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Zungenpiercing

Einleitung

Eine Variante des Piercings ist der Zungenpiercing. Dafür wird die Zunge vollständig durchstochen. Es gibt verschiedene Arten von Zungenpiercings, sie unterscheiden sich hierbei in Größe, Form, Stichstelle und Material voneinander. Vor dem Stechen sollte man sich gut über den Vorgang, die nachfolgende Heilungsphase, Pflege und eventuelle Risiken informieren. So können schmerzhafte und eventuell andauernde Komplikationen eventuell vermieden werden.

Der Vorgang des Stechens

Der Vorgang des Stechens sollte im Sitzen durchgeführt werden. Dadurch kann einem Ohnmachtsanfall durch Kreislaufkollaps vorgebeugt werden. Außerdem hat der Piercer so eine möglichst optimale Arbeitsbedingung. Vor dem Stechen wird die gewünschte Stelle markiert und die Zunge fixiert. Der gesamte Arbeitsschritt sollte unter sterilen Bedingungen ablaufen, um Infektionen zu vermeiden. Personen, die gepierct werden wollen, dürfen unter keiner gerinnungshemmenden Therapie (Blutverdünner wie: Marcumar ®, ASS, Heparin) stehen, ansonsten drohen gefährliche Blutungen.

Am häufigsten wird vertikal die Mitte der Zunge durchstochen, hier ist das Risiko einer Schädigung der Geschmacksnerven am geringsten, da dort sehr wenige Nerven entlangziehen. Zudem wird keiner der Zungenmuskeln durchstochen, denn diese verlaufen ebenfalls seitlich der Mittellinie entlang. Ferner muss beim Stechen eines Zungenpiercings darauf geachtet werden, das Zungenbändchen (Frenulum), welches die Unterseite der Zunge an dem Unterkiefer befestigt, zu schonen.

Es gibt außerdem die Möglichkeit die Zunge seitlich, an der Spitze, oder horizontal zu durchstechen. In diesem Falle muss auf deutlich mehr sensible Strukturen, wie Blutgefäße, Muskeln und Nerven geachtet werden. Daher sollte so ein Stechvorgang nur von einem äußerst erfahrenen Piercer ausgeführt werden.

Auf Grund der anfänglichen Schwellung, die die Zunge vergrößert, wird zunächst ein überlanger Stift (Barbell) eingesetzt und ein Verschlussköpfchen aus Plastik aufgeschraubt, um Quetschungen zu vermeiden. So werden Schmerzen und das Risiko einer Zahnschädigung minimiert. Die Schmerzen beim Stechen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, halten sich aber meist in Grenzen.

Heilung und Pflege des Zungenpiercings

Der Heilungsprozess verläuft sehr unterschiedlich, generell kann man aber von einer Abheilungszeit von drei bis sechs Wochen ausgehen. Sobald die Zunge abgeschwollen ist, sollte ein kürzerer Stift eingesetzt werden, so ist das Piercing weniger mobil und die Zähne werden weniger beschädigt.

Da beim Piercen die Zunge durchstochen und somit die Barriere zwischen Körper und Umwelt eröffnet wird, ist es wichtig gerade in der Heilungsphase einige Regeln zu beachten, um Infektionen vorzubeugen und die Heilung nicht zu behindern. Säurehaltige Lebensmittel, wie zum Beispiel Fruchtsäfte, zu heiße, zu kalte oder scharfe Nahrung sind zu vermeiden, da ansonsten die Wundfläche gereizt und damit die Heilung verlangsamt wird. Als Folge kann es zu Narbenbildung kommen. Besonders auf Alkohol- und Nikotinkonsum ist zu verzichten. Milchprodukte enthalten natürlicherweise Bakterien. Diese stellen eigentlich für den menschlichen Körper keine Gefahr dar. Während des Heilungsprozesses ist es allerdings empfehlenswert diese zu meiden, da Bakterien durch die Wundfläche leicht in den Körper eindringen können.

Durch das Stechen ist die Zunge während der Heilung sehr empfindlich und es empfiehlt sich in dieser Zeit auf flüssige, oder breiige Nahrung umzusteigen. Nach jeder Mahlzeit ist es ratsam, den Mund gründlich auszuspülen. Solange die Stichstelle nicht abgeheilt ist, wird dem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, insbesondere oralem Geschlechtsverkehr abgeraten. Ist die Schwellung der Zunge zu stark, kann man versuchen sich mit Eiswürfeln oder beruhigenden Teesorten, wie Kamille, zu helfen. Um Infektionen vorzubeugen, kann man Mundspülungen benutzen, welche Phenoxyethanol oder Polyhexanid beinhalten. Den Piercing sollte man - besonders anfangs- zwei bis dreimal täglich entfernen und säubern, sowie desinfizieren.

Risiken

Beschädigung von Nerven und Blutgefäßen

Allgemein wird das Risiko von Komplikationen durch das fehlerhafte Vorgehen beim Stechen oder der Pflege deutlich erhöht. Die Zunge ist durchzogen von vielen verschiedenen Nervenfasern. Zu nennen sind hierbei Nerven, die der Muskelbewegung der Zunge dienen, diese entstammen dem zwölften HirnnervenNervus hypoglossus“. Des Weiteren gibt es sensible Nerven, die Signale der Tast-, Wärme- und Schmerzempfindung weiterleiten. Diese gehören zu dem fünftenNervus trigeminus“ und neunten HirnnervNervus glossopharyngeus“. Als dritte Art der Nerven verlaufen in der Zunge sensorische Anteile, die für den Geschmackssinn zuständig sind. Hierbei handelt es sich um Anteile aus dem siebten Hirnnerv „Nervus facialis“, dem neunten Hirnnerv „Nervus glossopharyngeus“ und dem zehnten Hirnnerv „Nervus vagus“.

