Supinatorlogensyndrom

Definition

Das Supinatorlogensyndrom ist ein Engpasssyndrom des Radialisnerven im Bereich des Ellenbogengelenks. Der Name Supinatorloge kommt daher zustande, da sich der Radialisnerv knapp unterhalb des Ellenbogengelenks aufteilt und sein motorischer Teil, der bei dem Syndrom beschädigt wird, durch den Supinatormuskel zieht.

Andere Bezeichnungen für das Supinatorlogensyndrom sind unter anderem „Supinatorsyndrom, Radialiskompressionssyndrom oder auch Supinator-Tunnel-Syndrom“.

Beim Supinatorlogensyndrom kommt es ähnlich wie beim weitaus häufigeren und weitaus bekannteren Karpaltunnelsyndrom zu einer Einklemmung, Einengung oder Kompression eines Nerven. Hierbei ist der sogenannte tiefe Ast des Radialisnerven betroffen. Dieser Ast ist rein motorisch, wodurch es also lediglich zu einer Schwächung beziehungsweise Lähmung bestimmter Muskeln, nicht jedoch zu einem Ausfall oder einer Störung der Sensibilität kommt.


Neurologie

Der Speichennerv, auch Nervus radialis genannt, ist ein sogenannter gemischer Nerv. Er enthält sowohl motorische Fasern als auch sensible Fasern. Im Bereich des Ellenbogengelenks teilt er sich in die beiden Faseranteile auf.

Der sensible Teil verläuft oberflächlich in Richtung Handrücken und der motorische Teil läuft durch den Supinator-Muskel in die Tiefe, um dort die Muskeln für die Handstreckung zu versorgen. Je nachdem, an welcher Stelle der Nerv geschädigt ist, unterscheidet sich auch das Symptommuster.

Ist nur der oberflächliche Teil beschädigt, zeigen sich lediglich Sensibilitätsstörungen. Ist nur der motorische Teil geschädigt, wie dies beim Supinatorlogensyndrom der Fall ist, dann zeigen sich vor allem Ausfallerscheinungen der Muskulatur. Ist der Nerv weiter oben in Richtung Oberarm geschädigt, dann lassen sich sowohl Sensibilitätsstörungen als auch motorische Ausfälle beobachten.

Ursachen

Die Ursachen des Supinatorlogensyndroms können völlig verschiedener Genese sein. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, den motorischen Ast des Radialisnerven einzuengen und ihn so zu schädigen.

Eine mögliche Ursache des Kompressionssyndroms kann ein Bruch der Elle oder Speiche im Bereich des Ellenbogengelenks sein. Hier kann eine mögliche Knochenverschiebung oder ein gebildeter Bluterguss zu einer Quetschung des Nerven und einer damit verbundenen Nervenschädigung führen.

Auch eine Luxation/Ausrenkung des Speichenköpfchens (auch Radiusköpfchen genannt) aus seiner Bandführung heraus kann zu einer Einengung des Nerven im Bereich der Eintrittsstelle in den Muskel führen.

Entzündungen, Tumoren oder auch Fettgeschwülste im Bereich des Nervendurchtritts können ebenso zu einem Engpass führen. Ursache für das Supinatorlogensyndrom kann außerdem eine Vermehrung der Muskulatur des Musculus supinator sein, die durch ständig sich wiederholende Übungen wie beim Tennisspielen oder auch beim Klavierspielen aufgebaut wird, was ebenfalls zu einer Einengung des Nerven führen kann.

Als eine weitere Ursache kann das Engpasssyndrom auch durch ständigen Druck von außen entstehen, zum Beispiel bei einseitigem Tragen von schweren Gegenständen oder auch von kleinen Kindern.

