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Synovialitis

Einleitung

Unter einer Synovialitis oder auch Synovitis genannt versteht man eine Entzündung der inneren Schicht der Gelenkkapsel, der Membrana synovialis. Diese auch als Gelenkinnenhaut bezeichnete Membran kleidet die Innenflächen sämtlicher Gelenkkapseln, Sehnenscheiden und Gelenk-Schleimbeutel aus. Sie ist hier für die Produktion der Gelenkflüssigkeit (Synovia) verantwortlich, welche nicht nur dem Abdämpfen von Stößen auf das Gelenk dient, sondern auch Glucose zur Ernährung des gefäßlosen Gelenkknorpels enthält. Eine intakte Gelenkinnenhaut ist für ein gesundes, funktionsfähiges Gelenk unerlässlich.

Entzündungen der Gelenkinnehaut werden in zwei Formen eingeteilt; die akute und die chronische Synovialitis. Sie unterscheiden sich teils stark in Verlauf und Prognose und daher auch der Herangehensweise bezüglich ihrer Behandlung. Vor allem im Falle der chronischen Synovialitis kommt es zu einer korallenartigen Wucherung der Membran mit der Folge der Zerstörung von Gelenkknorpel und auch Bändern und Sehnen. Ebenso ist eine Zerstörung von knöchernen Strukturen möglich.

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Ursachen

Die Synovialitis stellt vor allem im Rahmen einer Reihe von Grunderkrankungen der Gelenke ein großes Problem dar. So sind häufig ältere Menschen von einer Synovialitits betroffen, welche infolge chronischer Abnutzungserscheinungen der Gelenkflächen auftritt. Ebenso kommt es insbesondere im Rahmen der rheumatoiden Arthritis, der juvenilen Arthritis und der Schuppenflechtenarthritis (Psoariasis-Arthritis) zu Entzündungsprozessen der Synovialis. Da auch im Verlauf des Lupus erythematodes (der Schmetterlingsflechte) entzündliche Prozesse in den Gelenken stattfinden, leiden diese Patienten auch nicht selten unter einer Gelenkkapselentzündung.

Auf der anderen Seite sind häufig auch Berufsgruppen, welche überwiegend in kniender Position tätig sind, von einer Synovilaitis des Knies betroffen. Fliesenleger und Reinigungskräfte stellen typische Beispiele für berufsbedingte Synovialitiden dar. Gleichfalls können Sportler mit einer chronischen Belastung des Bewegungsapparates ohne angemessene Entlastungsphasen oder nicht vollständig ausgeheilten Gelenksverletzungen erkranken.

Der Entstehungsmechanismus ist bei all diesen Patientengruppen ähnlich: Speziell am Übergang von Gelenkfläche zu Gelenkkapsel kommt es zu fortschreitenden Entzündungsvorgängen, welche die Zellteilung und das Wachstum der Epithelzellen der Synovialis nach sich ziehen. Die Einwanderung von Entzündungszellen führt im Verlauf der Erkrankung zu einem blumenkohlartigen Wuchern der Epithelzellen in den Gelenkspalt und umliegende Gewebe und verursacht dadurch eine Zerstörung von Knorpel- und Knochengewebe, sowie angrenzenden Bändern, Sehnen und anderen Geweben.

Synovialitis nach Knie-TAP

Die Knie-TEP ist ein extrem invasiver Eingriff, bei dem die Gelenkkapsel vollständig eröffnet wird und anschließend sämtliche Gelenkflächen durch Prothesenmaterial ersetzt werden. Teile der Gelenkkapsel und der Synovialmembran werden dabei entfernt, da sie für das künstliche Gelenk keine wesentliche Funktion besitzen. Zum Ende der Operation wird die Kapsel zugenäht und an anatomisch korrekter Stelle belassen.

Im weiteren Verlauf kann durch die Prothesenstruktur eine sogenannte „Abrieb-Synovialitis“ an Teilen der verbliebenen Synovialmembran entstehen. Die entzündete Gelenkinnenhaut kann Schmerzen verursachen und zu Ergüssen und Schwellungen des Gelenks führen. Tritt die Synovialitis über einen längeren Zeitraum auf, muss unter Umständen eine erneute Operation zur Entfernung der Gelenkschleimhäute durchgeführt werden.

Symptome

Die Hauptsymptome einer Synovialitis sind die Rötung, Erwärmung und Schwellung des Gelenks und Schmerzen, welche vor allem bei Bewegung auftreten. All diese Symptome werden durch die eingewanderten Entzündungszellen verursacht, welche Enzyme und Botenstoffe in den Gelenkspalt ausschütten, sogenannte Entzündungsmediatoren. Insbesondere nach einer akuten Überlastung, etwa nach körperlicher Arbeit oder einem sportlichen Wettkampf, macht sich die Erkrankung durch Bewegungseinschränkungen und Schmerzen bemerkbar.

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, führen die Entzündungsprozesse zu dauerhaften Schädigungen von Knorpel und Knochen mit sich in der Folge entwickelnden chronischen Schmerzzuständen.

