Therapie Depression

Hinweis

Die Therapie kann medikamentös und über Psychotherapie erfolgen.

Bei diesem Thema handelt es sich um die Fortsetzung unserer Seite Depression.
Informationen zur Definition, Epidemiologie, Einteilung, und Symptome finden Sie unter: Depression.

Synonyme

Manie, Zyklothymie, Depressive Symptome, Antidepressiva, Antidepressivum, Depressionen, Wahn, bipolare Erkrankung, Schwermut

häufige Tippfehler: Depresionen, Depresion
Englisch: Depression

Diagnose

Die Diagnose wird gestellt durch in der Depression erfahrene Therapeuten. Hierbei handelt es sich natürlich um Psychiater aber auch psychotherapeutisch erfahrene Psychologen. Selbstverständlich gibt es auch eine Vielzahl von Hausärzten, die in der Diagnosestellung sicher sind, doch ist im Zweifel der Fachmann zu Rate zu ziehen. Zur Stellung der Diagnose erfolgt als Wichtigstes das sog. diagnostische Gespräch. Weiterhin existieren eine Vielzahl von Fragebögen, mit denen im Besonderen der Schweregrad festgestellt werden kann.

Natürlich gibt es nicht nur die einfache depressive Erkrankung, sonder kann eine solche Störung auch mit körperlichen (somatischen) Erkrankungen zusammenhängen. Hier kann man im Besonderen denken an:

  • Tumorerkrankungen
  • Hirnerkrankungen
  • Störungen des Stoffwechsels
  • Atemwegserkrankungen
  • Hormonstörungen

Auch bei Medikamenten, welche zur Therapie von körperlichen Erkrankungen eingesetzt werden, können als Nebenwirkungen depressive Episoden auftreten. Es gibt verschiede Medikamente. Die wichtigste Gruppen von Medikamenten seien hier genannt:

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass man Medikamente niemals nur bei Vermutung einer Nebenwirkung ohne Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt absetzen sollte! Weisen sie ihren Arzt auf neu aufgetretene Beschwerden hin, doch behandeln sie sich nicht selbst!
Weitere Begleiterkrankungen - wie z.B. eine Manie - müssen bei der Wahl der Medikamente immer mitberücksichtigt werden.


Symptome

Eine Depression kann sich auf vielerlei Arten ausdrücken und sich in der Schwere der Erkrankung unterscheiden.

Auch kann sich eine Depression bei Männern oder älteren Menschen bzw. Jugendlichen und Kindern andersartig gestalten. Vorherrschende Symptome sind die niedergedrückte Stimmung und eine allgemeine Kraftlosigkeit bzw. körperliche und seelische Erschöpfung ohne eine vorhergehende Anstrengung. Das Leben erscheint den Betroffenen sinnlos und sie sind nicht mehr in der Lage Freude zu empfinden oder Interesse für Dinge aufzubringen, die ihnen früher Spaß gemacht hätten. Zwischenmenschliche Beziehungen werden aufgegeben oder beeinträchtigt, da die betroffene Person oft nicht mehr in der Lage ist, Gefühle des Gegenübers nachzuvollziehen oder zu respektieren bei gleichzeitiger empfundener eigener Gefühlslosigkeit.

Schuld- und Schamgefühle spielen ebenfalls eine Rolle, da man sich selbst als wertlos und als Belastung für andere wahrnimmt. Auch werden lange zurückliegende kleine Verfehlungen zu einer Quelle endloser Vorhaltungen und Selbstvorwürfe. Der Wunsch nach Nähe und Geborgenheit ist teilweise noch unvermindert vorhanden, bei gleichzeitiger Unfähigkeit, dieses einzufordern und der oft überrtiebenen Angst vor Verlassenwerden und Zurückweisung.

Auch können Störungen des normalen Denkens auftreten, dieses ist oft verlangsamt und eintönig. Man ist fixiert auf kleine Begebenheiten oder vergangene Ereignisse und nimmt neue Gedanken und Anregungen schlecht an. Zudem ist die Aufmerksamtkeit merklich verringert. Schlafstörungen, Appetitstörungen, ein unbestimmtes körperliches Unwohlsein (insbesondere Bauch- und Kopfschmerzen) und der Verlust sexuellen Verlangens sind ebenfalls häufig.

Erwähnenswert ist der Zusammenhang zwischen Depressionen und Schmerzen, da dies einer der häufigsten Gründe ist, dass eigentlich depressive Patienten ihren Arzt aufsuchen. Die Schmerzen maskieren in diesem Fall die Depression. Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Botenstoffen Serotonin und Dopamin, Depressionen und der Schmerzweiterleitung im Rückenmark. Beide Botenstoffe werden vom Gehirn ausgeschüttet, um die Schmerzweiterleitung im Rückenmark zu dämpfen. Dies spielte in der frühen menschlichen Entwicklung eine wichtige Rolle, da trotz Schmerzen oft ums nackte Überleben gekämpft werden musste, die Schmerzen also ein Warnsignal sein sollten, ohne aber gleichzeitig lähmend zu sein. Darüber hinaus spielen sie auch eine Rolle für die Stimmung und den Antrieb – bei Depressionen sind sie oft vermindert. Daher sollte bei unbestimmten Schmerzen auch immer an Depressionen gedacht werden und umgekehrt die Behandlung der Schmerzen bei der Therapie einer Depression nicht vergessen werden.

