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Kribbeln in der Hand

Definition

Kribbeln in der Hand ist eine Sensibilitätsstörung, die durch die Reizung oder Schädigung eines Nervs auftreten kann. Aufgrund der gestörten Informationsweiterleitung duch den Nerv entsteht ein unangenehmes Gefühl wie Kribbeln, ,,Ameisenlaufen’’ oder Taubheit. Diese Sensibilitätsstörung kann auch von Schmerzen begleitet sein.

Die Ursachen

Es gibt mehrere mögliche Ursachen, die Kribbeln in der Hand verursachen können. Es kann sich um einen Engpasssyndrom, auch Kompressionssyndrom genannt, handeln. Dabei wird einer der drei versorgende Nerven der Hand entlang seines Verlaufs durch anatomische Strukturen eingeengt und dadurch geschädigt. Einer der häufigsten Engpasssyndrome ist der Karpaltunnelsyndrom.

Auch Durchblutungsstörungen des Arms oder der Finger können zu Sensibilitätsstörungen führen. Die Ursache kann aber auch weiter zentral liegen. Einen Bandscheibenvorfall, aber auch entzündliche Erkrankungen oder Durchblutungsstörungen des Gehirns können Kribbeln in der Hand verursachen. Bei neu aufgetretene Sensibilitätsstörungen sollte man sich ärztlich vorstellen.

Das Karpaltunnelsyndrom als Ursache für das Kribbeln in der Hand

Der Karpaltunnelsyndrom wird durch die Kompression des Medianusnerv, einer der versorgenden Nerven der Hand, verursacht. Dieser wird durch einen Band im Bereich des Handgelenks eingeengt und somit geschädigt. Die Ursache kann eine Überlastung, eine chronische Entzündung zum Beispiel bei rheumatoider Arthritis oder unbekannt (idiopathisch) sein.

Risikofaktoren sind eine familiäre Anfälligkeit, Diabetes mellitus und eine Schilddrüsenunterfunktion unter anderem. Häufig tritt es auch während der Schwangerschaft auf, aufgrund von Wassereinlagerungen. Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms sind vor allem nächtliche Schmerzen und Kribbeln handflächenseitig im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Meistens werden die Symptome durch Schütteln der Hand besser. Es können beide Hände betroffen sein und bei langen Bestehen der Beschwerden können sich die Muskeln des Daumenballens abbauen.

Bei geringen Symptomen können Schmerzmittel genommen werden und eine nächtliche Schiene benutzt werden. In vielen Fällen muss das Band am Handgelenk operativ gespalten werden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Das Karpaltunnelsyndrom.

Kribbeln in der Hand durch den Bandscheibenvorfall der HWS

Einen Bandscheibenvorfall verursacht durch das Gleiten der Bandscheibe Druck auf dem Rückenmark. Das schädigt die Nerven und verursacht Symptome wie einschießende, elektrisierende Schmerzen und Sensibilitätsstörungen. Die können sich in Form von Kribbeln und Missempfindungen äußern.

Weitere Symptome sind eine Kraftminderung bis zur Muskellähmung und herabgesetzte Reflexe. Die Symptome betreffen immer das Versorgungsgebiet der Nerven (Dermatom) der geschädigten Rückenmarkshöhe. Sensibilitätsstörungen der Hand können aufgrund von einem Bandscheibenvorfall in Höhe der Halswirbelkörper C6 bis C8 auftreten. Bei Verdacht auf einem Bandscheibenvorfall der HWS sollten Sie sich ärztlich vorstellen.

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls? Informieren Sie sich hier.

Kribbeln in der Hand als Folge einer Polyneuropathie

Eine Polyneuropathie tritt auf, wenn aufgrund einer Erkrankung die Nerven der Extremitäten geschädigt werden. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes mellitus, Alkoholsucht, medikamentös, autoimmun oder entzündlich bedingt. Die Symptomen sind meistens symmetrisch und strumpf- oder handschuhförmig aufgeteilt.

Typischerweise treten Sensibilitätsausfälle wie Kribbeln, ,,Ameisenlaufen’’, Taubheitsgefühle, aber auch vermindertes Temperatur- und Vibrationsempfinden auf. Die Therapie der Polyneuropathie besteht in der Behandlung der Grunderkrankung. Symptomatisch wirken normale Schmerzmittel nicht. Für diese Art von Schmerzen kommen Epilepsiemedikamente, Antidepressiva oder Opioide in Frage.

Informieren Sie sich hier über das Thema: Die Polyneuropathie.

Die begleitenden Symptome

Gleichzeitig zum Kribbeln können je nach Ursache auch weitere Symptome auftreten. Beim Karpaltunnelsyndrom, wie oben beschrieben, können zusätzlich Schmerzen und nach längerem Verlauf ein Abbau der Daumenballenmuskulatur entstehen.

Bei einem Bandscheibenvorfall sind die Beschwerden meistens nicht nur auf die Hand beschränkt sondern auch am Unterarm vorhanden. Zusätzlich zu den Missempfindungen kann eine Kraftminderung auftreten und herabgesetzte Reflexe. Bei plötzlich aufgetretene Sensibilitätsstörungen mit Lähumgserscheinungen sollte man sofort an einem Schlaganfall denken und sich direkt ärztlich vorstellen.

Die Schmerzen in der Hand

Akute Schmerzen der Hand können aufgrund einer sowohl arteriellen wie auch venösen Durchblutungsstörung auftreten. Eine arterielle Durchblutungsstörung verursacht akute Schmerzen, Blässe, Bewegungsstörungen und Sensibilitätsstörungen. Die Hand wird kalt, da die Blutversorgung nicht gewährleistet ist. Bei einer venösen Durchblutungsstörung ist der Rücktranport des Blutes gestört, sodass die Hand schmerzt, erwärmt und geschwollen ist.

