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Infarktpneumonie

Was ist eine Infarktpneumonie?

Bei einer Infarktpneumonie handelt es sich um eine spezielle Form der Lungenentzündung, die nach einer sogenannten Lungenembolie auftritt. Sie ist damit als Komplikation der Lungenembolie zu werten. Der Begriff Lungenembolie wird in der medizinischen Fachsprache für einen akuten Infarkt des Lungengewebes verwendet, der durch einen Verschluss der Lungenarterien entsteht. Dieser Verschluss ist meist Folge einer Beinvenenthrombose. Das Blutgerinnsel wird über das Gefäßsystem meist aus den Beinvenen bis in die Lungenarterien verschleppt und verursacht dort einen Infarkt, ähnlich einem Herzinfarkt. Bei der Infarktpneumonie handelt es sich um eine eher seltene Komplikation der Lungenembolie, die antibiotisch behandelt werden muss.  

Ursachen einer Infarktpneumonie

Infarktpneumonien entstehen als Komplikation eines Lungeninfarktes. Der Lungeninfarkt als solcher ist meist Folge einer Lungenembolie, bei der es sich um einen akuten Verschluss der Lungenarterien handelt. Dieser Verschluss entsteht meist durch Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, der Beinvenen, die über das Venensystem ins Herz und von dort in die Lunge verschleppt werden können.
Lungeninfarkte und in deren Folge auch Infarktpneumonien entstehen seltener auch durch die Anlage eines zentralen Venenzugangs im Krankenhaus (Zentralvenenkatheter) oder durch Fettembolien. Letztere sind vor allem Komplikationen größerer chirurgischer Eingriffe, wie der Einbringung von Endoprothesen. Die Infarktpneumonie entsteht aufgrund eines sehr weit außen liegenden Verschlusses der Lungenarterien. Durch einen solchen Verschluss kann die Durchblutung des Lungengewebes nicht mehr aufrechterhalten werden und das Gewebe wird nekrotisch – es stirbt also ab. Bakterien können nun einfach in das Gewebe eindringen und dort eine Lungenentzündung hervorrufen.

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Lungenembolie

Bei einer Lungenembolie handelt es sich um einen Verschluss der Lungenarterie, die meist aufgrund von sogenannten Thromben entsteht. Diese Art von Blutgerinnseln entsteht am häufigsten in den Bein- und Beckenvenen. Über den Blutkreislauf können solche Blutgerinnsel in das Herz und dann weiter in die Lungenarterien verschleppt werden. Dort verursachen sie dann eine Embolie, also einen Verschluss der Lungenarterie.
Besonders gefährdet sind Menschen mit einer sogenannten Thrombophilie, also einer Veranlagung zur Bildung von Blutgerinnseln. Weiterhin begünstigen weitere Faktoren, wie Rauchen, lange Bettlägerigkeit, Operationen oder auch die Schwangerschaft, das Risiko einer solchen Thrombose und in deren Folge einer Lungenembolie. Bei einem Verschluss sehr weit außen im Lungengewebe liegender Arterien kann es zu einem Lungeninfarkt kommen. Die Durchblutung des Gewebes ist dann komplett unterbrochen, sodass keilförmige Infarkte entstehen und das Lungengewebe abstirbt. In einem solchen Areal kann sich dann eine Infarktpneumonie als Komplikation ausbilden.

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An welchem Symptomen erkenne ich eine Infarktpneumonie?

Eine Infarktpneumonie führt typischerweise zu einem Fieberanstieg und einer allgemeinen Abgeschlagenheit. Auch Husten und eitriger Auswurf können vorhanden sein. Der Auswurf hat dann häufig eine gelbliche oder grüne Farbe, er kann jedoch auch komplett fehlen. Weiterhin können eine erhöhte Atemfrequenz und Luftnot auf eine Infarktpneumonie hindeuten. Ein Anstieg der Herzfrequenz, also eine Tachykardie, ist ebenfalls typisch und kann sich durch Unruhe und Nervosität äußern.
Auch Kopf- und Gliederschmerzen sind typische Symptome einer Infarktpneumonie. Schmerzen bei der Atmung können infolge einer begleitenden Entzündung des Lungenfells, einer sogenannten Begleitpleuritis, ebenfalls zu den Symptomen einer Infarktpneumonie gehören. Häufig kommen die Symptome jedoch in abgeschwächter Form vor, sodass man auch von einem subklinischen Verlauf spricht. Oft ist dann nur ein Fieberanstieg nach stattgehabter Lungenembolie ein Hinweis auf das Vorliegen einer Infarktpneumonie.                                                                                               

