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Leberkrebs Therapie

Hinweis

Alle hier gegebenen Informationen sind nur allgemeiner Natur, eine Tumortherapie gehört immer in die Hand eines erfahrenen Onkologen (Tumorspezialisten)!!!

Allgemeines

Das Leberzellkarzinom (Leberkrebs) stellt eine schwere Erkrankung der Zellen und des Gewebes der Leber dar. Die Ursache für diese unkontrollierte Zellwucherung liegt in den meisten Fällen an diversen Vorerkrankungen der Leber.
So basieren 80% der Leberzellkarzinome (Leberkrebs) auf einer Leberzirrhose, deren Ursache in einem exzessiven Alkoholkonsum oder einer durchgemachten Leberentzündung (Hepatitis) liegt. Auch die Stoffwechselerkrankung Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) kann zu einem Leberzellkarzinom führen. Die Neuerkrankungsrate liegt in Deutschland bei 5-6 Patienten pro 100.000 Einwohner. Das Erkrankungsalter liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Früher und häufiger tritt diese Erkrankung bei der Bevölkerung tropischer Gebiete in Afrika und Asien auf.
Die Beschwerden entwickeln sich erst spät und reichen von Oberbauchbeschwerden, Völlegfühl, Übelkeit und Gewichtsabnahme, bis hin zu Magenblutungen.
Ein häufiges Zeichen eines Leberzellkarzinoms (Leberkrebs) ist der sogenannte Ikterus, eine Gelbfärbung der Augen und der Haut, die aufgrund einer mangelnden entgiftenden Arbeit der Leber entsteht. Die Einteilung der Leberzellkarzinome (Leberzellkrebsformen) basiert zum einen auf die Verteilung in der Leber, dem histologischen Typ, sowie der für Krebserkrankungen typischen TNM-Klassifikation.


Der Arzt sollte neben dem Anamnesegespräch, in dem er Beschwerdebeginn und Beschwerdeverlauf erfragt, auch eine körperliche Untersuchung mit Abtasten und Abhören des Bauches durchführen. Manchmal kann er so eine vergrößerte Leber, den verdickten Tumor oder Strömungsgeräusche der Blutgefäße diagnostizieren. Die Ultraschalluntersuchung kann einen bösartigen Tumor oft schon sichtbar machen und eine Abgrenzung zu einer Metastase eines anderen Primärtumors ermitteln. Mit einer Blutuntersuchung und der Tumormarkerbestimmung von alpha- Fetoprotein und CEA kann der Verlauf eines Leberzellkarzinoms beobachtet werden. Eine Biopsie sollte zur Diagnose nicht durchgeführt werden, da die Gefahr einer Tumorverschleppung besteht.

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Therapie

Die Art der Therapie beim Leberkrebs ist zum einen abhängig von der Menge der gefundenen Leberherde, zum anderen davon, ob der Primärtumor in der Leber liegt (Leberzellkarzinom), oder als Tochtergeschwulst (Metastase) aus einem anderen Organ gewandert ist.

Beim primären Leberzellkarzinom (Leberkrebs), dessen Herde schon in der Leber weit verbreitet sind, oder bereits größere Blutgefäße durchwachsen haben, ist keine heilende Therapie (kurative Therapie), sondern lediglich eine lebensverbessernde (palliative Therapie) möglich. Diese setzt sich meistens aus der Gabe eines Chemotherapeutikums (5-Fluorouracil) zusammen, das aber keine lebensverlängernde Wirkung hat.
Auch die Möglichkeit der Behandlung mit einem Medikament, das ein Enzym namens Multikinase hemmt (Sorafenib) kann in Betracht gezogen werden. Handelt es sich um einen Metastasenbefall eines anderen Tumores, sollten nicht mehr als 50% der Leber befallen sowie keine Leberzirrhose bekannt sein, wenn man 5-Fluorouracil einsetzt. Eine weitere Möglichkeit der palliativen Behandlung ist die lokale Injektion einer Alkohollösung direkt in die Metastase/Tumorherd der Leber. Die Alkoholinjektion ist am erfolgreichsten, wenn der Tumor unter 3 cm groß ist. In diesem Fall kommt es in 70% der Fälle zu der erhofften Tumornekrose (Tumorabsterben). 5 Jahre nach einer Alkoholinjektionbehandlung leben noch 30-60% der Patienten. Der Nachteil dieser Art von Behandlung ist die häufige Rückfallquote (33%-43%) und die dadurch zu wiederholenden Therapiesitzungen. Des Weiteren kommen auch Vereisungen (Kryotherapie) oder Erhitzung (Hyperthermie) lokal direkt am Tumor in der Leber zum Einsatz.

Bei Lebermetastasen sollte die erste Überlegung sein, die Behandlung des auslösenden Primärtumors zu versuchen, falls dies noch nicht geschehen ist.

