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Chronische Erkrankung

Definition

Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine Krankheit, die über einen längeren Zeitraum die Gesundheit beeinträchtigt oder lebenslang vorhanden sein wird. Die Krankheit kann zwar ärztlich betreut und behandelt werden und muss dies auch meistens, sie kann allerdings nicht geheilt werden. Manche Krankheiten werden schon ab der Diagnose als chronisch bezeichnet, weil man nach bisherigen Forschungsstand die Krankheit noch nicht ursächlich therapieren kann. Dabei handelt es sich häufig um angeborene Erkrankungen. Andere Krankheiten werden erst im Verlauf chronisch.

Wenn eine Krankheit von einem akuten Zustand ausgehend nicht ausheilt, zum Beispiel durch nicht adäquate Behandlung oder wenn die Behandlung nicht anspricht, in einen chronischen Prozess übergeht, bezeichnet man dies auch als chronische Erkrankung. So kann zum Beispiel eine akute Hepatitis (Leberentzündung), in eine chronische Hepatitis übergehen. Auch lange bestehende Schmerzen können in ein chronisches Schmerzsyndrom übergehen. Ab welchem Zeitraum man von einer chronischen Krankheit spricht, ist von Krankheitsbild zu Krankheitsbild unterschiedlich. Häufig wird allerdings definiert, dass ein akuter Krankheitsverlauf nach 14 Tagen in einen chronischen Verlauf übergeht. Teilweise werden aber auch vier oder sechs Wochen als Grenze gezogen.

Zu den chronischen Krankheiten gehört ein buntes Bild an Krankheiten. Bei einer chronischen Erkrankung kann es sich zum Beispiel um organische Erkrankungen, wie eine Herzinsuffizienz handeln, um Diabetes, um eine chronische Atemwegserkrankungen, eine Tumorerkrankung, psychische Erkrankungen, wie Depressionen oder eine angeborene genetische Erkrankung. Auch eine Alkoholabhängigkeit zählt zu den chronischen Erkrankungen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Chronisch krank

Übersicht chronischer Erkrankungen in Deutschland

In Deutschland gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen Krankheiten rund um das Herz-Kreislauf-System. Dies wird durch verschiedene Risikofaktoren, wie Rauchen, Übergewicht, falsche Ernährung und mangelnde körperliche Betätigung hervor gerufen. Als häufigste chronische Erkrankung ist in Deutschland der Bluthochdruck zu nennen. Gefolgt von Fettstoffwechselstörungen, wie zum Beispiel erhöhten Cholesterinwerten. Beide Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt.

Gefolgt werden beide Erkrankungen von chronischen Rückenschmerzen, aufgrund unterschiedlicher Ursachen. Rückenschmerzen stellen den häufigsten Konsultationsgrund bei Orthopäden dar und neigen zu Chronifizierung. An Stelle vier und fünf der zehn häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland, stehen wieder zwei Erkrankungen, die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben und zwar der Typ-2-Diabetes (Alterszucker) und die koronare Herzkrankheit (KHK). Bei der koronaren Herzerkrankung kommt es bedingt durch verschiedene Risikofaktoren durch Gefäßablagerungen zu einer Verengung der Herzkranzgefäße, sodass das Herz schlechter mit Sauerstoff versorgt werden kann und schlechter arbeitet. Dies kann auch in einen Herzinfarkt münden.

Auch Schilddrüsenvergrößerungen gehören zu den häufigen chronischen Erkrankungen. Nicht zu vergessen ist auch, dass Übergewicht eine chronische Erkrankung darstellt und zu weiteren chronischen Erkrankungen führen kann. Neben Herz-Kreislaufstörungen nehmen auch Atemwegserkrankungen eine große Position ein. Die häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen sind Asthma und COPD (= Chronische obstruktive Lungenerkrankung). Die COPD entsteht durch einen hohen chronischen Nikotinkonsum. Sie bildet sich auch nach Einstellen des Nikotinkonsums nicht wieder zurück.

