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Hände zittern

Einleitung

Ein Zittern der Hände kommt bei vielen Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen vor.

Das Händezittern kann viele Ursachen haben. Manche Ursachen sind harmlos, anderen liegen ernste Erkrankungen zu Grunde.

Dass unsere Muskeln zittern, ist im Grunde ein ganz normaler Prozess des Körpers, der unter anderem dafür sorgt, dass unsere Muskeln schneller einsatzbereit sind.
Normalerweise ist das Zittern allerdings so geringfügig, dass man es nicht oder nur kaum sehen kann. Streckt man zum Beispiel die Hand aus, kann man häufig ein leichtes Zittern der Hände bemerken, was ganz normal ist.

Liegt allerdings zum Beispiel eine körperliche oder psychische Erschöpfung oder Aufregung vor, kann das Zittern zunehmen und nach außen hin sichtbar werden, was vielen Menschen unangenehm ist.

Aber nicht nur solche harmlosen Erklärungen kommen für das Zittern in Frage, auch neurologische oder organische Erkrankungen können der Auslöser sein.

Das Zittern kann manchmal so stark werden, dass Alltagstätigkeiten nicht mehr verrichtet werden können. Dies liegt besonders dann vor, wenn das Zittern nicht in Ruhe sondern bei Bewegungen auftritt. Die Betroffenen fühlen sich häufig in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.


Ursachen für das Zittern der Hände

Häufig handelt es sich beim Zittern unserer Hände um ein gesteigertes physiologisches Zittern.

Bei Kälte zum Beispiel kann es sich verstärken, es wird von unserem Körper zur Gewinnung von Energie und Wärme eingesetzt.

Ein gesteigertes Zittern der Hände kann als Folge von Nervosität, Aufregung und Angst entstehen, aber auch durch einen hohen Koffein- und Nikotinkonsum.

Bei einem zu hohen und chronischen Alkoholgenuss kann ein Muskelzittern Folge eines kurzfristigen oder längerfristigen Alkoholentzugs sein.

Neben diesen Ursachen können auch organische Krankheiten hinter dem Händezittern stehen.
Um auf eine Krankheit zu schließen werden primär meist Nerven, Gehirn und Muskeln diagnostisch untersucht.

Auch Medikamente kommen als Auslöser eines gesteigerten Zitterns in Frage. Zu diesen Medikamenten zählen Valproat, Lithium und einige Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva, Antiarrhythmika, Psychopharmaka, Zytostatika (Medikamente einer Chemotherapie) und Immunsuppressiva.

Eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen können ebenfalls ein Händezittern auslösen. Die Patienten zeichnen sich durch eine starke Unruhe und Nervosität aus.

Des Weiteren kann es durch einen niedrigen Blutzuckerspiegel, Vitamin B12-Mangel und bei einem niedrigen Kaliumspiegel zu einem Zittern kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schilddrüsenüberfunktion

Händezittern unter Stress und Belastung

Unter starken psychischen Stress- und Belastungssituationen kann es zu einer stark ausgeprägten Zitter-Symptomatik kommen, wobei das Zittern in diesem Fall in der Regel nicht nur auf die Hände beschränkt ist, sondern den gesamten Körper befällt.

Im Zuge der seelischen Belastungen von Soldaten während des ersten Weltkrieges wurde in der Nachkriegszeit erstmals das sogenannte „Kriegszittern“ beschrieben, bei denen Männer so traumatisiert waren, dass dies bei ihnen starke Zitter-Anfälle auslöste, teilweise kam es zusätzlich zu Lähmungserscheinungen.

Im Falle eines stark psychisch bedingten Zitterns spricht man von einem psychogenen oder seelischen Tremor.
Ein psychogener Tremor tritt plötzlich auf und verschwindet auch meist wieder plötzlich. Im Falle eines psychogenen Tremors sollte ein Psychiater zur Behandlung aufgesucht werden.

Nicht immer löst Stress oder Belastung sofort einen psychogenen Tremor aus. In den meisten Fällen handelt es sich eher um ein gesteigertes normales Muskelzittern, was bei den meisten Menschen bei Aufregung auftritt.
Das Zittern stellt in Angst- und Stresssituationen einen evolutionsbedingten Prozess dar. Der Körper produziert durch das Zittern Wärme und Energie und bereitet sich somit auf eine gesteigerte Anstrengung, wie zum Beispiel eine Flucht vor.

Händezittern und Alkohol

Zu einem starken Zittern der Hände kann es bei einem Alkoholentzug oder bei einer Alkoholvergiftung kommen. Das Zittern weist charakteristischerweise eine sehr hohe Frequenz auf und tritt meist in Form eines Halte- und Intentionstremors auf.

Bei einem Alkoholentzug bessert sich das Zittern relativ schnell nach dem weiteren Konsum von Alkohol wieder, was natürlich wenig förderlich für den gänzlichen Verzicht auf Alkohol ist.
Das Zittern kann Zeichen eines Prädelirs sein, meist wird dieses von verstärkten Schwitzen, einer starken Reizbarkeit und Schlafstörungen begleitet.
Teilweise können auch Sinnesstörungen wie Halluzinationen auftreten.

