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Kiefergelenkentzündung

Allgemeines

Beißen, Kauen, Sprechen, für uns alltäglich Dinge, die wir nicht bewusst wahrnehmen. Dies alles wäre aber ohne unser Kiefergelenk nicht möglich. Ein lecker zubereitet Essen zu sich nehmen, oder sich mit Freunden stundenlang unterhalten, unser Kiefergelenk ist dabei im Dauereinsatz. Aber auch nachts, wenn wir es nicht merken, bewegen wir den Kiefer.
Doch wie ist dieses multifunktionale Gelenk aufgebaut und was passiert, wenn es sich plötzlich entzündet?

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Das Kiefergelenk

Die exakte Bezeichnung des Kiefergelenks ist Articulatio temporomandibularis. Das Gelenk ist ein Spaltgelenk.

Lokalisiert ist das Kiefergelenk kurz vor dem äußeren Gehörgang und besteht aus Anteilen des Schläfenbeins, den Kondylen (Fortsätze) des Unterkiefers, einem Discus articularis (Gelenkscheibe), sowie einer Gelenkkapsel und Bänder.
Weiter vor dem Anteil des Schläfenbeins liegt das Gelenkhöckerchen (Tuberculum articulare).

Von der Seite aus betrachtet ergeben die Gelenkfläche und das Tuberculum articulare eine S-Form. Bei diesem Gelenk handelt es sich um ein echtes Gelenk, was knorpelbedeckte Gelenkflächen besitzt, die durch einen Spalt getrennt sind.

 

In der Gelenkhöhle kann eine Flüssigkeit entstehen, die es ernährt und eine Art Schmiere bildet, sodass ein optimales Aufeinandergleiten ermöglicht wird.
Die Gelenkgrube wird vom Os temporale, dem Schläfenbein, gebildet. Die Grube selber wird durch Fissuren (Spalten) in einen vorderen und einen hinteren Teil getrennt.
Dabei ist nur der vordere Bereich der, der die Gelenkfläche bildet. Dies ist also die Stelle, an der der Kondylus, der Gelenkkopf, sich innerhalb der Grube bewegt.
Den hinteren Teil zählt man zwar auch zum Gelenk, er bildet aber nicht die Bewegungsfläche. In der hintern Fläche liegt das sogenannte retroartikuläre Polster. Dieses besteht aus Nerven, Fett, Venen und Bindegewebe.

Der schon weiter oben erwähnte Discus articularis liegt zwischen der Gelenkfläche und dem Gelenkkopf. Es ist wie ein Polsterkissen und teilt das Gelenk in zwei getrennte Gelenkkammern. Über dem Discus ist die diskotemporale Kammer, unter ihm die diskomandibuläre Kammer. In den beiden Kammern finden jeweils unterschiedliche Kiefergelenkbewegungen statt. So findet in der diskomandibulären Kammer die Drehbewegung (Rotation) und in der diskotemporalen Kammer die Gleitbewegung (Translation) statt. Die Mundöffnung ist eine Kombination aus beiden Bewegungen.

Den Discus articularis selber kann man auch nochmal in einen gefäßarmen vorderen und einen gefäßreichen hinteren Abschnitt unterteilen. Wichtig dabei ist, dass sich der hintere Anteil in zwei Blätter aufteilt und somit die bilaminäre Zone bildet. Das obere Blatt hat elastische, das untere kollegenreiche Fasern. Zwischen den beiden Blättern liegt das retroartikuläre Polster, was weiter oben im Text erklärt wurde. Umgeben ist das Gelenk von einer Kapsel, die Capsula articularis.

Neben dieser Kapsel gibt es noch unterschiedliche Bänder, die mal mehr oder weniger an der Sicherung des Gelenks beteiligt sind. Dies wären zum Beispiel das Ligamentum laterale, das Ligamentum stylomandibulare oder das Ligamentum sphenomandibulare.
Neben der Sicherung des Gelenks, sind sie vor allem auch dafür zuständig, gewisse Bewegungen zu limitieren. So ist es uns nicht möglich, den Kiefer unbegrenzt weit nach vorne zu schieben, was zum Teil durch die Bänder bewirkt wird.

