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Meralgia paraesthetica

Allgemeines

Die Meralgia paraesthetica (Synonyme: Bernhardt-Roth-Syndrom oder Inguinaltunnel-Syndrom) gehört zu den sogenannten Nervenkompressionssyndromen und kommt durch die Kompression des Nervus cutaneus femoris lateralis unter dem Leistenband zustande.

Ursachen

Prinzipiell kann jeder an einer Meralgia paraesthetica erkranken.

Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, die deren Auftreten begünstigen.
Dazu gehören verschiedene Ursachen, die dazu führen, dass ein hoher Druck auf das Leistenband und damit auf den Nervus cutaneus femoris lateralis ausgeübt wird, also unter anderem Übergewicht, eine Schwangerschaft, zu enge Jeans oder Gürtel.

Auch ein bestehender Diabetes mellitus und die Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht (auf eine betroffene Frau kommen in etwa drei Männer) erhöhen die Wahrscheinlichkeit dieses Syndroms.


Entstehung und Symptome

Der Nervus cutaneus femoris lateralis wird in seinem Verlauf eingeengt bzw. abgedrückt wird, was am häufigsten an seiner Durchtrittsstelle unter dem Leistenband passiert, da er hier seinem natürlichen Verlauf gemäß einen Knick von ungefähr 90° macht.
Der Nerv entspringt direkt aus dem Plexus lumbalis und ist rein sensibel, das heißt er zieht in keinen Muskel, sondern ist ausschließlich für das Empfindungsvermögen auf der Haut an der vorderen äußeren Seite am Oberschenkel zuständig.
Daraus erklären sich auch die Symptome, die betroffene Patienten beschreiben: An dem von dem Nerven versorgten Gebiet der Haut kommt es zu Missempfindungen oder Schmerzen, die häufig als brennend oder nadelstichartig beschrieben werden.
Klassischerweise mindern sich die Beschwerden, wenn die Hüfte gebeugt wird, da so der Nerv entlastet wird, bei einer Streckung hingegen nehmen die Schmerzen eher zu. Im weiteren Verlauf kann es in manchen Fällen dazu kommen, dass die Haut überempfindlich wird, sodass selbst das Tragen von Kleidern starke Schmerzen bereitet oder aber dass das Schmerzempfinden und das Gefühl allgemein an dieser speziellen Stelle stark eingeschränkt wwerden (man spricht dann von Hypalgesie oder Hypästhesie). Etwa bei jedem zehnten Betroffenen bestehen die Probleme auf beiden Seiten.

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Schmerzen

Durch die Einklemmung eines Hautnervs im Bereich des Leistenbandes kommt es zu Schmerzen im Oberschenkel. Schmerzen, die durch Druck auf einen Nerv, verursacht werden, sind meist dumpf und brennend. Manche Patienten beschreiben sie wie ein elektrisierendes Gefühl. Bei der Meralgie parästhetica treten die Schmerzen an der Oberschenkelaußenseite auf. Dieses Areal wird normalerweise von dem Nerv sensibel innerviert. Wird der Nerv in seinem Verlauf geschädigt, kommt es zusätzlich zu einem Taubheitsgefühl oder unangenehmen Kribbeln.

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Therapie

Sollte sich der Verdacht auf das Bestehen einer Meralgia paraesthetica erhärtet haben, so injiziert der Arzt ein Lokalanästhetikum in den Durchtrittspunkt des Nervus cutaneus femoris lateralis durch das Leistenband.
Wenn sich die Beschwerden hierdurch deutlich bessern, so gilt dies als Beweis für ein Vorliegen dieser Erkrankung.

Die weitere Therapie richtet sich nach dem Patienten.
Falls eine Grunderkrankung vorliegt, sollte diese in jedem Falle behandelt werden.
Außerdem sollten Risikofaktoren wie enge Kleidung oder Übergewicht vermieden werden.
Bei ungefähr 25% der Patienten bildet sich das Nervenkompressionssyndrom von alleine wieder zurück.
Bei den anderen können weiterhin örtliche Betäubungsmittel (zum Beispiel Bupivacain) zur Nervenblockade eingesetzt werden.
Ergänzend sollten Schmerzmittel wie Ibuprofen erwogen werden.

Operation

Wenn all diese Maßnahmen keinen Rückgang der Symptomatik bewirken, so kann eine OP in Betracht gezogen werden, bei welcher entweder eine Dekompression am Leistenband oder sogar eine Durchtrennung des betroffenen Nervs erfolgt.

Hinter diesem Begriff verbergen sich zwei unterschiedliche Verfahren. Zum einem kann der Nerv von spezialisierten Chirurgen mikrochirurgisch freigelegt und so von dem den Nerv umgebenden und einengenden Bindegewebe befreit werden. Zum anderen kann der Nerv durch Injektion bestimmter Substanzen wie z.B. 95%iges Äthanol verödet werden oder chirurgisch durchtrennt werden, um dadurch den Schmerz endgültig auszuschalten.

