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Blutungen in der Schwangerschaft

Einleitung

Unter Blutungen in der Schwangerschaft versteht man der Menstruationsblutung ähnelnde vaginale Blutungen, die in unterschiedlicher Stärke und Häufigkeit auftreten und unterschiedliche Ursachen haben können.

Blutungen in der Schwangerschaft müssen immer fachärztlich vom Gynäkologen abgeklärt werden, da eine Vielzahl von Ursachen dahinter stecken kann.

Sie reichen von ungefährlichen Zwischenblutungen, bis hin zum drohenden und kurz bevorstehenden Abort.

Blutungen müssen unabhängig vom Stadium der Schwangerschaft jederzeit einem Facharzt vorgestellt werden, um mögliche gefährliche Verläufe für das Kind frühst möglich zu erkennen und zu behandeln.

Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist, wie oft die Blutungen auftreten, in welcher Stärke sie auftreten und ob auch Schmerzen oder ob die Schmerzen in der Schwangerschaft noch von anderen Symptomen begleitet werden.

Der Gynäkologe wird nach Überprüfung des Mutterpasses, in dem das Stadium der Schwangerschaft und vorangegangene Untersuchungswerte vermerkt sind, weiterführende Untersuchungen machen, die auch eine Ultraschalluntersuchung von der Gebärmutter und des Kindes beinhaltet.
Hier kann schnell festgestellt werden, ob die Blutungen nur einfache Schmierblutungen sind, oder ob eventuell sogar das Leben des Kindes bedroht ist.

Sind Blutungen in der Schwangerschaft gefährlich?

Ob Blutungen in der Schwangerschaft gefährlich sind, ist so einfach nicht zu sagen. Es gibt viele Ursachen, die als ungefährlich anzusehen sind und die häufig vorkommen.

So ist eine Schmierblutung zu Beginn der Schwangerschaft sehr häufig und ungefährlich. Sie kommt bei ca. 20-25% der Schwangeren vor.
Ursache ist eine Umstellung des Körpers von normaler Regelblutung zum Schwangerschaftsstoffwechsel.
Schmierblutungen sind normalerweise nicht stark und nicht mit Begleitsymptomen, wie z.B. Unwohlsein oder Schmerzen verbunden.
Sie können durch den Gynäkologen schnell als ungefährlich beurteilt werden.

Als gefährliche Ursache einer Blutung in der Schwangerschaft gilt eine drohende Fehlgeburt. Hier kommt es meistens zu größeren Blutmengen und stärkeren Blutungen. Manchmal sind diese Blutungen auch mit ziehenden unangenehmen Schmerzen der Mutter verbunden.

Plazentainsuffizienzen und Plazentalösungen führen zu stärksten Blutungen innerhalb der Schwangerschaft und sind ebenfalls gefährlich. Sie müssen dringend behandelt werden, da sonst Lebensgefahr für Mutter und Kind besteht.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Krankheiten der Plazenta

Wie lange können Blutungen andauern?

Wie lange Blutungen in einer Schwangerschaft andauern, hängt ganz von dem Auslöser der Blutung ab.

Schmierblutungen können einen oder mehrere Tage lang mit gegebenenfalls dazwischenliegenden beschwerdefreien Tagen auftreten.

Gefährliche Abortblutungen oder Plazentalösungsblutungen sind meistens so stark, dass sie die Patienten zum Arzt gehen lassen.
Die Blutung wird dann meistens durch die Behandlung beendet.

Es gibt sogenannte und als ungefährlich anzusehende Einnistungsblutungen. Sie treten in der Zeit auf, in der sich die Eizelle in die Schleimhaut der Gebärmutter einnistet. Die Dauer beträgt etwa ein bis zwei Tage.

Bei den sogenannten Abbruchblutungen, die eine Fehlgeburt (Abort) einleiten, kommt es in der Regel zu einer kürzeren und plötzlich einsetzenden Blutung.
Manchmal wird das Blut und Gewebereste in der Toilette entdeckt. Danach können sich noch kleinere Schmierblutungen anschließen.

Um aber festzustellen, ob sich noch Gewebe in der Gebärmutter befindet, sollte auf jeden Fall ein Gynäkologe für eine Ultraschalluntersuchung aufgesucht werden.
Es muss gegebenenfalls eine Ausschabung der Gebärmutter durchgeführt werden.

