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Ziehen der Mutterbänder

Einleitung

Als Mutterbänder bezeichnet man in der Medizin die aus Bindegewebe bestehenden Strukturen, die die Gebärmutter in ihrer anatomischen Position fixieren. Dazu gehören unter anderem das runde Mutterband (Ligamentum teres uteri) sowie das breite Mutterband (Ligamentum latum uteri). Insbesondere in der Schwangerschaft können diese Bänder Beschwerden bereiten, wenn sie durch das heranwachsende Kind und die dadurch größer werdende Gebärmutter gedehnt werden. Generell sind Beschwerden in diesem Bereich eher unspezifisch und können auf viele verschiedene Ursachen hinweisen. Anhaltende Beschwerden sollten daher ärztlich abgeklärt werden.

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Ursache

Die häufigste Ursache für ein Ziehen in den Mutterbändern ist die Schwangerschaft. Dabei kommt es durch die größer werdende Gebärmutter zu Dehnungsschmerzen im Bandapparat. Die Schmerzen beginnen meist erst im zweiten Drittel der Schwangerschaft, da das Baby dann erst stärker an Größe gewinnt. Vorher sind die Gebärmutterbänder keinen starken Zugkräften ausgesetzt. Allerdings ist es von Frau zu Frau sehr verschieden, ob und wann derartige Schmerzen einsetzen.

Ziehen im Unterleib kann ansonsten vielfältige andere Ursachen haben, die nicht unbedingt mit den Mutterbändern assoziiert sind. So sollte bei solchen Symptomen prinzipiell an Zyklusbeschwerden, Eierstockzysten, Eierstockentzündungen, muskuläre Beschwerden, Eileiterschwangerschaften sowie Raumforderungen der inneren Geschlechtsorgane gedacht werden. Auch kommen Erkrankungen anderer Organe in Betracht, so zum Beispiel eine beginnende Blinddarmentzündung oder eine Divertikulitis des Dickdarms, bei der sich die Darmschleimhaut ausstülpt und an diesen Stellen entzündet.

Diagnose

Die Diagnosestellung bei Ziehen im Bereich der Mutterbänder kann von einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen vorgenommen werden. Bei schwangeren Frauen ist das Ziehen ein sehr typisches Symptom und bedarf aufgrund seiner Harmlosigkeit in der Regel keiner weiteren Abklärung.

Kommen andere Symptome hinzu, beispielsweise sehr starke und heftiger werdende Schmerzen, Blutungen, Fieber oder sonstige besorgniserregende Anzeichen, so sollte dringend eine weitere Abklärung erfolgen, um ernsthafte Komplikationen der Schwangerschaft auszuschließen.

Gleiches gilt für nicht-schwangere Frauen mit Unterleibsziehen. Sollte sich keine Erklärung für die Beschwerden finden, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert. Durch eine körperliche Untersuchung und beispielsweise ein Ultraschallbild des Bauches können ernsthafte Erkrankungen meist schnell ausgeschlossen werden.

Begleitende Symptome

Meist kommt es zu einem Ziehen der Mutterbänder im Rahmen einer Schwangerschaft. Begleitsymptome können dann allgemeines Unwohlsein, (morgendliche) Übelkeit und schnellere Erschöpfung sein. Auch Kopfschmerzen können auftreten. Die Beschwerden müssen jedoch nicht mit anderweitigen Symptomen assoziiert sein.

Liegt keine Schwangerschaft vor und kommt es dennoch zu Unterleibsschmerzen, so müssen andere Ursachen ausgeschlossen werden. Treten begleitende Symptome wie Fieber, Erbrechen, Durchfall, Schüttelfrost, Brennen beim Wasserlassen oder vaginale Blutungen auf, so sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Es könnte sich dann beispielsweise um eine Infektion im Urogenitalbereich, eine Magen-Darm-Infektion, eine Blinddarmentzündung, eine Divertikulitis oder eine Eileiterschwangerschaft handeln. Auch wenn die Beschwerden meist harmlose Ursachen haben, darf insbesondere bei anhaltenden Symptomen oder steigender Intensität der Beschwerden eine möglicherweise ernsthafte Erkrankung nicht außer Acht gelassen werden.

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Ziehen rechts

Ein Ziehen der Mutterbänder nur rechts kann im Rahmen einer Schwangerschaft durchaus vorkommen. Je nachdem, in welcher Körperposition sich die Schwangere befindet und wie auch das Kind in der Gebärmutter positioniert ist, werden unterschiedliche Zugkräfte auf den Bandapparat der Gebärmutter ausgeübt. Grundsätzlich sollten jedoch auch andere Ursachen für die Beschwerden in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn die Schmerzen ohne bestehende Schwangerschaft und/oder anhaltend bestehen.

