Schmerzen hinter dem Brustbein

Einleitung

Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternale Schmerzen) können verschiedene Ursachen haben. Es handelt sich dabei definitionsgemäß um Brustschmerzen, die mehr oder weniger direkt hinter dem Brustbein (Sternum) liegen und unterschiedlichen Charakter haben können. Grundsätzlich kommen in erster Linie Organe in Frage, die in räumlicher Nähe liegen. Dies sind zum Einen die Speiseröhre mit dem darunter liegenden Magen, das Herz und die Lungen.
Nicht selten können aber auch oberflächliche Geschehen Schmerzen im Brustbereich und gegebenenfalls sogar hinter dem Brustbein hervorrufen. Beispielsweise kann eine Entzündung des Lungenfells (Pleura) sehr schmerzhaft sein, aber auch die Rippen und die dazwischen befindlichen Nerven und Muskeln können unter Umständen ähnliche Beschwerden auslösen.

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Ursachen und dazugehörige Symptome

Eines der am häufigsten vertretenen Krankheitsbilder mit brennendem Schmerz hinter dem Brustbein ist wohl die Refluxerkrankung (Refluxösophagitis). Dabei tritt Magensäure in die Speiseröhre über und verursacht dort eine Entzündung, welche von Betroffenen meist als saures Aufstoßen oder Brennen hinter dem Brustbein empfunden wird. Diese Symptomatik verstärkt sich direkt nach dem Essen oder auch im Liegen.

Auch eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kommt relativ häufig vor. Die Ursache dafür kann sehr verschieden sein, allen gemeinsam ist jedoch das Beschwerdebild. Meist stehen Schmerzen im Oberbauch im Vordergrund, diese können jedoch auch eine andere Lokalisation haben und sich unter Umständen auch um den Bauchnabel herum oder hinter dem Brustbein befinden.

Zu Erkrankungen des Herzens, welche Schmerzen hinter dem Brustbein verursachen können, zählt allen voran die Angina pectoris im Zusammenhang mit einer koronaren Herzerkrankung. Die bereits vorgeschädigten Gefäße am Herzen haben an Elastizität verloren und sind verengt, weshalb sie besonders bei Anstrengung nicht mehr genügend Blut befördern können. Dieses Phänomen verspüren Betroffene dann als anfallsartige Brustenge. Betroffene schildern dies manchmal als stechenden Schmerz, häufig aber als Unwohlsein hinter dem Brustbein. Die Symptomatik kann dabei von Schmerz, über Druck auf der Brust bis Brennen oder Schweregefühl reichen. Häufig ist dabei auch eine Ausstrahlung in Arme, Rücken oder sogar in den Kiefer.

Beim akuten Herzinfarkt verspüren Betroffene auch einen stechenden Schmerz. Dieser kann sowohl hinter dem Brustbein, der linken Brust aber auch im Oberbauch sein. Es handelt sich hierbei meist um einen sehr starken Schmerz und strahlt oft in den linken Arm aus. Betroffene haben meist Todesangst, sind kaltschweißig, blass und sie verspüren meistens Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Auch begleitende Luftnot ist typisch für dieses Krankheitsbild. Wichtig ist dabei, dass der Schmerz weder durch die Atmung noch durch Bewegung beeinflussbar ist. Ist er das, spricht dies eher gegen einen akuten Herzinfarkt.

Auch Erkrankungen der Lunge können mit Schmerzen hinter dem Brustbein einhergehen. Beispiele hierfür sind eine akute Lungenembolie oder ein Pneumothorax. Beiden Krankheitsbildern gemeinsam ist jedoch die Luftnot, die meist auch im Vordergrund steht. Begleitend dazu haben Betroffene oft Husten und Schmerzen in der Brust, die meist atemabhängig sind.
Die Pleuritis, also eine Entzündung des Lungenfells hat als führendes Symptom sehr starke, streng atemabhängige Schmerzen. Immer wenn sich die Lungen in Relation zur Brustwand bewegen, kommt es zu Brustschmerzen. Abhängig von der Lokalisation des Entzündungsherds, können die Schmerzen sich auch hinter dem Brustbein befinden. Begleitend dazu haben Betroffene meist Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Ziehende, lang anhaltende Schmerzen im Brustbereich mit Schmerzspitzen sprechen eher für eine Intercostalneuralgie, einem Krankheitbild das in den Zwischenrippenräumen lokalisiert ist. Meist sind die Schmerzen hierbei auch eher gürtelförmig angesiedelt und verstärken sich bei Bewegung oder Anspannung.