Bei einer Durchblutungsstörung sollte man sofort einen Arzt konsultieren. Eine weitere Ursache für Schmerzen der Hand ist das Raynaud-Syndrom. Dabei kommt es zu einem schmerzhaften Abblassen der Finger bei Kälte oder Stress. Die Finger können danach blau werden und im Anschluss rot und erwärmt sein.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema lesen Sie unter: Schmerzen in der Hand

Die Diagnose

Um eine Diagnose bei Sensibilitätsstörungen in der Hand zu stellen, ist an erster Stelle die Beschreibung der Symptome (Anamnese) und die körperliche Untersuchung wichtig. Dabei ist die Prüfung der Sensibilität, Vibrationsempfinden, Temperaturwahrnehmung, Motorik und Reflexe unentbehrlich.

Bei Verdacht auf einer Nervenschädigung werden neurophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wird einmal die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) gemessen und eine Elektromyographie (EMG) zur Beurteilung von Muskelschäden durchgeführt. Anhand dieser Untersuchungen kann man die Art der Schädigung definieren und die möglichen Ursachen eingrenzen. Bei Verdacht auf Bandscheibenvorfall kann man Bildgebung durchführen, am ehesten eine Magnetresonanztomographie (MRT).

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Die Behandlung

Die Behandlung von Kribbeln in der Hand unterscheidet sich je nach Ursache. Im Fall eines Bandscheibenvorfalls kann man symptomatisch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nehmen und Physiotherapie durchführen. Bei sehr ausgeprägten Fälle kann eine operative Therapie in Frage kommen.

Bei der Polyneuropathie ist die Behandlung der Grunderkrankung wichtig und symptomatisch spezielle Schmerzmittel. Bei Durchblutungsstörungen ist eine sofortige Blutverdünnung und Schmerzmittel wichtig. Auch hier muss man bei ausgeprägte Befunde chirurgisch vorgehen.

Das Karpaltunnelsyndrom wird, wie oben erklärt, mit Schmerzmittel und eine nächtliche Schiene therapiert. Bei anhaltenden Beschwerden oder schwere Verläufe kann eine Spaltung des Bandes in Frage kommen.

Die Schiene bei Kribbeln in der Hand

Die Schiene beim Karpaltunnelsyndrom soll das Handgelenk während der Nacht stabilisieren, damit dieses nicht abknickt. Somit wird der Nerv am Handgelenk geschont. Gleichzeitig kann eine kurzzeitige Schmerzmittel- oder Korisoneinnahme hilfreich sein. Es gibt auch die Möglichkeit eine Kortisonspritze im Karpaltunnel zu setzen. Manchmal ist auch nach der Operation eine Schiene zur Ruhigstellung empfohlen.

Weitere Informationen finden Sie unter: Die Schiene zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndromes.

Die Dauer

Die Dauer der Beschwerden variiert individuell stark. Bei leichten Symptomen und konservative Therapie mit der Schiene und Medikamenten können die Beschwerden innerhalb von Tagen bis Wochen verschwinden.

Nach einer chirurgischen Behandlung bessern sich die Schmerzen sofort und die Sensibilitätsstörungen in Tagen bis Wochen.

Die Prognose

Über 80% der Patienten verspüren nach der Operation eines Karpaltunnelsyndroms eine Symptombesserung. Es kann aber in bis zu 3% der Patienten zu erneuten Beschwerden kommen. Meistens ist hierfür der Grund eine inkomplette Durchtrennung des Bandes am Handgelenk. Die lokale Kortisonspritze hat einen stärkeren Effekt als die orale Kortisoneinnahme, dennoch sind die Schiene und die Operation im Langzeiteffekt überlegen.

Die Prognose einer Polyneuropathie ist individuell sehr unterschiedlich. Meist bilden sich die Symptome langsam zurück und eine Restsymptomatik verbleibt. 

Kann das auch ein Hinweis auf einen Herzinfarkt sein?

Ein Kribbeln in der Hand ist kein klassisches Symptom eines Herzinfarkts. Typischerweise verspüren die Patienten Brustschmerzen, die in die linke Schulter und linken Arm ausstrahlen können. Oft wird es auch als Druck- oder Engegefühl beschrieben. Begleitend kann Kaltschweiß, Übelkeit, Erbrechen, sowie Angstzustände oder Luftnot auftreten. Eine Ausstrahlung der Schmerzen in die rechte Körperhälfte ist auch möglich.

Sensibilitätsstörungen sind kein typisches Symptom, obwohl es immer individuelle Unterschiede zwischen Patienten geben kann. Bei Verdacht auf Herzinfarkt ist eine unverzügliche Vorstellung in der Notaufnahme notwendig.

Hier finden Sie nähere Informationen zum Thema: Die Symptome eines Herzinfarktes.

In der Schwangerschaft

Bedingt durch die hormonabhängige Gewichtszunahme und Wassereinlagerung kann der Medianusnerv im Handgelenk eingeengt werden und ein Karpaltunnelsyndrom verursachen. Die Beschwerden können auch beidseits auftreten. Im Fall einer Schwangerschaft sollte man vor jegliche Medikamenteneinnahme immer einen Arzt konsultieren, da manche Schmerzmittel während der Schwangerschaft nicht geeignet sind. Eine spezielle Handgelenksschiene zur Linderung der Symptome kann nachts getragen werden. Außerdem kann eine lokale Kortisonspritze im Karpaltunnelkanal die Beschwerden lindern.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema: Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft.

Weiterführende Information

Nähere Information zu diesem Thema finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.09.2020
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