Bei rechtsseitigen Unterbauchbeschwerden sind wichtige Differentialdiagnosen beispielsweise die Blinddarmentzündung (Appendizitis), (stielgedrehte) Eierstockzysten, eine Eileiterschwangerschaft oder ein Leistenbruch. Insbesondere wenn weitere Beschwerden hinzukommen, wie zum Beispiel Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schüttelfrost oder sonstige Symptome, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

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Ziehen links

Die Mutterbänder können auch nur auf der linken Seite ziehen. Insbesondere in der Schwangerschaft kann es – wie auch bei Beschwerden auf der rechten Seite – durch bestimmte Körperpositionen der Schwangeren oder eine spezielle Positionierung oder ein Treten des Kindes in der Gebärmutter zu einer besonderen Dehnung der linksseitigen Bandstrukturen kommen, wodurch auch nur dort Schmerzen auftreten.

Auch hier gilt jedoch, dass bei linksseitigem Unterbauchschmerz grundsätzlich auch andere Ursachen für die Beschwerden in Betracht kommen, die insbesondere bei anhaltenden und starken Schmerzen oder einem Auftreten außerhalb einer Schwangerschaft einer ärztlichen Abklärung bedürfen. So sind wichtige Differentialdiagnosen des linken Unterbauchschmerzes beispielsweise eine Divertikulitis (Entzündung von Ausstülpungen der Darmschleimhaut), Eierstockzysten, eine Eileiterschwangerschaft, eine Infektion im Urogenitalbereich oder ein Leistenbruch. Bei hinzukommenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blut im Stuhl, Brennen beim Wasserlassen oder vaginalen Blutungen sollte daher ein Arzt aufgesucht werden.

Ziehen der Mutterbänder ohne Schwangerschaft

Außerhalb einer Schwangerschaft bereiten die Mutterbänder normalerweise keine Beschwerden, da keine großen Zugkräfte auf sie ausgeübt werden, wie es beispielsweise in einer Schwangerschaft der Fall ist. Die Beschwerden, die von der betroffenen Frau als ein Ziehen in den Mutterbändern gedeutet werden, haben dann meist anderweitige Ursachen.

Am häufigsten handelt es sich um Beschwerden durch den weiblichen Zyklus. Manche Frauen verspüren ein Ziehen im Unterleib während des Eisprungs (sogenannter Mittelschmerz), andere Frauen haben Unterleibsbeschwerden vor Einsetzen der Periode beziehungsweise währenddessen.

Trifft keiner dieser Umstände zu, so kommen auch andere Ursachen für die Schmerzen in Betracht. So kann es sich zum Beispiel um Beschwerden durch Eierstockzysten, eine Eileiterschwangerschaft, eine Blinddarmentzündung, eine Divertikulitis (Entzündung von Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut), eine Blasenentzündung, einen Leistenbruch oder eine Entzündung der Geschlechtsorgane handeln. Auch durch einfache Verspannungen im Beckenbodenbereich oder unteren Rücken können Schmerzen im Unterleib auftreten, die mit einem Ziehen der Mutterbänder verwechselt werden können. Im Zweifelsfall sollte bei anhaltenden Beschwerden eine ärztliche Abklärung erfolgen. Dies gilt insbesondere, wenn weitere Symptome zu den Unterleibsschmerzen hinzukommen oder diese an Intensität zunehmen.

Ziehen der Mutterbänder in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft tritt ein Ziehen der Mutterbänder relativ häufig auf und ist bedingt durch das zunehmende Wachstum des Kindes mit Ausdehnung der Gebärmutter. Diese Veränderungen bewirken eine Ausübung zunehmender Zugkräfte auf den Bandapparat, der die Gebärmutter in ihrer Position fixiert. Dadurch kann es zu beidseitigen ziehenden oder auch stechenden Schmerzen kommen, die in die Leistenregion sowie den Schambereich ausstrahlen können.

Auch Schmerzen im unteren Rücken können auftreten. Häufig treten die Beschwerden im Zusammenhang mit speziellen Belastungen auf, zum Beispiel beim Husten oder Niesen sowie Positionswechseln, beispielsweise beim Aufstehen oder Hinsetzen. In diesen Situationen erhöht sich der Druck im Bauchraum und es wird zusätzlicher Zug auf die Mutterbänder ausgeübt, die dann schmerzen können. In der Regel geht der Schmerz jedoch so schnell wie er gekommen ist. Länger anhaltendes Ziehen kann meist durch eine bequeme Rückenlage und lokale Wärmeanwendung mittels Wärmflasche gelindert werden.

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Ab wann treten die Beschwerden auf?

Ein Ziehen der Mutterbänder in der Schwangerschaft macht sich am häufigsten ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel bemerkbar, da die Gebärmutter in dieser Zeit sehr gedehnt wird und das Kind zunehmend Platz im weiblichen Körper beansprucht. Circa ab der 5. Schwangerschaftswoche können jedoch schon Beschwerden durch Zug auf die Mutterbänder auftreten. Dies ist bei jeder Frau individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der jeweiligen Anatomie ab.

