Tennisarm Dehnübungen

Synonyme

  • Streckübungen
  • Extensionsübungen

Einleitung

Die Therapie eines Tennisarms ist von Person zu Person unterschiedlich und richtet sich vor allem nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem individuellen Leidensdruck der Betroffenen.
In fast allen Fällen ist es jedoch sinnvoll, Dehnungsübungen in den Therapieplan mit einzubauen, da diese nicht nur den Heilungsprozess fördern und schmerzen lindern, sondern auch einem Rückfall effektiv vorbeugen.
In hochaktiven Phasen des Tennisarms können Dehnübungen kontraproduktiv sein, da der geschädigte Sehnenansatz durch den zusätzlichen Zug negativ beeinflusst wird.

Hinweis

Dehnübungen sollten beim ersten Mal nur unter Anleitung eines Physiotherapeuten /Krankengymnasten erfolgen, da die korrekte Ausführung wichtig ist, um auch Erfolge zu verzeichnen und nicht eventuell dem Arm sogar noch mehr Schaden zuzufügen.
Beachten Sie hierzu auch unser sehr ausführliches Thema: Krankengymnastik bei Tennisarm

Durchführung der Dehnübungen beim Tennisarm

Die Dehnübung, die im Rahmen der Behandlung eines Tennisarms am häufigsten eingesetzt wird ist die folgende:
Der Arm wird im Ellenbogengelenk komplett durchgestreckt und der Unterarm nach innen eingedreht. Daraufhin wird die Hand zur Seite gedrückt, wobei die Finger nach außen zeigen sollten. Diese Position wird unter angehaltener Spannung etwa 15 Sekunden gehalten und dann wieder gelöst.
In der akuten Phase eines Tennisarms sollte diese Übung nur sehr vorsichtig bis zu drei Male am Tag durchgeführt werden.
Andere Dehnungsübungen bestehen zum Beispiel darin den Arm vor dem Körper auszustrecken, wieder mit durchgedrücktem Ellenbogen.Dann wird die Hand im Handgelenk zur Körpermitte hin gebeugt und von der anderen Hand für einige Sekunden festgehalten..

Dehnübungen in der chronischen Phase

Dehnübungen sind allerdings besonders in der chronischen Phase des Tennisarms wichtig (Erkrankungsdauer länger als 6 Monate) eines Tennisarms wichtig.
Wenn regelmäßig eine gleiche Bewegung im Unterarm ausgeführt wird, die die Muskeln sehr einseitig belastet, wie zum Beispiel eben beim Tennis- oder Golfspielen, aber auch bei längerem Arbeiten am Computer, ist es sinnvoll die Muskulatur zur Vorbeugung zu dehnen. Unter diesen Umständen reicht es jedoch aus, die Übungen einmal pro Tag durchzuführen. Außerdem sollte man darauf achten, vor allen sportlichen Aktivitäten und dem Ausüben von ungewohnten Belastungen, die entsprechenden Muskeln zu dehnen.

Der Zweck all dieser Dehnübungen besteht darin, die Unterarmmuskulatur, die beim Tennisarm häufig verkrampft oder sogar verkürzt ist, aufzulockern, zu verlängern und geschmeidig zu machen. Dadurch werden vorhandene Schmerzen gelindert und das Risiko, sich einen Muskelfaserriss, eine Entzündung oder sonstige Verletzungen zuzuziehen, wird gesenkt.

Abbildung Tennisarm: unten - rechter Unterarm, Muskeln der Streckseite (Dorsalseite)
  1. Speichenschaft - Corpus radii
  2. Ellenschaft - Corpus ulnae
  3. Oberarmschaft - Corpus humeri
  4. Langer speichenseitiger
    Handstrecker -
    M. extensor carpi radialis longus
  5. Kurzer speichenseitiger
    Handstrecker -
    M. extensor carpi radialis brevis
  6. Langer Daumenabspreizer -
    M. abductor pollicis longus
  7. Kurzer Daumenstrecker -
    M. extensor pollicis brevis
  8. Langer Daumenstrecker -
    M. extensor pollicis longus
  9. Ellbogen - Olecranon
  10. Knorrenmuskel - M. anconeus
  11. Ellenseitiger Handstrecker -
    M. extensor carpi ulnaris
  12. Fingerstrecker - M. extensor digitorum
  13. Kleinfingerstrecker - M. extensor digiti minimi
  14. Halteband der Strecksehnen - Retinaculum musculorum extensorum

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Sinnvoll in der akuten Phase?

In der akuten Phase des Tennisarms ist der Sehnenansatz des Muskels am Knochen entzündet. Diese Entzündung führt dazu, dass die Sehnenfasern geschädigt werden. Diese Schädigung wird durch eine Einlagerung von Fetten, eine Zerfaserung und Risse in den Sehnenfasern verursacht.
In der akuten Phase ist die entzündete Sehne sehr empfindlich und der betroffene Muskel angespannt und verhärtet. Dehnübungen würden zwar die Verspannungen in der Muskulatur lösen und verbessern, sind für die entzündeten Sehnen aber schädlich. Die Dehnübungen beim Tennisarm können kleine Risse in der Sehne verursachen und damit die Entzündung verschlechtern und die Ausheilung verzögern.

Während der akuten Phase des Tennisarms zu dehnen, lässt die Entzündung in der Sehne nicht zur Ruhe kommen und verschlechtert die Prognose der Erkrankung, deshalb sollten die Dehnübungen in der akuten Phase sehr zurückhaltend und vorsichtig nur wenige Male täglich ausgeführt werden.

Sinnvoll in der Ausheilungsphase?

Ist die akute Phase des Tennisarms vorüber und die Entzündung auf ein niedrigeres, aber chronisches Maß zurückgegangen, sind regelmäßige Dehnübungen sehr sinnvoll.
Die Dehnübungen lockern Verspannungen in den betroffenen Muskeln und halten diese beweglich und sind bei einer regelmäßigen Anwendung in der Lage, die eventuell verkürzte Muskulatur zu verlängern und somit den schmerzhaften Zug auf den chronisch entzündeten Sehnenansatz zu verringern. Ein geringerer Zug bedeutet eine abnehmende Entzündungsaktivität und weniger Schmerzen. Regelmäßige, richtig ausgeführte Dehnübungen in der chronischen Phase oder in der Phase der Ausheilung beim Tennisarm sind also sehr sinnvoll, um die Symptome zu verbessern und eine schnellere Heilung zu erzielen.

Sinnvoll als Prävention?

Auch wenn der Sehnenansatz noch gar nicht entzündet ist, ist eine regelmäßige Dehnung nützlich, um dem Tennisarm vorzubeugen. Gerade Personen, die regelmäßig Tätigkeiten ausführen, die gehäuft zum Tennisarm führen, sollten die Streckmuskulatur des Unterarms dehnen. Dazu gehören natürlich Tennisspieler, die vor dem Sport auf ein ausreichendes Aufwärmen und Dehnen der Muskulatur achten sollten. Aber auch Personen, die viel am Computer arbeiten, können durch regelmäßiges Dehnen, das beispielsweise einmal täglich durchgeführt wird, einer Entzündung des Sehnenansatzes beim Tennisarm sinnvoll vorbeugen.

Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.08.2016
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