Karies bei Kleinkindern

Einleitung

Als Kleinkind bezeichnet man die Lebens-und Lernphase des Menschen bis zum sechsten Lebensjahr. Während dieser Zeit entdecken die Kleinen die vielen verschiedenen Dinge der Welt, lernen zu sprechen und auch das soziale Rollenverhalten beginnt sich zu entwickeln. 

Doch auch äußerlich finden viele Entwicklungsschritte statt. Neben dem Wachstum, erlernen sie das Laufen, die Motorik verfeinert sich und auch die Milchzähne brechen durch. Diese sind, wie die späteren bleibenden Zähne, gut und ausreichend zu pflegen, um sie bis zum natürlichen Durchbrechen der dauerhaften Zähne zu erhalten. Doch leider sind auch sie nicht vor Karies geschützt und können von ihr befallen werden.

Was ist Karies?

Die Grundlage für die Entstehung von Karies ist Plaque. Unter Plaque versteht man an den Zähnen anheftende, klebrige Beläge. Sie entstehen, sobald man Nahrung zu sich nimmt. Übrige Speisereste verbleiben auf den Zähnen und bilden den perfekten Nährboden für Bakterien. Bereits nach 24-36 Stunden etabliert sich die Plaque, wenn sie nicht entfernt wird. Die Plaque besteht aus lebenden und abgestorbenen Mikroorganismen und deren Ausscheidungen. Bestimmte Stellen am Zahn sind besonders anfällig für die Plaque, da sie nur schwer zu erreichen sind und unebene Flächen aufweisen. Dazu zählt man Fissuren,Zahnzwischenräume und Zahnfleischränder.

 

Doch wie entsteht die Karies an den Milchzähnen? In der vorhandenen Plaque sind unter anderem Streptokokkenstämme, welche die Kohlenhydrate, also den Zucker, aus der Nahrung umwandeln. Dabei entsteht Milchsäure, die damit beginnt, die Zahnhartsubstanz, angefangen mit dem Schmelz, anzugreifen und zu zerstören. Die ersten Löcher entstehen. Je länger man die Karies unbehandelt lässt, um so mehr arbeitet sie sich durch den Zahn und zersetzt immer mehr gesunde Substanz, bis sie irgendwann die Pulpa erreicht und sich dort ausbreitet, sodass der Zahn absterben kann.

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Ursache

Die Ursache der Kariesentstehung liegt, wie bei den Erwachsenen, meist in einer mangelnden Mundhygiene. Werden die Zähne nicht regelmäßig und gründlich geputzt, verbleibt die Plaque auf den Zähnen, die Bakterien bilden ihre Säure und der Zahn wird angegriffen. Entfernt man die Plaque jedoch, haben die Bakterien keinen Nährboden und können den Zahn auch nicht befallen. Damit sich die Karies ausbreiten kann, müssen fünf Faktoren vorliegen. Dies sind die Bakterien, ein Wirt (in diesem Fall der Zahn), die Plaque, genügend Kohlenhydrate als Nahrung und Zeit.

Alle Faktoren, bis auf den Wirtsfaktor, können mit einer guten Mundhygiene gleichzeitig ausgeschaltet werden. Eine weitere Ursache, die die Karies fördert, ist eine sehr zucker- und säurehaltige Ernährung. Je mehr Zucker sich in der Nahrung befindet, umso leichter bekommt die Karies ihre Nährstoffe. Besonders bei Kindern, ist auf eine gesunde Ernährung zu achten, um nicht nur die Zähne zu schützen, sondern auch dem Kind genügend Vitamine und Nährstoffe zukommen zu lassen, um eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen.

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Neben den genannten Hauptfaktoren, gibt es auch Nebenfaktoren. Zu den Nebenfaktoren, die eine Kariesentstehung fördern, zählt die Stellung der Zähne und auch Zahnfehlbildungen. Des Weiteren tragen der Speichelfluss und auch dessen Zusammensetzung zur Kariesbildung bei. So ist nachgewiesen, dass Menschen, die unter einem verminderten Speichelfluss leiden, ein erhöhtes Risiko für Karies aufweisen. Der Speichel erfüllt nämlich eine wichtige Pufferfunktion, um den Mund pH-Wert neutral zu halten. Was in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden darf, ist die genetische Komponente. So leiden die einen Kinder von Natur aus eher unter Karies, als andere. Diesen Faktor kann man leider nicht beeinflussen.

