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Eiter im / am Finger

Definition

Eine eitrige Entzündung am Finger entsteht in den meisten Fällen durch eine Verletzung oder einer Wunde am Finger, auf die sich eine Infektion setzt. Eiter an sich besteht aus weißen Blutkörperchen und anderen körpereigenen Immunzellen, die durch eine Infektion oder die Anwesenheit von Erregern (Pathogenen) angezogen werden. Sie setzen sich an der entsprechenden Stelle fest, um ein Ausbreiten der Infektion oder der Pathogene zu verhindern. Der Eiter kann sowohl lokal begrenzt auf den oberen (Panaritium cutaneum) und den tieferen Hautschichten (Panaritium subcutaneum) oder auf dem Nagelbett (Panaritium subunguale) und dem umliegenden Nagelwall (Panaritium parunguale) vorkommen. Unter einer eitrigen Entzündung versteht sich auch, wenn der Knochen (Panaritium ossale), die Sehnen (Panaritium tendineum) oder Gelenke (Panaritium articulare) betroffen sind.

Ursachen

Die Ursachen für Eiter am Finger sind in den meisten Fällen keine schweren oder großen Verletzungen. Es reichen schon kleine Wunden im Bereich des Nagels damit sich Bakterien oder andere Erreger festsetzen. Neben Verletzungen durch Splitter oder andere Fremdkörper, die in die Haut gelangen, sind Probleme am Fingernagel und der Nagelpfalz ebenfalls häufig eine Ursache. Kritischere Ursachen sind die Entzündung von Sehnen (Phlegmone, siehe auch: Sehnenentzündung) oder dem Knochen, die ebenfalls zur Ausbildung von Eiter führen können.

Eingewachsener Fingernagel

Ein eingewachsener Fingernagel kann sehr schmerzhaft sein, und zur Bildung von Eiter am Finger führen. Durch unkontrolliertes Wachsen oder fehlerhaftes Schneiden des Fingernagels kann dieser in den seitlichen Nagelwall einwachsen. Es kann auch zu einer Verbreiterung der seitlichen Nagelfalz kommen, sodass diese den Nagel von der Seite überwuchert. An den Fingernägeln liegt der Fehler oft darin, dass die Betroffenen die Nägel zu weit unten zu schmal feilen, und dadurch die Nagelfalz über den Nagelrand wächst. Dies kann dazu führen, dass sich Erreger ansiedeln und es zu einer Entzündung kommt. Das Auftreten eines eingewachsenen Nagels kommt an den Zehen häufig vor, und beruht meist auf falschen Schneiden der Nägel oder dem Tragen von unpassendem und zu engem Schuhwerk.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Eingewachsener Zehennagel

Nagelbettentzündung

Wenn am Finger eine Nagelbettentzündung vorliegt, kann es zur sichtbaren Entstehung von Eiteransammlungen unter dem Nagel und an den Rändern des Nagels kommen. Im Fall einer unkomplizierten Nagelbettentzündung ist dieses eher untypisch. Dabei liegen Rötungen, Schwellungen und Überwärmung vor. Sollte sich Eiter am Finger gebildet haben, und die Behandlung mit Hausmitteln und nicht-rezeptpflichtigen Salben nicht erfolgreich sein, dann sollte der Hausarzt aufgesucht werden um einer Verschlimmerung und Ausbreitung vorzubeugen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Nagelbettentzündung

Begleitende Symptome

Begleitende Symptome von Eiter am Finger sind die typischen Entzündungszeichen. Es liegt eine Rötung (rubor) durch die verstärkte Durchblutung vor. Es entsteht ebenfalls durch die verstärkte Durchblutung und den Entzündungsprozess eine Überwärmung (calor) des Gewebes. Weiterhin zeigt sich eine Schwellung (tumor) und Einschränkung der normalmöglichen Bewegungsfähigkeit (functio laesa).

