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Brustschmerzen in der Schwangerschaft

Einführung

Brustschmerzen stellen im Bereich der Brüste das häufigste Beschwerdebild dar.

Im Rhythmus des Monatszyklus auftretende Brustschmerzen (zyklisch) werden im Fachjargon auch als Mastodynie bezeichnet, wohingegen zyklusunabhängige (azyklische) Schmerzen der Brust als Mastalgie bezeichnet werden.

Im Rahmen der Schwangerschaft auftretende einseitige oder beidseitige Brustschmerzen zählen zu den zyklusunabhängigen Brustschmerzen.
Brustschmerzen, Ziehen in der Brust, eine Berührungsempfindlichkeit sowie ein Spannungsgefühl sind typisch für eine bestehende Schwangerschaft. Daher wird das Spannen der Brüste auch zu den wahrscheinlichen Schwangerschaftszeichen gezählt.

Lesen Sie hierzu mehr unter: Schwangerschaftsanzeichen

Es wird jedoch nicht zu den sicheren Schwangerschaftszeichen gerechnet, da es ebenfalls für das baldige Einsetzen der Menstruationsblutung sprechen kann.

Verantwortlich für die Beschwerden im Bereich der Brüste ist die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft.
Ein Fünftel der Frauen mit Brustschmerzen geben an, dass die Brustschmerzen ausschlaggebend für die Durchführung eines Schwangerschaftstests, wie z.B. Clearblue®, waren und sie aufgrund dieser Beschwerden die Schwangerschaft festgestellt haben.

Lesen Sie mehr zum Thema: Clearblue® Schwangerschaftstest

Ab wann treten die Schmerzen auf?

Brustschmerzen, ein Ziehen in den Brüsten sowie Spannungsgefühle der Brüste sind typisch für eine bestehende Schwangerschaft. Diese Beschwerden können bereits zu einem frühen Zeitpunkt (5.- 8. Schwangerschaftswoche) auftreten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Ziehen in der Brust während der Schwangerschaft

Veränderungen der Brüste (Mammae) im Verlauf der Schwangerschaft

Durch die hormonellen Veränderungen kommt es bereits zu einem frühen Zeitpunkt (5.-8. Schwangerschaftswoche) zu einer Volumenzunahme der Brüste, was die Schwangere mit einem Spannungsgefühl wahrnimmt. Darüber hinaus kommt es zu einer Erweiterung der oberflächlichen Venen und die Pigmentierung der Brustwarzen und des Brustwarzenhofes (Areola) verstärkt sich, so dass diese dunkler erscheinen. Durch die Vergrößerung der Milchdrüsen wird das Binde- und Fettgewebe der Brüste verdrängt, man bezeichnet diese Entwicklung als „Schwangerschaftsadenosis“. Diese Veränderung wird durch eine Vielzahl von Hormonen gefördert.

Die Brüste fühlen sich dadurch beim Betasten knotig verändert an. Dieses Betasten kann bereits ab der 12. Schwangerschaftswoche zum Austritt eines Sekrettröpfchens führen. Dabei handelt es sich um Erstmilch (Kolostrum), deren Inhaltsstoffe Wasser, Mineralien, Fetttröpfchen, abgeschilferte Drüsenepithelzellen und Schaumzellen (Lipidmakrophagen) sind. Das Hormon Prolaktin, welches im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse gebildet wird, ist verantwortlich für die Herstellung und Ausscheidung der Muttermilch. All die beschriebenen Veränderungen sind in ihrem Ausmaß individuell unterschiedlich und abhängig von der Ausgangsgröße der Brust und der Anzahl der Drüsenläppchen. Zum Ende der Schwangerschaft hat jedoch jede Brust um ungefähr 400g vergrößert.

Lesen Sie hierzu auch unser Thema: Veränderung der Brustwarzen in der Schwangerschaft

Was tun? Was hilft? Was schaft Linderung?

Beruhigend ist, dass die ausgeprägten Brustschmerzen, die eine Vielzahl von Frauen zu Beginn der Schwangerschaft beklagen nach den ersten drei Monaten nach lassen. Trotz dessen gibt es einige unterstützende Maßnahmen, die bei den Beschwerden Abhilfe verschaffen können und die Zeit bis zur Geburt erleichtern können.

Dazu zählt ein Schwangerschafts-BH mit guter Passform, der die Brust ideal abstützt. Dieser sollte aus Baumwolle oder Seide gefertigt sein, da Spitzen-BHs, die empfindlichen Brustwarzen zusätzlich reizen und das Entstehen von Entzündungen fördern können. Auch das Tragen von zu kleinen, einschnürenden BHs sollte vermieden werden. Je nach Ausprägung der Beschwerden kann es ratsam sein, einen leichten Schwangerschafts-BH auch in der Nacht zu tragen, so dass auch in dieser Zeit die Brüste optimal gestützt werden. Um einen passenden und gut sitzenden Schwangerschafts-BH zu finden, ist der Besuch eines Fachgeschäftes, zum Beispiel eines Umstandsmoden-Geschäftes anzuraten.

