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Röteln beim Erwachsenen

Definition

Röteln (Rubella) werden durch das Rötelnvirus hervorgerufen, das zur Familie der Togaviren gehört. Röteln gehören zu den Kinderkrankheiten. Der typische Altersgipfel liegt im Kindesalter zwischen 5 und 9 Jahren, aber auch Erwachsene können betroffen sein. In den letzten Jahren zeigte sich eine zunehmende Zahl an Infektionen im jungen Erwachsenenalter.

Siehe auch: Symptome bei Röteln

Besonders gefährlich ist die Infektion während der Schwangerschaft. Schwangere sind demnach besonders gefährdet bei bestehenden Durchimpfungslücken. Nach einer durchgemachten Röteln-Infektion besteht lebenslange Immunität. Bei Ausbruch der Röteln besteht Meldepflicht.

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Ursachen

Eine Ansteckung mit Röteln passiert über eine sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Dabei werden die Erreger im Speichel oder im Nasensekret beim Husten und Niesen auf eine andere Person übertragen. Der Mensch ist der einzige bekannte Wirt. Über die Atemwege wird das Röteln-Virus aufgenommen und vermehrt sich zunächst in Lymphknoten-Stationen, um sich dann weiter im Blut zu verbreiten.

Eine Ansteckungsgefahr besteht circa eine Woche vor bis eine Woche nach Auftreten des Ausschlags. Die tatsächliche Ansteckungsgefahr wird aber allgemein als nicht sehr hoch eingestuft. Eine besondere Form der Ansteckung besteht während der Schwangerschaft. Erleidet die Mutter eine Ansteckung mit Röteln, kann sie das Virus über das Blut des Mutterkuchens (Plazenta) auf das noch ungeborene Kind übertragen. Die erkrankten Kinder können nach der Geburt bis zu einem Jahr ansteckend sein.

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Symptome

Bevor der typische Ausschlag entsteht fühlen sich die Betroffenen schlapp und zeigen Zeichen einer leichten Erkältung. Der typische Röteln-Ausschlag (Exanthem) beginnt am Kopf, meist hinter den Ohren und breitet sich von dort über den ganzen Körper samt Extremitäten aus. Er setzt sich aus feinen- bis mittelfleckigen roten Pünktchen zusammen. Diese sind hellrot und sind meist gut voneinander abzugrenzen. Der Ausschlag wird als flüchtig bezeichnet, da dieser meist schon nach wenigen Tagen wieder verschwindet.

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Die Betroffenen, meist Kinder, sind häufig nur wenig beeinträchtigt. Das Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen ist nur gering ausgeprägt. Es kommt häufig zu einem subfebrilen Temperaturanstieg bis zu 38°C. In seltenen Fällen tritt tatsächlich hohes Fieber auf. Als Immunreaktion auf die Rötelninfektion schwellen die Lymphknoten als Abwehrstationen des Körpers charakteristischerweise im Bereich des Nackens und hinter den Ohren an (siehe hierzu auch: Ursachen für Lymphknotenschwellung hinter dem Ohr). Manchmal kann auch eine vergrößerte Milz getastet werden (siehe auch: Milzschmerzen). Als Begleitreaktion können leichte Erkältungssymptome, vor allem Schnupfen, auftreten. Auch eine Bindehautentzündung der Augen ist möglich. Im Blutbild zeigt sich ein unspezifischer Abfall der weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie).

Verlauf

Der Verlauf einer Röteln-Infektion ist in den allermeisten Fällen harmlos und sehr milde. In der Hälfte der Fälle kommt es gar nicht erst zum Ausbruch. Komplikationen treten vor allem im Erwachsenenalter auf. Sie reichen von Gelenkschmerzen bis hin zu sehr schmerzhaften Entzündungen der Gelenke (Arthritis). Diese können auch Wochen nach Abklingen des Ausschlags noch bestehen bleiben. Die allgemeine Entzündungsreaktion kann zudem auf eine Vielzahl von Organen übergreifen.

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Es kommt regelmäßig zu Mittelohrentzündungen oder einer Bronchitis. Besonders gefährlich ist eine Entzündung des Gehirns in Form einer Enzephalitis oder eine Entzündung des Herzmuskels oder des Herzbeutels in Form einer Myokarditis bzw. Perikarditis. Im Nachklang der Infektion kann es zu einem Abfall der Blutplättchen kommen (Thromboztopenie), was wiederum kleinste Einblutungen in der Haut provoziert.

Besonders dramatisch ist der Erkrankungsverlauf in der Schwangerschaft. Ein Schwangerschaftsabbruch oder eine Frühgeburt können die Folgen sein. Das Ausmaß der Komplikationen variiert je nach Erkrankungsszeitpunkt. Vor allem in den ersten zehn bis zwölf Schwangerschaftswochen kommt es mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% zur Übertragung von der Mutter auf das Kind und somit zum Vollbild der Rötelnembryopathie. Diese sogenannte Gregg-Trias besteht aus Herzfehlern, Eintrübung der Linse (Katarakt) und Innenohrschwerhörigkeit. Eine Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten (geistige Retardierung) ist ebenfalls möglich. Nach dem ersten Trimenon können im Rahmen der Rötelnfetopathie Blutbildveränderungen, eine Entzündung der Leber (Hepatitis) oder eine Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) auftreten.

Wie ansteckend sind die Röteln für Erwachsenen?

