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Eiter an den Mandeln

Einleitung

Wenn wir von den Mandeln sprechen, die man auf beiden Seiten im Rachen hinter der Zunge sehen kann, meinen wir die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae). Sie sind lymphatische Organe und bilden mit den anderen Mandeln (z.B. der Rachenmandel, Tonsilla pharyngea) den lymphatischen Rachenring. Sie dienen dazu Erreger im Mund- und Rachenraum frühzeitig zu erkennen und das Immunsystem auf diese vorzubereiten. Eiter an den Mandeln tritt zum Beispiel häufig im Verlauf einer Mandelentzündung auf. Man spricht dann von einer Tonsillitis oder Angina tonsillaris, die Mandeln werden rot und schwellen an. Außerdem hat man dann weiße Punkte aus Eiter auf den Mandeln oder sie sind komplett vereitert. Eiter ist normalerweise eine gelbliche, in seiner Konsistenz variable Flüssigkeit und immer ein Zeichen für eine Entzündungsreaktion des Körpers. Er ist eine Masse aus abgestorbenen weißen Blutkörperchen (meist neutrophile Granulozyten, eine Unterart der Leukozyten). Eiter ist bis auf wenige Ausnahmen eigentlich immer ein Hinweis auf eine Infektion, die von Bakterien ausgelöst wurde.

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Ursachen

Eiter ist in den meisten Fällen ein Zeichen für eine bakterielle Infektion, Mandelentzündungen sind allerdings meist durch Viren ausgelöst. Bei einer viralen Mandelentzündung hat man zunächst noch keinen Eiter auf den Mandeln. Ist die Infektion aber so stark, dass die Mandeln in ihrer Abwehrfunktion geschwächt werden, können sich Bakterien (z.B. Pneumokokken oder Streptokokken) im Mund- und Rachenraum ausbreiten und wachsen. Weitere Ursachen für eine Mandelentzündung können auch das Pfeiffersche Drüsenfieber oder Scharlach sein, beides sind Infektionskrankheiten. Weiße Bröckchen auf den Mandeln müssen nicht unbedingt Eiter sein, es kann sich auch um Mandelsteine handeln. Diese entstehen in den Furchen der Mandeln und werden dann in den Mundraum abgestoßen. Mandelsteine sind nicht schädlich, sind aber leicht mit einer Mandelentzündung zu verwechseln, die Mandeln sind dann aber nicht gerötet und geschwollen. Mandelsteine können eine Ursache für Mundgeruch sein.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Mandelentzündung oder Mandelschmerzen

Diagnose

Zur Diagnose untersucht der Arzt den Mund-, Nasen- und Rachenraum. Angeschwollene und gerötete Mandeln, die mit Eiter belegt sind, sind ein relativ sicherer Hinweis für eine Mandelentzündung. Der Arzt tastet den Hals nach geschwollenen und schmerzempfindlichen Lymphknoten ab. Außerdem kann der Arzt einen Rachenabstrich mit einem langen Wattestäbchen machen, sodass sich die verantwortlichen Erreger im Labor oder über einen Schnelltest genau ermittelt lassen. Die Diagnose vom Pfeifferschen Drüsenfieber erfolgt über einen Nachweis von Epstein-Barr-Virus-Antikörpern und einer erhöhten Leukozytenzahl im Blut. Scharlach lässt sich differenzieren, da hier neben den entzündeten, eitrigen Mandeln zusätzlich eine Entzündung und Rötung des gesamten Rachenbereichs und eine rot verfärbte Zunge mit weißen Pünktchen (Erdbeerzunge) auftreten. Außerdem entwickelt man einen Hautausschlag. Der Nachweis von Streptokokken, die Scharlach auslösen, festigen die Diagnose.

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Behandlung/ Therapie

Sind die Mandeln  entzündet und vereitert, handelt es sich um eine bakterielle eitrige Mandelentzündung. Wird dieser Verdacht durch die Untersuchung des Arztes bestätigt und erfolgt ein Nachweis von zum Beispiel Streptokokken, dann müssen Antibiotika gegen diese Bakterien eingesetzt werden. Dafür werden in erster Linie Penicillin V oder Cephalosporine angewandt. Es ist wichtig, die bakterielle Infektion zu bekämpfen, damit mögliche Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel das rheumatische Fieber, verhindert werden können. Wird die Entzündung nicht richtig behandelt und auskuriert kann sie sich zu einer chronischen Mandelentzündung entwickeln. Diese kann dann wiederum zu Nieren-, Herz- und Gelenkentzündungen führen. Damit die Medikamente richtig wirken können, ist es wichtig sie streng nach Anweisung des Arztes einzunehmen. Auch die Dauer der Einnahme ist sehr wichtig, hat der Arzt einen bestimmten Zeitraum angeordnet und die Entzündung ist schon zurück gegangen, sollte man die Antibiotika trotzdem weiterhin einnehmen. Nur so ist die absolute Abtötung aller Bakterien gewährleistet. Leidet man durch die Infektion zusätzlich an Fieber, ist Bettruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig um den Wasserverlust durch das Schwitzen auszugleichen.