Nach zwei bis drei Tagen eines Alkoholentzuges kann ein Prädelir in ein gefährliches Alkoholentzugsdelir übergehen.

Alkohol führt in den Gehirnzellen zur Stimulation von GABA-Rezeptoren. GABA ist ein dämpfender Botenstoff. Gleichzeitig kommt es durch Alkohol zu einer Hemmung von Glutamatrezeptoren. Glutamat ist ein erregender Botenstoff, also quasi der Gegenspieler von GABA.
Kommt es zu einem chronischen Alkoholkonsum, reagiert der Körper mit einer gesteigerten Bildung von Glutamatrezeptoren.
Fällt durch einen Alkoholentzug dann die Alkoholwirkung weg, kommt es vor allem durch die verstärkte Glutamatwirkung aufgrund der höheren Rezeptorendichte zu einer gesteigerten Erregung.

Diese gesteigerte Erregung ist für verschiedene Entzugssymptome, wie dem gesteigerten Muskelzittern, verantwortlich.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Folgen von Alkohol

Händezittern und Blutdruck

Sowohl zu hoher (Hypertonie) als auch ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann zu einem Zittern der Hände führen.

Zittern bei einem hohen Blutdruck stellt eines der frühen Symptome, die mit einem Bluthochdruck einher gehen, dar. Häufig wird dies zum Beispiel noch durch Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten begleitet.

Ähnliche Symptome treten auch bei einem zu niedrigen Blutdruck auf und sind bei einem zu niedrigen Blutdruck eher typisch als bei einem zu hohen Blutdruck. Bei einem zu niedrigen Blutdruck kommt es häufig zu einem Schwächegefühl, Schwindel und Zittern.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Symptome bei niedrigem Blutdruck

Tritt ein Zittern bedingt durch den Blutdruck auf, spricht man teilweise auch von einem sogenannten orthostatischen Tremor. „Orthostatisch“ bedeutet, dass es die aufrechte Körperhaltung betrifft.
Dieser orthostatische Tremor tritt in der Regel mit einem zu niedrigen Blutdruck auf und wird zusätzlich meist durch Schwindel, einer Stand- und Gangsicherheit sowie einem Ohrensausen begleitet. Teilweise kann auch eine kurze Bewusstseinsstörung im Sinne einer Ohnmacht auftreten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Bluthochdruck

Symptome

Das Zittern bezeichnet man fachsprachlich als Tremor.
Charakteristisch für einen Tremor ist, dass er rhythmisch auftritt und sich entgegengesetzte Muskelgruppen abwechselnd zusammenziehen.

Je nachdem, wann das Zittern auftritt, unterscheidet man verschiedene Arten des Tremors.

Ruhetremor

Ein Zittern in Ruhe, ohne dass eine Bewegung ausgeführt wird, bezeichnet man als Ruhetremor. Dies kommt bei der Parkinson-Krankheit vor, ist allerdings noch nicht beweisend für diese Erkrankung.

Wird bei einem Ruhetremor eine Bewegung durchgeführt, nimmt das Zittern wieder ab. Anfangs ist bei Parkinson meist nur eine Hand betroffen.
Typisch ist das Beobachten des sogenannten Pillendreherphänomens, bei dem es an einer Hand zu einem isolierten Zittern von Zeigefinger und Daumen kommt.

Auch Medikamente können einen Ruhetremor auslösen. Oftmals lösen Medikamente ein Zittern aus, die im Bezug auf die Botenstoffe im Gehirn ähnliche Bedingungen schaffen, wie sie bei einer Parkinson-Krankheit vorliegen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Morbus Parkinson

Intentionstremor

Eine weitere Tremorart ist der sogenannte Intentionstremor, bei der es bei Bewegungen zu einem Zittern der Hände kommt.

Je näher man dem angesteuert Ziel kommt, wie zum Beispiel einem Glas Wasser, desto mehr beginnt die Hand zu zittern.
Diese Form des Zitterns tritt zum Beispiel bei Erkrankungen des Kleinhirns auf.
Das Kleinhirn ist für die Feinkoordination von Bewegungen zuständig.

Auch im Rahmen der Multiplen Sklerose kann es zu einem Intentionstremor kommen. Auch ein Alkoholmissbrauch oder bestimmte Medikamente spielen hier eine Rolle.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Kleinhirnschädigung

Haltetremor

Die dritte und letzte Tremorart ist der Haltetremor.
Er tritt auf, wenn die Hände gegen die Schwerkraft gehalten werden müssen. Der Haltetremor kann in Zusammenhang mit Angst auftreten oder Zeichen eines Drogen-, Medikamenten- oder Alkoholentzugs sein.