Prinzipiell sollte beachtet werden, dass bei sämtlichen Blutungen unabhängig von der Länge ein Gynäkologe aufgesucht werden sollte.

Blutungen im 1. Trimenon der Schwangerschaft

Im ersten Trimenon und in der Frühschwangerschaft gibt es einige gefährliche und ungefährliche Ursachen.

Zu den gefährlichen Ursachen gehört die Fehlgeburt (Abort), die sehr häufig in der Frühschwangerschaft durch eine Blutung eingeleitet wird.
Ca. 70% aller Schwangerschaften enden frühzeitig mit einer Fehlgeburt.
Vor der 4. Schwangerschaftswoche bekommt die Schwangere dies meistens nicht mit, nach der 4. Schwangerschaftswoche wird dies meistens bemerkt.
Neben den vaginalen Blutungen spürt die Schwangere auch oft ziehende Unterbauchschmerzen (siehe auch: Bauchschmerzen in der Schwangerschaft)
Es kann aber auch zu einer völlig asymptomatischen Fehlgeburt kommen (missed abortion).

Bei der Fehlgeburt ist neben der Ultraschalluntersuchung keine weitere Maßnahme außer Bettruhe notwendig.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Anzeichen einer Fehlgeburt

Eine weitere Ursache von Blutungen im ersten Trimenon ist die Eileiterschwangerschaft. Hier hat sich die befruchtete Eizelle in einen der beiden Eileiter eingenistet. Dadurch kann es zu starken Blutungen kommen, die auch meistens mit starken bis sehr starken Unterbauchschmerzen und seitlichen Schmerzen verbunden sind.
Die auch als Extrauteringravidität (EUG) bezeichnete Eileiterschwangerschaft stellt einen gynäkologischen Notfall dar, weil die Gefahr besteht, dass der Eileiter einreißt.
Mit der EUG können auch Kreislaufinstabilitäten und Schock der Mutter mit lebensgefährlichen Situationen verbunden sein. Die EUG wird anhand eines Ultraschalls diagnostiziert und die Behandlung erfolgt durch eine sofortige Not-OP.

Bei der selten vorkommenden Blasenmole kann es im ersten Trimenon ebenfalls zu vaginalen Blutungen kommen. Eine Blasenmole ist ein gutartiger und nicht streuender Tumor, der sich im Rahmen der Schwangerschaft im Bereich der Gebärmutter und der befruchteten Eizelle gebildet hat.

Die Blasenmole resultiert aus einer Befruchtungsstörung mit chromosomalen Veränderungen.
Die Behandlung geschieht durch die Ausschabung der Gebärmutter. Die Schwangerschaft wird somit beendet, da eine normale Entwicklung des Kindes nicht garantiert werden kann.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Schmierblutungen in der Frühschwangerschaft

Blutungen im 2. Trimenon der Schwangerschaft

Bei der sogenannten Plazenta praevia befindet sich die Plazenta nicht an ihrem vorgesehenen Platz in der Gebärmutter, sondern in der Nähe des inneren Muttermundes.
Die Schwangerschaft kann aber in diesem Fall weiter aufrechterhalten werden.

Es kann aber unter der Geburt dann zu starken Blutungen kommen und die Blutungen treten vor dem Blasensprung auf. Während der Schwangerschaft kann es immer wieder zu Blutungen, die dann aber wieder verschwinden.
Wenn eine Plazenta praevia bekannt ist, muss der Gynäkologe entsprechende Blutbilduntersuchungen vornehmen und kontrollieren, ob der Eisen- und Hämoglobinwert gegebenenfalls behandlungsbedürftig ist.

Schwangere mit einer Plazenta praevia müssen auch während der Geburt ganz besonders beobachtet werden, da es auch zu einem Kreislaufzusammenbruch der Mutter und zu sehr starken Blutungen nach der Geburt kommen kann.

Manchmal kann es notwendig werden, dass ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss. Dies ist aber auch von der genauen Lage der Plazenta abhängig und kann nicht immer vorgenommen werden.
Einen Kaiserschnitt würde man eher in Betracht ziehen, wenn es zu starken Blutungen während der Schwangerschaft kommt und die 36. Schwangerschaftswoche überschritten wurde.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Indikation eines Kaiserschnitts

Blutungen im 3. Trimenon der Schwangerschaft

Bei einer von 200 bis 500 Geburten kommt es zur vorzeitigen Plazentablösung, was zu stärksten Blutungen bei der Schwangeren führt und einen absoluten Notfall darstellt, da die Versorgung des Embryos in diesem Fall nicht mehr gewährleistet ist.