Auch eine geschlechterabhängige unterschiedliche Ausprägung ist bei der Depression zu beobachten, so wurde der Anteil der männlichen Depressionskranken lange unterschätzt und Depression als eine “Frauenkrankheit” behandelt. Dies liegt zum einen daran, dass Frauen weitaus häufiger zum Arzt gehen als Männer (insbesondere bei psychologischen Problemen), die sich oftmals keine Schwäche geben wollen. Zum anderen sind die Symptome beim Mann auch unterschiedlich ausgesprägt und daher schwerer erkennbar, da sie nicht in das übliche Schema einer Depression passen. Männliche Patienten sind oft gereizt, fühlen sich unbehaglich und nicht wohl in ihrer Haut – dies ist jedoch nur eine andere Form der Selbstzweifel, negativen Gedanken und Schuld- und Schamgefühlen, mit denen sich die meisten Depressionskranken herumschlagen müssen. Ihre Fähigkeit, Stress auszuhalten ist vermindert, sie können beim kleinsten Anlass ausflippen und sind oft nicht in der Lage diese Attacken zu stoppen, auch wenn sie sie selbst als unpassend empfinden. Der Körper reagiert bei solchen Attacken mit – der Kopf wird rot, Schweiß bricht aus, das Herz rast, das Atmen fällt schwer und es kann zu Zittern und Schwindelgefühlen kommen. Allgemein kann es beim Mann häufiger vorkommen, dass sich Depressionen als körperliche Beschwerden äußern, bei denen keine zugrundeliegende Ursache feststellbar ist. Insbesondere Schmerzen, die ohne Grund auftreten und von denen kein genauer Urpsrungsort feststellbar ist, sollten zusätzlich im Hinblick auf die Diagnose Depression abgeklärt werden.

Bei Kindern sollte man vermehrt auf Verhalten achten, dass sich von dem der Altersgenossen unterscheidet, wie eine extrem ängstliche und negative Sicht auf die Zukunft oder die bewusste Abgrenzung und allgemeine Unlust zum Spielen mit Gleichaltrigen. Es können ähnliche Symptome wie bei Erwachsenenen vorkommen, insbesondere Schlafstörungen, eine allgemeine schlechte Stimmung, die Unfähigkeit, Gedanken oder Aufgaben zu Ende zu führen und Antriebslosigkeit. Auch kann sich eine gereizte Stimmung durch Wutanfälle und Aufsässigkeit den Eltern gegenüber bemerkbar machen. Aber auch eine vermehrte körperliche Unruhe, u.a. die Unfähigkeit still zu sitzen, oder körperliche Beschwerden wie unbestimmte Schmerzen und generelles Unwohlsein können auftreten.

Therapie

Grundsätzlich differenziert man die medikamentösen Therapie von der nichtmedikamentösen Therapie.

Medikamentöse Therapie

Antidepressiva

Medikamente bei Depression: (sog. Antidepressiva / Antidepressivum)

Ein sog. Antidepressivum, also ein Medikament, welches typischerweise zur Therapie einer Depression eingesetzt wird, versteht man ein Medikament aus einer ganzen Gruppe von Medikamenten, welche teils sehr unterschiedliche Wirkungsmechanismen aufweisen, deren Ziel jedoch stets gleich sind.

Diese lauten : Aufhellung, also Verbesserung der Stimmung und Steigerung des Antriebes. Wichtig hierbei ist, dass die Wirkungsweise auch des modernsten Antidepressivums in der Regel erst nach 2-4 Wochen beginnt. Ein Teil der Therapieabbrüche erfolgt aus der Annahme heraus, dass ein Medikament, welches nicht schon nach drei Tagen eine deutliche Besserung erbracht hat kein gutes bzw. wirksames Medikament sein kann.

Wirkungsweise der Antidepressiva / Antidepressivum (vereinfacht!)

Im menschlichen Gehirn laufen zwischen den vielen Milliarden Zellen verschieden Verständigungen ab. Die “Überbringer” dieser Nachrichten von einer Zelle zur anderen nennt man die “Transmitter”. Durch Ausschüttung eben dieser Transmitter wird an der direkt anschließenden Zelle eine Reaktion ausgelöst. Wenn diese Reaktion ausgelöst wurde, werden die Transmitterstoffe wieder in die Zellen aufgenommen. Als Beispiel kann man anführen, dass wenn sich zwei Häuser gegenüberstehen und die Bewohner des einen dem anderen ein Signal geben wollen, sie eine bestimmte Anzahl und Anordnung von Flaggen ins Fenster hängen. Was aber passiert, wenn entweder zu wenig Flaggen verfügbar sind, oder aber die Flaggen zu früh wieder eingeholt werden? Am wahrscheinlichsten ist, dass die Leute im gegenüberliegenden Haus gar nicht so recht wissen, was sie zu tun haben...