Schmerzen

Je nach dem was für eine Wunde oder Entzündung vorliegt, kann Eiter am oder im Finger unangenehme Schmerzen mit sich ziehen. So sind eitrige Entzündungen am Nagelbett, den Sehnen oder auch dem Knochen sehr schmerzhaft. Sollte nur eine kleinere Verletzung erfolgt sein, die nach mehreren Tagen nicht nur lokal auftretende unverhältnismäßig starke Schmerzen mit sich zieht, dann muss schnellstens ein Arzt aufgesucht werden. In diesem Fall könnte es zu einer Streuung der Entzündung über verschiedene Weichteilstrukturen in andere Teile der Hand gekommen sein.

Rötung

Wenn Eiter am oder im Finger vorhanden ist, findet sich fast immer auch eine Rötung. Diese beruht auf dem ablaufenden Entzündungsprozess. Die Rötung sollte dabei auf die lokale Stelle, an der der Eiter zusehen ist, begrenzt sein. Wenn sich die Rötung über den gesamten Finger ausbreitet und die Hand betrifft, liegt nicht mehr nur eine kleine lokale eitriger Wunde oder Entzündung vor. Es hat sich eine Infektion ausgebreitet und auf andere Weichteilstrukturen in Finger und Hand übergegriffen. Eine gefährliche Komplikation ist die Phlegmone. Darunter versteht sich eine Ausbreitung von Keimen und der ausgelösten Infektion über die Sehnenscheiden.

Eiterblase

Unter einer Eiterblase versteht sich eine Ansammlung von Eiter in einem abgegrenzten Raum. Diese Eiterblase kann als Anhangsgebilde auf der Haut aufsitzen, oder auch in tieferen Haut- und Gewebeschichten liegen. Sollte eine Eiterblase vorhanden sein, ist es wichtig, dass der Eiter abgelassen wird. Dies sollte möglichst unter sterilen oder zumindest hygienischen Bedingungen erfolgen. Das Einstechen oder Einschneiden mit Nadeln, Scheren oder anderen Haushaltsgegenständen sollte vermieden werden, da so weitere Keime in die Wunde gestreut werden könnten. Sollte man sich nicht selber in der Lage dazu sehen die Eiterblase in einem hygienischen Umfeld zu eröffnen, sollte der behandelnde Hausarzt aufgesucht werden.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt bei Eiter am oder im Finger im Regelfall als Blickdiagnose. Der Betroffene kommt häufig mit einer entsprechenden Auffälligkeit am Finger zu seinem behandelnden Arzt. Dieser kann durch die beschriebenen und sichtbaren Symptom-Konstellationen auf einen eitrigen Entzündungsprozess am Finger schließen. Ein weiterer Schritt in der Diagnose ist gleichzeitig auch ein therapeutischer Eingriff; nämlich die Eröffnung einer sichtbaren Eiterblase. Bei kleineren Mengen Eiter am Finger ist die Diagnose hier abgeschlossen. Sollte eine kritischere Entzündung oder Vereiterung vorliegen, kann ein mikrobiologischer Abstrich genommen werden, um das Erregerspektrum zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung von Eiter am oder im Finger ist stark abhängig vom Ausmaß der Menge des Eiters bzw. der genauen Stelle der Entzündung und ihrer Ursache. Liegen nur kleinere oberflächliche Eiteransammlungen z.B. im Bereich des Nagels oder der Fingerkuppe vor, erfolgt eine Eröffnung und antiseptische Behandlung durch den Arzt. Meist wird zusätzlich eine antientzündlich-wirkende Salbe verschrieben und darauf verwiesen, dass sich bei Nichtabheilung erneut vorgestellt werden sollte. Wenn der Eiter jedoch nicht nur am Finger – also äußerlich -, sondern auch in tieferliegende Strukturen vorhanden ist, muss häufig lokal oder auch systemisch mit Antibiotika therapiert werden. Liegt beispielsweise eine Entzündung des Nagelbettes vor, werden eventuell Anteile des Nagels unter lokaler Betäubung entfernt. Sollte die Infektion bereits auf eine Sehne oder Knochen übergegriffen haben, muss operativ vorgegangen werden. Hier muss gegebenenfalls Gewebe entfernt und die Wunde zum Heilen für mehrere Tage offengelassen werden. Bei weiter reichenden Entzündungen des Knochens (Osteomyelitis), müssen im Maximalfall Teil- oder Amputationen des Fingers durchgeführt werden. Von diesem extremen Fall ist bei einer einfachen und oberflächlichen Eiter-Ansammlung am Finger nicht auszugehen.