Die Ursachen für eine vorzeitige Plazentablösung sind eine Präemklampsie (Bluthochdruck in der Schwangerschaft), ein Trauma oder aber wechselnde Druckverhältnisse innerhalb des Uterus (z.B. nach Blasensprung und Geburt eines Zwillings).
Die zum Teil äußerst starken Blutungen sind in der Regel mit starken Unterbauchschmerzen kombiniert. Der Uterus ist bretthart, die Herztöne des Kindes sind kaum feststellbar. Zudem besteht die Gefahr eines Schocks der Schwangeren mit Kreislaufinstabilität und Blutdruckabfall.

Die Vorzeitige Plazentaablösung wird durch eine Ultraschalluntersuchung diagnostiziert und muss umgehend behandelt werden.
Vor der 34. Schwangerschaftswoche wird ein Kaiserschnitt durchgeführt, wenn der Zustand der Mutter dies zulässt.
Die Schwangerschaft muss hierdurch beendet werden. Nach der 34. Woche wird ebenfalls ein Kaiserschnitt durchgeführt, hier wird das frühentbundene Kind dann meistens auf eine Frühgeborenenstation gelegt.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Vorzeitige Plazentaablösung

Weiterhin gibt es auch starke Blutungen, die durch ein Einreißen der Blutgefäße verursacht werden, die über die Eihäute ziehen und diese versorgen. Man bezeichnet dieses Krankheitsbild auch als Insertio velamentosa. Diese Blutungen können sehr stark sein, treten meistens nach Blasensprung auf und führen zu einer umgehenden Kaiserschnitt-Operation.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Krankheiten der Plazenta

Was tun bei Blutungen in der Schwangerschaft?

Es kommt häufig zu Blutungen während der Schwangerschaft, die ganz unterschiedliche Ursachen haben können. Wenn Blutungen auftreten ist es normal, dass Schwangere erschrecken und Angst bekommen.

Es ist aber wichtig, zunächst Ruhe zu bewahren. Die Mehrheit der Blutungen in der Schwangerschaft sind harmlos.

Trotzdem müssen alle Blutungen beim Gynäkologen abgeklärt werden. Wie schnell man bei einem Facharzt vorstellig werden sollte, hängt von der Menge des verlorenen Blutes und der Begleitsymptomatik ab.

So stellt ein großer Blutverlust mit begleitenden Unterbauchschmerzen ein Notfall dar und sollte sofort von einem Gynäkologen (unter Umständen auch in der Notaufnahme) gesehen werden.

Einfache und schwache Schmierblutungen ohne Bauchschmerzen können auch am Folgetag bei einem niedergelassenen Gynäkologen untersucht werden.

Neben der Menge des Blutes und den Begleitsymptomen, ist es auch wichtig, wann die Blutungen auftreten.

In der Frühschwangerschaft und in den ersten Schwangerschaftsmonaten treten leichte Blutungen häufig auf. Die Ursachen sind meist harmlos und in der Regel besteht keine Gefahr für das Kind.

Bei fortschreitender Schwangerschaft, also im zweiten oder dritten Schwangerschaftsabschnitt, kann die Ursache einer Blutung gefährlichere Ursachen haben und muss dringend von einem Gynäkologen abgeklärt werden.
Auch hier sollte beachtet werden, ob es zu Begleitsymptomen, wie z.B. Unterbauchschmerzen kommt.

Bei starken Blutungen in Verbindung mit ziehenden Unterbauchschmerzen sollte schnellstmöglich ein Gynäkologe aufgesucht werden.

Tritt eine Schmierblutung auf, sollte unabhängig von der Ursache und bis ein Gynäkologe aufgesucht wird, auf körperliche Schonung geachtet werden. Dies bedeutet nicht, dass die Schwangere Bettruhe halten muss, aber sie sollte kein Sport betreiben und sich nicht körperlich belasten.

Weitere Informationen

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich der Gynäkologie finden Sie unter: Gynäkologie A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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