Medizin Online > Innere Medizin > Magen-Darm-Trakt > Magen-Darm-Blutung


Magen-Darm-Blutung

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: gastrointestinale Blutung, Ulcusblutung

GI-Blutung; Magenblutung, Darmblutung

Englisch: gastrointestinal bleeding (haemorrhage)

Definition Magendarmblutung

Eine Magen-Darm-Blutung ist eine Blutung des Gastrointestinaltrakts, die nach außen hin sichtbar wird. Blut wird dabei entweder erbrochen oder mit dem Stuhlgang ausgeschieden.


Häufigkeit (Epidemiologie)

Vorkommen in Deutschland
In Deutschland sind jedes Jahr etwa 100 pro 100.000 Einwohner von einer Magen-Darm-Blutung betroffen. Ein steigender Anteil entfällt dabei auf die über 60-jährigen.

Abbildung Magengeschwür

Man erkennt das Magen- geschwür an typischer Stelle am Magenausgang lokalisiert.

Im Bild unten ist die Magenwand im Querschnitt dargestellt und man kann erkennen, wie tief das Magengeschwür reicht.

Schichten der Magenschleimhaut

  1. Mukosa (Schleimhaut)
  2. Ulcus (Magengeschwür)
  3. Submukose (Bindegewebsschicht)
  4. Blutgefäße

    Wenn die Schleimhaut einen Schaden hat dieser bis ins darunterliegende Bindegewebe reichen, wodurch es zu einer Magenblutung kommen kann.

Ursachen und Entstehung (Ätiologie und Pathogenese)

Die Auslöser einer gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) sind sehr vielfältig:

können für eine Blutung des Magens oder des Darms verantwortlich sein.
Auch durch Magensäure hervorgerufene Verätzungen sowie bösartige Tumoren des Magens (Magenkarzinom / Magenkrebs) stellen mögliche Gründe dar.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Magenkrebs

Eine weitere Ursache ist die mit einem Anteil von 10% an den Blutungen des oberen Magen-Darm-Traktes (Gastrointestinaltrakts) eher seltene Mallory Weiss - Läsion, bei der es durch Druckerhöhung im Magen, z.B. bei starkem Erbrechen, zum blutenden Einriss der unteren Speiseröhre kommt.

20% der Blutungen entfallen auf die Varizen (Krampfadern) der Speiseröhre (Ösophagus), welche entstehen, wenn der Blutfluss durch die Leber infolge deren bindegewebigen Umbaus durch exzessiven Konsum von Alkohol gestört ist (medizinisch Leberzirrhose):
Anstelle den direkten Weg zur ins Herz führenden, unteren Hohlvene, zu nehmen, fließt das Blut über nun stärker beanspruchte Nebenwege- die Venen des Ösöphagus (medizinisch: es bilden sich Kollateralkreisläufe aus).
Die krankhaft erweiterten Venen werden als Varizen bezeichnet und können zu potentiell tödlichen Blutungen führen.

Zu den mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziierten Medikamenten gehören Aspirin (da es die Bildung blutgerinnungsfördernde Stoffe in den Blutplättchen, den Thrombozyten, hemmt) und andere verwandte Schmerz- und Fieber senkende Arzneimittel, d.h. die ebenfalls zu den als NSAR (= nicht-steroidale Anti-Rheumatika), zählenden Präparate.
Auch die speziell zur Hemmung der Blutgerinnung verabreichten Antikoagulantien (medizinischer Begriff für Hemmstoffe der Blutgerinnung), zu denen z.B. Phenprocoumon (Handelsname: Marcumar), Coumadin (Handelsname: Warfarin) und die Heparine (z.B. Liquemin, Fragmin) zählen, können insbesondere bei Überdosierung eine gastrointestinale Blutung nach sich ziehen.
Die obig aufgeführten Ursachen führen dabei in der Regel zu einer im oberen Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt), zu dem definitionsgemäß nicht nur Speiseröhre und Magen, sondern auch der erste Abschnitt des Dünndarms gezählt wird, lokalisierten Blutung.