Da die meisten Erwachsenen einen ausreichenden Impfschutz besitzen, stellen Röteln keine große Gefahr mehr dar. Sie sind jedoch genauso ansteckend wie für Kinder auch. Röteln sind zwar eine typische Kinderkrankheit, können allerdings auch Erwachsene betreffen. Sollte der Impfschutz nicht bestehen oder unklar sein, sollte dieser dringend überprüft und nachgeholt werden. Dies empfiehlt sich grundsätzlich für alle Erwachsenen, aber vor allem für Frauen im gebärfähigen Alter. Bei Schwangeren gehört die Titer-Bestimmung der Abwehrkörper IgG gegen Röteln daher zur Standardvorsorge. Bei einem Titer von über 1:32 ist davon auszugehen, dass die Schwangere und ihr Ungeborenes ausreichend geschützt sind.

Welcher Erwachsene braucht eine Impfung?

Gemäß der Empfehlung der Impfkommission STIKO ist die Röteln Impfung in Kombination mit der Masern- und Mumpsimpfung (MMR-Impfstoff) zwischen dem 12. Und 15. Lebensmonat durchzuführen. Eine Wiederholung sollte vor Vollendung des 2.Lebensjahres erfolgen, um mögliches Impfversagen bei sogenannten Nonrespondern zu vermeiden. Es handelt sich hierbei um eine Lebendimpfung. Das bedeutet, dass abgeschwächte Erreger gespritzt werden, die das körpereigene Immunsystem animieren sollen, Antikörper gegen den tatsächlichen Erreger zu entwickeln.

Falls die Impfung im Kindesalter verpasst wurde, sollte auch im Erwachsenenalter noch nachgeimpft werden. Dies ist auch der Fall, wenn der Betroffene schon einmal die Röteln durchgemacht hat. Nach einer durchgemachten Infektion besteht zwar grundsätzlich lebenslanger Schutz. Liegt diese Röteln-Erkrankung jedoch lange zurück, kann es in seltenen Fällen zu einer erneuten Infektion kommen. Eine Nachholimpfung ist demnach auch im Erwachsenenalter zu empfehlen. Besonders wichtig ist die Impfung für Frauen, die im gebährfähigen Alter sind, da eine Infektion des Ungeborenen besonders gefährlich ist.

Bei der Impfung können an der Einstichstelle eine Rötung, Schwellung oder Überempfindlichkeit entstehen. Fieber ist ebenfalls möglich. Da es sich um eine Lebendimpfung handelt, kann es potentiell zu einem abgemilderten Verlauf der Röteln kommen.

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Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit meint die Zeit, die zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome besteht. Bei Röteln beträgt sie circa zwei bis drei Wochen. In der Hälfte der Fälle kommt die Erkrankung überhaupt nicht zum Ausbruch und verläuft asymptomatisch.

Dauer

Der Ausschlag besteht nur über wenige, meist 3, Tage. Das Krankheitsgefühl beginnt meist jedoch schon eine Woche vorher und kann auch noch ein paar Wochen danach anhalten. Vor allem bei Erwachsenen zeigt sich ein zunehmender Verlauf, bei dem Komplikationen wie Gelenkschmerzen aufteten.

Diagnose

Eine Abgrenzung von anderen Kinderkrankheiten mit Ausschlag wie Masern, Ringelröteln oder Scharlach ist häufig nicht ganz einfach. Die Diagnose wird dennoch meist klinisch gestellt und erfordert nur in speziellen Fällen weitere diagnostische Schritte. Ein direkter Erregernachweis zum Beispiel aus dem Rachensekret gehört nicht zum Standardprozedere, da er keine therapeutische Konsequenz nach sich ziehen würde.

Will man hingegen bei Schwangeren oder Neugeborenen auf Nummer sich gehen, erfolgt eine Antikörperbestimmung im Blut. Da dieses Ergebnis häufig falsch positiv erscheinen kann, gibt es zur Bestätigung noch den Hämagglutinationstest, bei dem es zu einer Verklumpung von roten Blutkörperchen kommt. Weitere Nachweismöglichkeiten gelingen über kulturelle Anzucht, über eine PCR (hier wird das Erbgut des Virus nachgewiesen) des Fruchtwassers oder eine Probenentnahme aus den Plazentazotten.

Behandlung

Da es sich bei Röteln um Viren handelt, kommt, wie bei den meisten Viruserkrankungen, eine rein symptomatische Behandlung in Betracht. Im Gegensatz zu einer bakteriellen Infektion greifen Antibiotika hier nicht. Die symptomatische Therapie stützt sich auf fiebersenkende Mittel zzum Beispiel mit Ibuprofen oder Paracetamol. Diese lindern gleichzeitig auch auftretende Glieder- oder Kopfschmerzen. Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Hatten Schwangeren Kontakt zu Rötelninfizierten ist eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen innerhalb von drei Tagen nach Erstkontakt möglich. Eine Infektion kann dadurch aber nicht zu 100% verhindert werden. Erfolgte die Infektion während der Schwangerschaft, müssen die aufgetretenen Komplikationen der Rötelnembryofetopathie behandelt werden. Die Kinder benötigen nach der Geburt neben einer intensiven Betreuung eventuell Operationen am Herz oder den Augen, da das Rötelnvirus beim Ungeborenen zu Fehlbildungen dieser Organe führen kann. 

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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