Nicht zuletzt können Schmerzen hinter dem Brustbein auch durch degenerative Veränderungen an der Brustwirbelsäule verursacht werden. Dabei können Veränderungen an den Bandscheiben, den Wirbelkörpern selbst oder dem Bandapparat im Vordergrund stehen. Man fasst dies zur Vereinfachung als Brustwirbelsäulen-Syndrom (BWS-Syndrom) zusammen. Meist ist dabei die Beweglichkeit eingeschränkt und führt zu Schmerzen, die in unterschiedliche Richtungen im Brustbereich ausstrahlen können. Auch durch die Atmung können die Schmerzen meist verstärkt werden.

Diagnose

Je nach klinischem Verdacht sind die diagnostischen Maßnahmen oft unterschiedlich. Zunächst ist eine detaillierte Beschreibung der Schmerzqualität, Schmerzstärke und Schmerzcharakters für die weitere Beurteilung durch den Arzt notwendig. Dabei ist es wichtig zu wissen, wann die Schmerzen bevorzugt auftreten, wo sie genau lokalisiert sind, ob sie ausstrahlen, was sie verschlimmert oder verbessert und wie stark sie sind. Abhängig davon und vom klinischen Allgemeinzustand des Patienten werden dann die als am wahrscheinlichsten einzuschätzenden Krankheitsbilder weiter abgeklärt.

Steht die Speiseröhre oder der Magen im Vordergrund kann zum einen getestet werden, ob sich die Symptomatik bei Gabe von Magensäureblockern (sog. Protonenpumpeninhibitoren, kurz: PPI) bessert.

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Außerdem kann man eine endoskopische Untersuchung, eine Magenspiegelung (Ösophagogastroduodenoskopie, kurz: ÖGD) anstreben, damit sich der Arzt ein besseres Bild über den Zustand der Schleimhäute verschaffen und gegebenenfalls einen Eingriff daran vornehmen kann.

Wird das Herz als wahrscheinlichste Ursache für die Schmerzen erachtet, wird meist ein EKG geschrieben, Blut abgenommen um wichtige Herzenzyme zu überprüfen und ein Ultraschall des Herzmuskels gemacht.

Wenn die Lunge im Vordergrund steht, wird meist ein Röntgenbid des Thorax gemacht und bei genaueren Fragestellungen sogar eine Computertomographie (CT). Außerdem ist es wichtig zu überprüfen, wie das Blut mit den verschiedenen Gasen beladen ist und ob Zeichen für eine akute Herzbelastung im Rahmen des Geschehens an der Lunge vorhanden sind.

Bei orthopädischen Ursachen ist meist die gezielte körperliche Untersuchung, bei BWS-Veränderungen auch ein Röntgenbild meist zielführend.

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Therapie

Für die vielen genannten sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern gibt es selbstverständlich auch unterschiedliche Therapieansätze.

Bei Beschwerden im Rahmen einer Gastritis oder Refluxerkrankung besteht die Therapie hauptsächlich darin, die Säureproduktion des Magens zu reduzieren, um so die zusätzliche Reizung der Schleimhäute möglichst gering zu halten.

Bei Erkrankungen, die das Herz betreffen wird eine Langzeittherapie angestrebt, da das Herz-Kreislauf-System von entscheidender Bedeutung für den gesamten Organismus ist. In der Akutsituation eines Herzinfarktes werden Substanzen verwendet, die einerseits die Gefäße weit stellen sollen, die Herzfrequenz reduzieren und den Schmerz und die Angst nehmen. Langfristig wird dann meist eine blutdruck- und blutfettsenkende Therapie eingeleitet, gegebenenfalls eine Blutverdünnung und eine Entlastung für die Pumpfunktion des Herzens angestrebt.

Ist die Lunge betroffen, wird jeweils die Ursache dafür behandelt. Bei einer Lungenembolie beispielsweise muss der Thrombus aufgelöst werden, bei einem Pneumothorax die Lungen wieder entfaltet und bei einer Pleuritis die Infektion bekämpft werden.

Orthopädische Krankheitsbilder werden meist mit Schmerzmitteln behandelt. Gegebenenfalls sollte zusätzlich bei chronischem BWS- Syndrom eine entlastende Operation erfolgen.

Allen Krankheitsbildern mit Schmerzen hinter dem Brustbein oder sonstigen Brustschmerzen gemeinsam ist die schmerzlindernde Therapie. Als Erstversorgung erfolgt meist immer zunächst eine Gabe von Schmerzmitteln.

Schmerzen hinter dem Brustbein nach dem Essen

Schmerzen beim Essen oder kurz nach dem Essen, die hinter dem Brustbein oder im Oberbauch lokalisiert sind deuten meist auf eine Gastritis hin. Betroffene schildern in manchen Fällen, dass die Schmerzen sich unmittelbar nach dem Essen ein wenig verbessern, dann aber nach relativ kurzer Zeit wieder auf den Ausgangszustand zurückkehren. Treten begleitend zu den Schmerzen Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder gar Erbrechen auf, ist die Diagnose einer Gastritis ziemlich wahrscheinlich.