Wird einer der genannten Nervenstränge beim Durchstechen der Zunge beschädigt kommt es zu spezifischen Ausfallserscheinungen. So kann es zu Muskellähmungen in einem Teil der Zunge, Taubheitsgefühlen oder Geschmacksstörungen kommen. Bei letzterem kann die Stärke einer Geschmacksrichtung, wie zum Beispiel süß, verringert werden, oder im schlimmsten Falle sogar komplett ausfallen. Man muss jedoch sagen, dass Nervenschädigungen allgemein eher selten vorkommen. Durch das engagieren eines erfahrenen Piercers und das Stechen in der Mitte der Zunge wird das Risiko deutlich reduziert.

Eine weitere Komplikation beim Stechen kann das Verletzen eines Blutgefäßes sein. Diese sind in der gut durchbluteten Zunge sehr zahlreich. Zu nennen sind hier die Zungengrundarterie (Arteria profunda linguae) und Unterzungenarterie (Arteria sublingualis), welche ihren Zufluss aus der Zungenarterie (Arteria linguae) beziehen. Letztere ist ein Ast aus der äußeren Halsschlagader (Arteria carotis externa). Der Abfluss erfolgt zu größten Teilen über die „Vena linguae“.

Zahnschädigung

Auch Zahnfleischverletzungen und übermäßiger Speichelfluss werden häufig beobachtet. Diese Erscheinungen (Symptome) klingen jedoch meist während - spätestens aber mit dem Ende des Heilungsprozesses - ab. Da das Piercing einen Fremdkörper darstellt, den der Träger zumindest anfangs nicht gewohnt ist, kann es zu Sprachstörungen, so zum Beispiel lispeln, kommen. Sehr häufig stellt dies kein langfristiges Problem dar. Manche Piercingträger neigen zum Spielen mit der Kugel des Piercings. Diese halten sie hierbei mit ihren Vorderzähnen fest und/oder nuckeln daran. Dadurch kann es zu einer Verschiebung der Zähne kommen. Ist die Kugel aus Metall kann dies zur Beschädigung des Zahnschmelzes führen, da die Kugel härter als der Schmelz ist. Folge kann Kälte- oder Hitzeempflindlichkeit bis hin zu Karies sein. Das Risiko hierfür kann durch das Einsetzen einer Plastikkugel, welche weicher als der Zahnschmelz ist, deutlich verringert werden. Auch der Stift sollte eine passende Länge besitzen. Ist dieser zu lange können ebenfalls die Zähne beschädigt werden, ist er zu kurz besteht die Gefahr, dass die Kugel in die Zunge einwächst.

Viele Zahnärzte raten von einem Zungenpiercing ab, da durch diesen Zähne und Zahnfleisch gefährdet sind. Außerdem erhöht die Stichstelle die Wahrscheinlichkeit einer Infektion enorm. Ist man trotzdem Träger eines Piercings sollte man sich zu regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchungen begeben, damit der Zahnarzt schon bei ersten Anzeichen einer Schädigung von Zähnen und/oder Zahnfleisch das Zungenpiercing entfernen kann. Neben der kosmetischen Komponente wird der Zungenpiercing nun auch für medizinische Zwecke verwendet. Forscher aus den USA haben einen Piercing entwickelt, mit dem Querschnittsgelähmte einen elektrischen Rollstuhl steuern können.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Zahnschmerzen.

Allergie

Weiterhin besteht die Gefahr einer Allergie gegen das Metall des Piercings. Dabei produziert der Körper Antikörper gegen den auslösenden Stoff und startet einen Entzündungsprozess um das Piercing herum. In diesem Fall muss das Piercing sofort entfernt werden. Titan jedoch ist ein Metall, welches keine Allergien auslöst und sich deshalb großer Beliebtheit erfreut. Auch ein Piercing aus Kunststoff soll dieses Problem lösen und ist daneben auch risikoärmer gegenüber Zähnen und Zahnfleisch.

Weitere Komplikationen

Da beim Durchstechen der Zunge die Schleimhaut der Zunge und damit die körpereigene Barriere zur Umwelt durchbrochen wird, haben Krankheitserreger hier eine gute Möglichkeit in den Körper einzudringen. Hierbei stellen auch - ansonsten harmlose – Mikroorganismen, wie jene unserer eigenen Mundflora, ein erhebliches Risiko für Infektionen dar. Diese können sich dann verbreiten und Atemwege, Gehirn und andere Organe befallen, was unter Umständen einen schweren Verlauf nehmen kann. Die häufigsten Krankheitserreger sind hierbei Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, oder Streptokokken. Wenn beispielsweise Letztere über geschädigte Mundschleimhaut in den Blutkreislauf gelangen, können sie am Herzen eine Herzinnenhautentzündung - eine sogenannte Endocarditis lenta - verursachen.

In der, dem Stechen folgenden Heilungsphase, kommt es häufig zu Schmerzen und Schwellungen, welche das gewohnte alltägliche Leben stark beeinflussen können. Im schlimmsten Fall kann die Schwellung so stark sein, dass die Atemwege verlegt werden. Gegebenenfalls ist dann eine künstliche Beatmung per Intubation – also die Einführung eines Schlauchs in die Luftröhre - oder ein Luftröhrenschnitt – ein künstlicher Zugang zur Luftröhre - von Nöten.

Weitere Informationen zum Thema "Zungenpiercing"

Weitere allgemeine Informationen:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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