Olecranonfraktur

Definition

Das Olecranon (dt. Hakenfortsatz) ist das obere (proximale) Ende der Elle (Ulna). Es stellt den Ansatzpunkt des Musculus triceps brachii dar. Das Olecranon ist Teil des Ellenbogengelenkes und artikuliert hier mit der Gelenkrolle des Oberarmknochens (Trochlea humeri).
Das Ellenbogengelenk (Articulatio cubiti) ist ein zusammengesetztes Gelenk, das aus drei Teilen besteht. Zum einen bilden Elle und Speiche ein Gelenk (proximales Radioulnargelenk), daneben bilden Oberarmknochen und Speiche ein weiteres Gelenk (Humeroradialgelenk) und zuletzt artikulieren der Oberarmknochen und das Olecranon der Elle im Humeroulnargelenk.
Bei letzterem handelt es sich um ein Scharniergelenk, wobei der Unterarm gegenüber dem Oberarm gebeugt oder gestreckt werden kann. Eine Olecranonfraktur ist also ein Bruch des oberen Teiles der Elle des Unterarms.

Ursachen

Meist entsteht eine Olecranonfraktur durch direkte Gewalteinwirkung auf den Ellenbogen, am häufigsten in Form eines Sturzes direkt auf den Ellenbogen oder seltener durch einen Schlag.

Symptome

Bei einer Olecranonfraktur ist der Ellenbogen massiv geschwollen und mit einem Bluterguss versehen. Der Ellenbogen fängt unmittelbar nach der Verletzung an, stark zu schmerzen. Durch den Ansatz des Trizeps-Muskels am Olecranon kann bei einer Fraktur desselben der Arm nicht mehr aktiv im Ellenbogengelenk gestreckt werden.
Charakteristisch ist außerdem, dass durch den Zug des Trizeps-Muskels das abgebrochene Knochenstück des Olecranons nach oben gezogen wird, wo es auch zu tasten ist. Ebenso kann ein Spalt am Ellenbogen getastet werden, wo sich sonst das Olecranon befinden würde. Es kommt typischerweise zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung.


Diagnose

Bereits durch die Anamnese (Arztgespräch) erhält der Arzt erste Hinweise zum Unfallhergang, die den Verdacht auf eine Olecranonfraktur lenken können. Die bei der Inspektion auffallende Schwellung, Blaufärbung und schmerzliche Bewegungseinschränkung erhärten den Verdacht.
Bei der Funktionsprüfung stellt der Arzt eine fehlende Streckbarkeit im Gelenk sowie einen tastbaren Spalt fest. Desweiteren ist das abgrebrochene Olecranonfragment durch den Zug des Trizeps-Muskels weiter oben zu tasten.
Der Arzt überprüft am Unterarm die periphere Motorik (Kraft), Sensibilität (Empfindung) und Durchblutung (Pulse), um Verletzungen von Nerven oder Gefäßen auszuschließen.

In der Folge wird der Verdacht mittels Bildgebung bestätigt. Hierbei kommt zunächst eine Röntgenaufnahme zum Einsatz. Dabei erfolgt die Aufnahme immer in zwei Ebenen, sodass der Strahlengang einmal von vorne nach hinten und dann von der Seite verläuft.
Wenn der Verdacht besteht, dass eine begleitende Bandverletzung besteht, so kann dies mit einer Ultraschalluntersuchung oder mithilfe von „gehaltenen Aufnahmen“ nachgewiesen werden. Bei dieser speziellen Röntgenaufnahme wird das Ellenbogengelenk seitlich vorgespannt, um eine vermehrte Aufklappbarkeit durch eine Schädigung des stabilisierenden Bandapparates aufzudecken.