Synovialitis-Score

Der Synovialitis-Score stellt die am weitesten verbreitete Methode zur Auswertung der Ausprägung einer Synovialitis dar. Hierbei wird die Erkrankung durch einen Pathologen histologisch, also durch mikroskopische Untersuchungen des Synovialis-Gewebes, beurteilt. Der Synovialitis-Score stellt dementsprechend ein schnell verfügbares und zugleich preiswertes Hilfsmittel dar, welches in der weiteren Planung einer gezielten und effektiven Therapie von großem Nutzen ist.

Dazu wird eine Biopsie der Gelenkkapsel durchgeführt und die gewonnene Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung aufbereitet. Entsprechend dem Stadium der Veränderungen des Gewebes werden Punkte vergeben und anschließend addiert. So ergibt sich eine Gesamtpunktzahl von 0 bis maximal 9 Punkten, wobei schwerere Ausprägungen der Krankheit höhere Punktzahlen erreichen.

Von besonderem Interesse ist dabei, ob es sich um eine low-grade Synovialitis (0–4 Pkt.) oder einer high-grade-Synovialitis (5-9 Pkt.) handelt, da hieraus Rückschlüsse auf die Ursache der Erkrankung gezogen werden können.

Demnach sprechen low-grade Entzündungen eher für eine degenerative Gelenkerkrankung, wie die Arthrose und unfallbedingte Gelenkschäden. 

High-grade-Synovialitiden sprechen dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine rheumatische Grunderkrankung, wie etwa der rheumatoiden Arthritis oder der Schuppenflechte beruhen.
 

Therapie

Der erste Schritt in der Behandlung nach Diagnose einer Synovialitis ist das Ruhigstellen des betroffenen Gelenks oder der gesamten Extremität. Unterstützend sollte ein regelmäßiges Kühlen des Gelenks mithilfe von Eispackungen oder Kühlpacks erfolgen. Die Kälte führt im entzündungsbedingt stark durchbluteten Gewebe zu einer reflektorischen Verengung der Gefäße und hierdurch zum Rückgang der Schwellung. Bei adäquater Durchführung dieser Maßnahmen kann innerhalb weniger Tage häufig eine deutliche Abnahme der Beschwerden erreicht werden.

Nichtsdestotrotz ist die Einnahme schmerzlindernder und entzündungshemmender Medikamente wie Ibuprofen und Diclofenac unverzichtbar. Davon abgesehen sollte, soweit möglich, eine Behandlung der ursächlichen Grunderkrankung erfolgen.

Kann mithilfe konservativer (nicht-operativer) Herangehensweisen dennoch keine Besserung der Beschwerden erreicht werden oder kommt es zu einem gehäuften Auftreten der Erkrankung, ist eine Operation anzuraten. Diese wird heutzutage in Form eines minimal-invasiven Eingriffs, genauer gesagt einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung), zumeist unter Vollnarkose durchgeführt. Hierbei verschafft sich der Operateur mithilfe weniger millimetergroßer Schnitte Zugang zum Gelenkspalt, durch welche anschließend eine Kamera und andere Instrumente eingeführt werden.

Das Ziel dieses Verfahrens ist letztlich die Entfernung der Schleimhautwucherungen, sodass ein Rückgang der Entzündungsprozesse und ein anschließendes Ausheilen der Synovialitis ermöglicht werden. In schweren Fällen kann die vollständige Entnahme der Gelenkinnenhaut, eine sogenannte Synovektomie notwendig sein. Gleichzeitig kann ein Entlasten von Gelenkergüssen durch das Entnehmen überschüssiger Gelenkflüssigkeit erfolgen, welche anschließend auf ihre Zusammensetzung und das eventuelle Vorhandensein von Bakterien untersucht werden kann.

Was ist eine hypertrophe Synovialitis?

Was ist eine Synovialitis pigmentosa?

Bei der Synovialitis pigmentosa handelt es sich um eine andere Bezeichnung für einen sogenannten „Riesenzelltumorder Gelenkschleimhäute.

Dabei handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der jedoch zu Schwellungen und Ergüssen der Gelenke und Sehnenscheiden führen kann. Durch Entzündungszellen erhält das Tumorgewebe eine rot-braune Farbe, woher die Bezeichnung „Pigmentosa“ stammt. Der Tumor entsteht spontan und häufig ohne auslösende Ursache. Er kann diffus im Gelenk wachsen und trotz seiner Gutartigkeit schwere Schäden verursachen.

In einer Gelenkspiegelung können die betroffenen Schleimhautanteile entfernt werden. Langfristig ist jedoch zur vollständigen Heilung ein Gelenkersatz mittels einer Prothese notwendig.

Lokalisation der Synovialitis

Synovialitis im Hüftgelenk

Die Hüftgelenke sind im Laufe eines Lebens großen Belastungen ausgesetzt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Hüften im hohen Alter sehr häufig von degenerativen Veränderungen, allen voran Arthrosen, betroffen sind, welche nicht selten von Synovialitiden begleitet werden.

