Therapie einer Depression

Einleitung

Die Depression ist eine psychiatrische Erkrankung. Diese äußert sich durch verschiedene Symptome wie z.B. eine depressive Stimmungslage, Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug oder Schlafstörungen. Heutzutage gibt es verschiedene Ansätze und Methoden, um eine Depression zu behandeln. Man sollte dabei immer bedenken, dass die Depression eine ernst zu nehmende Erkrankung ist und die passende Therapie für die eigene Form der Depression mit dem behandelnden Psychiater oder Psychotherapeuten unter Berücksichtigung des Schweregrades ausgewählt wird.

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Synonyme

Depressive Symptome, Depressionen, Schwermut

häufige Tippfehler: Depresionen, Depresion
Englisch: Depression


Therapie

Grundsätzlich differenziert man die medikamentösen Therapie von der nichtmedikamentösen Therapie.

Medikamentöse Therapie

Ein sogenanntes Antidepressivum, also ein Medikament, welches typischerweise zur Therapie einer Depression eingesetzt wird, versteht man ein Medikament aus einer ganzen Gruppe von Medikamenten, welche teils sehr unterschiedliche Wirkungsmechanismen aufweisen, deren Ziel jedoch stets gleich sind. Diese lauten: Aufhellung, also Verbesserung der Stimmung und Steigerung des Antriebes. Wichtig hierbei ist, dass die Wirkungsweise auch des modernsten Antidepressivums in der Regel erst nach zwei bis vier Wochen beginnt. Ein Teil der Therapieabbrüche erfolgt aus der Annahme heraus, dass ein Medikament, welches nicht schon nach drei Tagen eine deutliche Besserung erbracht hat kein gutes bzw. wirksames Medikament sein kann.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Diese Medikamente helfen gegen Depression

Wirkungsweise der Antidepressiva

Im menschlichen Gehirn laufen zwischen den vielen Milliarden Zellen verschieden Verständigungen ab. Die “Überbringer” dieser Nachrichten von einer Zelle zur anderen nennt man die “Transmitter”. Durch Ausschüttung eben dieser Transmitter wird an der direkt anschließenden Zelle eine Reaktion ausgelöst. Wenn diese Reaktion ausgelöst wurde, werden die Transmitterstoffe wieder in die Zellen aufgenommen. Als Beispiel kann man anführen, dass wenn sich zwei Häuser gegenüberstehen und die Bewohner des einen dem anderen ein Signal geben wollen, sie eine bestimmte Anzahl und Anordnung von Flaggen ins Fenster hängen. Was aber passiert, wenn entweder zu wenig Flaggen verfügbar sind, oder aber die Flaggen zu früh wieder eingeholt werden? Am wahrscheinlichsten ist, dass die Leute im gegenüberliegenden Haus gar nicht so recht wissen, was sie zu tun haben...

Wenn man diese Theorie auf die Zellebene überträgt, erklärt sich die Wirkweise der meisten Antidepressiva. Sie sorgen dafür, dass die Transmitterstoffe (Botenstoffe) entweder länger im Spalt zwischen den Zellen verbleiben oder aber, sie können den vorschnellen Abbau, bzw. die Wiederaufnahme der Transmitter in die Zelle verhindern. Die Namen der Transmitter, die bei der Behandlung einer Depression eine vordergründige Rolle spielen, lauten Serotonin und Noradrenalin (und eingeschränkt Dopamin).

Die Antidepressiva, welche heutzutage zum Einsatz kommen, kann man in folgende Gruppen unterteilen:

  • pflanzliche Präparate (Johanniskraut)
  • Tri- und tetrazyklische Antidepressiva
  • SSRI (Selektive Serotonin Wiederaufnahme (Reuptake) Inhibitoren)
  • SNRI (Selektive Noradrenalin Wiederaufnahme Inhibitoren)
  • SSNRI (Selektive Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme Inhibitoren)
  • MAO - Hemmer (MAO steht hier für Monoaminooxidase, ein Enzym, welches Transmitter abbaut)

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SSRIs

SSRIs sind in der heutigen Zeit die Mittel der ersten Wahl zur Behandlung einer Depression. Sie haben somit die trizyklischen Antidepressiva abgelöst. Die Abkürzung SSRI ist englisch und bedeutet so viel wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Im Gegensatz zu den trizyklischen Antidepressiva die unselektiv zur Aufnahmehemmung verschiedener Neurotransmitter führen, erreichen die SSRIs die gezielte Wiederaufnahmehemmung eines Botenstoffes: dem Serotonin. Neben der Behandlung von Depressionen werden SSRIs auch bei Angststörungen und Zwangsstörungen eingesetzt. Typische Vertreter dieser Gruppe sind Sertralin, Citalopram und Fluoxetin.
Bei Patienten die erstmalig an einer Depression erkrankt sind, kommen am häufigsten Citalopram oder Sertralin als Monotherapie (Einzeltherapie, also nur ein Medikament wird eingenommen) zum Einsatz. SSRIs haben weniger Nebenwirkungen als die trizyklischen Antidepressiva. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt, es kann zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen. Auch sexuelle Funktionsstörungen kommen vor. Gerade zu Beginn kann es durch die (meist erwünschte) antriebssteigernde Wirkung zu Erregungszuständen, Unruhe und Schlaflosigkeit kommen. Werden zusätzlich zu SSRIs Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac) oder Blutverdünner (Aspirin, Falithrom u.a.) eingenommen, ist das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt erhöht, sodass hier die zusätzliche Einnahme von Magenschutztabletten überdacht werden sollte. Auch das Ausweichen auf eine andere antidepressive Substanz kann hier in Erwägung gezogen werden.

