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Krankheiten der Plazenta

Synonyme

Erkrankungen des Mutterkuchen

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Einleitung

Da die Plazenta die Ernährung und die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff sicherstellt, führen Erkrankungen der Plazenta, die mit einem Funktionsverlust einhergehen, zu einer unzureichenden kindlichen Versorgung.
Die Störungen des Kreislaufs können sowohl auf der mütterlichen wie auch auf der kindlichen Seite vorliegen. Auch durch eine Fehllage der Plazenta kann es zu Komplikationen gerade unter der Geburt kommen. Im Folgenden werden die wichtigsten Krankheitsbilder hierzu kurz skizziert:

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Plazentainsuffizienz

Hierbei handelt es sich um eine Funktionsschwäche der Plazenta, die sich in einer mangelhaften Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen bemerkbar macht.
Man unterscheidet eine chronische von einer akuten Form der Plazentainsuffizienz. Letztere macht sich innerhalb von Stunden bemerkbar und wird durch die Beseitigung der auslösenden Ursache behandelt.
Als Auslöser bekannt sind die Verlegung einer großen Vene durch den schweren Uterus (Vena-Cava-Kompressionssyndrom), ebenso wie Komplikationen der Nabelschnur oder Plazentalösungen sowie Plazentablutungen oder ein Sturm an Wehen.

Die chronische Form des plazentaren Funktionsverlustes bildet sich über Wochen bis Monate aus. Sie stellt die Folge von mehreren vorausgegangen Veränderungen dar und macht sich in einer reduzierten Größe an nutzbarer Austasuchoberfläche der Plazenta bemerkbar. Es gibt drei hauptsächliche Veränderungen und Mangelentwicklungen, die zu einem solchen Funktionsverlust der Plazenta führen.

Zum einen führen kleine Unterbrechungen der Blutzufuhr (Infarzierungen) zu einem Untergang von Plazentagewebe, wodurch die Oberfläche verringert wird. Auch die fehlende Ausbildung von kindlichen Gefäßen innerhalb der Zotten (Avaskularität) kommt als Ursache in Betracht und hat zur Folge, dass die Nährstoffe der Mutter nicht in den kindlichen Blutkreislauf übertreten können und damit ebenfalls zu einer Mangelernährung des Kindes führen.
Außerdem sind Ablagerungen eines Stoffes des Blutgerinnungssystems, welcher Fibrin genannt wird, als Veränderung bekannt. Diese Ablagerungen führen im mit mütterlichem Blut gefüllten Raum zur Gerinnung des Blutes.
Als kommt es ebenso zu einer Minderung der Austauschoberfläche. Diese drei hauptsächlichen chronischen Veränderungen der Plazenta können durch mütterliche Erkrankungen wie Blutarmut (Anämie), Infektionen, Bluthochdruck (Hypertonie), Diabetes mellitus, einer Störung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) oder durch gutartige Muskelgeschwüre der Gebärmutter (Uterus myomatosus) auftreten.

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Aber auch Erkrankungen innerhalb der Schwangerschaft oder bestimmte Schwangerschafsverläufe sind als Ursachen bekannt. Hierzu sind zu nennen Schwangerschaftsabbrüche, Blutunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind, rasch aufeinander folgende Schwangerschaften, ein sehr junges mütterliches Alter (unter 18 Jahre) oder ein hohes (über 35 Jahre) sowie eine eiweißarme Ernährung.
Auch Mehrgebärende oder Mütter, die rauchen oder Alkohol trinken oder Drogen konsumieren weisen eine deutliche Häufung an einer mangelhaft ausgebildeten Plazenta auf.

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Die Therapie einer chronischen Funktionsstörung der Plazenta besteht in der Behandlung der oben genannten Erkrankungen bzw. in der Beseitigung der schädlichen Stoffe.
Das Kind muss in engen Abständen beobachtete werden und sollte es zu einem akuten Sauerstoffmangel kommen, muss möglichst rasch eine Entbindung folgen.

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Störungen des mütterlichen Blutflusses

Um eine optimale Versorgung des Kindes zu erreichen, ist ein in ausreichender Menge funktionierender Blutfluss der Mutter insbesondere ihrer Gebärmutter essenziell.
Dabei kann ein bekannter niedriger Blutdruck (Hypotonie) der Mutter zu einer Minderdurchblutung der Gebärmutter und damit auch zu einer Unterversorgung des Kindes führen. Erwähnenswerter ist aber die Tatsache, dass Erstgebärende meist im Vergleich zu Mehrgebärenden eine nicht so gut durchblutete Gebärmutter aufweisen. Auch das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskeln unter einer Wehe führt zu einer momentanen Unterbrechung der Durchblutung und damit zu einem temporären Mangel an Sauerstoff für das Kind.
Normalerweise sind die Wehen aber von nicht all’ zu langer Dauer und kurzzeitigen Unterbrechungen gekennzeichnet, so dass dadurch dem Kind keine Schäden entstehen. Behandelt wie so eine Störung abhängig von ihrer Ursache.