Abbildung Ellenbogengelenk

  1. Oberarmköpchen -
    Capitulum humeri
  2. Äußerer Obergelenkknorren -
    Epycondilus lateralis
  3. Innerer Obergelenkknorren -
    Epycondilus medialis
  4. Oberarmrolle - Trochlea humeri
  5. Oberarmschaft - Corpus humeri
  6. Speichenkopf - Caput radii
  7. Speichenhals - Collum radii
  8. Rauigkeit der Speiche -
    Tuberositas radii
  9. Rauigkeit der Elle -
    Tuberositas ulnae
  10. Speichenschaft -
    Corpus radii
  11. Ellenschaft -
    Corpus ulnae
  12. Gelenkknorpel
  13. Gelenkkapsel -
    Capsula articularis
  14. Ellennerv -
    Ulnaris
  15. Armstrecker -
    Musculus triceps brachii
  16. Oberarmmuskel -
    Musculus biceps brachii

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Symptome

Das Hauptsymptom des Supinatorlogensyndroms ist eine Schwäche in der Fingerstreckung. Die Schwäche kann sich soweit ausbilden, dass die Finger gar nicht mehr gestreckt werden können. Wichtig hierbei ist, dass es sich um ein rein motorisches Problem handelt, da bei dem Supinatorlogensyndrom nur der motorische Teil des Radialisnerven betroffen ist. Der sensible Teil ist vollständig intakt, es kommt daher nicht zu Störungen der Empfindung an den Fingern oder Armen.

Zusätzliche Beeinträchtigungen der Sensibilität geben einen Hinweis auf eine Verletzung des Radialisnerven, bevor dieser sich in seinen motorischen und sensiblen Teil aufteilt. Eine solche Verletzung läge dann in Richtung Oberarm. Der Handrücken kann jedoch im Gegensatz zu den Fingern die ganze Zeit angehoben werden. Es bestehen also sozusagen nur „Fallfinger“, keine „Fallhand“.

Schmerzen

Ein weiteres Symptom des Supinatorlogensyndroms ist ein sogenannter belastungsabhängiger Schmerz im Bereich des äußeren Ellenbogengelenks. Dort befindet sich das sogenannte Radiusköpfchen, welches eine kugelähnliche Struktur des Speichenknochens darstellt. Die Schmerzen treten hierbei vor allem bei Drehbewegungen auf, wenn der Patient also die Handfläche nach oben dreht.

Möglicherweise kann es bei wiederholenden Drehbewegungen des Unterarms zu einem Gefühl der Ermüdung der Muskulatur kommen. Dieses Gefühl kennt man, wenn man im Sport dieselbe Übung einige Male wiederholt hat. Der Patient kann beim Supinatorlogensyndrom auch Schmerzen haben, die bis in das Handgelenk der betroffenen Seite ausstrahlen.

Symptome im Unterarm

Beim Supinatorlogensyndrom ist nur der untere Teil des Arms betroffen, da die Nervenschädigung auch erst am Unterarm eintritt. Die entstehenden Symptome betreffen daher auch nur den Unterarm, nicht den Oberarm. Da das Supinatorlogensyndrom nur die motorischen Fasern des Radialisnerven am Arm betrifft, treten keine Sensibilitätsstörungen am Arm auf. Durch die Schädigung der motorischen Nervenfasern kommt es zu einer Schwäche der Fingersteckung und zu Schmerzen bei Drehbewegungen des Unterarms.

Diagnose

Die Diagnose des Supinatorlogensyndroms setzt sich zusammen aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung des Patienten. Hierdurch kann ein erster Eindruck gewonnen werden, wo möglicherweise die Ursache des Problems zu finden ist.

Als nächstes kann durch einen Nervenfacharzt (Neurologe) die Leitungsgeschwindigkeit des betroffenen Nerven bestimmt werden. Kommt es durch Druck zu einer deutlichen Schädigung der Nervenscheide und des Nerven, so kann dessen Leitungsgeschwindigkeit deutlich vermindert sein.

Im Rahmen der Diagnosestellung können außerdem Ultraschalluntersuchungen sowie weitere bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT zum Einsatz kommen. Im Ultraschall können mögliche Lipome (Fettgeschwülste) oder auch Ganglien (gutartiger Weichteiltumor), die zu einem ständigen Druck auf den Nerven führen, gefunden werden. Durch Röntgen-Untersuchungen können eventuell bestehende Knochenbrüche der Elle und Speiche ausgeschlossen werden.