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Besonderheit der Karies bei Kleinkindern

Karies bei kleineren Kindern tritt relativ häufig auf. So besitzt fast jedes zweite bis dritte Kind bereits kariöse Läsionen oder auch Füllungen. Sind die Milchzähne der Kleinkinder von Karies befallen, so besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass ebenfalls die bleibenden Zähne von ihr befallen werden. Karies an Milchzähnen sollte nicht vernachlässigt werden, da sie bei weiterem Fortschreiten auch allgemein auf den Organismus des Kindes wirken können.

Ist die Karies schon sehr weit fortgeschritten, können sich Abszesse bilden und auch Fieberkann als Begleiterscheinung auftreten. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die unangenehmen Schmerzen. Als erste Milchzähne brechen die oberen Frontzähne durch, die somit auch meist als erstes mit Karies befallen sind. Aber nicht nur ihr frühes Auftreten, sondern auch ihre Position prädestinieren sie für Kariesbefall.

Wenn das Kind trinkt oder isst, werden sie direkt mit der Nahrung oder der zuckerhaltigen Flüssigkeit umspült. Auch ist der Speichel an den Frontzähnen etwas weniger vorhanden. Kinder müssen somit zum regelmäßigen Zähneputzen angehalten werden, da sie selbst die Auswirkungen noch nicht verstehen.

Auch sind sie davon abhängig, welche Nahrung sie bekommen, sodass die Eltern einen großen Einfluss darauf nehmen können, wie zuckerhaltig sich das Kind ernährt. Die Art der Nahrungsaufnahme ist dabei wichtig, denn sie erfolgt besonders in der ersten Zeit über Flaschen, an denen das Kind saugt oder Trinklernbechern. Häufig werden gesüßte Tees mit Zucker oder Honig, Fruchtsäfte oder auch Schorlen den Kindern verabreicht. Diese Schmecken dem Kind am besten. Das Trinken erfolgt dabei permanent über den Tag verteilt und auch nachts.

Somit sollte darauf geachtet werden, den Zucker soweit wie möglich wegzulassen und ungesüßten, selbstgekochten Tee zu verwenden. Ergänzend zu erwähnen ist, dass sich Karies bei Milchzähnen viel schneller ausbreiten kann, da ihre Schmelzschicht einen geringeren Mineralstoffgehalt aufweist. Auch ist die Schmelzschicht viel dünner, dafür die Ausläufe der Pulpa zur Mundhöhle hin viel größer, sodass die Karies schneller den in der Pulpa gelegenen Zahnnerv erreichen kann.

 

Bedeutung der Milchzähne

Von vielen Menschen wird die wichtige Bedeutung der Milchzähne unterschätzt, da sie sowieso wieder ausfallen und neue Zähne nachkommen. Dies ist aber nicht korrekt, denn bereits der Zustand der Milchzähne ist bedeutend für den Zustand des späteren Gebisses. Ist ein Milchgebiss schon stark zerstört und ständig mit Karies befallen, so erhöht sich auch das Risiko, dass das bleibende Gebiss mit Karies vermehrt zu kämpfen hat. Auch stellt die Milchzahnphase eine Zeit dar, in der die Eltern den Kindern beibringen sollten, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Zähne zu putzen und auch warum.

Die Milchzähne sind nicht nur wichtig für das Zerkleinern der Nahrung, sondern auch dafür, dass die bleibenden Zähne, deren Anlage bereits im Kiefer vorhanden ist, geschützt werden und sie durch die Position der Milchzähne, ihre spätere eigene Position finden. Man kann sie als eine Art Platzhalter ansehen. Fallen Milchzähne sehr früh aus, aufgrund von Karies oder durch einen Sturz, muss die Lücke adäquat geschlossen werden, da es sonst zu Zahnfehlstellungen und Problemen im gesamten Kausystem kommen kann. Da sie auch wichtig für die Sprachbildung sind, ist ihr Erhalt zu gewährleisten, damit man sein Leben lang ein strahlendes Gebiss und eine saubere Aussprache vorweisen kann.

