Inhalt:
Nierentransplantation
Lesen Sie auch:
- Sie sind hier: Hauptthema Nierentransplantation
- Nierentransplantation Lebendspende
- Nierentransplantation Lebenserwartung
Synonyme
Nieren-Tx, NTX, NTPL
engl. = kidney transplantation, renal transplantation
Definition Nierentransplantation

- Nierentransplantation
Unter einer Nierentransplantation versteht man die operative Einpflanzung eines Spenderorgans in einen Empfänger. Erforderlich ist eine Nierentransplantation bei Vorliegen einer terminalen Nierenfunktionsstörung (terminale Niereninsuffizienz). Unterschieden werden Lebend- von Leichenspenden, wobei in ersterem Fall Verwandte oder nahstehende Personen eine ihrer Nieren spenden, in letzterem Fall das Organ von einem Toten stammt.
Epidemiologie
Im Jahre 2008 wurden in Deutschland 1184 Nieren (Leichenorgane) für eine Nierentransplantation gespendet. Von Lebendspenden wurden im selben Jahr 609 Organe transplantiert.
Bei den Nierentransplantationen handelt es sich in 80% der Fälle um eine Leichenspende, in 20% hingegen um eine Lebendspende.
Auf der Warteliste für eine Spenderniere standen aus Deutschland 2008 insgesamt 7703 Patienten.
Historie
Die erste Nierentransplantation wurde im Jahre 1902 an einem Hund vorgenommen. Die erste menschliche Nierentransplantation erfolgte 1947, verlief jedoch nicht erfolgreich durch eine Abstoßungsreaktion gegen die gespendete Niere. Sechs Jahre später, 1953, konnte weltweit die erste erfolgreiche Nierentransplantation am Menschen vollzogen werden.
Die erste erfolgreiche Übertragung einer Niere in Deutschland gelang im Jahre 1966.
Indikation / Voraussetzung

- Nierentransplantation
Eine Niere wird bei Patienten transplantiert, welche an einer terminalen Niereninsuffizienz (irreversible Nierenfunktionsstörung) erkrankt sind. Die Richtlinien für solch eine Organübertragung im Rahmen einer Nierentransplantation legt das Transplantationsgesetz fest. Voraussetzung für den Empfang einer Spenderniere ist Blutgruppenkompatibilität des ABO-Systems. Darunter versteht man, dass die Blutgruppen von Spender und Empfänger zusammen passen, damit vom Empfänger keine Antikörper gegen die Blutgruppe des Spenders gebildet werden. Bei Antikörperbildung käme es zu einer Abstoßungsreaktion der empfangenen Nieren, die Transplantation wäre gescheitert.
Kontraindikation
Eine Nierentransplantation kann nicht erfolgen bei Patienten, welche an einem bereits gestreuten bösartigen Tumor (metastasierendes Malignom) leiden. Auch bei Vorliegen einer aktiven systemischen Infektion oder bei HIV (AIDS) wird nicht transplantiert.
Beträgt die Lebenserwartung des Patienten weniger als zwei Jahre, schließt dies ebenfalls eine Nierentransplantation aus.
Besonders erwogen muss die Organübertragung bei einer fortgeschrittenen Arteriosklerose (Arterienverkalkung) oder bei fehlender Kooperation des Patienten (Compliance).
Komplikationen
Nach der Nierentransplantation auftretende Komplikationen lassen sich in vier Gruppen einteilen:
- postoperative Komplikationen
- Abstoßungsreaktion
- Folgen der Immunsuppressions-Therapie
- Wiederkehr der Grunderkrankung (Rekurrenz)
1. Zu den postoperativen Komplikationen gehören beispielsweise Blutungen, Blutgerinnselbildung in den Nierengefäßen (Thrombose), akutes Nierenversagen des transplantierten Organs (akuter Funktionsverlust) oder undichte Stellen des Harnleiters (Ureterleckage).