Position des gesunden Kiefergelenks

Ist das Kiefergelenk gesund und weist keine Entzündung auf, sollte beim normalen Zusammenbeißen im Optimalfall der Discus articularis dem Kondylus wie eine Kappe aufliegen.
Diese Situation ist aber nicht der Standard, da es häufig Abweichungen geben kann, die aber keine Probleme mit sich bringen müssen.
So kann der Discus auch ein kleines Stück weiter vorne liegen. Bewegt man nun den Unterkiefer nach vorne, bzw. öffnet oder schließt man den Mund, bewegen sich der Condylus und der Discus gemeinsam nach vorne oder hinten, sodass die Kappe auf dem Condylus bleibt. Der Condylus bewegt sich nur ein kleines bisschen weiter nach vorne.
Natürlich kann es auch dort wieder Abweichungen geben, die ohne Komplikationen sind und keinen Behandlungsbedarf erfordern.

Entzündungen in Gelenken

Neben dem Kiefergelenk besitzt der Mensch noch viele weiter Gelenke im Körper, wie das Schultergelenk, das Hüftgelenk oder die Fingergelenke, die alle jeden Tag viele Aufgaben bewältigen müssen.

Eine Entzündung in einem Gelenk nennt man „Arthritis“.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Arthritis

Die häufigste vorkommende Art der Arthritis ist die rheumatoide Arthritis, kurz auch Rheuma genannt.

Die Gründe für eine solche Entzündung können verschieden sein. So kann die Entzündung durch Bakterien ausgelöst sein, durch Verschleiß, durch eine Autoimmunerkrankung bedingt sein oder auch durch Gicht entstehen.

Ursachen einer Kiefergelenkentzündung

Die Ursachen für eine Kiefergelenksentzündung sind breit gefächert und können auch auf die eben genannten allgemeinen Faktoren zurückgeführt werden.

So kann es aber auch zur Arthritis, speziell im Kiefergelenk kommen, wenn das Kiefergelenk falsch belastet wird, besonders wenn es chronisch überbelastet wird.
Eigentlich haben die Zähne vom Oberkiefer und Unterkiefer innerhalb eines Tages nur ca. 30 Minuten Kontakt, also genug Zeit für die einzelnen Anteile, sich zu erholen. Bei Schädigungen kann es aber dazu kommen, dass man mit den Zähnen knirscht und presst, was zu einer Überfunktion führt

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zähnenknirschen.
Besonders häufig kommt dies in der Nacht vor, ausgelöst durch Stress oder psychisches Leiden. Besonders die Muskeln sind dabei ständig unter Belastung und können versteifen.

Das Kiefergelenk kann sich aber auch dann entzünden, wenn es Fehler bei der Verzahnung gibt. Diese können entweder naturbedingt sein, zum Beispiel ist eine Zahnlücke vorhanden, wodurch andere Zähne beginnen zu wandern. Häufig entsteht aber die falsche Belastung durch zu hohe Kronen, falsche Brücken, nicht korrekt sitzende Prothesen oder allgemeine Zahnfehlstellungen.

Eine traumatische Schädigung, bedingt durch einen Unfall oder eine Operation, kann auch zu einer Entzündung führen.

Inkorrekte Belastungen der Wirbelsäule und schiefe Körperhaltungen tragen auch Mitschuld an einer nicht physiologischen Belastung der Gelenke.

Symptome

Eine Kiefergelenkentzündung äußert sich in erster Hinsicht durch Schmerzen.
Diese können phasenweise auftreten, aber auch dauerhaft sein, besonders wenn die Entzündung weiter fortgeschritten ist. Bei Bewegungen, wie zum Beispiel dem Gähnen oder beim Sprechen oder Essen, kann es schlimmer werden.

Neben den Schmerzen macht sich eine Entzündung auch durch Geräusche bemerkbar. Dies ist auch der Unterschied zu einer „einfachen“ Schmerzhaftigkeit eines Gelenks (Arthralgie).
Die Geräusche entstehen bei den Bewegungen und können wie ein Knacken sein.
Bei einem MRT (Magnetresonanztomographie), der Diagnosemethode der Wahl bei Kiefergelenksproblemen, zeigen sich Erosionen an knöchernen Strukturen. Der Knochen beginnt sich zu verändern.