Gefäßverletzungen hingegen sind relativ schnell erkennbar, nur selten ist eine Darstellung in Form einer Angiographie (Darstellung der Gefäße mit Kontrastmittel im Röntgen, CT oder MRT) notwendig.
Sämtliche Weichteilverletzungen lassen sich generell am sichersten im MRT erkennen. Begleitende Nervenschäden können teilweise erst nach Wochen nachgewiesen werden, wobei sich bei deren Diagnose besonders die Elektro-Neurographie (ENG) und die Elektro-Myographie (EMG) bewährt haben.

Behandlung

Die Behandlung einer Olecranonfraktur erfolgt in den meisten Fällen operativ. Lediglich bei nichtverschobenen (nichtdislozierten) Frakturen bei Kindern kann der Bruch konservativ versorgt werden, da deren Knochen noch eine andere Heilungsfähigkeit besitzt.
In diesem Fall erfolgt die Ruhigstellung durch einen sogenannten Gilchrist-oder Desault-Verband. Durch die Ruhigstellung wird ein genau passendes Zusammenwachsen der Knochenteile sichergestellt.

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Alle anderen Brüche jedoch müssen operativ behandelt werden. Man unterscheidet hierbei zwischen einfachen Abrissfrakturen, wo das Olecranon einfach durchgebrochen ist und der obere Teil vom Trizeps-Muskel nach oben gezogen wird und Trümemerfrakturen, wobei das Olecranon in mehrere Teile zerbrochen ist.
Bei der Versorgung beider Frakturen erfolgt der Zugang von der Speiche (Radius)her, um den Nervus ulnaris zu schonen. Zu den wichtigen Aufgaben des Nervus ulnaris gehört die sensible Versorgung von Teilen des Unterarms und der Hand, sowie die Beugung im Handgelenk und die Spreizung der Finger.
Die Abrissfraktur wird mithilfe einer Zuggurtungsosteosynthese versorgt. Bei dieser Technik werden die Zugkräfte, durch welche die Knochenfragmente auseinandergezogen werden, durch Drahtschlingen in Druckkräfte umgewandelt. Die Bruchteile werden also so zueinander geführt und gehalten, dass sie wieder zusammenheilen können.

Bei einer Trümmerfraktur werden die einzelnen Frakturfragmente (Knochenteile) mittels Plattenosteosynthese stabilisiert. Hierbei kommen kleine Platten zum Einsatz, die die Trümmerfragmente untereinander fixieren und in der richtigen Position halten, sodass diese zusammenwachsen können. In beiden Fällen wird das Metall in der Regel in einem weiteren kleinen chirurgischen Eingriff wieder entfernt. Dies geschieht nach frühestens 2 Monaten. Während der Zeit der Frakturheilung kann je nach Ausmaß des Bruches eine Ruhigstellung notwendig sein. Physiotherapeutische Übungen können die Beweglichkeit unterstützen und einem Kraftverlust entgegen wirken.

Prognose

Bei adäquater ärztlicher Behandlung und der richtigen Wahl und Durchführung der Operationstechnik sind die Heilungsaussichten einer Olecranonfraktur sehr gut. Im wesentlichen hängt die Prognose vom Ausmaß der Fraktur und der Verletzung von benachbarten Strukturen wie Gefäßen, Muskulatur und Sehnen oder Nerven ab.
Bei Trümmerbrüchen kann es trotz sorgfältiger chirurgischer Versorgung zu Unregelmäßigkeiten im Gelenk kommen. Als Folge kann dies zum Verschleiß des Gelenkknorpels (Arthrose) oder schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führen.
Dies kann sich bei belastenden Sportarten wie Tennis, Golf oder Rudern problematisch äußern, beeinträchtigt das Gelenk aber normalerweise nicht in seiner Alltagsfunktion. Die Operation an sich ist als risikoarm einzustufen, nur selten kommt es zur Verletzung wichtiger Strukturen, Entzündungen oder Wundheilungsstörungen.

Prophylaxe

Durch Ellenbogenschoner kann das Olecranon bei besonders gefährdenden Sportarten geschützt werden. Der Einsatz ist besonders bei Sportarten wie Hockey, Inliner-Skating oder Polo ratsam.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.01.2018
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