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Die Zwerchfellatmung

Einleitung

Die Zwerchfellatmung oder synonym auch als „Bauchatmung“ bezeichnet, ist neben der Brustatmung eine von zwei Möglichkeiten des Atmens. Medizinisch ist es nicht korrekt die Zwerchfell- mit der Bauchatmung gleichzusetzen, dennoch werden beide Begriffe im gleichen Sinn benutzt. Die Atmung mit dem Zwerchfell läuft als ein automatischer, unbewusster Prozess ab. Man muss nicht darüber nachdenken, wann und wie man ein- oder ausatmet, der Körper macht es von selber. Dabei kontrahieren und relaxieren die Muskeln des Brustkorbs und das Zwerchfell im Wechsel. Bei der passiven unbewussten Atmung macht die Zwerchfellatmung etwa 70% der gesamten Atmung aus. Zur Probe, welche Atmung man selber nutzt, kann man eine Hand auf den Brustkorb, die andere auf den Bauch legen und normal atmen. Hebt und senkt sich der Brustkorb, atmet man eher mit der Brustatmung, wölbt sich der Bauch vor, atmet man stärker mit dem Zwerchfell.

Mechanismus der Zwerchfellatmung

Das Zwerchfell ist ein nahezu runder Muskel, der von unten an den Rippen ansetzt. Seine Fasern sind über ein sehniges Zentrum in der Mitte verbunden. Man kann sich den Muskel vorstellen wie eine Kuppel. Wenn er sich nun bei der Zwerchfellatmung kontrahiert, senkt sich die Kuppel. Dabei werden die Bauchorgane nach unten gedrückt, die Lunge hat mehr Platz, kann sich ausdehnen und durch einen Unterdruck im Brustkorb strömt frische Luft in die Lungen. Dabei werden die Organe im Bauch ein wenig zusammengedrückt, sodass der Bauch sich vorwölbt. Dieser Prozess beschreibt die Einatmung. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell, die Kuppel wölbt sich wieder weiter nach oben, das Volumen im Brustraum wird kleiner. Die Lungen ziehen sich zusammen, die „verbrauchte“ Luft wird abgeatmet und der Bauch flacht wieder ab.

Wer nutzt die Zwerchfellatmung?

Allgemein lässt sich sagen, dass die Zwerchfellatmung selten isoliert stattfindet. Die meisten Menschen benutzen unbewusst sowohl das Diaphragma (Zwerchfell) als auch die Bauchmuskeln, sogenannte Interkostalmuskeln, die zwischen den Rippen sitzen und Atemhilfsmuskeln für die Atmung. Gerade im entspannten Zustand, sitzend oder schlafend, benutzen wir vor allem die Bauchatmung.

Dennoch gibt es Umstände, in denen jemand auf die Zwerchfellatmung besonders angewiesen ist. Vor allem Babys sind anfangs auf diese Atmungsweise angewiesen. Neben Musikern, die ein Blasinstrument spielen, oder professionellen Sprechern trainieren und bevorzugen auch Sänger die Bauchatmung. So können sie relativ viel Luft in die Lungen aufnehmen, um dann fociert die Luft abatmen und so die richtigen Töne mit ihren Stimmlippen erzeugen zu können. Des weiteren wird die Zwerchfellatmung besonders gebraucht, wenn man sportlich aktiv ist.  Es wird dabei mehr Sauerstoff für die Versorgung der aktiven Muskeln gebraucht. Mehr Kohlenstoffdioxid muss abgeatmet werden und Sauerstoff wird benötigt, sodass sowohl Interkostalmuskeln, Atemhilfsmuskeln, Diaphragma als auch die Bauchmuskeln für die verstärkte Atmung gefordert sind.

Übungen zur Zwerchfellatmung

Um bewusster mit dem Zwerchfell zu atmen gibt es einige Übungen. Suchen Sie sich nach Möglichkeit einen ruhigen Ort, um bewusst die Zwerchfellatmung wahrzunehmen.

Übung 1: Legen Sie sich flach auf den Boden oder setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, legen Sie die Hand auf Ihren Bauch und atmen Sie tief in den Bauch hinein, sodass Sie spüren wie sich die Bauchdecke hebt und senkt. Wiederholen Sie diese Übung einige Male, Sie können versuchen mit jedem Atemzug die Bauchdecke ein bisschen weiter vorwölben zu lassen. Wird Ihnen schwindelig oder schmerzt es, unterbrechen Sie die Übung.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Atemübungen zum Entspannen

Übung 2: Als Steigerung zu Übung 1 können Sie im Liegen als zusätzliches Gewicht Bücher auf Ihren Bauch legen. Auch dies trainiert die Bauchatmung, wenn Sie wieder versuchen tief in den Bauch zu atmen, sodass die Bücher angehoben und gesenkt werden. Fangen Sie mit leichtgewichtigen Büchern an, eine Steigerung ist immer möglich.

Übung 3: Wenn Sie Probleme haben die Brustatmung „einzustellen“, können Sie sich einen Gürtel zu Hilfe nehmen. Diesen schnallen Sie sich um Ihren Brustkorb. Dann folgen Sie den Anweisungen wie in Übung 1. Auch im Alltag können Sie natürlich die Zwerchfellatmung trainieren. Gehen Sie einfach kurz in sich egal wo Sie sind, legen Sie vielleicht die Hand auf den Bauch und atmen Sie tief in den Bauch und wieder aus.

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Zusammenarbeit der Zwerchfellatmung mit der Brustatmung

Sowohl die Zwerchfell- als auch Brustatmung helfen bei der Einatmung. Durch die Muskeln zwischen den Rippen (Interkostalmuskeln) werden die einzelnen Rippen nach oben verlagert, der Brustkorb dehnt sich insgesamt aus. Beim Einatmen entsteht ein Unterdruck im Pleuraspalt, der das Lungenfell vom Rippenfell trennt, sodass die Lungen der Ausweitung des Brustkorbes folgen und somit Luft in die Lungenflügel strömen kann. Auch das Zwerchfell kontrahiert sich bei der Einatmung, flacht Richtung Bauchraum ab, die Organe im Bauch werden verdrängt und das Volumen im Brustkorb wird ebenfalls vergrößert.

Weitere Informationen finden Sie hier: Die Brustatmung

Probleme bei der Zwerchfellatmung

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Zwerchfellatmung eingeschränkt sein kann. Das Zwerchfell an sich kann entzündet sein, wobei man von einer Diaphragmitis spricht. Ursache können andere Entzündungen in räumlicher Nähe sein wie eine Peritonitis (Bauchfellentzündung), Pleuritis (Rippenfellentzündung) oder auch Perikarditis (Herzbeutelentzündung). Dabei schmerzt das Zwerchfell und die Bauchatmung fällt schwer.

Aber auch andere Ursachen führen zur Einschränkung der Zwerchfellatmung. Überblähte DarmschlingenZwerchfellbruch oder -hernien, Zwerchfellhochstand oder chronischer Husten können zu Einschränkungen bei der Einatmung führen. Besonders gravierend ist eine Querschnittslähmung im Bereich des Austrittspunktes des Zwerchfellnerven (Nervus phrenicus) oder eine Funktionslosigkeit des Nerven. Ist dies der Fall, kann das Zwerchfell nicht mehr als Atemmuskel dienen.

Schluckauf

Schluckauf  entsteht durch ein plötzliches Verkrampfen des Zwerchfells wobei reflektorisch die Stimmritze zwischen den Stimmlippen verschlossen wird. Prallt die bereits eingeatmete Luft gegen die geschlossene Stimmritze, entsteht das typische „Hicks“. Die Ursache für das Verkrampfen des Zwerchfells besteht in einer Reizung des Nervus phrenicus. Das ist der Nerv, der das Zwerchfell innerviert. Wie es zu solch einer Reizung kommt, kann vielfältige Gründe haben. Schnelles Essen, Trinken von kalten Flüssigkeiten oder hastiges, unregelmäßiges Atmen wie bei einem Lachanfall kann man als mögliche Ursache in Betracht ziehen. Aber auch eine schwangere Frau nimmt manchmal Schluckauf vom Ungeborenen wahr. Dies ist dadurch zu erklären, dass das unreife Atemzentrum im Hirnstamm des Fetus Informationen sendet, die zur Schnappatmung führt, die die werdende Mutter als Schluckauf empfindet. Diese Schnappatmung klingt bis zur Geburt wieder ab.

Stottern

Stottern ist eine Sprachstörung, die psychische und physische Ursachen haben kann. Beim Stottern wird der Redefluss unterbrochen und es können Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern, Langziehen einzelner Laute oder Herauspressen von Anfangsbuchstaben auftreten.

Die Ursachen für Stottern sind bislang noch nicht vollkommen aufgeklärt. Man geht zum einen davon aus, dass eine Störung im Zusammenspiel der Nerven und Organe vorliegt, die für das Sprechen verantwortlich sind. Zum anderen können genetische Veranlagungen Einfluss auf die Sprachentwicklung nehmen und Sprechstörungen begünstigen. Gerade Kinder zwischen dem 2.-6. Lebensjahr fangen an zu stottern. Dies halten die meisten Logopäden aber für einen normalen Entwicklungsprozess, da die Kombination von Denken und Sprechen in dem Alter nicht immer kongruent verläuft. Bleibt das Stottern über längere Zeit bestehen, wird es schwieriger zum normalen Redefluss zurückzukehren. Auch Erwachsene können plötzlich Sprechstörungen bekommen. Oftmals können traumatische Ereignisse oder psychische Belastung ein Grund sein.

Schmerzen bei der Zwerchfellatmung

Schmerzen, die gerade bei der tiefen Einatmung in den Bauch entstehen, können organische Ursachen haben. Dabei kommen Brust- und Bauchorgane als Verursacher in Betracht. Ist das Rippenfell oder der Herzbeutel entzündet und wird beim Einatmen mit bewegt, können Schmerzen auftreten. Aber auch ein entzündeter Magen, Gallensteine, eine vergrößerte Leber oder Luftansammlungen im Darm können zu Beschwerden führen. Ist das Zwerchfell selber betroffen durch eine Entzündung, Hernie oder Durchbruch, kann es ebenfalls zu unangenehmen Empfindungen kommen. Bleiben die Schmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Schmerzen am Zwerchfell

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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