So zeigt sich am Kondylus und am Tuberculum articulare eine Sklerosierung. Durch Vermehrung der Knochensubstanz wird das Gewebe dicker. Des Weiteren sammelt sich Flüssigkeit an (Erguss).
Die in der Nähe der Gelenkfläche liegenden Strukturen werden mit der Zeit immer mehr angegriffen und zerstört.
Die Eiweißstoffe, die aus geschädigtem Knorpel, Bindegewebe oder Knochen entstehen greifen die gesunden Strukturen (Knochen, Kapsel etc.) an.

Wird die Arthritis nicht behandelt und besteht die Fehlbelastung weiterhin, wird der Schmerz immer schlimmer und die Entzündung breitet sich aus. Die Gefahr von Dauerhaften Schädigungen, wie einer Arthrose, besteht.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Kiefergelenkarthrose

Kiefergelenkschmerzen mit Ohrenschmerzen

Wenn eine Kiefergelenkentzündung oder eine andere Erkrankung vorliegt, kann es zu Schmerzen in den Ohren kommen. Der Grund dafür ist die enge anatomische Nachbarschaft zwischen dem Kiefergelenk, dem äußeren Gehörgang und dem Mittelohr. Die Beschwerden gehen oftmals auch über Ohrenschmerzen hinaus. Es kann zum Tinnitus, zum Knackgeräusch beim Öffnen des Kiefers, Schmerzen an den Zähnen und zu Kopfschmerzen kommen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Tinnitus

Wenn Ohrenschmerzen auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um den genauen Grund dieser herauszufinden. Der Arzt untersucht dann ob es sich bspw. um eine Mittelohrentzündung oder aber um eine Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD), sprich eine Fehlstellung des Kiefergelenks handelt, welche Ohrenschmerzen verursacht. 

Aber nicht nur Fehlstellungen oder Überbelastungen im Kiefergelenk können zu Ohrenschmerzen führen. Auch Zahnschmerzen, Karies, Weisheitszähne oder Wurzelentzündungen im Backenzahnbereich können die unangenehmen Schmerzen im Ohr auslösen.

Therapie

Bei Kiefergelenksentzündungen versucht man zuerst so wenig invasiv wie möglich vorzugehen, also eine Operation soweit es geht zu verhindern.
Dies geschieht durch bestimmte angefertigte Schienen, die dem Patienten eingesetzt werden und für einen längeren Zeitraum die gesunde Bissposition simulieren. Hilft das die Schmerzen zu lindern, können an den Zähnen gewisse Änderungen vorgenommen werden, um die gesunde Bissposition ohne Schiene zu erhalten. So kann auch eine prothetische Versorgung notwendig sein.

Des Weiteren kann eine Krankengymnastik verschrieben werden.
Muskuläre Verspannungen können gelöst und auch Körperfehlhaltungen korrigiert werden.

Medikamente können verschrieben werden, um die Entzündung zu lindern und Schmerzen erträglicher zu gestalten. Man selber kann auch aktiv zur Heilung beitragen, indem man vielleicht seine Lebensweise ändert und Stress abbaut.

Häufig ist eine nächtliche Überbelastung vorhanden, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Auch die Behandlung von psychischem Leiden kann Abhilfe schaffen.
Eine korrekte Schlafhaltung sollte in der Nacht eingenommen werden. Diese auf dem Rücken liegend, mit einem leicht hohen Kissen. Aktiv kann man auch am Tag beobachten, inwieweit man seine Muskeln anstrengt und ob das Gebiss angespannt ist.
Außerdem ist das Tragen einer Schiene zum Schutz der Zähne sinnvoll. Siehe unter: Knirscherschiene


So können dann ein paar Lockerungsübungen helfen. Auch der Verzicht auf zu feste und schwer kaubare Nahrung kann das Leiden verringern

Welche Medikamente helfen am besten?

Im Falle einer Kiefergelenksentzündung sind entzündungshemmende und immunstimulierende Medikamente am ratsamsten. Dazu eignen sich Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac. Arzneimittel können entweder In Tablettenform eingenommen oder von Arzt gespritzt werden.

Hausmittel

Eine Kiefergelenkentzündung kann durch Bakterien, die sich im Mund festgesetzt haben, hervorgerufen werden. Um dies zu verhindern ist eine tägliche und sorgfältige Mundhygiene unerlässlich. Des Weiteren kann sich das Kiefergelenk entzünden, wenn es zu Fehlbelastungen bspw. aufgrund von prothetischen Versorgungen oder stressbedingtem Knirschen der Zähne in der Nacht kommt. Als Maßnahmen für Zuhause sollte bei Überfunktion der Muskulatur in erster Hinsicht versucht werden, Stress abzubauen und evtl. den Lebensstil ein wenig anzupassen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Zähneknirschen in der Nacht

Des Weiteren können Lockerungsübungen helfen, die mit dem Gelenk verbundene Muskeln entspannen. Es sollte auf Kaugummi Kauen oder auch schwer kaubare Nahrung verzichtet werden. Als Hausmittel haben sich auch z.B. Quarkwickel oder Wärme über eine Rotlichtlampe bei manchen Patienten bewährt. Jedoch sollten diese bei Bedarf parallel zu einer vom Zahnarzt erstellten Schiene angewandt werden. Diese kann evtl. vorhandene Überfunktionen abfangen und das Kiefergelenk etwas entspannen. 

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Okklusionsschiene

Wann wird ein Antibiotikum notwendig?

Handelt es sich um eine fortschreitende Entzündung des Kiefergelenks und um wachsende Schmerzen, ist die effektivste Methode zur Bekämpfung dieser Entzündung die Gabe eines Antibiotikums durch den behandelnden Zahnarzt. Dadurch kann das entzündete Gewebe schnellstmöglich wieder in den Normalzustand versetzt werden. Aber auch diese Therapie kann bis zu mehreren Wochen dauern. Als Arzneistoffe der medikamentenösen Behandlung eignen sich hier vor allem Amoxycillin oder Clavulansäure.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Amoxycillin

Homöopathie

Eine der häufigsten Ursachen für Kiefergelenksentzündungen oder allgemeine Kiefergelenksprobleme ist die Überfunktion der Muskulatur aufgrund von Fehlbelastungen. Diese entstehen z.B. durch starkes Zähneknirschen. Meistens liegt der Grund dieses Knirschens der Zähne in der Nacht in seelischen Belastungen, Stress, Nervosität oder Schlafstörungen. Es gibt in diesem Zusammenhang viele homöopathische Mittel, die die Symptome einer Kiefergelenkfehlstellung bekämpfen. Eine bakteriell bedingte Entzündung kann allerdings ausschließlich durch Antibiotikagabe bekämpft werden.

Dauer einer Kiefergelenkentzündung

Die Dauer einer Kiefergelenksentzündung ist ganz und gar abhängig von der individuellen Situation des Patienten. Je nach Ursache und bereits bestehende Dauer der Schmerzen, kann es einige Zeit dauern bis die Entzündung abgeklungen ist. Da es sich in den meisten Fällen um Überfunktionen der Muskulatur handelt, erhalten die Patienten eine Schiene, die die Kräfte abfängt. Es kann einige Wochen dauern, bis sich die Gelenkstellung verbessert. 

Zusammenfassung

Eine Kiefergelenksentzündung ist eine sehr schmerzhafte und unangenehme Erkrankung.

Bewegungen, wie beim Kauen, Gähnen oder Sprechen, die sonst normal sind und nicht wahrgenommen werden, bereiten plötzlich große Schmerzen und unangenehme Geräusche.
Das Kiefergelenk beginnt sich zu entzünden, Bewegungen sind nur noch eingeschränkt möglich. Die vielen verschiedenen Ursachen lassen eine breitgefächerte Behandlung zu, die möglichst früh eingeleitet werden sollte, um eventuelle langwierige Schäden frühzeitig zu stoppen. Der Besuch bei einem Zahnarzt ist die erste Anlaufstelle, der das Kiefergelenk untersuchen und seinen Funktionszustand beurteilen wird.

Häufig ist bei Kiefergelenksproblemen auch die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten aus unterschiedlichen Fachbereichen (wie HNO) notwendig, um eine Arthritis rechtzeitig und gut zu behandeln.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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