Die häufigsten Ursachen für eine im unteren GI-Trakt (Magen-Darm-Blutung) lokalisierten Blutung sind altersabhängig.
Erleiden jüngere Patienten bis 30 Jahre eine Blutung des Darms, so ist am wahrscheinlichsten eine als Meckel-Divertikel bezeichnete, angeborene Fehlbildung, dafür verantwortlich.
Dabei handelt es sich um eine ca. fünf Zentimeter große Ausstülpung des Dünndarms, die 60-90 Zentimeter vor der Dünn- und Dickdarm trennenden Klappe lokalisiert ist.
(Die Klappe heißt nach den sie trennenden Darmabschnitten Ileozäkalklappe; das Zäkum- alte Schreibweise: Coecum- meint nichts anderes als den in der Bevölkerung besser bekannten Magen-Darm-Blutung. Die Funktion der auch als Bauhin’sche Klappe bekannten Ileozäkalklappe besteht in der Vermeidung von Rückfluss von Darminhalt aus dem stark mit Bakterien besiedelten Dickdarm in den Dünndarm).
Die meist im oberen Dünndarm befindlichen Meckel-Divertikel verursachen oft keine Beschwerden; in der Hälfe der Betroffenen enthält das Divertikel allerdings (im Rahmen der Embryonalentwicklung) versprengte Magenschleimhaut oder anderes Gewebe, welches neben Blutungen auch zu langanhaltenden Schmerzen, Völlegefühl, Verdauungsproblemen und Entzündungen bis hin zum potentiell lebensbedrohlichen Verschluss des Darms (medizinisch: mechanischer Ileus) führen kann.
Die Blutungen kommen durch die Produktion von aggressiver Salzsäure durch das Magenschleimhautareal zu Stande.
Die Säure verätzt dann umliegendes Gewebe und Gefäße und verursacht so blutige Erosionen (oberflächliche Gewebsdefekte) und Ulzera (tiefe, oft bis in die Muskulatur reichende Gewebsdefekte).

Bei Patienten bis 60 Jahre sind dagegen blutende Divertikel der Dickdarmschleimhaut, d.h. Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die den gesamten Darm überziehende, äußere Bindegewebsschicht (medizinisch: Serosa), die am weitesten verbreitete Ursache für eine gastrointestinale Blutung (Magen-Darm-Blutung).
Der genaue Entstehungsmechanismus der Dickdarmdivertikel, die bei multiplem Auftreten die als gesamtes Krankheitsbild bezeichnete „Divertikel-Krankheit“ (medizinisch: Divertikulose) hervorrufen, ist unbekannt.
Vermutlich fördern eine faserarme Ernährung und Bewegungsmangel die Bildung der Divertikel. Fehlbildungen der Gefäße (Angiodysplasien) sind die häufigste Blutungsquelle bei Über-60-Jährigen.

Siehe auch: Erkrankungen im Blut


Nachweis

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer oberen und einer unteren Magen-Darm-Blutung.
Der obere Magen-Darm-Trakt  besteht aus den Magen, den oberen Abschnitten vom Dünndarm, also dem Zwölffingerdarms (medizinisch: Duodenum) undden Übergang zum Leerdarm (Jejunum), die als „flexura duodenujejunalis“ bezeichnet.
Der Grund für diese Einteilung in obere und untere Magen-Darm-Blutung (GI-Blutung) anhand der flexura duodenujejunalis liegt in der unterschiedlichen Vorgehensweise des Arztes bei Diagnostik und Therapie:
Zum Nachweis einer oberen Magen-Darm-Blutung (GI-Blutung) werden Endoskope (Schlauchkamera) benutzt, die dem Patienten über dem Mund (nach der Verabreichung eines sedierenden, d.h. beruhigenden Medikaments wie dem zu den kurzwirksamen Benzodiazepinen zählenden, Midazolam) eingeführt, bis in den Magen vorgeschoben und ermöglichen dem Arzt Einblick in den Verdauungsapparat des Patienten bis hin zu diesem Übergangspunkt der beiden Dünndarmabschnitte (flexura duodenujejunalis).
Liegt die vermutete Blutungsquelle noch tiefer (medizinisch: weiter distal, in Richtung Anus), muss das Gerät über den Darm eingeführt werden (d.h. es muss eine Spiegelung des Dickdarms, eine sog. Koloskopie durchgeführt werden, welche auch den letzten und dritten Abschnitt des Dünndarms, den Krummdarm, medizinisch auch Ileum genannt, erreicht).
Es bleibt anzumerken, dass diese Einteilung zwar heute noch immer sinnvoll ist, da sich die obere und die untere gastrointestinale Blutung (Magen-Darm-Blutung) deutlich hinsichtlich der Ursachen, der betroffenen Altersgruppen und auch in der Wahl der Behandlungsmethode deutlich unterscheiden, aber die ursprüngliche Herkunft der Einteilung ist heute aufgrund modernerer Endoskope mit größerer Reichweite nur noch von eingeschränkter Gültigkeit.

