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Die Sensibilitätsstörungen

Was sind Sensibilitätsstörungen?

Eine Sensibilitätsstörung ist ein verändertes Empfinden bestimmter Reize, wie Berührung, Temperatur, Druck oder Vibration aufgrund einer Störung der Informationsübertragung durch einen oder mehreren Nerven. Es gibt unterschiedliche Formen, man kann einerseits die Reize schwächer empfinden (Hypästhesie) oder im Gegenteil eine Überempfindlichkeit verspüren (Hyperästhesie).

Eine bekannte Art der Sensibilitätsstörung ist das ,,Ameisenlaufen” oder Kribbeln (Parästhesie), die sich auch als pelziges Gefühl äußern kann. Zuletzt können harmlose Reize als unangenehm oder schmerzhaft empfunden werden.

Die Ursachen

Grundsätzlich entstehen Sensibilitätsstörungen durch eine Schädigung oder Reizung der Nerven und die darausfolgende Störung der Informationsweiterleitung. Diese Schädigung kann in den peripheren Nerven stattfinden, zum Beispiel bei Diabetes mellitus, Alkoholsucht, durch Medikamente oder bei Autoimmunerkrankungen.

Allerdings können auch zentrale Ursachen die Nerven schädigen, wie im Falle einer Entzündung der Hirnhäute, eines Bandscheibenvorfalls, eines Schlaganfalls oder einer Multiplen Sklerose. Bei Auftreten einer Sensibilitätsstörung sollte man sich umgehend ärztlich vorstellen.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema: Bandscheibenvorfall mit Nervenschädigung

Der Stress als Ursache

Akute Stresssituationen oder Angstzustände können zum schnelleren Atmen (hyperventilieren) führen. Dabei kann typischerweise ein Kribbeln um den Mund entstehen und die Hände können verkrampfen. Diese Symptome verschwinden beim normalen Atmen wieder. Lange Stressphasen gehen mit einem erhöhten Kortisonspiegel im Blut einher. Das kann das Immunsystem schwächen, sodass zum Beispiel Autoimmunerkrankungen oder Entzündungen leichter auftreten können.

Es gibt auch Patienten, die Belastungssituationen oder Traumas in der Vergangenheit durchgemacht haben und eine psychosomatische Störung entwickeln. Die Betroffene reagieren in Stresssituationen mit körperlichen Symptomen, ohne dass sie unter einer körperlichen Erkrankung leiden. Sie können eine dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörung entwickeln.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Folgen von Stress

Die Mutiple Sklerose als Ursache

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, dessen Ursache noch ungeklärt ist. Meistens verläuft die Erkrankung in Schübe, in denen neurologische Ausfälle auftreten. Diese können sich dann komplett erholen, allerdings bleibt im Verlauf eine Restsymptomatik bestehen. Für diese Erkrankung sind Sensibilitätsstörungen in alle ihre Formen möglich.

Meistens treten die Symptome schubweise auf und verschwinden nach Tagen oder Wochen. Ausfälle des Augennervs und Lähmungen treten neben Sensibilitätsstörungen häufig auf.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Multiple Sklerose.

Der Schlaganfall als Ursache

Eine Durchblutungsstörung des Gehirns kann eine plötzliche, einseitige Sensibilitätsstörung verursachen. Meistens handelt es sich um ein vermindertes Berührungsempfinden (Hypästhesie) begleitet von Lähmungserscheinungen und in machen Fällen Sprachstörungen. Allerdings können diese Begleitsymptome auch fehlen.

Bei Verdacht auf einem Schlaganfall ist sofortige ärztliche Hilfe nötig. Bei einer schnellen Behandlung eines Schlaganfalls mittels einer speziellen Blutverdünnung können die Symptome wieder vollständig verschwinden. In vielen Fällen ist aber erst im Verlauf eine Besserung zu verspüren.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Der Schlaganfall.

 

Die OP als Ursache

Im Rahmen von Operationen können kleine und große Nerven geschädigt oder gereizt werden. Einerseits können oberflächige Nerven im Bereich des Schnitts unterbrochen werden, sodass dort Taubheitsgefühle entstehen. Das erholt sich in den meisten Fällen in kurzer Zeit. Allerdings kann im Bereich der Narbe das Taubheitsgefühl bestehen bleiben.

Große Nerven können im Rahmen der OP gereizt werden, durch Druck oder durch Ziehen. Das kann auch Ausfallserscheinungen verursachen, kann sich aber im postoperativen Verlauf ebenfalls erholen. Im schlimmsten Fall wurde in der OP ein Nerv durchtrennt. Dann entsteht im Versorgungsgebiet des Nervs ein Taubheitsgefühl und evtl. eine Lähmung. Die Durchtrennung eines Nervs kann von alleine nicht heilen, er muss entweder sofort wieder genäht werden oder im Verlauf durch einen eigenen Nerv ersetzt werden.