Treten bei dem Patienten immer wieder Mandelentzündungen auf oder Schwellen sie so sehr an, dass sogar die Atmung behindert wird, müssen die Mandeln in vielen Fällen operativ entfernt werden. Bei der sogenannten Tonsillektomie werden beide Gaumenmandeln vollständig entfernt. Bei einer anderen Variante, der Tonsillotomie, werden nur Teile der Gaumenmandeln entfernt und die Kapsel der Mandel bleibt bestehen. Diese Operation wird vor allem bei Kindern angewandt und hat ein geringeres Nachblutungsrisiko. Allerdings wird sie heutzutage weniger häufig durchgeführt als die Tonsillektomie. Ist eine Operation nicht unbedingt notwendig, sollte auch möglichst darauf verzichtet werden, da die Mandeln wichtig für die Abwehr von Erregern im Rachen sind. 

Informieren Sie sich mehr zum Thema: Antiobiotika bei einer Mandelentzündung

Homöopathie

Bei einer Mandelentzündung wird zunächst zur Behandlung der Halsschmerzen die Anwendung von Aconitum napellus C9 empfohlen (stündlich fünf Globuli). Kommen zusätzlich Schluckbeschwerden und Fieber hinzu, kann man stattdessen Belladonna C9 nutzen (auch wieder fünf Globuli pro Stunde). Sind außerdem die Mandeln stark gerötet und mit Eiter belegt, verspricht Mercurius corrosivus C30 Linderung. Bei einer chronischen Mandelentzündung sollte man zu Kalium muriaticum C9 greifen (zweimal täglich fünf Globuli). Es gibt noch viele weitere Mittel (Eucalyptus, Marum verum, Phytolacca, Calcium jodatum, Arum triphyllum usw.), die alle auf verschiedenste Ausprägungsformen der Erkrankung angepasst sind und sollten dementsprechend individuell ausgewählt werden. Dazu kann man sich die jeweiligen Mittelbeschreibungen durchlesen. Homöopathie ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da es keine richtigen Nachweise über die Wirkweise gibt. Die homöopathische Behandlung sollte vor allem bei Fieber und Halsschmerzen, die länger als drei Tage anhalten, in keinem Fall einen Arztbesuch ersetzen.

Informieren Sie sich mehr zu den Themen: 

Begleitende Symptome

Ist der Eiter auf den Mandeln durch eine eitrige Mandelentzündung bedingt, gibt es mehrere Begleiterscheinungen, die die Erkrankung mit sich bringt. Da die Mandeln und der Rachen entzündet und geschwollen sind, hat man Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Die Schwellungen im Halsbereich können sogar Heiserkeit und Sprechstörungen verursachen. Die Lymphknoten am Kopf- und Halsbereich sind geschwollen und schmerzempfindlich.  Durch die Entzündung und die Beläge auf den Mandeln kann es zu Mundgeruch kommen. Greift die Entzündung den Körper zu stark an, reagiert dieser mit Fieber. Fieber ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers um die Bakterien zu bekämpfen. Beim Pfeifferschen Drüsenfieber reagiert der Körper noch stärker, man entwickelt Grippesymptome, fühlt sich schwach und hat Leib- und Gliederschmerzen. Bei Kindern können zusätzlich Bauchschmerzen auftreten. Ist der Mandelbelag durch eine Mandelentzündung im Zuge einer Scharlach Erkrankung entstanden, treten zusätzliche Symptome auf. Dazu gehören zum Beispiel die Erdbeerzunge (rot, mit weißem Belag) und ein Hautausschlag.

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Dauer

Eine akute Mandelentzündung kann zu jeder Jahreszeit und in jedem Alter auftreten. Der Verlauf und die Dauer der Erkrankung können stark variieren und hängen von der Art der Behandlung ab. In den meisten Fällen lässt sich die Mandelentzündung einfach behandeln und klingt in kurzer Zeit folgenlos ab. Unter Antibiotikatherapie ist die Krankheit meist nach etwa zwei Wochen auskuriert. Auch wenn die Symptome schon verschwinden, müssen die Medikamente auf jeden Fall trotzdem, je nach Anordnung des Arztes, weiterhin eingenommen werden. Werden die Antibiotika zu früh abgesetzt, können die Keime eine neue Mandelentzündung auslösen. In schlimmen Fällen, wenn die Entzündung nicht richtig behandelt wird und chronisch wird, kann sie aber sogar länger als drei Monate andauern und dann noch weitere Folgeerkrankungen mit sich ziehen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wie lange dauert eine Mandelentzündung?