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Trizyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva zählen zu den ältesten Medikamenten zur Behandlung von Depressionen. Sie heißen trizyklisch weil sie in ihrer chemischen Verbindung drei Ringgerüste aufweisen. Trizyklische Antidepressive wirken, indem sie die Wiederaufnahme verschiedener Neurotransmitter hemmen. Hierzu zählen Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Bei einer Depression scheint ein Mangel an diesen Botenstoffen zu bestehen, der durch die Wiederaufnahmehemmung durch die trizyklischen Antidepressiva ausgeglichen werden soll. Sie wirken stimmungsaufhellend und oftmals antriebssteigernd. Es gibt jedoch auch einige Vertreter der Gruppe die eher antriebshemmend wirken. In der heutigen Zeit zählen die trizyklischen Antidepressiva nicht mehr zu den Mitteln der ersten Wahl zur Behandlung einer depressiven Erkrankung. Dies hat unter anderem mit ihrem Nebenwirkungsprofil zu tun. Typisch sind sogenannte anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfungen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Auch eine Gewichtszunahme kommt relativ häufig vor und ist für die Patienten zum Teil sehr belastend. Wird eine Überdosis eingenommen so kann dies zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Zur Gruppe der trizyklischen Antidepressive zählen unter anderem Amitriptylin, Opipramol und Doxepin.

Nebenwirkungen der Antidepressiva

Ein Wort vorweg: Die unten aufgeführten Nebenwirkungen sind real existentes gibt sie und es ist auch nicht selten, dass ein Teil des typischen Nebenwirkungsprofils vor dem eigentlichen therapeutischen Effekt eintreten kann. Trotzdem sind insbesondere die neueren Antidepressiva nebenwirkungsarm. Die Belastungen uns Qualen einer Depression stehen in der Regel in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen einer antidepressiven Therapie.

Bei der Vielzahl der oben erwähnten Wirkmechanismen, kann man nicht “ein” typisches Nebenwirkungsprofil für Antidepressiva erstellen. Man kann jedoch die sogenannten hauptsächlichen Nebenwirkungen bei einer medikamentösen Therapie der Depression aufzeigen. Diese treten in der Regel zu Beginn einer Behandlung auf. “Beginn” versteht sich hier als einen Zeitraum zwischen einer und vier Wochen.

  • Müdigkeit und Schwindel - wenn dieses Symptom als deutliche Einschränkung wahrgenommen wird, könnte mit dem verordnendem Arzt (und auch nur mit dem!) über ein Verschiebung der Einnahme auf den Abend gesprochen werden, hier könnte es zu einer Verbesserung der Wachheit über Tag und zu einem tieferen Nachtschlaf kommen.
  • Gewichtszunahme - dies ist ein zum einen sehr häufig beklagtes, aber auch nicht minder häufig gefürchtetes Problem. Zunächst ein Richtigstellung: Die Tabletten als solche machen nicht dick.
    Sie können bei einer nicht unerheblichen Zahl von Patienten zu einer Steigerung des Appetits führen, welcher letztendlich zu einer Gewichtszunahme führen kann. Es ist somit schon zu Beginn einer Behandlung darauf zu achten, daß man sich selbst kritisch beobachtet und ggf. eine Ernährungsberatung aufsucht.
  • Sexuelle Funktionsstörungen - Es kann im Rahmen der Behandlung nicht nur zu einem Libidoverlust, sondern beim Mann auch zu Erektions- bzw. Ejakulationsstörungen führen. Wie bereits unter dem Kapitel Depression erwähnt kann die Abgrenzung zwischen der Depression und einer möglichen Nebenwirkung sehr schwierig sein.
  • Sehstörungen im Sinne des “Scharfstellens” (Akkomodationsstörungen)
  • Mundtrockenheit durch geringere Produktion an Speichel
  • Blasenentleerungsstörungen und Verstopfung
  • in sehr seltenen Fällen kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen
  • lageabhängiger Blutdruckabfall (Orthostase). Hierbei kommt es vor allen Dingen beim Aufstehen zu einem kurzzeitigem “Versacken” des Blutes in den Beinen, welches zu Schwindel führen kann, welcher wiederum zu Stürzen führen kann.
  • Überleitungsstörungen am Herzen (Herzrhythmusstörung). Diese Nebenwirkung trifft vor allem auf die “alten”, trizyklischen Medikamente zu. Bei bekannten Vorerkrankungen des Herzens sollte hier Vorsicht geboten sein.
  • Unruhezustände. Insbesondere die Serotonin-, bzw. Noradrenalin/Serotonin- Wiederaufnahmehemmer können zu massiven Unruhezuständen führen, welche besonders in der Nacht zu Schlafstörungen führen kann.

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Lithium

Lithium ist zunächst ein chemisches Element das im Periodensystem der Elemente zu finden ist. Einige Lithiumsalze werden als Medikamente eingesetzt. Das als Lithium bezeichnete Medikament ist also eigentlich ein Lithiumsalz. Lithium wird als Medikament in der Psychiatrie bereits seit etwa 70 Jahren eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der stimmungsstabilisierenden Medikamente, auch als mood stabilizer bezeichnet. Bei der Behandlung mit Lithium gibt es nur eine relativ geringe therapeutische Breite. Das bedeutet, dass die Dosis die wirksam aber nicht giftig ist nur wenig niedriger ist als die Dosis, die giftig wirkt. Daher muss bei einer Lithiumtherapie regelmäßig der Lithiumspiegel im Blut kontrolliert werden um Unter- oder Überdosierungen zu vermeiden. Lithium spielt insbesondere bei der Behandlung der bipolaren Erkrankung, auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet, eine große Rolle. Doch auch bei eine reinen Depression kann es zum Einsatz kommen. In erster Linie werden zur Behandlung einer reinen (unipolaren) Depression Antidepressiva eingesetzt. Ist die Depression hierunter therapieresistent, verschwinden die Symptome also nicht, kann Lithium zum Einsatz kommen. Man spricht dann von einer sogenannten Augmentationstherapie. Das bedeutet, dass man ein Antidepressivum und Lithium miteinander kombiniert (Augmentation). Oftmals führt dies zu einer deutlichen Wirkverbesserung. Lithium ist bei einer Depression also eher ein Reservemittel, hat als solches aber relativ viel Potential.

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Nicht-medikamentöse Therapie

Kann man eine Depression auch ohne Medikamente behandeln?

Das Krankheitsbild der Depression lässt sich in leichte, mittelschwere und schwere Episoden untergliedern. Eine leichte depressive Episode bedarf in der Regel keiner medikamentösen Therapie, hier sind stützende Gespräche und gegebenenfalls weitere Verfahren wie beispielsweise die Lichttherapie ausreichend. Eine leichte depressive Episode kann in bestimmten Fällen auch ohne große Hilfe von außen wieder verschwinden. Sie sollte jedoch trotzdem Ernst genommen werden. Mittelschwere und schwere Depressionen sollten in der Regel immer auch medikamentös behandelt werden. Zusätzlich sollte eine Psychotherapie erfolgen. Gerade bei den mittelschweren und schweren Depressionen wird eine Therapie mit sogenannten Antidepressiva dringend empfohlen, die medikamentöse Therapie ist bei dem Krankheitsbild der Depression nach aktuellem Kenntnisstand die Behandlung der ersten Wahl.

Kognitive Verhaltenstherapie

In den letzten Jahren gewann die Psychotherapie in der Behandlung der Depression zunehmend an Bedeutung. Im Besonderen die so genannte ”Kognitive Verhaltenstherapie” bietet in diesem Zusammenhang eine hohe Wahrscheinlichkeit auf längerfristige Besserung.

Kognitive Verhaltenstherapie, ist die Therapie, die sowohl mit den Gedanken und dem Verhalten des Depressiven arbeitet. Hierbei wird einerseits der Patient motiviert wieder aktiver am Leben teilzunehmen, so werden beispielsweise detaillierte Tagespläne erarbeitet in denen darauf geachtet wird, dass der Patient neben seinen Pflichten auch angenehme Aktivitäten in ausreichendem Maß einplant.

Beispiel: Kognitive Verhaltenstherapie

Frau S., 24 Jahre ist seit der Trennung von ihrem Freund schon seit vielen Wochen traurig und antriebslos. Nach der Arbeit geht sie nicht mehr zum Sport, oder trifft sich wie früher mit ihren Freundinnen, sondern liegt nur auf dem Sofa und schaut fern. Alles andere ist ihr zu viel. Mit Hilfe des Therapeuten wird sie ermutigt, Freundinnen anzurufen und gelegentliche Treffen zu vereinbaren. Als sie bemerkt, dass hierdurch ihre Stimmung sich schrittweise verbessert, sucht sie auch ihren Sportverein wieder auf. Erneut erlebt hierdurch weitere Erfolge und wird somit in ihrem Handeln verstärkt.


Dabei wird die eingeschränkte Belastbarkeit der Patienten berücksichtigt und der Patient wird motiviert auch Aktivitäten, an denen er früher schon einmal Freude hatte, wieder auf zu nehmen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Steigerung der Aktivität bei vielen leichtgradig an Depression Erkrankten schon zu einer deutlichen Verbesserung der Stimmungslage führt.

Die Depression (neben vielen anderen Störungen auch) ist in der Regel gekennzeichnet durch ein massiv verzerrtes “Negativdenken.

Beispiel: Eingeschränkte Belastbarkeit

Frau M., 48 Jahre und Hausfrau. Während sie früher mit Leichtigkeit ihren Haushalt hat organisieren können, fällt es ihr doch in letzter Zeit zunehmend schwerer. Sie macht sich deshalb große Vorwürfe und fühlt sich wertlos. So denkt sie: “Ich schaffe nichts! Mein Mann wird sich eine bessere Frau suchen! Ich bin zu nichts zu gebrauchen und die Nachbarn werden mich verachten, wenn sie sehen, wie meine Wohnung aussieht. Sie hat keine Hoffnung, dass sich dies einmal bessern wird. Sie grübelt sehr viel und oft und sieht sich bereits in naher Zukunft vereinsamt in einer vermüllten Wohnung leben.

Dieses “Negativdenken”, dass auf tief greifenden Überzeugungen beruht, wird in der Therapie mit dem Therapeuten hinterfragt und seinen Realitätsgehalt überprüft. So kann es dem Patienten gelingen, eine realistischere und damit weniger negative Sichtweise auf sich und seine Situation und seine Zukunft zu entwickeln.

Wenn der Patient die Depression überwunden hat, muss es Teil der Therapie sein, dem Patienten Verhaltensregeln mitzugeben, die es ihm möglich machen, bei evtl. Rückkehr der Depression oder bei schwierigen Lebenssituationen, frühzeitig und eigenverantwortlich zu handeln.

Tiefenpsychologische Psychotherapie (Psychodynamische PT)

Die Grundidee bei der tiefenpsychologisch - psychoanalytische Psychotherapie besteht vor allem in der Aufklärung und Bearbeitung von Konflikten. Diese Konflikte erklären sich in der Theorie durch eine frühe Entstehung einer auf sich selbst gerichteten (narzistischen) Bedürftigkeit. Diese in der Kindheit entstandenen Konflikte sind dem erwachsenen Depressiven häufig nicht klar. Seitens des Therapeuten wird nun versucht diese Konflikte zu bearbeiten und den Patienten ggf. seinen Zorn oder seine Aggressionen erleben zu lassen. Hierbei ist vor allem aber der Schweregrad der Depression entscheidend. Bei schweren Episoden sollte die Therapie eher einen stützenden als einen aufdeckenden Charakter haben.

Ergänzende Therapiemethoden

Schlafentzug

Unter dem Schlafentzug versteht man nicht etwa eine Foltermethode, sondern vielmehr das gewollte Wachbleiben eine ganze Nacht hindurch. Bei über der Hälfte der untersuchten Patienten war schon einen Tag nach der ersten Schlafentzugstherapie eine deutliche Stimmungsaufhellung zu verzeichnen. Aber Achtung: bereits am darauffolgenden Tag kann es zu einem depressiven Rückfall kommen, insbesondere wenn der Patient seinem Schlafbedürfnis tagsüber nachkommt. Eine Schlafentzugstherapie sollte somit nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die besten Voraussetzungen bietet hierbei natürlich die stationäre Therapie im Krankenhaus.

Lichttherapie bei einer Depression

Bei diesem Therapieverfahren, welches ergänzend zu anderen eingesetzt wird, kommt die Erkenntnis zum Einsatz, daß eine etwa halbstündige Sitzung vor einer Lichtquelle mit mindestens 10.000 Lux dem Depressiven deutliche Besserung verschaffen kann. Die tatsächliche Wirksamkeit ist meiner Kenntnis nach noch nicht signifikant belegt. Als mögliche Nebenwirkungen sind Schlafstörungen beschrieben.

Die Lichttherapie zählt zu den nicht-medikamentösen Therapien, die bei Depressionen erfolgreich zum Einsatz kommen. Gerade bei Patienten, die vornehmlich in den dunkleren Wintermonaten zur Entwicklung von Depressionen neigen kann die Lichttherapie sehr hilfreich sein. Man spricht hierbei von einer saisonalen Depression.
Doch auch bei depressiven Patienten deren Erkrankung unabhängig von der Jahreszeit ist, zeigt die Lichttherapie Erfolge. Die Lichttherapie sollte kurz nach dem Erwachen angewandt werden und dauert in der Regel etwa eine halbe Stunde. Die empfohlene Dauer hängt von der Lichtstärke der Lampe ab. Empfohlen werden Lichtstärken zwischen 2500 und 10.000 Lux. Zum Vergleich: Eine normale Lampe zur Innenbeleuchtung hat nur etwa 300 bis 500 Lux. Der Betroffene setzt sich hierbei in etwas Abstand vor eine Lampe, die Tageslicht imitiert.
Der Wirkmechanismus der Lichttherapie ist noch nicht abschließend erforscht. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Lichtexposition dazu führt, dass der körpereigene Botenstoff Melatonin verringert wird. Melatonin ist ein schlafanstoßendes Hormon und wird vermehrt bei Dunkelheit produziert. Ein Überschuss an Melatonin im Körper kann die Entstehung einer Depression fördern. Auch soll durch die Lichtexposition die Konzentration des Neurotransmitters Serotonin im Körper ansteigen. Dies ist insofern wichtig, als dass bei Depressionen ein Serotoninmangel vorliegt. Die Lichttherapie ist nebenwirkungsarm. Es gibt jedoch einige Patientengruppen, die Vorsicht walten lassen sollten. Bestimmte Hauterkrankungen wie beispielsweise der Lupus erythematodes können durch Licht verstärkt werden. Auch Patienten mit Vorerkrankungen am Auge tun gut daran, sich vor Beginn einer Lichttherapie mit ihrem Augenarzt zu verständigen. Gelegentlich kann es im Rahmen der Lichttherapie zu Kopfschmerzen sowie trockenen Augen kommen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Lichttherapie bei einer Depression

EKT (Elektrokonvulsionstherapie)

Wer kennt nicht die Bilder von Jack Nicholson im “Kuckucksnest” als er seine “Elektroschocks” bekommt? Die meisten Patienten sind hierdurch und durch viel Hörensagen und noch mehr dubiose Informationsquellen im Internet vollkommen zu Recht verunsichert.

Hier nun die Wahrheit, wie sie in diesem unseren Lande praktiziert wird.

Zunächst wird der zumeist schwer Kranke Patient durch einen Anästhesisten in den Zustand einer Kurznarkose mit Muskelentspannung versetzt. Anschließend wird durch einen Arzt mit Hilfe eines EKT-Gerätes durch Strom künstlich ein epileptischer Anfall provoziert. Dieses Verfahren ist durch die Kurznarkose für den Patienten stress- und schmerzfrei. Leider hat diese Methode (heutzutage zu Unrecht) einen sehr schlechten Ruf. Zu deutlich sind Bilder in den Köpfen verhaftet aus der Zeit als diese Methode noch fast wahllos oder als Bestrafung und ohne Narkose eingesetzt wurde. Ganz entgegen der landläufigen Meinung entstehen durch diese Methode keine dauerhaften Schäden. Tatsächlich ist diese Methode als eine der sichersten und nebenwirkungsärmsten zu bezeichnen.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind: Unkonzentriertheit am Tage der Therapie, mögliche Verwirrtheit nach dem Erwachen aus der Narkose, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Heutzutage setzt man die EKT in der Regel (in Deutschland) bei Patienten mit einer schweren Depression mit psychotischen Symptomen oder mit einer sog. katatonen Schizophrenie (siehe hierzu Kapitel Schizophrenie) ein, die unter einer medikamentösen Therapie keine ausreichende Besserung erfahren. Hierdurch kann man nahezu 60% der Patienten Besserung verschaffen. Die Therapie wird in 8-12 Sitzungen durchgeführt und muss ggf. nach einigen Monaten wiederholt werden, denn, und das soll hier nicht verschwiegen werden, die Rückfallquote nach etwa 6 Monaten ist als hoch zu bezeichnen.

Bei einigen wenigen Patienten ist der Zeitraum bis zum Rückfall sehr viel geringer, so daß man ggf. den Weg der Erhaltungs-EKT einschlagen muss. Hier werden in definierten Abständen (1-4 Wochen) EKT-Sitzungen durchgeführt.

Hypnosetherapie bei einer Depression

Zu den nicht-medikamentösen Therapieverfahren zählen bei der Behandlung der Depression neben der Psychotherapie die Lichttherapie, die Schlafentzugstherapie oder Wachtherapie und die Elektrokrampftherapie. Die Hypnotherapie findet in den Leitlinien zur Behandlung der unipolaren Depression bisher keine Erwähnung.

Meditation bei einer Depression

Auch die Meditation fand bisher keinen Einzug in die Leitlinien zur Behandlung von Depressionen. Einzelne Menschen berichten, dass ihnen die Meditation dabei geholfen habe, ihre Depressionen zu überwinden. Ohne wissenschaftliche Studien kann jedoch die Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen werden. Generell gilt, dass jeder Betroffene selbst entscheiden sollte, was ihm gut tut. Wichtig ist jedoch, dass bei mittelschweren und schweren Depressionen eine Basistherapie, meist bestehend aus Psychotherapie und medikamentöser Therapie, eingeleitet wird. Weitere Behandlungsformen wie die Hypnotherapie oder die Meditation können ausprobiert werden.

Homöopathie bei einer Depression

In der Homöopathie gibt es zahlreiche Globuli denen eine positive Wirkung bei der Behandlung von Symptomen, die im Rahmen einer Depression auftreten können nachgesagt wird. Je nachdem, welche Symptome im Vordergrund stehen, kommen hier beispielsweise Nux vomica (Brechnuss), Ambra (Amber), Acidum phosphoricum (Phosphorsäure), Pulsatilla pratensis (Wiesenkuhschelle), Lycopodium (Keulen-Bärlapp), Cimicifuga (Traubensilberkerze) und Ignatia amara zum Einsatz.  
Die größte Popularität zur homöopahtischen Behandlung von depressiven Episoden hat jedoch wohl das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Die Wirkung von Johanniskraut soll dem Placebo überlegen sein, wobei bis heute nicht ganz klar ist, über welchen Wirkmechanismus das Johanniskraut seine Wirkung entfaltet. Die Wirksamkeit von Johanniskraut beschränkt sich auf leichte, zum Teil wohl auch mittelschwere depressive Episoden. Der Einsatz bei schweren depressiven Episoden ist nicht ausreichend. Johanniskraut ist frei in Apotheke und Drogerie verkäuflich, hat jedoch Nebenwirkungen, die nicht unterschätzt werden sollten: Kopfschmerzen, Unruhe, vermehrte Lichtempfindlichkeit.
Außerdem kann Johanniskraut zur Abschwächung bestimmter Medikamentenspiegel im Blut führen. So kann der Wirkspiegel der „Pille“ bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut abgeschwächt werden, es wurden Schwangerschaften unter einer Kombinationstherapie aus „Pille“ und Johanniskraut beschrieben. Auch andere Medikamente wie Immunsuppressiva und Blutverdünner können durch Johanniskraut in ihrer Wirkung abgeschwächt werden, es ist also wichtig, den behandelnden Arzt über die Einnahme zu informieren.

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Johanniskraut

Johanniskraut ist eine etwa 60 cm hohe Pflanze mit goldgelben Blüten. Sie wächst natürlicherweise in Europa, Westasien und Nordafrika und wird landwirtschaftlich, zum Beispiel in Deutschland, angebaut. Johanniskraut findet in der Medizin Anwendung als Heilpflanze und Antidepressiva. Ihr Wirkstoff Hypericum, welcher in Blütenblättern und Knospen des Gewächses vorhanden ist, wird bei leichten bis mittelschweren depressiven Phasen, als auch bei innerer Unruhe in Form von Tabletten verabreicht. Während einer Depression wirken weniger chemische Verbindungen, sogenannte Neurotransmitter, im Gehirn Die Folge ist eine sinkende Stimmung und der traurige Charakter der die Krankheit ausmacht. Johanniskraut bewirkt im Gehirn, dass die Neurotransmitter länger wirken und damit die Stimmung stabiler und gegebenenfalls besser wird.
Die Heilpflanze besitzt kaum direkte Nebenwirkungen auf den menschlichen Körper und gilt als allgemein sehr gut verträglich. Nur selten wird von Magen-Darm-Beschwerden, Unruhe oder einer allergischen Reaktion auf Johanneskraut berichtet. Der sehr selten entstehenden Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) kann mit Vermeidung übermäßiger Sonneneinstrahlung entgegengewirkt werden.
Johanniskraut hemmt in der Leber Enzyme (Isoenzym CYP3A4). Diese sind für den Abbau und die Aktivierung mancher Medikamente verantwortlich. Wenn der Patient solche Medikamente einnimmt, sinkt als Folge daraus ihre Wirkstärke. Dies kann bei wichtigen Arzneimitteln zu einem Problem werden. So sollte Johanniskraut nicht mit folgenden Medikamenten kombiniert werden:

Nach Absetzen der Behandlung mit Johanneskraut, kann es zu einem Anstieg der Wirkung verschiedener Medikamente kommen, was unbedingt durch den behandelnden Arzt zu beobachten ist. Es wurde lange Zeit darüber diskutiert, ob die Heilpflanze Johanneskraut überhaupt eine wissenschaftlich belegbare Wirkung gegen eine Depression hat. Im Gebiet der leichten bis mittelschweren Depression sind sich die Experten mittlerweile einig, dass dies so ist. Bei einer schweren Depression konnte jedoch bislang noch keine tatsächliche Wirkung der Pflanze auf den Krankheitsverlauf bewiesen werden. Weiterer Unklarheiten bestehen bei den Themen Dosierung und individuelle Wirkung der erhältlichen Arzneimittel bei Patienten. Außerdem muss Schwangeren von der Einnahme abgeraten werden.

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Ablauf einer Therapie bei Depressionen

Eine Despression kann sich im Laufe mehrerer Wochen, Monate oder auch relativ plötzlich entwickeln. Auslöser dabei sind oftmals Ereignisse die den Patienten traumatisieren, wie zum Beispiel die Trennung vom Partner, den Verlust des Arbeitsplatzes oder den Tod einer nahestehenden Person. Dabei spielt die Persönlichkeitsstruktur des Patienten eine große Rolle. So befassen sich Frauen oftmals mehr mit ihren Gefühlen als Männer und begeben sich daraufhin häufiger in psychologische oder psychiatrische Behandlung aufgrund ihrer Depressionen.

Die Stimmung während einer Depression verläuft in Form einer Welle oder eines Intervalls. Nach Krankheitsbeginn steigern sich langsam die Symptome der Depression, woraufhin der Patient mit einer sich rasch verschlechternden Stimmung reagiert. Am Tiefpunkt des Intervalls treten nicht selten Suizidgedanken auf. Bei Auftreten solcher Gedanken sollte umgehend eine Bezugsperson oder ärztliches Personal kontaktiert werden.

Durch erfolgreiche Therapie und Unterstützung der Patienten, können die Symptome der Depression gelindert und ausgestanden werden. Außerdem verbessert sich während der Genesung die Stimmung, bis sie meist auf ihren ursprünglichen Stand zurückkehrt. Für einige Depressions-Patienten ist dies jedoch nicht das Ende der Krankheit. Etwa die Hälfte aller Erkrankten entwickelt nach ca. 4 Jahren erneut eine Depression. Im Durchschnitt durchlaufen Patienten in ihrem Leben 4 depressive Intervalle. Die Chance erneut zu erkranken steigt dabei mit jedem Intervall.

Dauer einer Therapie bei einer Depression

Bei der Behandlung einer Depression spielt die medikamentöse Therapie eine wichtige Rolle. Sie ist bei mittelschweren und schweren Depressionen das Mittel der Wahl, es wird jedoch die Kombination mit einer begleitenden psychologischen Betreuung empfohlen. Wie lange eine medikamentöse Therapie notwendig ist, hängt unter anderem davon ab, ob es sich um die erste depressive Episode handelt oder ob es schon mehrfach zum Wiederauftreten depressiver Episoden gekommen ist, man spricht dann von sogenannten Rezidiven.
Allgemein unterteilt man die medikamentöse Therapie der Depression in eine Phase der Akuttherapie, eine Phase der Erhaltungstherapie und eine Phase der Rezidivprophylaxe.
Die Akuttherapie dauert in der Regel 6-12 Wochen an.
In der darauffolgenden Erhaltungsphase wird das Medikament, das auch in der Akutphase wirksam angewendet wurde, in derselben Dosierung weiter verabreicht. Die medikamentöse Therapie in der Erhaltungsphase sollte über 6-9 Monate, manchmal auch 12 Monate fortgeführt werden. Im Anschluss wird in den meisten Fällen versucht, das Medikament langsam auszuschleichen. Das bedeutet, dass die Dosis langsam immer weiter reduziert wird bis das Medikament ganz abgesetzt werden kann. Treten während dieser Phase wieder depressive Symptome auf, sollte in Erwägung gezogen werden, die medikamentöse Therapie der Erhaltungsphase über weitere Monate fortzuführen.
Bei Patienten, die bereits mehrere Rezidive erlitten haben, bei denen die Depression also nach Verschwinden der Symptome nach einiger Zeit wieder aufgetreten ist, kann eine Rezidivprophylaxe sinnvoll sein, diese schließt sich an die Erhaltungsphase an. Sie soll verhindern, dass die Symptome nach einiger Zeit wiederkehren. Die Dauer der Phase der Rezidivprophylaxe hängt sehr von der Vorgeschichte des Patienten ab, sie dauert in der Regel mindestens ein Jahr, kann jedoch auch über mehrere Jahre oder gar lebenslang notwendig sein. In dieser Zeit sollte weiterhin das Medikament gegeben werden, das in der Akut- und Erhaltungsphase wirksam war.
Je nachdem ob es sich um das erstmalige Auftreten einer Depression handelt oder diese schon mehrfach wiedergekehrt ist, erstreckt sich die Therapiedauer bei einer Depression also von minimal 7-8 Monaten bis hin zu einer lebenslangen Therapie.

Eine unbehandelte einphasige Depression kann über ein halbes Jahr bestehen. Bei Ansetzen einer Therapie sind die Aussichten deutlich besser. Hierbei dauern depressive Phasen im Schnitt 3-4 Monate und weisen eine geringere Rückfallrate auf. Die Therapie erstreckt sich meist über die Dauer der Depression hinaus. Somit wird die Gefahr vermindert, wieder zu erkranken.
Nur 25% der Patienten sind nach einmaliger Behandlung geheilt, die Restlichen müssen erneut gegen ihre Depression ankämpfen. Im Laufe des Lebens müssen an Depression erkrankte Menschen im Durchschnitt 4 Intervalle mit Verschlechterung, Tiefpunkt und Aufbau ihrer Stimmung durchstehen. Die Gefahr erneut eine depressive Phase zu erleben beträgt 70%. Somit kann eine einmal ausgeprägte Depression über Jahre, in schweren Fällen über Jahrzehnte hinweg dauern.
Bei intervallartigem Verlauf der Depression sind die stimmungsstabilen Episoden unterschiedlich lang. Sie werden im Allgemeinen jedoch mit jeder depressiven Phase kürzer und erreichen vielfach nicht mehr das vom Patienten gewohnte Stimmungsniveau. Die Dauer depressiver Phasen und die Gefahr einer Chronifizierung werden im Alter höher.

Kosten einer Therapie bei Depressionen

Depressionen verursachen in Deutschland im Jahr Kosten von ungefähr 22 Millionen Euro. Diese Summen werden fast ausschließlich von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen getragen. Wie hoch die entstehenden Kosten sind, hängt dabei vom Geschlecht und vom Schweregrad der Depression ab; im Mittel betragen diese rund 3800 Euro pro Patient pro Jahr.

Kosten für den Betroffenen entstehen selten, jedoch wird der Behandlungsbedarf vor Beginn der Therapie eingehend überprüft. Dafür finden im Voraus 3-5 Vorgespräche mit einem Psychotherapeuten oder niedergelassenen Psychiater statt, bei denen festgestellt werden soll, ob eine psychische Störung vorliegt. Tritt dieser Fall ein und das Fachpersonal bestätigt beispielsweise das Bestehen einer Depression, kann mit einer Therapie aus der Liste der festgelegten Richtlinienverfahren begonnen werden. Die festgelegten Verfahren umfassen die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Zunächst wird normalerweise ein Behandlungsabschnitt von 30-50 Stunden von den Krankenkassen bewilligt. Bei Bedarf und Antrag auf Verlängerung durch den Psychotherapeuten kann die Stundenzahl weiter aufgestockt werden.

Kann man eine Depression auch ohne Arzt / Psychiater behandeln?

Wie bereits oben beschrieben ist insbesondere die leichte depressive Episode eine Form der Depression, die unter Umständen auch ohne ärztliche / psychiatrische Hilfe behandelt werden kann. Zwar wird auch hier der Psychotherapie ein positiver Effekt nachgesagt, doch je nachdem wie der Betroffene selbst eingestellt ist und wie sehr ihn sein soziales Umfeld unterstützt, kann eine solche leichte depressive Episode auch ohne ärztliche Unterstützung wieder abklingen.
Es ist jedoch zu empfehlen, bei depressiven Verstimmungen die über mehrere Tage oder Wochen andauern den behandelnden Arzt aufzusuchen, da die Gefahr besteht, dass sich hieraus eine höhergradige depressive Episode entwickelt die gefährlich werden kann und in den meisten Fällen einer medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie bedarf. Generell gilt, dass bei Auftreten von Selbstmordgedanken unbedingt sehr zeitnah ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Wann sollte man stationär, wann ambulant behandeln?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Gerade bei psychischen Erkrankungen variieren die Symptome, der Ausprägungsgrad und der Leidensdruck des Patienten von Betroffenem zu Betroffenem derart stark, dass eine eindeutige Antwort nicht möglich ist. Generell gilt, dass schwere depressive Episoden in einem Großteil der Fälle stationär behandelt werden sollten. Zum einen, weil der Betroffene mit einer schweren Depression oftmals gut daran tut, für einige Zeit aus dem eigenen Umfeld herauszukommen, täglichen therapeutischen Kontakt zu haben und mit Leidensgenossen in Kontakt zu kommen, zum anderen weil die medikamentöse Einstellung im stationären Setting etwas einfacher ist. Außerdem kommt hinzu, dass Patienten, die an einer schweren depressiven Episode leiden, nicht selten Selbstmordgedanken haben. Diese werden oftmals nicht aktiv angesprochen, sondern erst auf Nachfrage offenbart. Oftmals auch deshalb, weil Selbstmord in der heutigen Gesellschaft noch immer als eine Art Tabuthema angesehen wird. Eine stationäre Aufnahme kann in solchen Fällen für den Betroffenen eine deutliche Entlastung sein.
Leicht depressive Episoden bedürfen in den meisten Fällen keiner stationären Behandlung. Mittelschwere depressive Episoden können – je nach Ausprägung und Symptomen – auch ambulant behandelt werden. Eine ambulante Behandlung kann beispielsweise auch in Form einer tagesklinischen Behandlung erfolgen. Hierbei kommt der Patient unter der Woche jeden Tag von morgens bis nachmittags in die Einrichtung und wird hier beispielsweise mit Einzelgesprächen, Gruppentherapien oder Ergotherapie betreut, den Abend und die Nacht verbringt er dann zu Hause.

Osteopathie

Die Osteopathie ist kein anerkanntes Behandlungskonzept zur Therapie von Depressionen. Auch die Studienlage zur Wirksamkeit ist sehr dünn. Osteopathen müssen außerdem keine Mediziner sein. Insofern ist nach aktuellem Stand die Osteopathie zur Behandlung der Depression kein sinnvolles Konzept. Sie sollte daher höchstens ergänzend zur medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie angewandt werden.

Prognose

In der Regel dauern Episoden oder Phasen der Depression ohne therapeutische Hilfe ca. 7 Monate. Therapeutische Hilfe kann diesen Zeitrahmen auf ca. 2 Monate (für die Hälfte der Patienten) reduzieren. Nach ca.4 Monaten geht es in der Regel etwa 80% der Patienten deutlich besser.

Bei 10% der Erkrankten kann es zu einem schlechten, dauerhaften (chronischen) Verlauf kommen.

Das Risiko einen schlechteren Verlauf in der Krankheit zu erleben, erhöht sich, wenn das Alter der ersten Erkrankung deutlich vor dem 35 Lebensjahr liegt. Auch ist es ungünstig, wenn in der Familie ein "Hang" zur Depression besteht (Genetische Disposition). Auch dauerhafte soziale oder berufliche Belastung oder Störungen in der Konfliktbearbeitung können für einen ungünstigen Verlauf, bzw. zu einem erhöhten Rückfallrisiko führen.

Diagnose

Die Diagnose wird gestellt durch in der Depression erfahrene Therapeuten. Hierbei handelt es sich natürlich um Psychiater aber auch psychotherapeutisch erfahrene Psychologen. Selbstverständlich gibt es auch eine Vielzahl von Hausärzten, die in der Diagnosestellung sicher sind, doch ist im Zweifel der Fachmann zu Rate zu ziehen. Zur Stellung der Diagnose erfolgt als Wichtigstes das sog. diagnostische Gespräch. Weiterhin existieren eine Vielzahl von Fragebögen, mit denen im Besonderen der Schweregrad festgestellt werden kann.

Natürlich gibt es nicht nur die einfache depressive Erkrankung, sonder kann eine solche Störung auch mit körperlichen (somatischen) Erkrankungen zusammenhängen. Hier kann man im Besonderen denken an:

  • Tumorerkrankungen
  • Hirnerkrankungen
  • Störungen des Stoffwechsels
  • Atemwegserkrankungen
  • Hormonstörungen

Auch bei Medikamenten, welche zur Therapie von körperlichen Erkrankungen eingesetzt werden, können als Nebenwirkungen depressive Episoden auftreten. Es gibt verschiede Medikamente. Die wichtigste Gruppen von Medikamenten seien hier genannt:

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass man Medikamente niemals nur bei Vermutung einer Nebenwirkung ohne Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt absetzen sollte! Weisen sie ihren Arzt auf neu aufgetretene Beschwerden hin, doch behandeln sie sich nicht selbst!
Weitere Begleiterkrankungen - wie z.B. eine Manie - müssen bei der Wahl der Medikamente immer mitberücksichtigt werden.

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Symptome

Eine Depression kann sich auf vielerlei Arten ausdrücken und sich in der Schwere der Erkrankung unterscheiden.

Auch kann sich eine Depression bei Männern oder älteren Menschen bzw. Jugendlichen und Kindern andersartig gestalten. Vorherrschende Symptome sind die niedergedrückte Stimmung und eine allgemeine Kraftlosigkeit bzw. körperliche und seelische Erschöpfung ohne eine vorhergehende Anstrengung. Das Leben erscheint den Betroffenen sinnlos und sie sind nicht mehr in der Lage Freude zu empfinden oder Interesse für Dinge aufzubringen, die ihnen früher Spaß gemacht hätten. Zwischenmenschliche Beziehungen werden aufgegeben oder beeinträchtigt, da die betroffene Person oft nicht mehr in der Lage ist, Gefühle des Gegenübers nachzuvollziehen oder zu respektieren bei gleichzeitiger empfundener eigener Gefühlslosigkeit.

Schuld- und Schamgefühle spielen ebenfalls eine Rolle, da man sich selbst als wertlos und als Belastung für andere wahrnimmt. Auch werden lange zurückliegende kleine Verfehlungen zu einer Quelle endloser Vorhaltungen und Selbstvorwürfe. Der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit ist teilweise noch unvermindert vorhanden, bei gleichzeitiger Unfähigkeit, dieses einzufordern und der oft überrtiebenen Angst vor Verlassenwerden und Zurückweisung.

Auch können Störungen des normalen Denkens auftreten, dieses ist oft verlangsamt und eintönig. Man ist fixiert auf kleine Begebenheiten oder vergangene Ereignisse und nimmt neue Gedanken und Anregungen schlecht an. Zudem ist die Aufmerksamtkeit merklich verringert. Schlafstörungen, Appetitstörungen, ein unbestimmtes körperliches Unwohlsein (insbesondere Bauch- und Kopfschmerzen) und der Verlust sexuellen Verlangens sind ebenfalls häufig.

Erwähnenswert ist der Zusammenhang zwischen Depressionen und Schmerzen, da dies einer der häufigsten Gründe ist, dass eigentlich depressive Patienten ihren Arzt aufsuchen. Die Schmerzen maskieren in diesem Fall die Depression. Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Botenstoffen Serotonin und Dopamin, Depressionen und der Schmerzweiterleitung im Rückenmark. Beide Botenstoffe werden vom Gehirn ausgeschüttet, um die Schmerzweiterleitung im Rückenmark zu dämpfen. Dies spielte in der frühen menschlichen Entwicklung eine wichtige Rolle, da trotz Schmerzen oft ums nackte Überleben gekämpft werden musste, die Schmerzen also ein Warnsignal sein sollten, ohne aber gleichzeitig lähmend zu sein. Darüber hinaus spielen sie auch eine Rolle für die Stimmung und den Antrieb – bei Depressionen sind sie oft vermindert. Daher sollte bei unbestimmten Schmerzen auch immer an Depressionen gedacht werden und umgekehrt die Behandlung der Schmerzen bei der Therapie einer Depression nicht vergessen werden.

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Auch eine geschlechterabhängige unterschiedliche Ausprägung ist bei der Depression zu beobachten, so wurde der Anteil der männlichen Depressionskranken lange unterschätzt und Depression als eine “Frauenkrankheit” behandelt. Dies liegt zum einen daran, dass Frauen weitaus häufiger zum Arzt gehen als Männer (insbesondere bei psychologischen Problemen), die sich oftmals keine Schwäche geben wollen. Zum anderen sind die Symptome beim Mann auch unterschiedlich ausgesprägt und daher schwerer erkennbar, da sie nicht in das übliche Schema einer Depression passen. Männliche Patienten sind oft gereizt, fühlen sich unbehaglich und nicht wohl in ihrer Haut – dies ist jedoch nur eine andere Form der Selbstzweifel, negativen Gedanken und Schuld- und Schamgefühlen, mit denen sich die meisten Depressionskranken herumschlagen müssen. Ihre Fähigkeit, Stress auszuhalten ist vermindert, sie können beim kleinsten Anlass ausflippen und sind oft nicht in der Lage diese Attacken zu stoppen, auch wenn sie sie selbst als unpassend empfinden. Der Körper reagiert bei solchen Attacken mit – der Kopf wird rot, Schweiß bricht aus, das Herz rast, das Atmen fällt schwer und es kann zu Zittern und Schwindelgefühlen kommen. Allgemein kann es beim Mann häufiger vorkommen, dass sich Depressionen als körperliche Beschwerden äußern, bei denen keine zugrundeliegende Ursache feststellbar ist. Insbesondere Schmerzen, die ohne Grund auftreten und von denen kein genauer Urpsrungsort feststellbar ist, sollten zusätzlich im Hinblick auf die Diagnose Depression abgeklärt werden.

Bei Kindern sollte man vermehrt auf Verhalten achten, dass sich von dem der Altersgenossen unterscheidet, wie eine extrem ängstliche und negative Sicht auf die Zukunft oder die bewusste Abgrenzung und allgemeine Unlust zum Spielen mit Gleichaltrigen. Es können ähnliche Symptome wie bei Erwachsenenen vorkommen, insbesondere Schlafstörungen, eine allgemeine schlechte Stimmung, die Unfähigkeit, Gedanken oder Aufgaben zu Ende zu führen und Antriebslosigkeit. Auch kann sich eine gereizte Stimmung durch Wutanfälle und Aufsässigkeit den Eltern gegenüber bemerkbar machen. Aber auch eine vermehrte körperliche Unruhe, u.a. die Unfähigkeit still zu sitzen, oder körperliche Beschwerden wie unbestimmte Schmerzen und generelles Unwohlsein können auftreten.

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Qualitätssicherung durch: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 02.11.2017
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