Bewegungen die das Auftreten von Brustschmerzen provozieren sollten wenn möglich vermieden werden. Darüber hinaus werden kühle Umschlage von vielen Betroffenen als angenehm empfunden und können für ein leichtes Abschwellen des Brustgewebes sorgen. Auch sachte Massagen der Brust mit einem beruhigenden Schwangerschaftsöl oder einer fetthaltigen Creme können bei Brustschmerzen in der Schwangerschaft Abhilfe verschaffen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schmerzmittel in der Schwangerschaft 

Einseitige Brustschmerzen

Brustschmerzen, die in der Schwangerschaft auftreten können durchaus auf einer Seite stärker ausgeprägt sein als auf der anderen Seite. Typischerweise einseitig auftretend ist jedoch eine akute Brustdrüsenentzündung (Mastitis) im Wochenbett, die in diesem Zeitraum als Mastitis puerperalis bezeichnet wird. Diese kann ausgeprägte einseitige Brustschmerzen verursachen, so dass selbst das vorsichtige Betasten der betroffenen Brust von der Frau im Wochenbett nicht toleriert wird.

Die Mastitis puerperalis tritt am häufigsten nach der zweiten Woche nach der Geburt auf und ist durch eine Infektion mit einem der folgenden Erreger bedingt: Staphylococcus aureus, seltener Streptokokken, Proteus, Escherichia coli (E. coli), Pneumokokken und Klebsiellen.

Die Diagnosestellung dieser Brustdrüsenentzündung ist selten mit Schwierigkeiten verbunden, da gewöhnlicherweise die Kardinalsymptome einer Entzündung bestehen (Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit, eingeschränkte Stillfunktion). Typischerweise beginnt die Entzündung im oberen äußeren Quadranten einer Brust. Bei Verdacht auf eine Brustdrüsenentzündung im Wochenbett sollte in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden.

Im Anfangsstadium einer Mastitis puerperalis empfiehlt sich eine Ruhigstellung der Brust mit straffem BH, sowie eine Kühlung der Brust. Die Muttermilch muss abgepumpt und verworfen werden. Die Gabe der keimhaltigen Muttermilch an den Säugling ist verboten. Anfänglich kann auch eine antibiotische Therapie sinnvoll sein. Bei fortgeschrittener Entzündung muss abgestillt werden. Je nachdem muss auch die Einschmelzung der Entzündung mit Wärmetherapie wie Rotlicht oder Kurzwellen gefördert werden, so dass der reife Abszess eröffnet werden kann.

Sind Brustschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen?

Klinische Schwangerschaftszeichen können in unsichere, wahrscheinliche und sichere Zeichen untergliedert werden. Alle sicheren Zeichen für eine Schwangerschaft sind ausgehend vom ungeborenen Kind und sind erst in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft wahrnehmbar.

Zu den sicheren Schwangerschaftszeichen zählen das Spüren oder Fühlen kindlicher Bewegungen, das Fühlen von kindlichen Körperteilen und das Hören von den kindlichen Herztönen.

Wahrscheinliche Schwangerschaftszeichen sind deutlich früher wahrnehmbar und sind daher auch wichtiger für die frühe Diagnosestellung einer Schwangerschaft. Zu den wahrscheinlichen Schwangerschaftszeichen zählen: das Ausbleiben der monatlichen Regelblutung (Amenorrhoe), Veränderungen der Brüste (Vergrößerung, Spannungsgefühl, Schmerzen, Ziehen, gesteigerte Sensibilität), verstärkte Pigmentierung der Brustwarzen, der Brustwarzenhöfe und der Medianlinie des Bauches (Linea fusca) und Änderungen der Größe und Konsistenz (weicher) der Gebärmutter.

Auch Veränderungen der Vagina können beobachtet werden. Dazu zählen: Zunahme der Dehnbarkeit der Scheide, samtartiges Erscheinungsbild der Vaginalhaut, Verfärbung der Scheidenhaut und des Scheideneingangs (bläulich-violett) durch eine Zunahme der Durchblutung.

Lesen Sie mehr zum Thema Schwangerschaftszeichen

Des Weiteren gibt es noch unsichere Schwangerschaftszeichen, die eine eventuell bestehende Schwangerschaft mehr oder weniger wahrscheinlich machen können. Hierzu zählen: morgendliche Übelkeit und morgendliches Erbrechen (Emesis), Veränderungen des Appetits eventuell mit abnormen Gelüsten, Verstopfung (Obstipation), häufiger Harndrang (Pollakisurie), vermehrter Scheidenausfluss (Fluor vaginalis) ohne zugrunde liegende Infektion.

Typische Beschwerden in der Frühschwangerschaft sind Brustspannen (70-80%) und Erbrechen (50-70%).
Mehr als 50% der Schwangeren klagen darüber hinaus in der Frühschwangerschaft über einen gesteigerten Harndrang, einen vermehrten Speichelfluss, einen verstärkten Scheidenausfluss, Verstopfung und abnorme Gelüste.

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Eine Übersicht der bisher erschienenen Themen der Inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 14.01.2019
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