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Eiter unter der Haut

Definition

Eitrige Entzündungen der Haut werden auch Pyodermien genannt und werden meist durch Eiterbakterien wie Streptokokken und Staphylokokken hervorgerufen. Eiter ist ein gelbliches Sekret, das aus eingeschmolzenem Gewebe und Entzündungszellen besteht und hinweisend auf eine bakterielle Infektion ist. Eiter unter der Haut zeigt sich meist als schmerzhafte, gelbliche Sekretansammlung umgeben von geröteter und gereizter Haut, die bis zum Abszess führen kann. Die Ursachen und begleitenden Krankheitsbilder sind vielfältig.

Ursachen für die Entstehung von Eiter

Die Ursachen für Eiteransammlungen unter der Haut sind meist Infektionen mit Eiterbakterien wie Staphylokokken und Streptokokken.

Eine oft durch Staphylokokken ausgelöste Erkrankung, die meist die Haut von Kleinkindern im Bereich zwischen Kinn und Nase betrifft, ist die Impetigo contagiosa. Hierbei kommt es zu juckenden, schlaffen Bläschen mit honiggelben Krusten, die hochansteckend sind.

Als Hautanhangsgebilde kann auch eine Infektion des Haarbalges zu kleinen Eiteransammlungen unter der Haut führen, die je nach Ausprägung als Furunkel oder Karbunkel bezeichnet werden. Diese imponieren als kleine oder größere, zusammenschmelzende „Pickelchen“ auf geröteter Haut (Furunkel), meist mit einem Haar im Zentrum. Ursächlich kann eine Abwehrschwäche des Körpers, z.B. durch einen Diabetes mellitus sein.
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Am Finger oder Zeh tritt Eiter unter der Haut in Form eines Nagelgeschwüres (Umlauf, Panaritium) auf. Hierbei handelt es sich um eine schmerzhafte Infektion des Nagelbettes mit Eiteransammlung, die meist durch das Eindringen von Bakterien durch  kleinste Verletzungen wie bei der Maniküre entsteht.

Sind tiefere Schichten der Haut und des darunterliegenden Bindegewebes betroffen, so spricht man von einer Phlegmone. Diese äußert sich meist durch eine unscharf begrenzte, flächige und schmerzhafte Rötung der Haut, die von Fieber und Krankheitsgefühl begleitet werden kann. Eine umgehende antibiotische und womöglich chirurgische Behandlung ist unumgänglich. Bildet sich durch eine entzündliche Gewebeeinschmelzung Eiter, der in der Folge von einer Kapsel umgeben wird, so spricht man von einem Abszess.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Eiter im / am Finger - Darauf sollten Sie zwingend achten!

Der Pickel

Der „Pickel“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für den dermatologischen Begriff Pustel. Eine Pustel ist eine lokalisierte Eiteransammlung unter der Haut, die meist auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist. Pusteln können im Rahmen verschiedenster Hauterkrankungen auftreten, am bekanntesten ist jedoch die Assoziation zur Akne.

Bei der Akne kommt es durch verschiedene Ursachen wie hormonelle und anlagebedingte Faktoren zu einer übermäßigen Verhornung des Haarfollikels. Dadurch kommt es zum Rückstau von Talg und der Entstehung von Mitessern. Entzünden sich diese Mitesser und kommt es zur übermäßigen Besiedlung mit Aknebakterien (Propionibacterium acnes), so kommt es zu „Eiterpickeln“ (Pusteln). Sie können sich dabei überall am Körper verbreiten u.a in der Nase, am Rücken oder im Mund, Eiterpickel am Bauch sind auch keine Seltenheit. 

 

Diagnose

Die Diagnose von Eiter unter der Haut stellt der Arzt meist als Blickdiagnose. Hierbei helfen ihm die typischen Entzündungszeichen wie Rötung, Schmerzen, Überwärmung und Schwellung. In manchen Fällen ist ein Abstrich nötig, um das auslösende Bakterium genau zu klassifizieren und zu testen, welches Antibiotikum eingesetzt werden kann (Resistenztestung). In seltenen Fällen, beispielsweise bei einem Abszess, kann die Ausdehnung unter der Haut und das Übergreifen auf andere Strukturen mittels Ultraschall oder anderen bildgebenden Verfahren (CT, MRT) notwendig werden.

Begleitende Symptome

Liegt eine Eiteransammlung unter der Haut vor, so ist die umgebende Haut häufig gerötet und geschwollen. Häufig treten aufgrund der Spannung durch die Schwellung und die Entzündung starke Schmerzen auf. Auch kann es zum Anschwellen von Lymphknoten im Abflussgebiet der Entzündung kommen. Treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit oder Krankheitsgefühl auf, so ist dies ein Zeichen für ein systemisches Übergreifen der Entzündung auf den ganzen Körper. In diesem Fall ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen, da eine Blutvergiftung droht. Weitere Symptome können je nach zugrundeliegender Erkrankung auftreten. So können die Pusteln und Bläschen bei Impetigo contagiosa von starkem Juckreiz begleitet werden, wohingegen bei Akne weitere Hautveränderungen wie Mitesser (Komedonen) auftreten.

Die Therapie von Eiter unter der Haut

Die Behandlung einer Eiteransammlung unter der Haut richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild.