Handelt es sich um einen kleineren Tumorbefund, kann eine heilende Therapie (kurative Therapie) versucht werden. Sie beinhaltet die operative Entfernung des befallenen Leberabschnittes (Leberteilresektion). Da der Mensch in der Lage ist mit einem kleinen Teil seiner Leber zu leben, stellt diese Therapieoption eine sinnvolle Überlegung dar. Wichtig ist, dass es sich um ein frühes Diagnosestadium handelt (T1-T2) und der Tumor nur auf einen Leberlappen beschränkt sein darf. Die operative Entfernung von Lebermetastasen ist nur möglich, wenn einzelne, maximal 4 Metastasen in 4 Segmenten zu finden sind, kein anderes Organ betroffen und der Primärtumor ebenfalls operabel ist.

Bei der Operation wird ein querer oder Mittelbauchschnitt vorgenommen. Auch ein Schnitt entlang des Rippenbogens oder ein laparoskopischer Eingriff ist möglich. Heutzutage werden sogenannte Ultraschallmesser bei dieser Operation verwendet, die ein Erreichen der Leber vereinfachen und den Blutverlust während der Operation vermindern sollen. Je nach Lage des Lebertumors, entscheidet man sich entweder für eine sogenannte periphere Resektion (hier liegt der Tumor am Rand der Leber, an anatomische Gegebenheiten muss der Operateur sich hier nicht halten). Es wird ein Keil herausgeschnitten und ein Sicherheitsabstand von ca. 1 cm beachte,. d.h. 1 cm muss in gesundes, und vom Tumor unbefallenes Gewebe geschnitten werden.

Ist der Tumor auf ein bestimmtes Lebersegment beschränkt, wird das gesamte Segment (Segmentresektion) der Leber entfernt. Bei entsprechendem Befall kann es auch zu der Entfernung der gesamten Hälfte der Leber kommen (Hemihepatektomie). Auch palliative Operationen sind möglich und sollen durch den Tumor verursachte Engpässe (Stenosen) beheben.
Weitere neuere Behandlungsformen sind die Radiofrequenzablation (RFA) mit Wechselstrom,eine Therapieform, die eigentlich aus der Kardiologie zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen kommt. Hierbei kann u.U. Auf eine Operation verzichtet werden und das Instrument über die Haut zu der Lebermetastase hervorgeschoben werden. Diese Art der Therapie kann bei Bedarf wiederholt werden und bieten den Vorteil, dass im Gegensatz zur Leberteilresektion nur krankes Gewebe (Metastase) entfernt wird.

Hat der Patient Flüssigkeit im Bauch (Aszites), oder befinden sich die Tumoren in der Nähe großer Gallenwegen, sollte von dieser Art der Therapie Abstand genommen werden. Die Laserinduizeirte Thermotherapie (LITT) kann ebenfalls in der Behandlung von Metastasen angewandt werden. Hier wird zunächst in einem Computertomographen (CT) der Tumorherd punktiert und später dann der Laser eingeführt. Über eine Magnetresonanztomographie, also ein MRT der Leber, kann mit hilfe von temperaturabhängigen Aufnahmen die Erfolgsrate der Behandlung verfolgt werden. Lebermetastasen, deren Entstehungsorgane in Magen, Bauchspeicheldrüse oder Lunge zu suchen sind werden aber mit der LITT eher nicht behandelt, da hier von einem systemischen Geschehen ausgegangen werden muss.

Ist der Tumor in der Leber nicht operabel und käme von den Begleiterscheinungen eine Lebertransplantation in Frage, wäre eine sogenannte Transarterielle Chemoembolisation in Betracht. Man macht sich hierbei zu nutze, dass das hepatozelluläre Karzinom hauptsächlich arteriell versorgt wird. Bei der Behandlung wird zunächst die Schlagader des Beines (A. femoralis) des Patienten punktiert und ein Katheter über die Hauptschlagader (Aorta) in den leberversorgenden Gefäßabgang (Truncus coeliacus) platziert. Durch eine Kontrastmittelgabe werden die Gefäße besser dargestellt. Ein weiterer Katheter wird nun durch den ersten direkt zum Lebertumor vorgeschoben. Je näher der Katheter am Tumor liegt, desto geringer ist die Gefahr, dass gesunde Bereiche mit embolisiert werden.
Bei richtiger Lage werden folgende Medikamente nun über den Katheter direkt dem Tumor abgegeben: Lipidol Emulsion (Gefäße, die die Leber versorgen, werden verschlossen und erhöhen die Wirkungsdauer des Chemotherapeutikums), Plastikpartikel werden in das Tumorgebiet eingegeben (diese verlangsamen die Blutstromgeschwindigkeit und führen zu einem Verschluss der Gefäße, die den Tumor versorgen), als Chemotherapeutikum können Doxorubicin, Carboplatin und Mitomycin u.a. zum Einsatz kommen. Anschließend wird diese Embolisation wiederholt. Nicht durchgeführt werden darf diese Behandlung bei Patienten mit Herz- oder Leberinsuffizienz, einer Kontrastmittelallergie oder Blutgerinnungsstörungen.