2. Akute Abstoßungsreaktion nach einer Nierentransplantation bedeutet, dass der Empfängerorganismus das gespendete Organ als körperfremd erkennt und es als Abwehrmechanismus abstößt. Folglich kann die neue Niere ihre Funktion nicht ausüben.
Um die akuten Abstoßungsreaktionen abzuwenden, wird eine sogenannte Kortikoidpulstherapie (hochdosierte Gabe von Cortison in kurzer Zeit ohne anschließende langsame Dosisreduktion) in die Wege geleitet oder die immunsupprimierende Behandlung intensiviert. Bei fehlendem Ansprechen auf Steroide (Steroidresistenz) werden andere Medikamente verabreicht (ATG, OTK3).
3. Zu den Komplikationen, welche nach Nierentransplantation auftreten können, zählen außerdem die schon erwähnten Auswirkungen der Immunsuppressionstherapie. Diese umfassen zum einen eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, zum anderen eine erhöhte Entwicklungsrate von bösartigen Krebsgeschwulsten (Malignome).
Der transplantierte Patient infiziert sich häufig mit Pneumocystis jiroveci (Lungenentzündung), Viren der Herpes-Gruppe (CMV = Cytomegalie-Virus, HSV = Herpes-simplex-Virus, EBV = Epstein-Barr-Virus, VZV = Varizella-Zoster-Virus; verschiedene Krankheitsbilder) oder Polyoma-BK-Virus (Nephropathie).
Zu den vermehrt auftretenden Malignomen bei Nierentransplantierten zählen vor allem Hauttumoren oder B-Zell-Lymphome durch EBV, Tumoren der Lymphknoten verursacht durch das Epstein-Barr-Virus.
4. Eine weitere Komplikation, welche nach einer Nierentransplantation auftreten kann, stellt die Rekurrenz der Grunderkrankung dar. Darunter versteht man das Wiederauftreten der ursprünglich die eigenen Nieren betreffende Krankheit im neuen transplantierten Organ.
Zusammenfassung
Der Begriff Nierentransplantation beschreibt die Übertragung einer fremden Niere eines Spenders auf einen Empfänger. Um solch ein Organ zu erhalten, muss sich der Empfänger entweder auf eine Liste für die Zuteilung eines Leichenorgans setzen lassen (zuständige Organisation = Eurotransplant), oder aber eine nahestehende Person für eine Lebendspende finden.
Um ein Spenderorgan zugeteilt zu bekommen, muss der Patient zunächst verschiedene gesundheitliche Voraussetzungen erfüllen und bekommt dann ein Organ anhand bestimmter Kriterien wie zum Beispiel Blutgruppenkompatibilität (Zusammenpassen der Blutgruppen von Spender und Empfänger) zugewiesen.
Die eigentliche Organübertragung erfolgt in einer Operation. Danach erhält der transplantierte Patient eine medikamentöse Therapie zur Unterdrückung seines Immunsystems (Immunsuppressionstherapie), welche lebenslang durchgeführt werden muss. Das Ziel dieser Behandlung ist die Verhinderung einer Organabstoßung, eine der wichtigsten Komplikationen, die nach einer Nierentransplantation auftreten kann.
Die Prognose für die Funktionalität der neuen Niere ist zum einen abhängig von der Herkunft des gespendeten Organs (bessere Prognose bei Lebendspende), zum anderen von der optimalen Einstellung bestimmter Werte wie beispielsweise des Blutdrucks oder der Blutfette.
--> Weiter zum Thema Nierentransplantation Lebenserwartung
Weitere Informationen zu diesem Thema
Weitere interessante Informationen aus dem Bereich der Niere:
Eine Übersicht aller bereits veröffentlichten Themen aus dem Bereich der inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z
![]() |
Selbsttest Immunsystem
Wie gut ist Ihr Immunsystem? Hier gehts direkt zum Selbsttest Immunsystem |
Das könnten Sie jetzt auf Dr-Gumpert.de machen!
Ihre Meinung ist uns wichtig!