Eine Therapie von Gelenkinnenkapselentzündungen der Hüftgelenke gestaltet sich jedoch in vielen Fällen schwierig, da die Erkrankung hier oft schon weit fortgeschritten und ein Ruhigstellen des Gelenks nur schwerlich machbar ist. Aus diesem Grund baut die Behandlung hier vor allem auf der medikamentösen und operativen Therapie auf.

Synovialitis im Kniegelenk

Eine Besonderheit der Synovialitis des Knies ist ihr berufsbedingtes Auftreten. Während die Synovialitiden anderer Gelenke vorwiegend im Rahmen degenerativer Veränderungen wie der Arthrose oder einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises auftreten, leiden hier insbesondere auch Berufsgruppen, welche in kniender Position arbeiten, an Gelenkinnenhautentzündungen des Knies. Vor allem Fliesenleger und Reinigungskräfte stellen klassische Beispiele hierfür dar.

Auch infolge von Unfällen treten am Knie häufig Wucherungen der Membrana Synovialis auf. Im Weiteren unterscheidet sich die Erkrankung jedoch nicht in Verlauf oder Behandlung von anderen Lokalisationen.

Synovialitis im Ellenbogen

Die Synovialitis im Ellenbogen ist eine schmerzhafte Erkrankung mit erheblichen Einschränkungen bei alltäglichen Bewegungen.

Entstehungsgrund der Gelenkschleimhautentzündung ist oftmals eine ungewohnte, starke Belastung des Ellenbogens. Dies kann bei körperlichen Berufen aber auch bei stark belastenden Sportarten der Fall sein. Insbesondere Bodybuilder sind von der Erkrankung betroffen, da starke Kraftbelastungen bei einer falschen Ausführung zu erheblichen Belastungen des Ellenbogens führen können. Durch die Entzündung kann es zu Schwellungen im Gelenk und zu Verdickungen des Schleimbeutels kommen.

Mithilfe einer Gelenkspiegelung können die Gelenkschleimhäute entfernt werden. Gegebenenfalls muss der entzündete Schleimbeutel jedoch zusätzlich operativ entfernt werden. Schonung und Kühlung des Ellenbogens stehen in der Behandlung an erster Stelle.

Synovialitis im Handgelenk

Die Hände im Allgemeinen und die Handgelenke im Speziellen sind bei so gut wie allen Rheumapatienten von einer Arthritis betroffen. Aus diesem Grund treten hier ebenfalls sehr häufig Synovialitiden auf. Bereits im Frühstadium macht sich dies durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bemerkbar. Auch können hier oft bereits Schwellungen tastbar sein, welche durch Synovialis-Wucherungen entstehen.

Ein besonderes Phänomen der Handgelenk-Synovialitis ist das sogenannte Caput-ulnae-Syndrom. Hierbei kommt es zu einem Reißen der Strecksehnen der Finger infolge einer Zerstörung des Kopfes des Ellenknochens. Zumeist ist dabei die Sehne des kleinen Fingers zuerst betroffen ist. Die Folge der destruktiven Veränderungen kann das Abkippen der Handwurzel zum Daumen mit einer deutlichen Verrenkung der Hand sein. Das Spätstadium schließlich ist in vielen Fällen von einem vollständigen Einsteifen oder großer Instabilität des Handgelenks (Ankylose) charakterisiert.

Alle Informationen du diesem Thema finden Sie auf unserer Seite Synovialitis im Handgelenk

Synovialitis in den Fingern

Auch die Finger können von einer unangenehmen Synovialitis betroffen sein. Hierbei handelt es sich oft um eine „Tendosynovitis“, eine Entzündung der inneren Schleimhäute der Sehnenscheiden.

Dabei herrschen zwei hauptsächliche Ursachen der Synovialitis am Finger vor. Zum einen können bakterielle Erreger durch kleine Hautverletzungen in das Weichteilgewebe des Fingers eindringen und eine Entzündung mit Beteiligung der Sehnenscheiden und Schleimhäute auslösen. Weiterhin können Überbeanspruchungen und Bewegungen der Finger zu einer vermehrten Reizung führen und die Synovialitis auslösen. Zu einer solchen Reizung kommt es oft bei der exzessiven Ausübung neuer Sportarten oder anderer bisher ungewohnter Tätigkeiten für die Hände und Gelenke.

Bei einer chronischen Synovialitis des Fingers können Folgekomplikationen wie ein „schnappender“ Finger auftreten, ausgelöst durch die chronische Entzündung der benachbarten Beugesehnen.

Synovialitis im Sprunggelenk

Die Hauptsymptome einer Synovialitis des oberen Sprunggelenks sind wie bei anderen Lokalisationen auch Schmerzen, Blockierungen und das Anschwellen des Gelenks. Sie ist hier häufig die Folge von Sportverletzungen.

In Therapie und Verlauf unterscheidet sich die Synovialitis des Sprunggelenks jedoch nicht von anderen Lokalisationen. In der Akuttherapie sind vor allem das Kühlen und Ruhigstellen des Gelenks, sowie die Einnahme schmerzstillender und entzündungshemmender Medikamente wichtig. In schweren Fällen kann ein operativer Eingriff nötig sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nikolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.12.2018
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