Kariesbehandlung

Es ist nicht immer leicht bei sich selbst oder bei seinen Kindern Karies zu erkennen, da häufig einfache Verfärbungen missverstanden werden können. Jedoch sollte man die tägliche Zahnpflege des Kindes kontrollieren und auch wenn es schon selbstständig die Zähne putzt, ab und zu einen Kontrollblick in den Mundraum werfen, da Kinder Veränderungen selbst nicht bemerken und sich erst äußern, wenn sie bereits Schmerzen verursacht. In der Regel sollten die Kontrolltermine beim Zahnarzt eingehalten werden, denn nur dieser kann einen professionellen Blick in die Mundhöhle werfen und Karies frühzeitig diagnostizieren.

Ein Termin beim Zahnarzt stellt in jedem Fall den sicheren Weg dar, um den Verdacht auf eine mögliche Karies sicher zu bestätigen oder auszuschließen . Eine Karies sollte immer behandelt werden. Der Zahnarzt wird bei einer vorhanden Karies die nötigen Behandlungsschritte einleiten. Dabei ist besonders bei Kindern große Vorsicht geboten, da sie häufig ängstlich sind und die Behandlung beim Zahnarzt als sehr unangenehm empfunden wird. Die Karies wird entfernt und anschließend mit einer Füllungversehen. Um mögliche Schmerzen zu unterbinden, kann ein Lokalanästhetikum zum Einsatz kommen.

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Wie kann man Karies selbst erkennen?

Auch wenn sich die Milchzähne in ihrer Farbe und Form von den bleibenden Zähnen unterscheiden, sieht die Karies genauso aus wie beim Erwachsenen. Schwarze punktförmige Stellen an den Zähnen sind erste Zeichen. Wenn nichts unternommen wird, wird immer mehr Zahnsubstanz durch die Bakterien abgebaut. Mit der Zeit verändert sich auch die Zahnform.

Manchmal ist sogar die komplette Zahnkrone nicht mehr erhalten. Die abgebaute Zahnsubstanz ist dann weich. Durch die bakterielle Zersetzung der Zahnhartsubstanz und der Nahrungsreste im Mund kommt es häufig zu einem faulig-süßlichem Mundgeruch

Zu differenzieren ist die Karies von einfachen Verfärbungen. Diese erscheinen als bräunliche Flecken auf dem Zahnschmelz, welche manchmal durch Putzen zu entfernen sind. In hartnäckigeren Fällen kann eine professionale Zahnreinigung helfen die Zähne wieder in strahlendem Weiß erscheinen zu lassen.

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Wie kann man Karies beim Kleinkind stoppen?

Auch im Kleinkindalter kann eine Karies entfernt und die Stelle mit einer Füllung versehen werden. Dadurch wird die Karies gestoppt und bereits entstandene Schädigungen versorgt. Weitere Vorsorge kann durch eine regelmäßige Fluoridierung der Zähne erfolgen. Das Fluorid stärkt die Zähne und macht sie weniger angreifbar gegenüber Bakterien. Im Kindesalter werden dafür von vielen Ärzten Fluorid-Tabletten empfohlen.

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Eine ausreichende Mundhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche sowie eine ausgewogene Ernährung stellen die Grundlage für einen gesunden Kindermund dar. Die Behandlung ist teilweise aber sehr viel schwieriger, als beim Erwachsenen. Dies liegt daran, dass die Kleinen sehr aufgeregt sind, den Mund nicht öffnen wollen oder schnell anfangen zu weinen, wodurch die Arbeit stark erschwert wird.

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Karies am Schneidezahn

Gerade bei Kleinkindern passiert es sehr häufig, dass die gesamten oberen Milch-Schneidezähne von Karies befallen sind. Dieses Phänomen nennt man ECC (Early Childhood Caries) oder auch „Nursing-Bottle-Syndrom“ (Nuckelflaschenkaries). Es entsteht dann, wenn über die Trinkflasche sehr oft oder vor allem nachts zuckerhaltige Getränke sowie gesüßte Tees verabreicht werden. Die Kariesgefahr ist dort deshalb so hoch, da hier eine lange Einwirkdauer der Flüssigkeiten besteht. So können die Bakterien sehr gut wirken. Die unteren Zähne werden durch die Zunge geschützt und sind daher häufig noch in gutem Zustand.

Karies am Backenzahn

An den Backenzähnen entsteht Karies, vor allem dann, wenn die Zähne nicht gut oder lang genug geputzt werden. Häufig ist das Putzen im Seitenzahnbereich auch sehr schwierig, da die Kleinen ihrem Mund nicht weit oder lang genug öffnen wollen. Sie fangen schnell an zu quängeln. Formen der frühkindlichen Karies sollten dringend behandelt werden, damit die Milchzähne lange Zeit erhalten bleiben. Fallen sie frühzeitig aus, können Mineralisationsstörungen bei den bleibenden Zähnen entstehen.

Karies und Stillzeit

Die Entstehung von Karies während der Stillzeit stellt ein umstrittenes Thema dar. So sind Zahnärzte der Ansicht, dass der Zucker in der Muttermilch Karies fördert. Somit wird vor häufigem Stillen nach Durchbruch der Zähne gewarnt. Besonders am Abend nach dem Zähneputzen sollte nicht mehr gestillt werden, da der Speichel während der Schlafphase vermindert produziert wird und somit eine verminderte Pufferfunktion besteht.

Andere Forschungen sind jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass das Stillen weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die Zahngesundheit hat. Sie gehen davon aus, dass besonders das Nuckeln an Nuckelflaschen mit zuckerhaltigen Getränken für eine frühe Kariesentstehung verantwortlich ist, und nicht die Muttermilch. Man geht davon aus, dass der Schluckvorgang beim Stillen ein anderer ist und die Brustwarze viel weiter in den Mund reicht, sodass die Zähne, im Gegensatz zum Nuckeln, nicht permanent mit der Muttermilch umspült werden.

Prophylaxe/Vorbeugung

Wie schon weiter oben erwähnt, ist es sehr wichtig, dass die Kinder regelmäßig ihre Zähne putzen. Dies sollte von den Eltern beigebracht und auch kontrolliert werden, da, besonders am Abend, die Kinder doch gerne mal das Putzen der Zähne vernachlässigen. Dabei sollte man als gutes Vorbild vorausgehen und den Kindern zeigen, dass man sich selbst regelmäßig die Zähne putzt. Ein gemeinsames Zahnputzritual kann eine gute Idee sein.

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Allgemein ist es hilfreich, das Zähneputzen auf eine spielerische Art zu vermitteln. Ein Zahnputzsong, eine Handpuppe, die das Zähneputzen erklärt, oder das gemeinsame Lesen von Zahnputzbüchern, erleichtern das Erlernen der Zahnpflege. Auch die regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt ist wichtig, da er das Gebiss beurteilen und auf Fehler aufmerksam machen kann. Nur so kann eine Karies früh erkannt und behandelt werden. Eine mögliche Versiegelung der Zähne kann eine Möglichkeit sein. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ernährung, die von den Eltern kontrolliert wird. Sie sollte gesund, abwechslungsreich und keine große Mengen an Zucker oder Säure enthalten, damit die Zähne geschützt und eine gesunde Entwicklung unterstützt wird.

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Karies trotz Zähneputzen

Tritt Karies bei Kleinkindern trotz regelmäßigem Zähneputzen auf, liegt das meist daran, dass sich immer noch Bakterien in der Mundhöhle befinden. Es tritt dann auf, wenn nicht richtig geputzt wurde und an einigen Stellen noch Plaque vorhanden ist. Aber auch wenn die Kinderzähne nicht oft genug geputzt werden oder die Bakterien eine lange Einwirkdauer haben, entsteht schnell Karies. Daher sollten man die Zähne ca. eine halbe Stunde nach jeder Mahlzeit putzen und zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke meiden.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 20.10.2015 - Letzte Änderung: 18.08.2021
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