Eiter auf den Mandeln ohne Schmerzen

Weißer Belag auf den Mandeln bedeutet nicht gleich eine Mandelentzündung. Es kann sich auch um Mandelsteine handeln, die in den Tiefen der Mandeln (diese sind zerklüftet und haben tiefe Furchen, sogenannte Krypten) entstehen können. Werden sie von den Mandeln „ausgespült“ treten sie an die Oberfläche. Mandelsteine sind nicht schmerzhaft und nicht gefährlich, sie können lediglich Mundgeruch verursachen. Hat man sie einmal, kann es sein, dass die Steine häufiger auftreten. Sie können zum Beispiel von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt abgesaugt werden. Da sie nicht gefährlich sind, besteht erst einmal kein Grund, die Mandeln operativ zu entfernen.

Eiter an den Mandeln ohne Fieber

Eine Mandelentzündung muss nicht zwingend von Fieber begleitet sein. Fieber ist eine Reaktion des Körpers auf Infektionen, er versucht durch die erhöhte Körpertemperatur Bakterien abzutöten. Ist die Infektion an den Mandeln nur leicht ausgeprägt, reagiert der Körper nicht unbedingt direkt mit Fieber. Die Entzündung bleibt lokal im Rachenraum bestehen und wird nicht systemisch vom Körper bekämpft. Ist die Entzündung nicht so stark, können die Mandeln, die ja auch Teil des Immunsystems sind, die Bakterien auch selbst bekämpfen und sich regenerieren. 

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: Behandlung einer Mandelentzündung

Hausmittel bei Eiter an den Mandeln

Bevor man die Antibiotikatherapie erhält oder auch begleitend dazu gibt es eine Menge an Hausmitteln, die die Beschwerden verringern können. Sie sollten allerdings einen Arztbesuch nicht ersetzen. Warme Getränke, zum Beispiel Tee mit Honig, können helfen, da Honig Bestandteile enthält, die leicht antibakteriell wirken. Die Wärme wirkt im Halsbereich schmerzlindernd.
Auch Meerrettich ist ein alt bewährtes Hausmittel, da er ebenfalls antibakteriell wirkt. Für die Herstellung des Tees muss Meerrettichwurzel frisch gerieben und mit Wasser aufgegossen werden. Der Meerrettich-Tee sollte etwa 15 Minuten ziehen und kann dann in kleinen Schlücken getrunken werden. Auf besonders heiße oder besonders kalte Getränke sollte man allerdings verzichten, da die extremen Temperaturen die entzündeten Mandeln reizen können und so zu noch mehr Schmerzen führen. Jeder Mensch reagiert anders, so kann es auch sein, dass kalte Getränke wohltuend wirken. Die Kälte sorgt dafür, dass der Hals abschwillt und lindert zusätzlich die Schmerzen. Probieren Sie einfach beides aus und schauen, was Ihnen besser bekommt. Es gibt noch die Möglichkeit Jod in einer Mundspülung zu gurgeln, es wirkt gegen die Entzündung. Jod kann man in Apotheken erhalten, andernfalls kann man auch einfach Salzwasser gurgeln. Eine weitere Option ist es, den Hals auch von außen wärmen, zum Beispiel mit Kartoffelwickeln. Dafür müssen Sie die Kartoffeln kochen, in ein Tuch wickeln und dann darin zerdrücken. Es sollte allerdings auch hier darauf geachtet werden, dass die Wickel nicht zu heiß ist. Zusätzlich sollten Sie ein Tuch oder einen Schal tragen, auch beim Schlafen. Das hält den Hals warm und hilft dem Immunsystem besser zu arbeiten. Soll man Eiter an den Mandeln ausdrücken?

Lesen Sie auch den Artikel zum Thema: Mandelentzündung - Was hilft? und Hausmittel bei einer Mandelentzündung

Soll der Eiter aus den Mandeln gedrückt werden?

Stippchen auf den Mandeln können entfernt werden. Das sollte man allerdings nicht mit einer Pinzette oder anderen spitzen Gegenständen versuchen, da man so die Mandeln leicht verletzen kann und sie dann bluten. Stattdessen kann man sich mit Wattestäbchen weiterhelfen. Am effektivsten ist es, vorsichtig von der Seite gegen die Stelle zu drücken. Entzündete Mandeln sind allerdings gerötet und sehr schmerzempfindlich, hier ist beim Ausdrücken äußerste Vorsicht geboten. Die Eiterentfernung kann auch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt erfolgen.

Hier erfahen Sie mehr zum Thema: Mandelabszess

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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