eine Entzündung des Gehirns (Hirnabszess) auslösen können.
  • Die dritte Möglichkeit der Behandlung, welche in einigen Fällen durchaus sinnvoll sein kann, ist die operative Entfernung von Lungengewebe. Sinnvoll ist dies jedoch nur, wenn die medikamentöse und körperliche Therapie keinen Erfolg zeigen und durch eine Operation ein Behandlungserfolg möglich und wahrscheinlich erscheint. Bei der Operation kann entweder ein ganzer Lungenlappen (Lobektomie) oder nur ein Teil des Lappens, also ein Lungensegment (Lungensegmentresektion) entfernt werden.

Bei sehr fortgeschrittenen Erkrankungsverläufen, kann außerdem die Lungentransplantation das Mittel der letzten Wahl darstellen.

Prognose

Die Prognose bei Personen mit Bronchiektasie ist in aller Regel relativ gut. Je nach Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung maßgeblich verhindert werden. Moderne Antibiotikatherapien und die konsequente physikalische Therapie, welche Infektionen möglichst vermeidet, sorgen dafür, dass die Lebenszeit mit diesem Erkrankungsbild sich in aller Regel nicht verkürzt.

Verlauf

Der Krankheitsverlauf von Patienten mit Bronchiektasen ist abhängig von der Ursache der Entstehung von irreversiblen Aussackungen der großen Bronchien (Bronchiektasen). Liegt die Ursache beispielsweise bei einer vererbbaren Erkrankung wie der Mukoviszidose, manifestiert sich die Erkrankung früh. Ist die Ursache später erworben, zum Beispiel durch eine COPD, Tuberkulose oder einen Tumor, beginnt der Krankheitsverlauf erst später.

Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, kann die Krankheit nicht wirklich „geheilt“, sondern lediglich das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamt oder gestoppt werden. Der Krankheitsverlauf ist also zusätzlich abhängig von Faktoren wie dem Alter des Patienten, Begleiterkrankungen, Erkrankungsbeginn, Einhalten von Präventionsmaßnahmen und Therapie. Die Bronchiektasen entstehen als Folge von wiederholten Entzündungen der Atemwege dem gestörten Abfluss von Bronchialsekret. Da die Schädigungen des Lungengewebes irreversibel sind und es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist es erstrebenswert, die Krankheit möglichst früh zu diagnostizieren, um eine Verschlimmerung der Symptome und ein fortschreiten des Krankheitsverlaufes zu vermeiden. Am wichtigsten für die positive Beeinflussung des Verlaufs ist eine regelmäßige Mobilisation des Sekrets und das Abhusten. Durch die Belüftung der Atemwege sollte versucht werden, Infektionen der Lunge zu vermeiden und Infektionen keinen Nährboden zu bieten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Anzeichen einer Tuberkulose und Verschleimte Bronchien

Lebenserwartung

Heutzutage ist die Lebenserwartung von Patienten mit Bronchiektasen kaum eingeschränkt. Da es sich bei den Aussackungen der Bronchien um ein irreversibles Geschehen handelt kann durch Vermeidung von Infekten und Behandlung dieser mit Hilfe von gezielter Antibiotika-Therapie und einer regelmäßigen Bronchialtoilette der Verlauf maßgeblich verbessert und dadurch die Komplikationsrate enorm gesenkt werden. Durch moderne Medizin und Therapiemaßnahmen und zusätzliche vorbeugende Maßnahmen kommt es seltener zu Komplikationen wie den genannten gehäuft auftretenden bronchopulmonalen Infekten, Lungenblutungen und große Eiteransammlungen in Form eines Pleuraempyems oder Lungenabszesses. Die Lebenserwartung der Patienten mit Bronchiektasen war in früheren Jahren, also vor der Einführung einer effektiven Antibiotikatherapie, sehr eingeschränkt. Aber aufgrund von guter Grundimmunisierung, regelmäßiger Auffrischung von Impfungen und gesonderte Impfungen von Risikopatienten hat sich die Prognose und somit auch die Lebenserwartung über die Jahre erheblich verbessert.

Röntgen

Eine Röntgenaufnahme des Thorax kann beim Verdacht auf Bronchiektasien sehr hilfreich sein, reicht zur alleinigen Diagnosesicherung allerdings nicht aus. Im Röntgenbild sieht man bei Patienten mit Bronchiektasen, den sackförmigen oder zylindrisch geformten Ausweitungen der Bronchien, häufig entzündlich verdickte Bronchialwände. Daraus ergibt sich ein Bild von parallel verlaufenden Linien, auch „Tram-Linien“ genannt oder als Schienenzeichen bezeichnet. Möglicherweise ist auch ein Flüssigkeitsspiegel sichtbar. Im Spätstadium zeigt sich die Schädigung der Lunge, indem das Lungengewebe durch zahlreiche dünnwandige und eventuell flüssigkeitsgefüllte Hohlräume ersetzt ist. Das Bild ist ein ähnliches wie im Endstadium der Lungenfibrose und wird als „Wabenlunge“ bezeichnet.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Röntgen des Brustkorbs

CT

Als verlässliche Nachweismethode von Bronchiektasien gilt eine High Resolution Computertomographie (HR-CT), eine hochauflösende Bildgebung des Brustkorbs (CT-Thorax). Dort fallen parallel verlaufende und entzündlich verdickte Wände der Bronchien, die sogenannten „Tram-Linien“ oder auch „Schienenzeichen“, auf. Die Bronchien stellen sich erweitert, luftgefüllt und häufig mit Schleim gefüllt dar. Da die Bronchien von Blutgefäßen begleitet werden und diese sich um die erweiterten Bronchien legen, ergibt sich daraus eine typische „Siegelringstruktur“.

Wann braucht man eine Operation?

Besonders bei besonders jüngeren Patienten mit Bronchiektasen, dem häufigen Auftreten von Hämoptysen (Bluthusten) und Versagen der konservativen Therapie oder besonders schweren Verläufen wird eine operative Therapie in Erwägung gezogen. Besonders effektiv ist die Operation, wenn die Veränderungen nur einen bestimmten Abschnitt der Lunge auf nur einer Seite betrifft. Bei den dabei infrage kommenden Operationstechniken handelt es sich um die Entfernung eines Teils der Lunge (Lungensegmentresektion) oder eines kompletten Lungenlappens (Lobektomie).

Verlauf der OP:

Je nach Ausweitung des Befundes der Bronchiektasen wird entweder ein Teil der Lunge (Lungensegmentresektion) oder die ein kompletter Lungenlappen (Lobektomie) entfernt. Gerade bei einer einseitigen Lokalisation der Bronchiektasen ist eine Operation die Therapie der Wahl. Abhängig von Größe und Lokalisation des Befundes werden bei der Lungenoperation in Vollnarkose ein oder mehrere Segmente, den Segmentgrenzen der Lunge folgend, herausgeschnitten.

weitere Informationen zu diesem Thema

Weitere Informationen aus dem Gebiet der Lunge und Lungenerkrankungen:

Eine Übersicht aller Erkrankungen der Lunge erhalten Sie unter: Erkrankungen der Lunge.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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