Bei der OP mit Durchtrennung des Nerven bleibt das Versorgungsgebiet am Oberschenkel dauerhaft taub. Motorische Schäden wie Muskellähmung oder Muskelschwäche erfolgt nicht bei dieser OP-Methode.

Durch alle zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen erreichen knapp 90% der Patienten wieder eine völlige Beschwerdefreiheit.

Physiotherapie

Ja, eine physiotherapeutische Behandlung ist bei einer Meralgie parästhetica sicher eine sinnvolle Ergänzung. Der Schmerz entsteht durch den eingeklemmten Nerv, der durch das Leistenband in den Oberschenkel zieht. Der Druck auf den Nerv lässt nach wenn man das Hüftgelenk beugt. Entsprechende Übungen können in der Physiotherapie erlernt werden. Des Weiteren kann der Physiotherapeut entsprechende Muskelverspannungen im Oberschenkel lockern, dies trägt ebenfalls zur Schmerzlinderung bei. Vor allem bei chronischen Schmerzsyndromen ist eine physiotherapeutische Behandlung ratsam.  

Welche Übungen können helfen?

Bei der Meralgia paraesthetica kommt es zu Schmerzen im Oberschenkel. Die Ursache ist ein eingeklemmter Nerv, der aus dem Becken durch das Leistenband in den Oberschenkel zieht. Deshalb bessern sich die Beschwerden wenn man das Hüftgelenk beugt. Die Missempfindungen nehmen zu, wenn das Hüftgelenk überstreckt wird. Dies lässt sich im Alltag nicht immer vermeiden. Die Schmerzen kommen jedoch auch oft nachts. Daher hilft es in der Nacht ein Polster unter das betroffene Bein zu legen. Auch Entspannungsverfahren wie zum Beispiel autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jakobsen sind als Ergänzung sinnvoll; gerade wenn sich die Beschwerden bereits chronifiziert haben. Zudem sollte man Risikofaktorenwie zu enge Hosen, zu enge Autositze oder Sicherheitsgurte meiden. Auch durch eine Gewichtsabnahme wird das Übergewicht als Risikofaktor eliminiert

Was ist eine Infiltrationstherapie?

Eine Infiltrationstherapie bei Meralgia paraesthetica ist mit einer Betäubung beim Zahnarzt vergleichbar. Bei dem Krankheitsbild kommt es durch Druck auf einen Nerv der vom Becken zum Oberschenkel zieht, zu Missempfindungen und Schmerzen. Hier werden flüssige Medikamente, meist örtliche Betäubungsmittel (zum Beispiel Lidocain) oder Cortison direkt in die Umgebung des Nervens injiziert. Man kann dies unter Ultraschallkontrolle durchführen, um die Stelle punktgenau lokalisieren zu können. Je nach Erfolg kann die Behandlung mehrmals wiederholt werden.

Osteopathie

Bei der Osteopathie handelt es sich um ein Verfahren der Komplementärmedizin. Dies bedeutet, dass die Osteopathie kein Diagnose und Therapieverfahren der Schulmedizin ist, diese jedoch in gewissen Bereichen ergänzen kann. In der Osteopathie glaubt man daran, dass Bewegungseinschränkungen für die Beschwerden verantwortlich sind. Daher ist ein großes Therapieziel diese Blockierungen zu lösen und wieder Mobilität zu schaffen. Manchmal werden auch gezielt spezielle Triggerpunkte behandelt. Triggerpunkte sind gut spürbare Punkte bei denen sich durch Druck von außen der Schmerz auslösen lässt.

Medikamente

Zur Behandlung einer Meralgie parästhetica können zahlreiche Medikamente eingesetzt werden. Medikamente der ersten Wahl sind Schmerzmittel, allen voran nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Der bekannteste Vertreter dieser Medikamentenklasse ist das Ibuprofen. Sollte sich unter einer Therapie mit Ibuprofen keine Besserung einstellen können auch spezielle Nervenschmerzmittel wie Gabapentin, Pregabalin oder Carbamazepin verabreicht werden. Ibuprofen sollte zur Therapieergänzung aber auch in diesem Fall eingenommen werden. Erreicht man mittels Medikamenten keine ausreichende Schmerzstillung, muss überlegt werden ob die Möglichkeit einer lokalen (z.B. operativen) Therapie gegeben ist.

Homöopathie

Eine Entspannung der Muskulatur kann bei der Meralgia paraethetica Linderung bringen. Hier empfehlen sich Schüßler Salze, zum Beispiel Nr. 7 Magnesium phosphoricum. Auch Arnika kann helfen die Beschwerden zu behandeln. Zum einen kann man versuchen diese als Salbe aufzutragen, zum anderen kann man diese auch in Form von Tropfen oder Globuli zu sich nehmen.

Meralgia paraesthetica in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft kann der bei einer Meralgia paraesthetica betroffene Nerv (Nervus cutaneus femoris lateralis) durch erhöhte Druckumstände in seinem sowieso schon sehr engem Verlauf unter dem Leistenband komprimiert oder sogar abgeklemmt werden, was dann zu den charakteristischen Empfindungsstörungen im äußeren Bereich des Oberschenkels führen kann.