Diagnose

Die Diagnose einer Infarktpneumonie wird anhand der klinischen Symptomatik und bildgebender Verfahren gestellt. Dabei liegt zunächst meist eine Lungenembolie vor, die mithilfe einer sogenannten CT-Angiografie festgestellt werden kann. Dabei handelt es sich um eine CT-Untersuchung der Lungengefäße mit Kontrastmittel. Weiterhin sprechen auch Symptome, wie Luftnot, ein Engegefühl auf der Brust und ein Anstieg der Herzfrequenz für eine Lungenembolie.

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Bei einem Fieberanstieg und allgemeiner Abgeschlagenheit nach einer Lungenembolie besteht der Verdacht auf eine Infarktpneumonie, sodass die Diagnose dann mithilfe eines Röntgenbildes der Lunge gestellt werden kann. Im Röntgenbild sieht man typische Veränderungen, die auf eine Infarktpneumonie hindeuten (s.Abschnitt Röntgen). Mithilfe einer Blutuntersuchung kann man bei einer Infarktpneumonie häufig erhöhte Infektparameter bestimmen. Dazu gehören ein erhöhter CRP- und PCT-Wert, sowie erhöhte Leukozyten. Diese Werte weisen insbesondere auf ein bakterielles Infektgeschehen hin.   

Röntgen

Bei einem Verdacht auf eine Infarktpneumonie wird ein Röntgen-Bild des Brustkorbes angefertigt. Typischerweise zeigen sich dort Veränderungen des Lungengewebes, die man auch als Hampton’s hump bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine keilförmige Transparenzminderung der Lunge, die an der Außenseite des Lungengewebes liegt. Diese Transparenzminderung erscheint im Röntgenbild weiß. Man spricht auch von einem keilförmigen oder dreieckigen Infiltrat der Lungenperipherie.                                                                                                                 

Behandlung/ Therapie

Eine Infarktpneumonie muss in jedem Falle behandelt werden, da es sich um ein schwerwiegendes Krankheitsbild handelt. Die Infarktpneumonie wird in der Regel stationär behandelt, da eine Vorschädigung der Lunge vorliegt. Bei der Behandlung der Infarktpneumonie steht vor allem die Antibiotikatherapie im Vordergrund. Mithilfe von Antibiotika lassen sich die Bakterien abtöten, die die Pneumonie verursachen. Man verwendet in der klinischen Praxis häufig die Wirkstoffe Ampicillin/Sulbactam in Kombination mit einem Makrolid-Antibiotikum, wie beispielsweise Clarithromycin. Diese Kombination deckt die typischen Erreger einer Infarktpneumonie ab. Bei einer sehr schweren Infarktpneumonie werden stärker wirksame Antibiotika, wie Piperacillin/Tazobaktam, verwendet.

Die Auswahl des Antibiotikums richtet sich nach der Schwere der Infarktpneumonie, sowie weiteren Faktoren, wie dem Alter des Betroffenen, weiteren Vorerkrankungen und dem allgemeinen Zustand. Die antibiotische Behandlung wird als intravenöse Therapie mit Infusionen durchgeführt. Dafür benötigt der Patient einen Venenzugang. Weiterhin werden fiebersenkende Medikamente, wie beispielsweise Paracetamol, in der Behandlung der Infarktpneumonie eingesetzt. Begleitend wird Flüssigkeit über den Venenzugang verabreicht, um eine Austrocknung des Patienten zu verhindern.                