Symptome / Beschwerden

Die auftretenden Beschwerden sind i.d.R. uncharakteristisch:
Es treten;

Speziell bei stechenden Schmerzen im rechten Oberbauch oder unterhalb der Rippenbögen (medizinisch: Epigastrium) ist an eine perforierende Verletzung als typische Ursache zu denken.

Weitere Folgeerscheinungen der gastrointestinalen Blutungen (Magen-Darm-Blutung) sind direkt Folgen der starken Blutung, und bestimmen sich auch in ihrem Ausmaß nach der Höhe des Blutverlusts.
Durch den Volumenmangel kommt es:

Im Extremfall kann der starke Blutverlust bis hin zum (Volumenmangel-) Schock führen.
Lebensbedrohlich sind Blutverluste ab ca. 20% des normalen Blutvolumens. Typisch für die obere gastrointestinale Blutung ist das Erbrechen von blutigem Mageninhalt, was als Hämatemesis (Emesis= Erbrechen, griechisch häma= Blut) bezeichnet wird und nie bei der unteren gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) auftritt.

Die Farbe des Erbrochenen gibt dem Arzt dabei weitere Hinweise auf die Lokalisation der Blutungsquelle:
Hatte das Blut Kontakt mit der Salzsäure des Magens, so nimmt das Erbrochene durch die chemische Reaktion des im Blut enthaltenem Blutfarbstoffs Häm mit der Salzsäure zu einem Produkt namens Hämatin, eine schwarze, anschaulich oft als „kaffeesatzartig“ beschriebene Farbe an. Kommt es nicht zu Kontakt des Bluts mit Salzsäue, z.B. bei einer Blutung der Speiseröhre, ist das erbrochene Blut hellrot (wenn es aus einer sauerstoffreiches Blut führenden Arterie stammt) oder dunkelrot (venöses Blut).
Durch Abfluss des Blutes bei einer Blutungsquelle im Magen in den Darm, kann eine obere gastrointestinale Blutung auch zum Abgang blutigen Stuhls führen. Auch dabei wird zwischen durch Salzsäure schwarzen Stuhl (medizinisch: Meläna, zu deutsch: Teerstuhl), und dem Stuhl aufgelagerten, rotem Blut, auch als Hämatochezie, bezeichnet, unterschieden.
Beide Beschwerdebilder treten- anders als man bei Austritt von Blut aus dem Darm zunächst vermuten könnte- häufiger bei der oberen als bei der unteren gastrointestinalen Blutung (Magen-Darm-Blutung) auf.
Auffällig sind der bei Teerstuhl auftretende, penetrante Geruch und das klebrig-glänzende Aussehen, die dem Arzt die Unterscheidung von anderen, möglicherweise ähnlich aussehenden Ausscheidungs- produkten erleichtern (schwarz gefärbte Stühle müssen keine gastrointestinale Blutung sein- dies tritt auch bei Einnahme Kohle-, Bismut- oder Eisen haltigen Medikamenten auf und ist sogar nach dem Genuss von Blaubeeren beschrieben worden).
Zu beachten ist, dass das Absetzen von Teerstuhl immer einen Hinweis auf einen zurückliegenden Blutungsbeginn hinweist: Das Blut muss sich mindestens acht Stunden im Darm befunden haben.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Diagnose und Therapie der Magen-Darm-Blutung finden Sie auf der Folgeseite:

Alle Themen, die zum Bereich Innere Medizin veröffentlicht wurden, finden Sie unter: