Gebrochenes Handgelenk

Anatomie des Handgelenks

Unter dem Begriff „Handgelenk“ versteht man den Sammelbegriff für 2 separate Gelenke.

Dies ist zum einen das proximale (also nahe der Körpermitte gelegene) –und zum anderen das distale Handgelenk.
Das proximale Handgelenk nennt sich auch „Articulatio radiocarpalis“ und setzt sich aus dem Unterarmknochen, der sogenannten Speiche (lat. Radius), und den proximalen Handwurzelknochen (lat. Os carpalis) zusammen.
Es handelt sich aufgrund der 2 Freiheitsgrade und seiner Form um ein Ellipsoid-/ Eigelenk. Eine Besonderheit des proximalen Handgelenks ist das Vorhandensein einer kleinen Zwischengelenkscheibe (Discus articularis).
Eigentlich zählt der Discus zu einem Gelenk zwischen Elle und Speiche, ist jedoch an dem „Articulatio radiocarpalis“ aufgrund seiner Lage beteiligt.

Das distale Handgelenk – oder auch „Articulatio mediocarpalis“ – bezeichnet die gelenkige Verbindung zwischen der Reihe der proximalen und distalen Handwurzelknochen. Zu diesen zählen folgende Knochen:

  • Kahnbein (Os scpahoideum)
  • Mondbein (Os lunatum)
  • Dreiecksbein (Os triquetrum)
  • großes Vieleckbein (Os trapezium)
  • kleines Vieleckbein (Os trapezoideum)
  • Kopfbein (Os capitatum)
  • Hakenbein (Os hamatum)

Im Gegensatz zum proximalen Handgelenk ist das distale Handgelenk aufgrund von Bändern und Muskeln weniger beweglich und funktionell gesehen ein Scharniergelenk. Abgesehen von den Handwurzelknochen und der Speiche (Radius) ist auch die Elle nicht selten betroffen, wenn es um Frakturen im Bereich des Handgelenks geht.

Ursachen

Traumatisch bedingte Handgelenksbrüche sind am häufigsten.
Dabei variiert der Bruch je nach Unfallmechanismus. Bei einem Sturz auf die Hand ist typischerweise die Speiche (Radius) betroffen.
Je nachdem wie die Handhaltung zum Zeitpunkt der Krafteinwirkung bei einem Sturz ist, kann man Brüche in Beuge – und Streckstellung unterscheiden. In Extensionsstellung (also wenn die Hand gestreckt ist), kommt es zu der sogenannten Colles-Fraktur des Radius.
Eine Smith-Fraktur resultiert aus einem Sturz auf die gebeugte Hand. Diese ist seltener, da es bei einem Sturz reflexartig zu einer Abstützbewegung, also einer Streckstellung, der Hand kommt.

Betroffen sind gehäuft Kinder und ältere Menschen. Letztgenannte Gruppe ist aufgrund von altersabhängiger Immobilität einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt. Zusätzlich sind alte Knochen aufgrund von Osteoporose instabiler und brüchiger als junge, gesunde Knochen.
Beim Sport oder direkter Gewalteinwirkung kann es zudem auch zu Handgelenksbrüchen kommen. Typisch ist auch die Fraktur eines Handwurzelknochen, des Kahnbeins, also die sogenannte Scaphoidfraktur.


Symptome

Klassische Symptome bei gebrochenem Handgelenk sind Druckschmerzhaftigkeit mit folgender Schwellung und Schmerzausstrahlung.

In der Regel sind die klassischen Frakturzeichen erkennbar. Dazu zählen neben der Dislokation, also der Verschieblichkeit, die Stufenbildung, Weichteilschäden, abnorme Beweglichkeit und das Vorhandensein von Krepitationen („Knirschgeräusch“ im Frakturbereich).

Natürlich hängen der Schmerzcharakter und die Schmerzlokalisation davon ab, welcher Knochen des Handgelenks gebrochen ist.
Da durch einen Bruch auch Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden können ist es nicht untypisch, dass es zu Kribbelgefühlen und Missempfindungen in den Fingern oder in bestimmten Arealen der Hand kommt.