Pickel im Sinne einer Akne sollten vom Hautarzt durch desinfizierende und antibiotische Cremes und wenn nötig auch Tabletten behandelt werden.

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Die Impetigo contagiosa wird durch antibakterielle Salben und Antibiotika in Tablettenform behandelt, zudem sollte wegen der großen Ansteckungsgefahr auf strikte Hygiene wie regelmäßiges Händewaschen geachtet werden. Furunkel und Karbunkel werden in der Regel antibiotisch behandelt.

Nagelbettentzündungen, Abszesse und tiefergehende Entzündungen wie Phlegmone müssen zudem meist chirurgisch durch Punktion mit einer Nadel, eine Inzision (Schnitt) oder einen komplexeren Eingriff behoben werden. Von einer selbstständigen Manipulation (Ausdrücken o.ä.) durch den Patienten selbst ist jedoch unbedingt abzusehen (s.u.). Die oben genannten Maßnahmen sollten zeitnah durchgeführt werden, da im schlimmsten Fall die Ausbreitung des Erregers auf dem Blutweg (Blutvergiftung) droht.

Weitere ausführlichere Informationen zu diesem Thema lesen Sie unter: Eiterpickel im Gesicht - Wie werde ich sie schnell los?

Soll man Eiter unter der Haut ausdrücken oder aufstechen?

Eiteransammlungen unter der Haut sollten keinesfalls selbstständig ausgedrückt oder aufgestochen werden, ganz gleich ob es sich um einen einfachen „Pickel“ oder einen Abszess handelt.  Durch nicht steriles Manipulieren an der entzündeten Hautstelle können weitere Bakterien in die Haut gelangen und die Entzündung verschlimmern. Zudem kann es so zu einer Verschleppung der Bakterien über den Blutweg kommen. Dies ist besonders bei Furunkeln im Gesichtsbereich bedrohlich, bei deren Ausdrücken die Bakterien über Blutgefäße in Richtung Gehirn geleitet werden können und dort eine bedrohliche Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel in den Venen des Gehirns) auslösen können. Zuletzt können durch das Ausdrücken unschöne Narben entstehen. Ist es notwendig eine Eiteransammlung (z.B. Abszess) zu punktieren oder durch einen Stich zu entlasten, so sollte dies immer unter sterilen Bedingungen durch einen Arzt durchgeführt werden.

Hausmittel gegen Eiter unter der Haut

Bei ungefährlichen, leicht ausgeprägten Eiteransammlungen unter der Haut wie beginnenden Nagelbettentzündungen oder Aknepickeln kann zunächst eine Behandlung mit Hausmitteln versucht werden. Im Falle einer ausgeprägten Symptomatik, einer Abszessbildung, Phlegmone oder Impetigo contagiosa sind Hausmittel jedoch in keinem Fall ausreichend, da hier schwerwiegende Komplikationen wie eine Blutvergiftung drohen. Als entzündungshemmende Maßnahmen können beispielsweise mit Desinfektionsmittel getränkte Umschläge versucht werden.  Auch Heilerde, Kamille oder Arnika sind natürliche Maßnahmen gegen Entzündungen der Haut. Kühlende Umschläge können schmerzlindernd wirken. Generell sollte nicht an der entzündeten Hautstelle manipuliert werden, ein „Ausdrücken“ oder Aufstechen ist unbedingt zu vermeiden.

Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema: Hausmittel gegen Akne

Komplikation Abszess

Unter einem Abszess versteht man eine von einer Kapsel umgebene Eiteransammlung, die durch die Einschmelzung von entzündetem Gewebe entsteht. Ein Abszess der Haut kann als Komplikation verschiedener Entzündungen der Haut (Furunkel, Karbunkel) oder durch Operationen und Spritzen entstehen. Erreger ist in den meisten Fällen das Bakterium Staphylokokkus aureus. Klinisch imponiert ein Abszess durch eine Rötung und schmerzhafte Schwellung, die von Fieber und Schüttelfrost begleitet werden kann. Im Labor lassen sich erhöhte Entzündungswerte nachweisen. Ein Abszess muss stets antibiotisch behandelt werden und in der Regel auch durch eine Punktion oder eine chirurgische Ausräumung entlastet werden. Spontan heilt ein Abszess nur langsam oder gar nicht ab, da die Bakterien von einer Kapsel umgeben sind. Es drohen weitere Komplikationen wie eine Blutvergiftung, sodass eine umgehende ärztliche Behandlung angezeigt ist.

Dauer

Die Dauer einer Eiteransammlung unter der Haut hängt entscheidend von der Ursache,  Ausprägung und Behandlung ab. Während einzelne, harmlose Pusteln (Pickel) auch ohne Behandlung im Verlauf weniger Tage spontan abheilen, verhält es sich bei bedrohlicheren Krankheitsbildern deutlich anders. So heilt ein Abszess oder eine Phlegmone ohne adäquate Antibiotikatherapie und chirurgische Entlastung nur sehr langsam oder gar nicht ab. Auch bei größeren Furunkeln, Karbunkeln oder Nagelwallentzündungen sollte unbedingt eine antibiotische Therapie erfolgen, da sonst im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Blutvergiftung droht.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.05.2019
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