Antibiotika

Eine Infarktpneumonie entsteht aufgrund eines bakteriellen Infektes. Häufige Erreger der Infarktpneumonie sind Pneumokokken, Chlamydien oder Mycoplasmen. Im Rahmen einer im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung finden sich auch die Bakterien Pseudomonas aeruginosa, Enterobakterien und Staphylokokken. Anhand des Risikoprofils des Patienten wird die antibiotische Behandlung festgelegt. Das Risikoprofil wird bestimmt durch das Alter des Patienten, relevante Vorerkrankungen und ob die Infektion im Krankenhaus oder ambulant, also außerhalb des Krankenhauses, entstanden ist.

In jedem Falle ist jedoch eine antibiotische Behandlung nötig, um die Keime abzutöten. Häufig wird eine Kombination aus den Antibiotika Ampicillin/Sulbactam und Clarithromycin verwendet. Diese Kombination deckt möglichst viele Erreger ab. Bei einer sehr schweren Infarktpneumonie wird eine Kombination aus Piperacillin/Tazobaktam und Clarithromycin verwendet. Auch die Antibiotika Levofloxacin und Moxifloxacin werden häufig verwendet. Die Antibiose wird angepasst, sobald ein Erregernachweis vorliegt. Anhand des Erregernachweises wird das bestwirksame Antibiotikum ausgesucht.   

Krankheitsverlauf

Eine Infarktpneumonie äußert sich häufig durch eher diskrete Beschwerden und eine allgemeine Abgeschlagenheit. Bei ausbleibender Therapie verschlechtert sich der Zustand des Patienten und eine dauerhafte Schädigung der Lunge oder gar eine Sepsis, also eine Ausschwemmung der Bakterien in die Blutbahn mit einem Organversagen, sind möglich.
Nach Beginn der antibiotischen Therapie verbessert sich der Zustand des Betroffenen innerhalb von einer Woche. Die Therapie muss jedoch bei einer schweren Lungenentzündung in der Regel über 14 Tage und in jedem Falle über mindestens weitere 3 Tage nach Entfieberung durchgeführt werden. Eine Abgeschlagenheit kann auch noch etwas länger bestehen bleiben.                                                                                               

Dauer/ Prognose

Die Prognose einer Infarktpneumonie hängt maßgeblich von dem Zustand und den Vorerkrankungen, sowie dem Alter des Patienten ab. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Prognose. Im Krankenhaus erworbene Infarktpneumonien haben eine Sterblichkeit von bis zu über 20%. Insbesondere ältere Menschen sind durch diese sogenannte nosokomial erworbene Infarktpneumonie stark gefährdet.
Eine Behandlung darf daher keinesfalls verzögert werden. Jüngere Patienten, die die Lungenentzündung außerhalb des Krankenhauses bekommen haben, haben hingegen eine gute Prognose, wenn eine Therapie konsequent durchgeführt wird.                                                        

Wie ansteckend ist eine Infarktpneumonie?

Eine Infarktpneumonie entsteht aufgrund einer Vorschädigung an der Lunge, die meist im Rahmen einer Lungenembolie eintritt. Diese Vorschädigung begünstigt die Lungenentzündung. Die Übertragung der Erreger erfolgt über eine Tröpfcheninfektion. Das bedeutet, dass Betroffenen die Erreger aushusten oder mit einem Niesen in der Atemluft verbreiten. Bei einem Kontakt können die Erreger also auch über die Atemluft aufgenommen werden.
Dennoch sind Menschen mit einem intakten Immunsystem nicht sonderlich gefährdet, sich bei einem Betroffenen anzustecken. Insbesondere ältere Menschen und kleine Kinder sollten jedoch den Kontakt zu Betroffenen meiden, bis eine antibiotische Therapie in ausreichender Dauer erfolgt ist. Bei einem Kontakt empfiehlt es sich, einen Mundschutz und Handschuhe zu tragen, um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten. Die Dauer der Ansteckungsgefahr kann leider nicht pauschal angegeben werden, sodass in jedem Falle der behandelnde Arzt der betroffenen Person dazu befragt werden sollte.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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