Die letzte Therapiemöglichkeit bei Patienten mit Leberzellkarzinom ohne Metastasen, stellt die Lebertransplantation dar. Aufgrund des Organspendermangels stellt sie aber keine sehr häufige Maßnahme dar, weil es aus Zeitgründen meist nicht mehr zu einer Transplantation kommen kann. Eine Lebertransplantation kann nur dann durchgeführt werden, wenn die sogenannten Milano-Kriterien erfüllt sind (1 Tumor muss unter 5 cm groß sein oder maximal 3 Tumoren zu je 3 cm Durchmesser). Besteht bereits ein Anschluss des Tumors an das Blutgefäßsystem oder treten Befunde außerhalb des Leber auf, schließt dies eine Lebertransplantation aus.
Außerdem muss der Patient bestimmte Richtlinien erfüllen: besteht zu seiner Lebererkrankung auch ein Alkoholproblem? So muss er nachweislich die letzte Zeit abstinent gelebt haben, um ihn in die engere Auswahl von Spendeorganbewerbern zu lassen. Sollte der Patient die Kriterien für eine Lebertransplantation erfüllen und auf die Warteliste gesetzt werden, sind überbrückende Therapiemaßnahmen zu erwägen.

Die durchgeführte Therapieform beim Leberzellkarzinom (Leberkrebs), verteilt sich bei den Patienten wie folgt: 73% der Patienten erhalten keine Therapie, da der Diagnosezeitpunkt zu spät und die Krankheit zu weit fortgeschritten ist. 12% erhalten eine operative Therapie mit Entfernung von Leberteilen oder Metastasenentfernung. 6% erhalten eine Chemotherapie. 9% der Patienten erhalten eine andere, nicht näher klassifizierte Therapie.

Sollte eine kurative Therapie nicht mehr möglich sein, wird meist eine palliative Therapie des Leberskrebs in Betracht gezogen. Diese zielt vor allem auf die Linderung der Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität ab.

Lesen Sie mehr  zu dem Thema: Leberkrebs im Endstadium

Prophylaxe

Eine wichtige, vorbeugende Maßnahme besteht in der Verhinderung von Erkrankungen, die als Folge ein Leberzellkarzinom (Leberkrebs) verursachen können (Leberzirrhose, Hepatitis). Besteht ein Alkoholproblem, muss unverzüglich eine Abstinenz erreicht werden, zumal, wenn bereits eine Leberzirrhose nachgewiesen wurde. Um eine der zahlreichen Leberentzündungen zu vermeiden, sollte frühzeitig eine Impfung (Hepatitis A, Hepatitis B) in Betracht gezogen werden.
Da es gegen Hepatitis C keine Impfung gibt, sollten Vorsichtsmaßnahmen bei den Übertragungsquellen (geschützter Geschlechtsverkehr, Einmalspritzen bei Heroinabhängigkeit) beachtet werden.
Patienten, bei denen eine Leberzirrhose oder eine Hepatitis Infektion bekannt ist, sollten alle sechs Monate zu einer Vorsorgeuntersuchung (Ultraschall und Tumormarkerbestimmung) zum Arzt gehen.

Prognose

Um nach der Diagnose eines hepatozellulären Karzinoms (Leberkrebs) eine Aussage zu der Prognose machen zu können, sollten das Tumorstadium (Ausbreitung und histologischer Typ), die Leberfunktion (eingeschränkte Leberfunktion deutet auf ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung mit Prognoseverschlechterung hin), der allgemeine Gesundheitszustand (existieren andere Begleitbeschwerden?) und potentieller Einfluss von therapeutischen Maßnahmen (macht es Sinn eine bestimmte Therapie zu beginnen?) beachtet werden.

Ohne eine entsprechende Therapie ist die Prognose schlecht. Da die Erkrankung relativ spät zu Symptomen führt und ein Leberzellkarzinom erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert wird, bleibt häufig nur die Möglichkeit einer palliativen Therapie. Hier sind die mittleren Überlebensraten nur 6-12 Monate.

Bei dem Versuch einer heilenden Behandlung, liegen die 5-Jahresüberlebensraten bei einer Lebertransplantation bei 40-70%, nach einer Teilentfernung der Leber bei 20-50% und nach einer lokalen Tumorentfernung bei 20-50%. Nach einer Leberoperation beträgt die Sterblichkeit während der Operation und bis maximal 3 Monate danach 10%. Gilt ein Leberzellkarzinom als therapiert, besteht natürlich immer die Gefahr eines Rückfalls (Rezidiv). Fand der Tumor bereits Anschluss an das Blutgefäßsystem und waren beide Leberlappen von dem Tumor betroffen, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls recht hoch. Auch die Größe des Tumors muss mit in die Wahrscheinlichkeitsberechnung eines Rezidives mit einbezogen werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.08.2018
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