Das typische Brennen hinter dem Brustbein im Rahmen einer Refluxerkrankung kann nach dem Essen auch verstärkt auftreten. Auch Liegen oder nach vorne beugen kann die Symptomatik verschlimmern.

Schmerzen hinter dem Brustbein beim Trinken

Schluckbeschwerden, die bereits beim Trinken von Flüssigkeiten auftreten, deuten meist auf eine bereits stark ausgeprägte Refluxerkrankung der Speiseröhre hin. Die Schleimhaut ist dann bereits so stark gereizt und entzündet, dass selbst der Kontakt mit Flüssigkeit das typische Brennen verursachen kann und zu Schmerzen führt. Ist dies der Fall, sollte nach Möglichkeit innerhalb der nächsten Tage ein Arzt aufgesucht werden. Schließlich können sich Schluckstörungen langfristig negativ auf das Ess- und Trinkverhalten auswirken und weitere Konsequenzen nach sich ziehen. Auch die dauerhafte Entzündung der Speiseröhre kann Boden für weitere Erkrankungen sein.

Ausstrahlung der Schmerzen in den Rücken

Manchmal können die Schmerzen hinter dem Brustbein auch in den Rücken ausstrahlen. Dies ist meist dann der Fall, wenn das Herz oder die Brustwand involviert sind. In beiden Fällen ist eine Ausstrahlung in den Rücken denkbar, muss aber nicht zwingend der Fall sein. Beim Herzinfarkt beispielsweise sind viele verschiedene Schmerzausstrahlungen möglich. Auch Beschwerden, die primär vom Magen ausgehen können so stark ausgeprägt sein, dass sie in den Rücken ausstrahlen. Dies ist jedoch eher selten der Fall.

Geht die Hauptursache von der Wirbelsäule aus, liegen Schmerzen im Rücken in der Natur der Sache. In diesem Fall sind die Schmerzen hinter dem Brustbein, sofern sie vorhanden sind, als Ausstrahlungsschmerzen zu verstehen.

Verschlimmerung der Schmerzen durch die Atmung

Verschlimmern sich die Schmerzen in der Brust bei der Atmung, ist dies ein Zeichen welches gegen eine Ursache am Herzen spricht. Der stechende Schmerz beim Herzinfarkt ist meist dauerhaft und vollkommen unabhängig von Bewegung oder Atmung.

Tritt der Schmerz vermehrt beim Einatmen auf, kann die zugrundeliegende Erkrankung die Lunge betreffen. Beim Pneumothorax oder der Pleuritis etwa, sind die Schmerzen meist bei der Einatmung am stärksten. Auch Bewegung verschlimmert oft die Symptomatik.
Auch eine Intercostalneuralgie kann bei der Atembewegung vermehrt Beschwerden hervorrufen.

Verstärkung der Schmerzen durch Husten

Für die Verstärkung der Schmerzen hinter dem Brustbein beim Husten gilt nahezu das Gleiche wie für das Einatmen oder die Bewegung. Eine Intercostalneuralgie etwa, verschlimmert sich beim Husten, Pressen oder bei Bewegung. Letztlich erhöht sich der Druck im Brustkorb sowohl bei der Einatmung als auch beim Husten, was der entscheidende Mechanismus für die Verstärkung der Schmerzsymptomatik bei diesen Erkrankungen ist.

Zusammenfassung

Das Symptom Schmerzen hinter dem Brustbein oder auch retrosternaler Schmerz kann ein Zeichen für viele Erkrankungen der Inneren Medizin oder auch der Orthopädie sein.

Einige davon sind akut lebensbedrohlich, weshalb eine weitere Abklärung auf jeden Fall erfolgen sollte. Die Dringlichkeit des Arztbesuches sollte möglichst am Allgemeinzustand und an der allgemeinen Krankheitslast festgemacht werden.

Für die Einschätzung ist zum einen die allgemeine Symptomlast des Patienten entscheidend, aber auch die Unterscheidung in atem- und bewegungsabhängige Schmerzen ist von großer Bedeutung. Kardiale, also vom Herzen ausgehende Schmerzen sind meist konstant und lassen sich wenig durch äußere Umstände beeinflussen. Diese sollten dann auch auf jeden Fall umgehend abgeklärt werden.

Gastritische Beschwerden, sowie orthopädische Krankheitsbilder verlaufen hingegen meist nicht so akut und lassen sich meist im Rahmen einer ambulanten Therapie gut in den Griff bekommen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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