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Ursachen einer Sehnerventzündung

Einleitung

Eine Sehnerventzündung, unter Ärzten fachsprachlich auch als Neuritis nervi optici oder Retrobulbärneuritis bezeichnet, ist eine Entzündung des Sehnervs, des "Nervus Opticus", meist durch autoimmunologische Prozesse bedingt.

Autoimmunologisch bedeutet, dass die körpereigenen natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers, die normalerweise nur gegen körperfremde Stoffe und Erreger gerichtet sind, sich nun, aus nicht unbedingt geklärten Gründen, gegen körpereigene Zellen richten und diese wie körperfremde Eindringlinge behandeln. Dadurch kommt es zu Abwehrreaktionen die, je nach Art der Autoimmunkrankheit, verschieden dramatisch ablaufen und nur bedingt gut behandelbar sind.

Allgemeines

Der Sehnerv, ist dafür zuständig, die aus der Netzhaut des Auges, der Retina, eintreffenden Informationssignale aus dem Auge weiterzuleiten an bestimmte Teile des Gehirns, der sogenannten "Area striata", der Sehrinde im Hirn, wo sie dann weiterverarbeitet werden und in ein verstehbares Abbild unserer Umgebung umgewandelt werden können. Eine der Schichten der menschlichen Netzhaut des Auges besteht bereits aus den Nervenzellen, die sich dann zum Sehnerv bündeln und vereinigen und aus dem Auge austreten und ihren Weg Richtung Gehirn antreten.

Wenn dieser Sehnerv irgendwo in seinem Verlauf erkrankt ist, kann es zu verschiedensten Formen der Sehminderung und –einschränkung kommen.

Formen einer Sehnerventzündung

Je nach Ort des Auftretens der Sehnerventzündung unterteilt man diese in verschiedene Unterarten:

Wenn die Sehnerventzündungen direkt an der Stelle des Sehnervs ist, wo er sich erst zu einem Nervenstrang vereinigt und aus dem Auge austritt, der sogenannten Sehnervpapille, so bezeichnet man das als „Papillitis

Findet die Entzündung am Kopf des Sehnervs statt, also noch im Bereich des Augapfels, so bezeichnet man sie als „Intrabulbärneuritis“.

Spielen sich die entzündlichen Prozesse irgendwo im weiteren Verlauf des Nervs ab, also alle Bereiche nach dem Augapfel, nennt man das eine „Retrobulbärneuritis“

Ist zusätzlich zum Sehnerv auch noch die Netzhaut, die Retina beteiligt, so spricht man von einer „Neuroretinitis

Alle Formen einer Sehnerventzündung können sowohl auf einer, als auch auf beiden Seiten gleichzeitig auftreten. Das Erstmanifestationsalter liegt, bei einer Inzidenz von ca. 3 auf 100000 Personen, zumeist zwischen dem 18. Und 50. Lebensjahr, wobei Frauen drei- bis viermal häufiger betroffen sind als Männer.

Ursachen

Die eigentliche Ursache, warum es zu einer Sehnerventzündung kam, bleibt leider in den meisten Fällen ungeklärt.

Zu beobachten ist jedoch, dass die Retrobulbärneuritis in 30% der auftretenden Fälle in Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose steht; oft tritt die Sehnerventzündung als Frühsymptom auf und sollte Anlass zu einer gründlichen Untersuchung geben.
Die Multiple Sklerose ist eine Form der Autoimmunerkrankungen, bei der sich die körpereigenen und eigentlich äußerst nützlichen Immunzellen gegen Bestandteile der eigenen Nervenzellen richten und diese angreifen.
So wird im gesamten Körper am Nervensystem eine Entzündung ausgelöst und die Betroffenen haben starke Beschwerden, im Vordergrund stehen Gefühlsstörungen am ganzen Körper, Sehstörungen (aufgrund der Sehnerventzündung), Lähmungen von Armen und/oder Beinen oder auch nur Abschnitten davon, eine geringe körperliche Belastbarkeit und schnelle Ermüdbarkeit und Gleichgewichtsstörungen.

Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die sich typischerweise in Schüben manifestiert. Die Ursachen der Multiplen Sklerose konnten nicht nicht vollends geklärt werden, bisher stehen drei Hauptgründe im Fokus der Forschung.

  • Der erste ist die Autoimmunerkrankung. Hier greift das Abwehrsystem des Körpers körpereigenes Nervengewebe an. In der Folge werden Antikörper gegen die Nervenzellen gebildet die wiederum im Blut chronische Krankheiten auslösen und sich gegen die eigenen Zellen richten können. Im Falle der Multiplen Sklerose richten sich diese Antikörper in erster Linie gegen das Nervengewebe von Gehirn und Rückenmark.
  • Eine zweite mögliche Ursache ist eine gewisse genetische Veranlagung. So ist zum Beispiel zu beobachten, dass in einigen Familien gehäuft Mutliple Sklerose auftritt. Je enger der Verwandtschaftsgrad desto höher das Risiko, ebenfalls an dieser Krankheit zu erkranken. Ebenfalls können bestimmte schädliche Umwelteinflüsse zu Veränderungen am Erbgut führen, sodass eine Multiple Sklerose entstehen kann.
  • Als dritte Ursache werden Infektionen mit bestimmten Erregern diskutiert. Besonders verdächtig und risikobehaftet sind dabei Chlamydien, Herpes Viren und das Epstein-Barr Virus. Alle drei können zur Sehnerventzündung und Schäden an den Nervenfasern und damit zum Ausbruch der Multiplen Sklerose führen.

Ist ein Mensch erst einmal an der Multiplen Sklerose erkrankt, können weitere Faktoren das Auftreten eines erneuten Schubes ungünstig beeinflussen. Besonders Stress, Hormonstörungen, Infektionen, Impfungen und Medikamente gelten allgemein als schädlich, da sie den Körper und das ohnehin schon angeschlagene Immunsystem zusätzlich belasten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Sehnerventzündung bei Multipler Sklerose

Symptome

Die typischen Symptome einer "Neuritis Nervi Optici" sind Sehstörungen und/oder Sehbehinderung, Gesichtsfeldausfälle sowie eine geminderte Kontrast- und Farbwahrnehmung und natürlich Augenschmerzen. Als erstes fällt den Betroffenen der Visusverlust, also das zunehmende Schlechter- und Verschwommensehen auf.

Lesen Sie mehr zum Thema: Sehnervenentzündung Symptome

Begleitet wird das oft von Kopfschmerzen oder einem leichten Druckgefühl der Augen. Auch ist zu beobachten, dass in Situationen mit erhöhter körperlicher Belastung und dadurch erhöhter Körpertemperatur, also etwa beim Sport, in der Sauna oder in der Badewanne, die Symptome sich bemerkbar machen. In Extremfällen kann es durch die Entzündung bis zur vollständigen Erblindung kommen. In 7% der Fälle tritt die Sehnerventzündung beidseitig auf. Trotzdem kann unter Umständen die augenärztliche Untersuchung leider unauffällig sein, nur in 35% der Fälle ist eine geschwollene Papille sichtbar.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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