MRT Ellenbogen und Unterarm

Die MRT vom Ellenbogen und Unterarm kann als ein Baustein in der Diagnostik genutzt werden. Sie dient in erster Linie dazu, einengende Strukturen darzustellen.
In den MRT-Bildern können zum Beispiel Blutergüsse, Entzündungen oder auch kleine Fettgeschwülste, die den Radialisnerven quetschen, dargestellt werden.
Eine Schädigung der Nervenfunktion oder der Radialisnerv selbst kann im der MRT allerdings nicht dargestellt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT vom Ellenbogen

Therapie

Behandeln lässt sich das Supinatorlogensyndrom sowohl konservativ, also beispielsweise mittels Schmerzmittel oder Krankengymnastik, als auch operativ.

Da die operative Behandlung des Supinatorlogensyndroms keine vergleichbar hohen Erfolgsaussichten wie die operative Behandlung bei einem Engpass im Rahmen des Karpal-Tunnel-Syndroms hat, sollte man zuerst die konservative nicht-operative Therapie versuchen.

Durch den nicht-operativen Ansatz versucht man mit Hilfe von Schmerzmedikamenten, die entstandenen Schmerzen im Bereich des Unterarms zu reduzieren. Hierbei kommen vor allem die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika zum Einsatz. Zu dieser Gruppe gehören zum Beispiel Diclofenac oder Ibuprofen. Sie lindern nicht nur die Schmerzen, sondern bekämpfen auch mögliche Entzündungen in diesem Bereich. Ebenso können Medikamente, die der Muskelentspannung dienen, zum Einsatz kommen. Behandelt werden kann das Supinatorlogensyndrom ebenso mit Kälte- und Wärmeanwendungen oder reiner Krankengymnastik.

OP

Sollten die nicht-operativen Behandlungen bei dem Supinatorlogensyndrom nicht oder nur ungenügend ansprechen, kann eine operative Behandlung durchgeführt werden. Eine OP sollte vor allem dann zügig stattfinden, wenn sich Lähmungen zeigen. Bei der OP versucht man den tiefen, rein motorischen Ast des Radialisnerven freizulegen.
Da dieser sehr fein ist, bedarf es hierbei besonderer Vorsicht. An der Eintrittsstelle des Radialisnerven in den Muskel wird dieser von einer bindegewebigen Faser überzogen. Diese kann sehr straff verlaufen und dadurch den Nerven einklemmen. Bei der OP wird daher versucht, die Eintrittsstelle des Nerven in den Muskel zu erweitern. Die Erweiterung erfolgt über ein Durchtrennen der einengenden Strukturen wie Faserzügen oder Bindegewebe.

Wie unterscheidet sich ein Supinatorlogensyndrom von einem Tennisarm?

Die Unterscheidung eines Tennisarms von einem Supinatorlogensyndroms ist mitunter schwierig.
Daher wird das Supinatorlogensyndrom häufig mit den Symptomen eines Tennisarms verwechselt, besonders wenn die Schmerzen im Vordergrund stehen.
Das Auftreten des Schmerzen am äußeren Oberarm ist bei einem Supinatorlogensyndroms eindeutig im Muskelbereich zu finden, während der Tennisarmschmerz am Oberarmknochen (lateraler Epicondylus) auslösbar ist.
Die typischen Tests für einen Tennisarm können auch bei einem Supinatorlogensyndrom positiv sein, wodurch es leicht zu einer Verwechslung der Krankheitsbilder kommen kann.

Lesen Sie viele weitere Informationen unter: Symptome eines Tennisarms

Prognose

Eine Prognose im Rahmen des Supinatorlogensyndroms ist schwer zu stellen, da sie vor allem von der Dauer und Stärke der Nervenschädigung abhängt. Ein geschädigter Nerv, der bereits zum Auftreten von Lähmungen geführt hat, kann nicht sofort vollständig geheilt werden, sobald die Druckeinwirkung weg ist. Die Heilung eines solchen geschädigten Nervs kann möglicherweise Monate in Anspruch nehmen.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.02.2018
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