Zu den häufigsten chronischen Erkrankungen zählen auch Lebererkrankungen, diese werden häufig durch einen zu hohen Alkoholkonsum oder durch eine fettreiche Ernährung hervor gerufen. Psychische Erkrankungen dürfen bei chronischen Krankheiten auch nicht in Vergessenheit geraten. Dabei spielen vor allem Depressionen eine große Rolle. Im Verlauf der letzten Jahre kam es zu einer drastischen Zunahme der Krankheit. Man vermutet, dass die Zahl der Depressionen in den nächsten Jahren noch zunehmen wird und Herz-Kreislauf-Erkrankungen von den vorderen Plätzen verdrängen wird. Auch Demenz und Parkinson gehören zu den nicht selten auftretenden chronischen Erkrankungen in Deutschland.

Statistik

Statistische Erhebungen zu chronischen Erkrankungen werden etwa seit 40 Jahren gesammelt. Man geht davon aus, dass knapp 20% aller Deutschen an einer chronischen Erkrankung leiden. Früher waren Infektionskrankheiten die Todesursache Nummer eins, heute sterben die meisten Menschen an der Folge einer chronischen Erkrankung. Man geht von einer Prozentzahl von 80% aus. Studien haben ergeben, dass Frauen durchschnittlich häufiger an einer chronischen Erkrankung leiden. Dieser Effekt nimmt vor allem mit zunehmendem Alter zu. Bei über 65 Jähren sind etwa die Hälfte aller Männer chronisch krank und circa 60% der Frauen. In etwa 50% aller Fälle, versterben Menschen in Folge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Sie stellen damit die häufigste Todesursache in Deutschland dar. 25% versterben an einer Tumorerkrankung. Tumorerkrankungen stehen damit an dritter Stelle der Todesursachen. Auf Platz zwei liegt der Schlaganfall als Todesursache, der meist auch auf dem Boden einer Grunderkrankung entsteht und an dem ungefähr ein Drittel der Patienten unmittelbar verstirbt.

Chronische Erkrankung im Kindesalter

Circa fünf bis zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden in Deutschland an einer chronischen Erkrankung. Streng genommen gehören auch die vergleichsweise eher harmlosen Allergien zu den chronischen Erkrankungen. Statistiken besagen, dass etwa jedes dritte Schulkind an einer Allergie leidet. Tritt eine chronische Erkrankung schon im Kindesalter auf, handelt es sich dabei häufiger um eine angeborene Erkrankung beziehungsweise eine Erkrankung mit genetischer Komponente.

Die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist das Asthma bronchiale. Eine weitaus einschneidendere Erkrankung der Atemwege im Kindesalter ist die Mucoviszidose (auch: Cystische Fibrose). Dabei handelt es sich um eine angeborene Erkrankung, die mit einer verkürzten Lebenserwartung einher geht. Häufig ist im Kindesalter auch die Haut von einer chronischen Erkrankung betroffen. Dabei ist vor allem die Erkrankung der Neurodermitis zu nennen. Dabei bildet sich vor allem in den Ellenbeugen und Kniekehlen ein stark juckender Hautausschlag aus. Auch das Gesicht ist häufig betroffen. Die Krankheit verschlimmert sich, wenn die Kinder unter Stress stehen und zieht sich häufig bis ins Erwachsenenalter.

Eine Zuckererkrankung ist eher für ältere Menschen typisch, handelt es sich allerdings um den Typ 1 der Erkrankung, tritt dieser im Kindes- bis Jugendalter auf. Die Kinder fallen zu Beginn meist dadurch auf, dass sie um den vorhandenen hohen Zuckerspiegel auszugleichen auffällig viel trinken, viel Urin lassen müssen sowie vermehrt müde und abgeschlagen sind. Wird die Erkrankung festgestellt, müssen die Kinder auf ihre Ernährung achten und regelmäßig das fehlende Hormon Insulin spritzen, welches normalerweise dafür zuständig ist den Zuckerspiegel zu senken.