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Salbe

Im Bereich der oberflächlichen Eiter-Entzündungen am Finger, kann viel mit lokal wirksamen Salben gearbeitet werden. Dabei muss nicht unbedingt auf antibiotika-haltige Salben zurückgegriffen werden. Auf natürlichen Kräuter und Pflanzen basierend wirkt beispielsweise die Ilon-Salbe. Diese ist ohne Rezept in der Apotheke zu erwerben. Durch mehrfaches tägliches Anwenden an der Eiter-Ansammlung am Finger wird die Entzündung bekämpft und die Abheilung beschleunigt. Eine andere nutzbare Salbe wäre ein Iod- Präparat (z.B. Betaisodona®). Eine weitere Gruppe sind die Zugsalben. Diese basieren auf sulfoniertem Schieferöl (Ammoniumbituminosulfonat) als Wirkstoff. Dieser wirkt ebenfalls antibakteriell und entzündungshemmend. Zusätzlich findet auch eine Aufweichung und Öffnung der eitrigen Stelle statt, und das Ablaufen des Eiters wird unterstützt.

Welcher Arzt behandelt das?

Im Regelfall kann Eiter am und im Finger durch den regulären Hausarzt behandelt werden. Dieser kann entsprechend der Ursache und der genauen Lokalisation des Entzündungsprozesses konservativ oder auch im kleineren Rahmen operativ tätig werden. Sollte der Hausarzt selber nicht operativ tätig sein oder der Eingriff die Möglichkeiten der Praxis überschreiten, kann eine Überweisung an einen regulären Chirurgen erfolgen. Als weitere Möglichkeit kann auch ein Handchirurg miteinbezogen werden.

Welche Hausmittel können helfen?

Neben einer Behandlung durch einen Arzt, kann bei Eiter am Finger auch mit Hausmitteln gearbeitet werden. Zentral ist jedoch, dass die Entzündung nicht unterschätzt wird und sich im schlimmsten Fall ausbreitet. Daher sollte bei dem Verdacht auf eine Komplizierung ein Arzt hinzugezogen werden. Bei kleineren Entzündungen, können Handbäder Abhilfe schaffen. Diese können als heiße Bäder mit Kernseife durchgeführt werden. Dabei wird die entsprechende Hand für wenige Minuten (ca. 10-15 Minuten) bis zu dreimal am Tag in das Bad gehalten. Neben der Kernseife können weitere Zusätze aus der Hausapotheke hinzugefügt werden. Dazu gehören beispielsweise Teebaumöl, Kamillentee oder auch eine Rivanol-Lösung. Auch Eichenbaumrinde gilt als antibakteriell und wird gerne als gut wirkender Zusatz genannt. Weiterhin können auch Rosmarin, Thymian und Eukalyptus einem Handbad hinzugefügt werden. Häufig finden sich in der Hausapotheke auch Arnika-Präparate – auch diese helfen bei der lokalen Abheilung. Auch aus dem Bereich der Homöopathie finden sie verschiedene Ansätze um Eiter am Finger zu behandeln.

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Dauer

Eitrige Entzündungen am Finger sollten im Regelfall innerhalb von wenigen Tagen abgeklungen sein. Stellt sich eine Komplizierung der Entzündung ein, wie z.B. eine Ausbreitung in tiefere Schichten des Gewebes, kann es mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, bis eine komplette Abheilung erreicht ist. Einen, die Dauer verkürzenden, Faktor macht das frühzeitige Ablassen des Eiters aus. Dies sollte professionell erfolgen, um auch hier eine Verlängerung der Dauer, durch eine erneute Keimbesiedelung, zu verhindern.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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