Im Rahmen einer Schwangerschaft ist das Risiko an einer Meralgia paraesthetica zu leiden deshalb erhöht, weil es mit der Entwicklung des Kindes im Mutterleib zu verschiedenen Veränderungen im mütterlichen Körpersystem kommt.

Zum einen kommt es während der Schwangerschaft zur vermehrten Wassereinlagerung u.a. in das Bindegewebe, wobei dieses anschwellen und umliegende Strukturen (wie z. B. Nerven) komprimieren oder abklemmen kann. Aber auch das zunehmende Gewicht des Kindes sorgt mit fortschreitendem Schwangerschaftsalter für einen erhöhten Druck auf das Becken, genauso wie die verstärkt gespannte Bauchdecke, sodass es zu Irritationen des Nervus cutaneus femoris lateralis kommen kann. In der Regel verschwindet die Symptomatik nach dem Ende der Schwangerschaft ohne zurückbleibende Beschwerden.

Meralgia paraesthetica und Sport

Die Meraligia paraesthetica bzw. das Inguinaltunnel-Syndrom, das in erster Linie durch erhöhte Zug- und Druckkräfte auf den Nervus cutaneus femoris lateralis in seinem Verlauf unter dem Leistenband zustande kommt, kann unter anderem auch im Rahmen von sportlichen Betätigungen ausgelöst werden.

Als Risikofaktor für die Entstehung dieser Nervenreizung gilt im Sport vor allem das Krafttraining, bei dem insbesondere die Muskelgruppen der Oberschenkel (Oberschenkelstrecker), der Hüfte (Muskelbeuger) und des Bauchen (gerade und schräge Bauchmuskulatur) trainiert werden.
Durch falsches Training oder Fehlhaltungen während der Kraftübungen kann es zum einen zur Einklemmung des Nervs kommen, zum anderen kann aber auch ein unausgeglichenes Krafttraining mit resultierenden Dysbalancen und Muskelverkürzungen zu einer Komprimierung des Nervs in seinen anatomischen Engstellen kommen, sodass dieser irritiert und gereizt wird und das charakteristische Symptombild der Meralgia paraesthetica an der Außenseite des Oberschenkels hervorruft.

Welcher Arzt behandelt die Meralgia parästhetica?

Prinzipiell ist der Hausarzt als Facharzt für Allgemeinmedizin der erste Ansprechpartner. Er kann die Diagnose stellen und erste medikamentöse Therapiemaßnahmen beginnen. Sollte sich unter den Therapiemaßnahmen des Allgemeinmediziners keine Besserung einstellen ist die Überweisung an einen Facharzt sinnvoll. Dies kann zum einen ein Facharzt für Neurologie oder zum anderen ein Facharzt für Orthopädie sein. Beide Fachärzte behandeln dieses Krankheitsbild. Ist eine operative Dekompression geplant, dann ist eine Vorstellung beim Chirurgen der richtige Schritt.

Prognose / Heilung

Es sind zahlreiche Risikofaktoren bekannt, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Diese sollten zunächst beseitigt werden um den Nerv zu entlasten. Oft bessern sich die Beschwerden dann spontan. Sollte dies nicht der Fall sein kann eine Infiltrationstherapie durchgeführt werden (Siehe oben) . In seltenen Fällen hilft nur ein operativer Eingriff. Die Prognose der Erkrankung ist jedoch gut. Bei neun von zehn Patienten kommt es durch diese Maßnahmen zu einer deutlichen Beschwerdebesserung.

Diagnostik

Um die Diagnose einer Meralgia paraesthetica stellen zu können, ist zunächst einmal die Erhebung der Krankengeschichte notwendig, der dann eine gute körperliche Untersuchung folgen sollte.
Neben den charakteristischen Schmerzen in dem umschriebenen Gebiet an der äußeren Oberschenkelvorderseite fällt oftmals auch ein Druckschmerz etwas mittig der Spina iliaca anterior superior auf, dies ist die Stelle, an welcher der Nerv durch das Leistenband tritt.
Auch beim passiven Anheben des gestreckten Beines in Rückenlage kommt es häufig zu einer Verstärkung der Schmerzen (umgekehrtes Lasègue-Zeichen). Außerdem lassen sich bei einigen Patienten pathologische SEPs (somatosensibel evozierte Potenziale) ableiten, welche durch eine verlängerte Latenz auffällig werden. In Ausnahmefällen kann es sinnvoll sein, eine MRT anfertigen zu lassen, um die Strukturen um das Leistenband und den Nerven herum beurteilen zu können.

Differentialdiagnose

Eine wichtige Differenzialdiagnose der Meralgia paraesthetica ist eine Radikulopathie, also eine Symptomatik, welche durch die Schädigung einer Nervenwurzel ausgelöst wird. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass bei Radikulopathien (also zum Beispiel bei einem Bandscheibenprolaps der Lendenwirbelsäule) neben den sensiblen auch motorische Beeinträchtigungen bestehen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.08.2018
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