Auch Leber- und Nierenerkrankungen, wenn der Körper nicht richtig entgiftet werden kann, können ein grobes Zittern auslösen.
Selten kann bei einem Zittern auch die sogenannte Kupferspeicherkrankeheit (Morbus Wilson) zu Grunde liegen, bei der es zu einer Anreicherung von Kupfer im Körper kommt, da dieser das Kupfer nicht ausreichend ausscheiden kann. Das Kupfer wirkt dann toxisch und schädigt vor allem Gehirn, Leber und Augen.
Bei der Kupferspeicherkrankheit handelt es sich um eine vererbbare Krankheit.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Morbus Wilson

Eine wichtige und häufige Ursache für ein Zittern stellt der sogenannte essentielle Tremor dar. Bei ihm handelt es sich vermutlich um eine vererbbare Erkrankung, da sie familiär gehäuft vorkommt. Teilweise beginnt das Zittern schon in sehr jungen Jahren, kann aber auch erst im fortgeschrittenen Alter auftreten.

Der essentielle Tremor tritt meist in der Form eines Haltetremors auf, wird allerdings häufig noch durch einen Aktionstremor begleitet, der von den Betroffenen als besonders störend beschrieben wird.
In den meisten Fällen sind beide Hände von dem Zittern betroffen, gefolgt von Kopf und Stimme. Paradoxerweise bessert sich das Zittern durch den maßvollen Konsum von Alkohol.
Die Krankheit des essentiellen Tremors ist zwar störend, allerdings ungefährlich. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt.

Begleitende Symptome beim Händezittern

Liegt dem Händezittern eine neurologische Erkrankung zu Grunde, kann dies mit weiteren Bewegungsauffälligkeiten einher gehen.
Dazu zählen zum Beispiel ein unsicheres Gangbild oder eine gesteigerte Muskelsteifigkeit.
Des Weiteren kann es auch zu psychischen Auffälligkeiten wie Demenz oder Depressionen kommen.

Das Zittern ist häufig nicht nur auf die Hände beschränkt, obwohl am häufigsten die Hände betroffen sind und Erkrankungen, die mit einem Zittern einher gehen, meist an den Händen beginnen.

Händezittern im jungen Alter

Tritt das Händezittern schon in jungen Jahren auf, handelt es sich häufig um eine gesteigerte Form des physiologischen (normalen) Muskelzitterns, das häufig im Zusammenhang mit Koffein-, Nikotin- oder Alkoholkonsum auftritt oder als Symptom einer gesteigerten Nervosität oder Angst auftritt.

Auch der schon beschriebene essentielle Tremor kann bereits in einem jungen Alter auftreten. Meistens manifestiert er sich ca. um das vierzigste Lebensjahr, kann aber auch schon im Kindesalter auftreten.

Auch eine Schilddrüsenüberfunktion ist in jungem Alter nicht untypisch und geht auch manchmal, aber nicht zwingend, mit einem Zittern einher.

Händezittern im höheren Alter

In fortgeschrittenem Alter handelt es sich bei einem Zittern der Hände häufiger um eine Parkinson-Erkrankung. Circa ein Prozent aller über 60jährigen sind von der Erkrankung betroffen.
Des Weiteren kommt es mit zunehmendem Alter oft zu einer Steigerung des physiologischen Zitterns der Muskeln, dass normalerweise nicht sichtbar sein sollte.

Therapie

Die Therapie hängt ganz von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Handelt es sich um einen gesteigerten physiologischen Tremor, wird dieser in der Regel nicht medikamentös behandelt, sondern es wird beispielsweise der Kaffee- oder Nikotinkonsum gesenkt.

Liegt das Zittern einer pathologischen Angst oder Nervosität zu Grunde, kann eine Psychotherapie empfehlenswert sein.

Liegt eine neurologische Ursache zu Grunde, kommen vermehrt Medikamente zum Einsatz. Zu diesen zählen antiepileptische Medikamente, die dafür sorgen, dass die Nervenzellen weniger erregbar sind.
Als häufiges Antiepileptikum kommt Primidon beim Muskelzittern zum Einsatz.
Auch Betablocker, die normalerweise eher bei Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörung eingesetzt werden, können zur Behandlung eines Tremors verwendet werden.

Bei Parkinson leigt ein Mangel an Dopamin vor, sodass Medikamente zum Einsatz kommen, die dafür sorgen, dass Dopamin wieder zur Verfügung steht. In der Regel wird dafür L-Dopa eingesetzt, dabei handelt es sich um eine Vorstufe von Dopamin.
Als Alternative können auch Medikamente eingesetzt werden, die die Wirkung von Dopamin verstärken.

Liegt eine schwere Form des essentiellen Tremors oder der Parkinson-Krankheit vor, die medikamentös nicht ausreichend zu behandeln ist, gibt es die operative Methode der tiefen Hirnstimulation.
Bei diesem Verfahren werden Elektroden in ein bestimmtes Hirnareal eingebracht, sowie eine Elektrode unter der Haut mit einem Schrittmacher verbunden. Über den Schrittmachern können nun Nervenzellen gehemmt werden, sodass das Zittern unterdrückt wird. Diese Methode zeigt bei den meisten Patienten gute Therapieerfolge.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2018
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