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Chronisch venöse Insuffizienz - Das müssen Sie wissen!

Eine chronisch venöse Insuffizienz entsteht aus einer Venenschwäche. Dabei staut sich, zum Beispiel durch nicht richtig schließende Venenklappen, immer mehr Blut in den Beinvenen auf. Diese erweitern sich dadurch. Hält diese Aufstauung des Blutes dauerhaft an, kann Flüssigkeit aus den Gefäßen austreten. So entstehen Wasseransammlungen in den Beinen. Außerdem kommt es bei der chronisch venösen Insuffizienz zu Veränderungen der Haut, die sogar bis hin zu Geschwüren reichen können.

Ursachen der chronisch venösen Insuffizienz

Die chronisch venöse Insuffizienz entsteht aus einer Venenschwäche, deren Ursache meist in einem Funktionsverlust der Venenklappen liegt. Wenn das Herz schlägt fließt das Blut in einem Kreislauf zu allen Körperteilen hin und wieder zurück. So muss auch das Blut aus den Beinen wieder nach oben gepumpt werden. Damit das Blut aber nach dem Herzschlag nicht aufgrund der Schwerkraft wieder nach unten fließt, gibt es Venenklappen die schließen und somit den Rückfluss verhindern. Unter manchen Umständen schließen sie jedoch nicht richtig.

Ursachen dafür können

  • Übergewicht,
  • ein schwaches Bindegewebe,
  • familiärere Veranlagung,
  • das weibliche Geschlecht,
  • eine Schwangerschaft,
  • ein Mangel an Bewegung oder
  • eine berufliche Tätigkeit, bei der häufig sehr lange gestanden oder gesessen wird sein.

Durch den Rückfluss des Blutes in die Beinvenen kommt es zu einem Blutaufstau. Folglich steigt der Druck in den Gefäßen und die Venen erweitern sich. Dadurch tritt zum Beispiel Wasser aus den Gefäßen aus und sammelt sich im Gewebe. Außerdem können sich Krampfadern ausbilden. Bleibt dieser Zustand lange bestehen, erleiden die Venen immer mehr Schaden und man spricht von einer chronisch venösen Insuffizienz.

Erfahren Sie, wie man Krampfadern enfernen kann.

Abgesehen von einer Erkrankung der Venenklappen kann der Blutaufstau auch durch eine Abflussbehinderung, wie zum Beispiel eine Thrombose entstehen.

Lesen Sie etwas über die Ursachen einer Thrombose

Wie wird die Diagnose gestellt?

Für die Diagnose der chronischen Veneninsuffizienz spiel vor allem die Funktionsfähigkeit der Venen und der Venenklappen eine wichtige Rolle. Zunächst können in einer körperlichen Untersuchung die Venen an den Beinen betrachtet und ertastet werden. Typischerweise sind Krampfadern dabei gut sicht- und tastbar. 
Die Diagnose der chronisch venösen Insuffizienz wird mithilfe einer Ultraschalluntersuchung gestellt. Dabei kann der Blutaufstau und der Blutfluss in den Beinvenen betrachtet werden. Dadurch zeigt sich ob genügend Blut transportiert wird und wie viel Blut in die Beine zurückfließt. Diese Untersuchung nennt sich Duplex-Sonographie.
In der Diagnostik schließen sich spezielle Funktionstests an, die die Füllung der Beinvenen bei Belastung und gegen die Schwerkraft testen. 

Eine weitere Methode die Beinvenen darzustellen, ist eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel. Sie wird Phlebographie genannt und bringt im Gegensatz zum Ultraschall eine gewisse Strahlenbelastung mit sich. Die Phlebographie sollte dennoch durchgeführt werden, falls der Verdacht auf eine Thrombose besteht, da dies in diesem Fall das geeignetste Verfahren ist.

Erhalten Sie allgemeine Informationen zur Diagnose einer Thrombose.

Welche Stadien gibt es?

Die chronisch venöse Insuffizienz wird nach Widmer in drei Stadien eingeteilt. Die Einteilung erfolgt dabei anhand der Symptome des Patienten.

Im ersten Stadium treten reversible Wassereinlagerungen auf. Das bedeutet die Wasseransammlungen, die sich in Form einer Schwellung der Beine zeigen, sind zum Beispiel abhängig von der Umgebungstemperatur und der Tageszeit unterschiedlich stark ausgeprägt und verschwinden ab und zu ganz. Zudem werden im ersten Stadium einige dunkelblaue Venen an der Seite des Fußes sichtbar.

Im zweiten Stadium bleiben die Wasseransammlungen der Beine dauerhaft bestehen und es kommt zu einer Verhärtung des Unterhautfettgewebes. Des Weiteren können sich Venen durch die Reizung entzünden. Dadurch schwillt das Bein weiter an, wird rot und warm. Die Haut kann sich trocken und gespannt anfühlen. Außerdem können sich kleine Venen entzünden und zu Narben auf der Hautoberfläche führen. Diese erscheinen dann als weiße Stellen entstehen zum Beispiel auf dem Fußrücken. Daneben kommen auch gelblich bis braune Stellen an der Haut vor, welche wahrscheinlich durch Ablagerungen von Blutabbauprodukten entstehen.

Im dritten und schwerwiegendsten Stadium ist die Schädigung der Beine schon so stark ausgeprägt, dass Geschwüre besonders an den Unterschenkeln (Ulcus cruris) auftreten. Hierbei kann es zu einem sogenannten offenen Bein kommen.

Infromieren Sie sich über Therapie und Prognose des offenen Beins.

Begleitsymptome der chronisch venösen Insuffizienz

Die Blutmenge, die in den Beinvenen aufgestaut ist, fließt auch in die kleineren Seitenäste der Venen, welche sich zusätzlich erweitern. So entstehen zunächst sogenannte Besenreißer. In ihnen sieht man das versackte Blut in den kleinen Gefäßen und sie scheinen wie dünne Spinnennetze durch die Haut. Das angesammelte Blut in den etwas größeren Venen bildet hervorstehenden Krampfadern.

Schreitet die chronisch venöse Insuffizienz weiter voran, treten einige begleitenden Symptome auf. Diese entstehen dadurch, dass sich das Blut in den Beinvenen ansammelt. Folglich werden die Beine dick, schwer und ermüden leichter. Unangenehme Empfindungen wie ein Spannungsgefühl, Juckreiz oder Schmerzen, in Form von Wadenkrämpfen treten auf.

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Die Spannung in den Venen hat auch zur Folge, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt und sich im Gewebe des Unterschenkels ansammelt. Diese Wasseransammlungen sind meist an den Knöcheln zu finden.
An warmen Tagen erweitern sich die Venen noch weiter und es kann sich noch mehr Blut darin sammeln. Auch dadurch können sich die Symptome und die Schmerzen verschlimmern. Steht oder sitzt der Betroffene, fließt das Blut schlechter zum Herzen zurück als im Liegen. Daher verschlimmern sich die Symptome meist über den Tag und haben ihr Schmerzmaximum am Abend erreicht.
Demgegenüber bessern sich die Schmerzen bei Hochlagerung der Beine schnell.

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Ödeme

Wassereinlagerungen im Gewebe werden Ödeme genannt. Bei einer chronisch venösen Insuffizienz kommt es zur Ansammlung von großen Mengen Blut in den Beinvenen. Dadurch entsteht in den Gefäßen ein sehr hoher Druck und sie erweitern sich. Verschlimmert sich jedoch der Blutaufstau steigt der Druck immer weiter an. Dadurch tritt Flüssigkeit aus den Venen aus und sammelt sich im Umliegenden Gewebe.

Diese Wassereinlagerungen treten zunächst an den Knöcheln auf, da die Flüssigkeit von der Schwerkraft nach unten gezogen wird. Im Verlauf der Erkrankung können die Ödeme am ganzen Unterschenkel verteilt vorkommen.

Je nach Stadium der chronisch Venösen Insuffizienz sind die Ödeme unterschiedlich stark ausgeprägt und treten immer wiederkehrend oder dauerhaft auf.

Informieren Sie sich, was Sie gegen Ödeme in den Beinen unternehmen können.

Was können langfristige Folgen sein?

Als Komplikation der chronisch venösen Insuffizienz kann es zum Beispiel zu einer Blutung aus den Krampfadern kommen. Diese kann durch die erhöhte Spannung aufgrund des Blutaufstaus oder durch eine Verletzung oder einen Unfall zustande kommen. Häufig sind Venen mit einer dünnen Wand betroffen, die dicht unter der Haut liegen. Es blutet dann offen aus der Krampfader heraus oder unter die Haut ein. Bei einer solchen Blutung sollte die betroffene stellen abgebunden und hoch gelagert werden.  

Eine weitere Komplikation ist die Entzündung betroffener Venen. Die Ausdehnung der Venen durch den Blutstau führt zu einer Reizung, die eine Entzündung mit sich bringen kann. Diese äußert sich in Form von Schmerzen, Rötung und weiterer Schwellung der Beine.

Des Weiteren kann die tiefe Beinvenenthrombose eine langfristige Folge der chronisch venösen Insuffizienz sein.
Da die Venen der Beine erweitert sind, kann es zu kleinen Einrissen in der Gefäßwand kommen. An diese Stellen können sich Blutplättchen anheften. Außerdem kann das Blut durch den Aufstau gerinnen und sich dort absetzten. Dies führt zu einer Verengung der Gefäßöffnung, die als Thrombose bezeichnet wird. Sie ist besonders gefährlich, da sich das Blutgerinnsel von der Wand ablösen kann, in die Lunge verschleppt wird und dort zu einer Lungenembolie führt.

Eine sehr wichtige weitere Komplikation ist das Ulcus cruris.

Ulcus cruris

Das Ulcus cruris ist ein Geschwür am Unterschenkel, das aufgrund einer chronisch venösen Insuffizienz entsteht. Dabei werden die oberen Hautschichten zum Beispiel aufgrund der Schwellung des Beines nicht mehr richtig durchblutet. So gelangen die Zellen des Immunsystems dort nicht mehr hin und sogar kleinste Verletzungen können nicht mehr abheilen, wodurch ein Geschwür entsteht.

Das Geschwür tritt meist etwas über dem inneren Knöchel auf, tut meist nicht besonders weh und nässt oft. Der betroffene Bereich sollte weiterhin bewegt werden, um den Blutfluss zu fördern. Außerdem sollte die Wunde von außen behandelt werden, um die Abheilung zu fördern. Doch auch nach der Abheilung sollte die betroffene Stelle weiter beobachtet und die Grunderkrankung behandelt werden, da Geschwüre häufig an derselben Stelle wieder auftreten.

Erfahren Sie mehr über die Therapie des Ulcus cruris

Therapie der chronisch venösen Insuffizienz

Die Therapie ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und der schwere der Symptome. Ziel ist es zunächst, den Blutabfluss aus den Beinvenen zu verbessern. So sollen die kranken Abschnitte des Gefäßsystems möglichst funktionsfähig sein, damit sich das Blut nicht in andere Körperregionen zurückstaut und dort dauerhafte Schäden hervorruft.

Zunächst wird eine rein konservative Therapie mit Kompressionsstrümpfen oder Bandagen angestrebt. Dabei können die Kompressionsstrümpfe in verschiedenen Stärken je nach Ausprägung der Veneninsuffizienz gewählt werden. Auch Kälteanwendungen von unten nach oben können durch ein starkes Zusammenziehen der Venen bei Kälte zu einem verbesserten Blutfluss führen. Langes Stehen sollte vermieden werden, ebenso ist Hitze (beispielsweise in der Sauna) schädlich. Viel Bewegung kann dagegen den Blutfluss verbessern.