Fehllage der Plazenta

Sitzt die Plazenta zu tief in der Gebärmutter kann es zu einer Verlegung des Geburtswegs durch die Plazenta kommen. In diesem Fall wird eine normale Geburt durch die Scheide unmöglich.
Meist liegt das Kind aufgrund der verlegenden Plazenta quer, schräg oder in Beckenendlage in der Gebärmutter. Eine solche falsch tief sitzende Plazenta nennt man Placenta praevia. Risikofaktoren, die zu einer solchen Verlegung durch die Plazenta führen, sind ein hohes Alter der Mutter, mehrer schon vorausgegangene Geburten, frühere Kaiserschnitte (Sectio ceasarea), Mehrlingsschwangerschaften sowie Ausschabungen (Kürettagen) und Blutgruppenunverträglichkeiten (Erythroblastose).
Auch der Zigarrettenkonsum der Mutter insbesondere von über 20 Zigaretten pro Tag zeigt deutliche Häufungen einer Placenta praevia und gilt als wichtiger Risikofaktor. Bemerkbar macht sich eine Placenta praevia durch unterschiedlich starke meist schmerzlose Blutungen gerade im letzten Schwangerschaftsdrittel.
Ursache der Blutungen sind geburtsvorbereitende Umformungen und Erweiterungen der Gebärmutter und des Muttermunds. Dadurch wird die tiefsitzende Plazenta schon etwas abgelöst, weshalb es zu Blutungen aus der Scheide kommt.
Die genaue Lage der Plazenta und deren tiefer Sitzt wird innerhalb einer Ultraschalluntersuchung festgestellt. Schwangerschaften in denen eine Placenta praevia festgestellt wird, werden meist nach vollendeter 37. Schwangerschaftswoche mit einem Kaiserschnitt entbunden. Befindet sich die Schwangerschaft noch davor, wird Bettruhe angeordnet sowie die Vermeidung jeglicher Belastung außerdem wird die Frau in der Klinik aufgenommen werden. Es werden meist auch Medikamente gegeben, die das Zusammenziehen der Gebärmutter verhindern und somit keine weiteren Blutungen zu Folge haben.

Vorzeitige Lösung der Plazenta

Hier löst sich die regelgerecht sitzende Plazenta (Mutterkuchen) plötzlich teilweise oder völlig ab. Ursachen für einen solche Lösung sind noch unbekannt, diskutiert werden Veränderungen in arteriellen Blutgefäßen wodurch es zu einer Trennung der Haftflächen an der Gebärmutterschicht kommt wie auch Verletzungen auf dem Bauch oder Druckveränderungen.
Frauen mit einer frühzeitig gelösten Plazenta haben Schmerzen. Diese können die ganze Bandbreite von Berührungsschmerz über Schmerzen im Rücken bis hin zu vernichteten Bauchschmerzen einnehmen. Auch hier kommt es zu Blutungen. Diese sind bei einem Viertel der Fälle jedoch versteckt und werden darum nicht gleich bemerkt.
Nachdem die gelöste Plazenta mit Hilfe eines Ultraschalls erkannt wurde und der Arzt sich ein Bild vom Ausmaß der Loslösung gemacht hat, muss dass Kind kontinuierlich überwacht werden, damit eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff gewährleistet ist.
Auch hier wird die schwangere Frau in die Klinik eingewiesen und dort immer wieder genau untersucht um einen Blutverlust rechtzeitig zu bemerken. Unter Abwägung des mütterlichen und kindlichen Zustand sowie der kindlichen Reife wird ein Kaiserschnitt möglichst zeitig durchgeführt oder aber die Schwangerschaft noch überwacht um der kindlichen Entwicklung gerade von den Lungen mehr Zeit zu geben.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Vorzeitige Plazentaablösung

Plazentare Ursachen für Komplikationen unter der Geburt

Retention placentae

Hierbei überschreitet die Nachgeburtsphase die normal Dauer von 30 min. und damit auch den normalen Blutverlust von 300 ml.
Diese zurückgehaltene Plazenta kann als Ursache entweder eine Einklemmung in der Gebärmutter durch eine gefüllte Blase oder zu starkes Zusammenziehen der Gebärmuttermuskeln aufweisen.
Auch aufgrund eines verlängerten Geburtsverlaufs reicht die erzeugte Kraft der Muskeln nicht mehr aus um die Plazenta zu lösen. Ebenso können Fehlbildungen der Plazenta zu einer verzögerten Nachgeburtsphase führen.
Im Anschluss an die Diagnose einer solchen zurückgehaltenen Plazenta kann zunächst abgewartet werden, ob sie sich in der folgenden halben Stunde natürlich löst. Ist dies nicht der Fall können je nach Ursache Medikamente zur Muskelentspannung oder Blasenentleerung gegeben werden. Außerdem kann mit Hilfe eines bestimmten Handgriffs durch den Geburtshelfer die Plazenta in den meisten Fällen gelöst werden. Sollte auch dies nicht gelingen wird ein instrumenteller Eingriff notwendig.

Nachblutung

Kommt es bei der Lösung der Plazenta zu einem übermäßigen Blutverlust von mehr als 500 ml, handelt es sich meist um eine atonischen Nachblutung.
Diese tritt nach einer überdehnten Gebärmutter zum Beispiel nach Mehrlingsgeburten oder einer übermäßigen Menge an Fruchtwasser auf. Bedingt durch diese Muskelüberdehnungen kommt es immer wieder zu Phasen der Erschlaffung, bei denen die Gefäße nicht verschlossen werden wodurch der Blutverlust erhöht wird.
Zur Behandlung einer dieser verstärkten Nachblutung werden verschiedene Medikamente gegeben, die einen Verschluss der Gefäße bewirken oder der Geburtshelfer stillt sie durch Abdrücken und Ausstopfen der blutenden Gefäße.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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