Außerdem ist die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und es liegt ein Gefühl der Instabilität vor. Oft wird nach einem Bruch von der betroffenen Person eine Schonhaltung der Hand eingenommen, in der die Schmerzen weniger unangenehm sind. Abgesehen von dieser Haltung kann es aber auch zu speziellen Fehlhaltungen bei Brüchen des Radius kommen.
Disloziert ein entstandenes Knochenfragment des Radius Richtung Daumen resultiert eine Fehlstellung der Hand gegenüber dem Unterarm, die sogenannte Bajonette-Stellung. Verschiebt sich das Fragment jedoch auf die Streckerseite nennt man das Ganze Fourchette-Fehlstellung.

Therapie

Wie in den meisten Fällen gibt es 2 Therapieoptionen.
Entweder man behandelt einen Handgelenksbruch konservativ oder mittels einer Operation.

Unter der konservativen Behandlung versteht man die Korrektur (Reposition) mit anschließender Ruhigstellung mithilfe eines Gipses.
Bei nicht dislozierten, also nicht verschobenen Brüchen, ist die Versorgung mit einem Gips ohne operativen Eingriff möglich.

Die Ruhigstellung durch den Gips gibt den knöchernen Strukturen genügend Stabilität und Zeit um wieder regelrecht zusammenzuwachsen. In den meisten Fällen ist eine Tragezeit von 4- 6 Wochen vorgeschrieben. Um sicherzugehen, dass die Knochenfragmente auch richtig zusammenwachsen, sollten regelmäßige Röntgenbild-Kontrollen stattfinden.
Damit können mögliche Verschiebungen oder Fehlstellungen z.B. aufgrund von zu früher Belastung, rechtzeitig erkannt und eine dauerhafte Fehlverwachsung verhindert werden. Auch die Schienung verfolgt wie der Gips das Ziel durch Ruhigstellung eine Frakturheilung zu erlangen.

Sobald ein Handgelenksbruch instabil ist oder es sich womöglich um eine offene und/oder Trümmerfraktur handelt ist die konservative Versorgung nicht mehr ausreichend sodass die operative Therapie indiziert ist. Dabei kommen verschiedene Formen der Osteosynthese in Frage:
Fixateur externe, Drähten, Schrauben –oder Plattenosteosynthese.

Zuerst genannten Variante wird tatsächlich nur bei offenen Frakturen mit Weichteilverletzung und Polytraumata verwendet. Bei dem Fixateur externe handelt es sich, wie der Name schon sagt, um ein Haltesystem („Fixateur“) von außen („externe“).
Hierbei werden Schrauben zur Reposition und Retention beispielsweise in der Speiche an mind. 2 Stellen befestigt, um diese dann außerhalb über einen Kraftträger, in der Regel einem starren Metallstab, miteinander zu verbinden.

Sehr viel häufiger wird ein Handgelenksbruch jedoch mit Drähten oder Platten versorgt. Einen Bruch der Speiche ohne große Verschiebungen und ohne Beteiligung der Gelenkfläche reponiert und fixiert man mit Drähten, genauer gesagt mit sogenannten Kirschner-Drähten. Der Vorteil der Drähte darin, dass es sich um einen minimal-invasiven Eingriff handelt, da die Drähte punktuell an einer Stelle angebracht werden. Man muss bei dieser Variante jedoch darauf achten, dass der Arm und das Handgelenk anschließend mit einem Gips ruhiggestellt werden, da die Drähte beweglich sind und somit keine komplette Stabilisierung gewährleisten können. Damit einher geht auch das Risiko, dass es durch den Bewegungsspielraum erneut zu einer Verschiebung kommen kann. Die Ruhigstellen und Schonung ist hier also sehr wichtig.