Bei starken Ödemen kann auch eine physikalische Therapie mit Lymphdrainage erfolgen, dabei versucht ein Physiotherapeut die Flüssigkeit mit den Händen langsam aus den Füßen und den Unterschenkeln in Richtung des Herzens zu bewegen.

An pflanzlichen Mitteln eignen sich Rosskastanienextrakt und Mäusedornwurzel gegen die Veneninsuffizienz.

Darüber hinaus gibt es einige Verfahren, um Gefäße zu veröden und so einen weiteren Aufstau des Blutes zu verhindern. So kann zum Beispiel in kleinere Gefäße eine für das Gewebe giftige Flüssigkeit gegeben werden. So erleiden die Gefäße einen Schaden, der die Ausbildung einer Narbe mit sich bringt, die die Vene verschließt. Das Veröden der großen Venen geschieht mittels einer Lasertherapie oder einer Radiofrequenzobliteration. Bei diesen beiden Methoden wird eine Sonde in die betroffene Vene eingebracht. An dieser wird daraufhin zum Beispiel ein angebrachter Laser aktiviert, der eine Art Verbrennungswunde in der Vene hervorruft. Auch diese wird durch eine Narbe verschlossen. So staut sich das Blut nicht mehr in den Beinen auf und ein normaler Blutfluss kann wieder hergestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die operative Entfernung einiger betroffener Venenabschnitte. Eine Operation wird bei starken Symptomen, Komplikationen oder aus kosmetischen Gründen durchgeführt.

Lymphdrainage

Die Lymphdrainage stellt eine Möglichkeit der Therapie der chronisch venösen Insuffizienz dar. Durch ein Zusammendrücken der Venen und Lymphgefäße soll das aufgestaute Blut aus ihnen heraus fließen.
Dies kann mit den Händen (manuelle Lymphdrainage), mit Verbänden oder Kompressionsstrümpfen geschehen. So werden die Gefäße verengt und „ausgepresst“. Durch diese Verminderung des Durchmessers der Venen fließt das Blut schneller und versackt nicht mehr.
Die Lymphdrainage wird in verschiedenen Phasen durchgeführt. Dabei geht es zunächst um das Endstauen der Gefäße und danach um den Erhalt der Verbesserung. Zusätzlich kann gute Hautpflege und Gymnastik hilfreich sein.

Informieren Sie sich ausführlicher zum Thema Lymphdrainage

Wie lautet die Prognose?

Die Dauer und die Prognose der chronisch venösen Insuffizienz ist vom Stadium der Erkrankung abhängig.
Besonders in frühen Stadien kann sich bei guter Therapie und bewusstem Verhalten eine rasche Besserung der Beschwerden zeigen.
Schwerere Stadien können zwar meist nicht geheilt werden, jedoch kann auch hier viel zur Linderung der Symptome getan werden.
Eine der schwerwiegendsten Komplikationen ist die tiefe Beinvenenthrombose, die die Prognose erheblich verschlechtern kann.

Ist diese Erkrankung ansteckend?

Eine chronische Veneninsuffizienz ist nicht ansteckend. Die Entstehung der Veneninsuffizienz beruht nicht auf Faktoren, die sich über Ansteckung von einer Person auf die nächste übertragen lassen. Der einzige Übertragungsweg ist genetisch. Dabei spielen verschiedene Faktoren wie beispielsweise die Stabilität des Bindegewebes und der Venenklappen sowie die Beschaffenheit des gesamten Venensystems eine Rolle. So kommt es bei der chronischen Veneninsuffizienz oftmals zu familiären Häufungen, die genetisch bedingt sind. Man spricht dabei jedoch nicht von einer Ansteckung sondern von einer genetischen Veranlagung.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.09.2020
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