Etwa ein Prozent aller Kinder kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt, der zeitnah nach Geburt operiert werden muss. Teilweise kann der Fehler dadurch gänzlich behoben werden, sodass die Kinder in ihrem Leben nicht weiter eingeschränkt sind. Häufig ergibt sich durch den Herzfehler aber, dass die Kinder lebenslang gerade was die körperliche Leistungsfähigkeit angeht, eingeschränkter sind. Auch epileptische Erkrankungen können im Kindesalter vorkommen und werden zu den chronischen Erkrankungen gezählt. Ebenfalls zu den chronischen Krankheiten bei Kindern zählen Verhaltensauffälligkeiten, wie die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), sowie Lernschwächen wie Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche). Schätzungsweise sind knapp fünf Prozent aller Kinder von ADHS betroffen.

Alle chronischen Krankheiten im Kindesalter lassen sich in diesem Rahmen nicht aufzählen, da dies einfach zu viele wären. Teilweise handelt es sich dabei auch um sehr seltene angeborene Erkrankungen.

Chronische Erkrankung der Atemwege

Denkt man an chronische Erkrankungen der Atemwege fallen häufig vor allem drei Krankheiten: Mukoviszidose, Asthma bronchiale und COPD (chronisch obstruktives Lungenerkrankung). Bei der Mukoviszidose handelt es sich um eine angeborene Erkrankung, die aufgrund der Art der Vererbung meist Jungen betrifft. Es gibt mehrere Formen der Mukoviszidose. Seit kurzem gibt es einen Ansatz, dass man eine Form der Mukoviszidose heilen kann, dabei handelt es sich allerdings leider nicht, um die mit Abstand am häufigsten auftretende Form. Etwa eins von 3.000 Neugeborenen wird mit einer Mukoviszidose geboren. Durch eine genetische Mutation wird das Drüsensekret deutlich dickflüssiger, was viele körperliche Prozesse einschränkt. Betroffene leiden häufig an schwerwiegenden Atemwegserkrankungen, wie einer Lungenentzündung. Neben den Atemwegen ist besonders auch die Bauchspeicheldrüse betroffen. Ebenfalls eine Unfruchtbarkeit resultiert durch die Erkrankung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mittlerweile circa bei 40 Jahren.

Ein Asthma bronchiale ist häufig allergisch bedingt und führt kurzweilig zu einer je nach Ausprägung milden bis starken Atemnot. Die Erkrankung tritt anfallsartig auf, sodass die Betroffenen nicht permanent eingeschränkt sind. Ist der Anfall vorüber, kann die Atmung wieder ganz normal erfolgen. Eine Asthmaerkrankung tritt in der Regel schon im Kindesalter auf. Kann der Anfall nicht rechtzeitig durch ein Asthmaspray unterbrochen werden, kann es auch zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen.

Bei der COPD handelt es sich im Gegensatz zur Mukoviszidose und zum Asthma um eine Erkrankung, die erst im fortgeschrittenen Alter auftritt. Umgangssprachlich bezeichnet man die Erkrankung auch als Raucherlunge, denn sie tritt nahezu immer begleitend mit einem hohen und schon lange andauernden Nikotinkonsum auf. Im Gegensatz zum Asthma bilden sich die Symptome nicht zurück und die Krankheit schreitet bei fortwährendem Nikotinkonsum immer weiter fort, sodass es unter Umständen zu einer sehr starken Einschränkung der Atmung und somit der Belastbarkeit kommen kann.

Natürlich gibt es auch noch andere chronische Atemwegswerkrankungen. Diese drei genannten Erkrankungen sind aber sowohl die mit Abstand am häufigsten auftretenden Krankheiten (vor allem Asthma und COPD), sowie die in der Bevölkerung bekanntesten. Zusätzlich an chronischen Atemwegserkrankungen zu nennen, wäre noch eine chronische Bronchitis, sowie eine Tuberkuloseerkrankung, die bei nicht erfolgreicher oder ausbleibender Therapie auch häufig in einen chronischen Zustand übergeht.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema chronische Erkrankung finden Sie unter:

Eine Übersicht über bereits veröffentlichte Themen der inneren Medizin finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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