Als letzte und am häufigsten genutzte Variante ist die Versorgung der distalen Speichenfraktur mit eine volaren (auf Seite der Handfläche) winkelstabilen Platte. Dabei wird die Platte mit Schrauben auf der Beugeseite fixiert. Im Gegensatz zur Versorgung mit Kirschner-Drähten ist dieser Eingriff invasiver und kann daher nicht ambulant durchgeführt werden, was im Falle der Kirschner Drähte möglich ist. Ein großer Vorteil der volaren, winkelstabilen Platte ist die frühfunktionelle Belastbarkeit, die im Vergleich zu allen anderen Osteosynthesenformen ohne Gips erfolgen kann.

Eine Kahnbeinfraktur (Scaphoidfraktur) kann sowohl konservativ als auch operativ versorgt werden. Zur operativen Therapie gibt es ganz besondere Schrauben, sogenannte Herbert-Schrauben. Die Besonderheit der Herbert-Schraube ist das Vorliegen eines Doppelgewindes an den jeweiligen Enden, sodass die Schraube im Knochen komplett versenkt werden muss. Auch wenn die Schraube eine gute Stabilität gewährleistet ist, sollte danach ein Gips getragen werden.

Dauer

Bei der konservativen Therapie sollte der Gips wie 4-6 Wochen getragen werden.
Währenddessen ist es wichtig Daumen und Finger zu bewegen damit die Muskulatur trotz der Ruhigstellung nicht völlig abgebaut wird, aber auch um die Durchblutung zu fördern.
Zudem muss regelmäßig kontrolliert werden, ob sowohl die Sensibilität, als auch die Durchblutung und die Motorik erhalten bleiben.
Durch fehlerhafte Gipsanlage kann einer der Faktoren negativ beeinflusst werden, was einem sofortigen Wechsel und Neuanlage des Gipses bedarf. Nach Abnahme des Gipses ist die Beweglichkeit in der Regel wieder möglich und ausreichend Stabilität vorhanden. Mit stärkerer Belastung sollte erst nach 8-12 Wochen begonnen werden; dazu zählen auch jegliche sportliche Betätigungen.

Nach einer operativen Versorgung variiert der Heilungsprozess bzw. die Nachbehandlung ein wenig.
Die Kirschnerdraht-Versorgung geht wie gesagt immer mit dem Tragen eines Gipses einher. Die Entfernung der Drähte kann dann nach erfolgter Knochenheilung, also ungefähr nach 4-6Wochen, erfolgen.
Eine volare, winkelstabile Platte kann jedoch lebenslang im Körper verbleiben, insofern sie keine Beschwerden bereitet. Frühster Entfernungszeitpunkt sollte nach 12 Monaten sein, da vorher keine ausreichende und bestmögliche zu erreichende Stabilität gewährleistet ist.
Die Nachbehandlung einer Herbert-Schrauben-Versorgung weicht nicht viel von den andern ab: die Gipsentfernung erfolgt nach 4-6 Wochen und die Belastung sollte langsam gesteigert werden mit ggf. unterstützender Krankengymnastik.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Heilungsprozess neben den verschiedene Osteosynthese-Varianten stark davon abhängt, wie kooperativ der Patient selbst ist.
Gerade bei der konservativen Therapie ist es essenziell, dass sich an Ruhigstellung und Belastungsfreiheit gehalten wird. Das Risiko einer erneuten Verschiebung, persistierender Instabilität oder des fehlerhaften Zusammenwachsen von Knochen ist in anderem Falle sonst sehr hoch.
Es ist wichtig, sich nach operativer Versorgung mit dem behandelten Arzt über Nachversorgung und möglicher physiotherapeutischer Behandlung auseinanderzusetzen um eine bestmöglich Heilung zu garantieren.
Unkomplizierte Brüche des Handgelenks sind meistens schon nach 4-6 Wochen wieder verheilt; komplizierter Frakturen können einen halbjährigen Heilungsprozess mit sich bringen.

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Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Handgelenksbruch:

Alle Informationen zum Thema Orthopädie finden Sie unter Orthopädie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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