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Zu Beginn einer Schwangerschaft ist es eher unwahrscheinlich, dass etwaige Beschwerden durch die Mutterbänder verursacht werden, da zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Zugkräfte auf den Bandapparat wirken. Durch lokale Veränderungen wie das Einnisten der Eizelle und den hormonellen Umschwung können jedoch auch dort Unterleibsbeschwerden vorkommen, die dann jedoch andere Ursachen haben. Zwischen der 17. und 24. Schwangerschaftswoche ist generell mit den stärksten Beschwerden durch Zugkräfte auf die Mutterbänder zu rechnen. Zu späteren Zeitpunkten in der Schwangerschaft werden die Beschwerden wieder seltener beobachtet, da die Gebärmutter und ihre Bänder sich dann ausreichend gedehnt haben und sich zum Ende der Schwangerschaft hin sogar eher auflockern, um die Geburt des Kindes einzuleiten und ihm den Weg aus dem Becken heraus zu erleichtern.

Dauer der Beschwerden

Wie lange ein Ziehen in den Mutterbändern anhalten kann, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vor allem von der Ursache der Beschwerden ab.

In der Schwangerschaft kommt ein Ziehen in den Mutterbändern am häufigsten vor und tritt dort meist immer nur kurz mit wechselnd langen Abständen auf. Grundsätzlich treten die Schmerzen vor allem in dem Zeitraum auf, in dem die Gebärmutter am stärksten gedehnt und dadurch auch vermehrt Zugkräfte auf die Bandstrukturen ausgeübt werden. Betroffene Schwangere klagen häufig bis zu Beginn oder Mitte des letzten Schwangerschaftsdrittels über derartige Beschwerden. Im letzten Teil der Schwangerschaft sind die Beschwerden schließlich seltener, da die Gebärmutter ihre maximale Größe erreicht hat und sich die Bandstrukturen eher auflockern, um sich auf die nahende Geburt vorzubereiten und dem Kind den Weg durch das weibliche Becken zu erleichtern.

Wenn das Ziehen in den Mutterbändern auftritt, wird es meist als stechender, kurzer Schmerz beschrieben, der beidseits in die Leistenregion zieht. Durch eine bequeme Körperposition und zum Beispiel lokale Wärmeanwendung dauert der Schmerz jedoch in der Regel nicht lange an.

Behandlung/ Therapie

Ziehen im Bereich der Mutterbänder bedarf in der Regel keinerlei Therapie. Treten die Beschwerden im Rahmen einer Schwangerschaft auf, so hilft es meist schon, wenn sich die betroffene Frau in eine bequeme liegende Position begibt. Auch eine Wärmflasche auf dem Unterbauch kann helfen, die Beschwerden zu lindern. Meist lässt das Ziehen dann innerhalb kurzer Zeit wieder nach.

Sollten die Schmerzen sehr stark sein, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache genau abzuklären. In Absprache mit dem Arzt können dann bei Bedarf eventuell Schmerzmittel eingenommen werden. Gleiches gilt für ein Ziehen der Mutterbänder außerhalb der Schwangerschaft, beispielsweise im Rahmen der Regelblutung. Durch einfache Schmerzmittel und lokale Wärmeanwendung sollten die Beschwerden zu lindern sein.

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Kann man die Mutterbänder selbst lokalisieren?

Die genaue Lokalisation der Mutterbänder kann schwierig sein, da die Beschwerden, die in diesem Bereich entstehen, eher diffus auftreten. In der Regel werden die Schmerzen als stechend beschrieben und ziehen beidseits in Richtung Leisten- und Schamregion. Die am ehesten zutreffende Lokalisation der Mutterbänder ist dementsprechend etwas innerhalb der Leistenbeuge, in Richtung Körpermittellinie. Eine ganz genaue Lokalisation, die man selbst von außen bestimmen kann, ist jedoch schwierig.

Weitere Informationen zur Lage und Anatomie der Mutterbänder finden Sie hier: Mutterbänder

Hinweise auf Frühschwangerschaft

Ein Ziehen der Mutterbänder als Hinweis auf eine bestehende Frühschwangerschaft ist eher untypisch. Zwar kann ein Ziehen im Unterleib in der Frühschwangerschaft durchaus vorkommen, jedoch hat es seinen Ursprung eher nicht in den Mutterbändern, sondern beruht eher auf lokalen Vorgängen im Bereich der Gebärmutter. So kann es bei der Einnistung der Eizelle zu periodenähnlichen Schmerzen kommen. Auch lockert sich die Schleimhaut der Gebärmutter in der Frühschwangerschaft auf und der hormonelle Umschwung beeinflusst die Strukturen des kleinen Beckens, sodass Unterleibsziehen durchaus bei einigen Frauen vorkommen kann.

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Die Mutterbänder sind in diesem frühen Stadium jedoch noch keinen besonderen Zugkräften ausgesetzt, da die Gebärmutter noch nicht viel an Größe zugenommen hat. Dementsprechend wird auch ihr Bandapparat zu diesem Zeitpunkt noch nicht vermehrt beansprucht. Durch die Auflockerung des Bindegewebes und schließlich auch der Mutterbänder sind dort begründete Beschwerden frühestens ab der 5. Schwangerschaftswoche zu erwarten – typischerweise sogar noch später.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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