Die Polyneuropathie als Ursache

Die Polyneuropathie ist die Schädigung von peripheren Nerven mit Sensibilitätsstörungen als Folge. In den meisten Fällen ist die Grunderkrankung Diabetes mellitus oder Alkoholsucht, aber es kann auch aufgrund einer Autoimmunerkrankung, einer Entzündung oder Medikamente entstehen. Die Missempfindungen sind meistens in Füße und evtl. Hände, symmetrisch und schmerzhaft.

Typisch sind Kribbeln und ,,Ameisenlaufen” der Fußsohlen und oft sind die Reflexe herabgesetzt. Insgesamt leiden die Patienten unter einer gestörten Wahrnehmung aller sensiblen Reize, was auch eine Gangstörung verursachen kann. 

Hier können Sie mehr zum Thema Polyneuropathie lesen.

Der Vitamin B12-Mangel

Ein Vitamin B12-Mangel kann eine funikuläre Myelose, die mit schweren neurologischen Symptome einhergeht, verursachen. Hierbei wird ein Teil des Rückenmarks durch den Vitaminmangel zerstört und es entstehen symmetrische Sensibilitätsstörungen der Extremitäten, die aufsteigend sein können. Die Betroffene empfinden Taubheit, Kribbeln, ein vermindertes Vibrationsempfinden, Schmerzen und können auch Lähmungserscheinungen haben.

Gefährdete Menschen für einen solchen Mangel sind Patienten mit Darmerkrankungen, ältere Personen, Menschen mit Mangelernährung, Schwangere und Neugeborene, und Veganer oder Vegetarier.

Für mehr Informationen lesen Sie hier weiter: Vitamin B12-Mangel.

Die Symptome

Sensibilitätsstörungen können sich unterschiedlich äußern. Oft werden diese als Kribbeln oder ,,Ameisenlaufen” beschrieben, die sich so ähnlich anfühlen wie ein eingeschlafenes Bein (Parästhesie). Es kann aber auch ein brennendes Gefühl (Burning-feet-Syndrom) oder ein pelziges Gefühl sein. Manche Betroffene klagen, dass es wie Watte um den Füßen sei.

Diese Missempfindungen können auch schmerzhaft sein und ein elektrisierendes Gefühl verursachen (Dysästhesie). Auch ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie) ist eine Sensibilitätsstörung. Ein weiteres übliches Symptom ist ein vermindertes Vibrationsempfinden (Pallhypästhesie). Zuletzt kann auch das Temperaturempfinden verändert sein, sodass Temperaturunterschiede nicht mehr korrekt wahrgenommen werden. Begleitend können die Reflexe herabgesetzt oder erloschen sein. Außerdem können im Verlauf Gangstörungen augrund der veränderten Wahrnehmung der Reize auftreten.

Die Lokalisation von Sensibilitätsstörungen

Das Gesicht

Sensibilitätsstörungen im Bereich des Gesichts können viele Ursachen haben. Hier kommen Entzündungen, Multiple Sklerose oder ein Schlaganfall in Frage, was meistens durch weitere Symptome wie Lähmungen begleitet wird. Im Bereich des Gesichts können Missempfindungen aber auch Frühsymptome sein. Missempfindungen können eine erster Zeichen einer Gürtelrose sein, die durch eine Reaktivierung der Windpockenviren auftritt und meistens von Bläschen, Rötung und starke Schmerzen gefolgt wird.

Auch ein Hörsturz startet oft mit Missempfindungen in Form von ein pelziges Gefühl am Ohr mit anschließender schmerzloser Innenohrschwerhörigkeit. Im Rahmen einer Migräne können auch Sensibilitätsstörungen im Gesicht auftreten, die den Kopfschmerzen vorausgehen und maximal eine Stunde anhalten. Bei jeder neuaufgetretener Missempfindung des Gesichts ist eine ärztliche Vorstellung sinnvoll.

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Der Fuß

Die Füße sind oft von Polyneuropathie betroffen. Einer der häufigsten Ursachen ist der Diabetes mellitus. Typischerweise besteht die Erkrankung über Jahre. Die Symptome sind symmetrisch und an den Fußsohlen kann sich manchmal ein brennendes Gefühl entwickeln, das sich in der Nacht verschlimmert. Die selbe Symptomatik ist bei langjährigem Alkoholkonsum zu finden. Eine etwas seltenere Erkrankung ist die Lösungsmittel-bedingte Polyneuropathie, die auch das selbe Krankheitsbild zeigt, allerdings im direkten Zusammenhang mit dem Kontakt zu Lösungsmittel steht.

Eine weitere Ursache von Sensibilitätsstörungen am Fuß könnte ein Bandscheibenvorfall sein. Typisch sind Kribbeln, Taubheitsgefühle und einschießende Schmerzen einseitig, die sich oft vom Lendenbereich bis zum Fuß erstrecken. Teilweise können auch Lähmungen und eine Reflexminderung auftreten. Zuletzt sollte man bei Missempfindungen der Zehen und des Fußes an einer möglichen Durchblutungsstörung (periphere arterielle Verschlusskrankheit) denken. Hier stehen vor allem die Schmerzen bei Bewegung im Vordergrund, die aber im verlauf der Erkrankung auch in Ruhe bestehen können.

Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls? Erfahren Sie hier mehr dazu.

 

Die Finger

Einer der häufigsten Ursachen für Missempfindungen in der Hand und Finger ist der Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird im Handgelenk einer der Nerven eingeengt, die die Hand, Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger versorgt. Es entstehen nächtliche Schmerzen und Kribbeln in dem Bereich, die durch schütteln der Hand oft besser werden. In bis zu 40% der Fälle tritt das beidseits auf. Es gibt weitere Engpasssyndrome, also Einengungen von Nerven, im Bereich der Schulter und entlang des Armes. Diese können Sensibilitätsstörungen in Form von Kribbeln und Schmerzen verursachen, aber auch Lähmungen.

Auch in den oberen Extremitäten können Bandscheibenvorfälle für neurologische Symptome zuständig sein. Polyneuropathien können sich an den Händen äußern, meistens auch symmetrisch wie in den Füßen. Zuletzt können Durchblutungsstörungen im Sinne einer schweren arteriellen Verschlusskrankheit, aber auch zum Beispiel beim Raynaud Syndrom, Missempfindungen der Finger verursachen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Taubheitsgefühl im Finger.

Der Oberschenkel

Sensibilitätstörungen am Oberschenkel können durch einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelkörper 2 bis 4 entstehen. Dabei können Kribbeln, Taubheitsgefühle, Kraftverlust und Reflexminderung auftreten.

Eine häufige Ursache für Taubheitsgefühle und brennende Schmerzen im äußeren Oberschenkel ist die Kompression des Nervs für die Oberflächensensibilität des Oberschenkels (Meralgia paraesthetica). Dieses Beschwerdebild gehört auch zu den Engpasssyndrome und kann unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigsten sind Übergewicht, Schwangerschaft, das Tragen von enger Hosen oder Gürtel und Krafttraining des Oberschenkels oder der Hüfte.

Mehr zum Thema Meralgie paraesthetica finden Sie hier.

Die Diagnose

Sensibilitätsstörungen werden vor allem anhand der Beschreibung des Betroffenen und der neurologischen Untersuchung erfasst. Hier ist besonders wichtig alle Qualitäten (Berührungsempfinden, Temperatur, Schmerz und Vibration) der Sensibilität zu untersuchen.

Als nächster Schritt sollte man abklären, welche Grunderkrankung die Missempfindungen verursacht. Zuletzt kann eine neurophysiologische Untersuchung die Art der Schädigung differenzieren. Hierbei wird eine Elektoneurographie (ENG), in der man die Leitgeschwindigkeit der Nerven misst, und eine Elektromyographie (EMG) zur Messung der Muskelantwort durchgeführt.

Weitere Informationen zu diagnostischen Verfahren bei Sensibilitätsstörungen lesen Sie hierElektromyographie

Die Behandlung

Die Heilung einer Sensibilitätsstörung wird durch die Behandlung der Grunderkrankung erreicht. Die Ursachenfindung und die Therapie der Erkrankung sind die erste Schritte. Trotzdem gibt es auch symptomatische Therapien, zum Beispiel im Fall der Polyneuropathie.
Es gibt die Möglichkeit Antidepressiva oder Antiepileptika einzusetzen, die bei Missempfindungen und Schmerzen gut wirken. Auch Schmerzmittel der Familie der Opioide werden angewandt. Normale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol wirken bei dieser Art von Schmerzen nicht ausreichend. Es gibt auch äußerliche (topische) Therapien wie Lidocain-Pflaster oder Capsaicin-Salbe.

Zur Beurteilung der Wirksamkeit einer der Therapien muss man diese bis zu einem Monat einhalten. Nach etwa einem Jahr kann man einen Auslassversuch der Therapie veranlassen. Im Fall einer Kompression des Nervs, kann man operativ vorgehen und diesen wieder freilegen, zum Beispiel beim Karpaltunnelsyndrom oder beim Bandscheibenvorfall.

Die Dauer

Die Dauer der Sensibilitätsstörungen ist stark abhängig von der Ursache. Wenn die Grunderkrankung gut behandelt wird, können sich die Missempfindungen im Verlauf bessern. Im Fall eines Schlaganfalls oder einer Multiplen Sklerose können die Symptome innerhalb wenigen Wochen komplett verschwinden.

Bei Einklemmung der Nerven, zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall, kann die Symptomatik fluktuieren. Bei der Polyneuropathie sind es eher chronische Verläufe, die sich aber mit einer guten Behandlung der Grunderkrankung stabilisieren lassen

Die Prognose

Generell kann man sagen, dass akute Geschehen (Entzündung, Schlaganfall) eher bessere Chancen haben, sich zum Teil oder komplett zu erholen. Dagegen verursachen chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen oder eine langjährige Alkoholsucht bleibende Folgen.

Bei peripheren Nervenläsionen ist es abhängig vom Grad der Schädigung, der Nerv kann aber etwa 1-2mm pro Tag nachwachsen.

Weiterführende Information

Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 21.11.2019
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