Wenn man diese Theorie auf die Zellebene überträgt, erklärt sich die Wirkweise der meisten Antidepressiva. Sie sorgen dafür, dass die Transmitterstoffe (Botenstoffe) entweder länger im Spalt zwischen den Zellen verbleiben oder aber, sie können den vorschnellen Abbau, bzw. die Wiederaufnahme der Transmitter in die Zelle verhindern. Die Namen der Transmitter, die bei der Behandlung einer Depression eine vordergründige Rolle spielen, lauten Serotonin und Noradrenalin (und eingeschränkt Dopamin).

Die Antidepressiva, welche heutzutage zum Einsatz kommen, kann man in folgende Gruppen unterteilen:

  • pflanzliche Präparate (Johanniskraut)
  • Tri- und tetrazyklische Antidepressiva
  • SSRI (Selektive Serotonin Wiederaufnahme (Reuptake) Inhibitoren)
  • SNRI (Selektive Noradrenalin Wiederaufnahme Inhibitoren)
  • SSNRI (Selektive Serotonin und Noradrenalin Wiederaufnahme Inhibitoren)
  • MAO - Hemmer (MAO steht hier für Monoaminooxidase, ein Enzym, welches Transmitter abbaut)

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Nebenwirkungen

Ein Wort vorweg: Die unten aufgeführten Nebenwirkungen sind real existentes gibt sie und es ist auch nicht selten, dass ein Teil des typischen Nebenwirkungsprofils vor dem eigentlichen therapeutischen Effekt eintreten kann. Trotzdem sind insbesondere die neueren Antidepressiva nebenwirkungsarm. Die Belastungen uns Qualen einer Depression stehen in der Regel in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen einer antidepressiven Therapie.

Bei der Vielzahl der oben erwähnten Wirkmechanismen, kann man nicht “ein” typisches Nebenwirkungsprofil für Antidepressiva erstellen. Man kann jedoch die sog. hauptsächlichen Nebenwirkungen bei einer medikamentösen Therapie der Depression aufzeigen. Diese treten in der Regel zu Beginn einer Behandlung auf. “Beginn” versteht sich hier als einen Zeitraum zwischen einer und vier Wochen.

  • Müdigkeit und Schwindel - wenn dieses Symptom als deutliche Einschränkung wahrgenommen wird, könnte mit dem verordnendem Arzt (und auch nur mit dem!) über ein Verschiebung der Einnahme auf den Abend gesprochen werden, hier könnte es zu einer Verbesserung der Wachheit über Tag und zu einem tieferen Nachtschlaf kommen.
  • Gewichtszunahme - dies ist ein zum einen sehr häufig beklagtes, aber auch nicht minder häufig gefürchtetes Problem. Zunächst ein Richtigstellung: Die Tabletten als solche machen nicht dick.
    Sie können bei einer nicht unerheblichen Zahl von Patienten zu einer Steigerung des Appetits führen, welcher letztendlich zu einer Gewichtszunahme führen kann. Es ist somit schon zu Beginn einer Behandlung darauf zu achten, daß man sich selbst kritisch beobachtet und ggf. eine Ernährungsberatung aufsucht.
  • Sexuelle Funktionsstörungen - Es kann im Rahmen der Behandlung nicht nur zu einem Libidoverlust, sondern beim Mann auch zu Erektions- bzw. Ejakulationsstörungen führen. Wie bereits unter dem Kapitel Depression erwähnt kann die Abgrenzung zwischen der Depression und einer möglichen Nebenwirkung sehr schwierig sein.
  • Sehstörungen im Sinne des “Scharfstellens” (Akkomodationsstörungen)
  • Mundtrockenheit durch geringere Produktion an Speichel
  • Blasenentleerungsstörungen und Verstopfung
  • in sehr seltenen Fällen kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen
  • lageabhängiger Blutdruckabfall (Orthostase). Hierbei kommt es vor allen Dingen beim Aufstehen zu einem kurzzeitigem “Versacken” des Blutes in den Beinen, welches zu Schwindel führen kann, welcher wiederum zu Stürzen führen kann.
  • Überleitungsstörungen am Herzen (Herzrhythmusstörung). Diese Nebenwirkung trifft vor allem auf die “alten”, trizyklischen Medikamente zu. Bei bekannten Vorerkrankungen des Herzens sollte hier Vorsicht geboten sein.
  • Unruhezustände. Insbesondere die Serotonin-, bzw. Noradrenalin/Serotonin- Wiederaufnahmehemmer können zu massiven Unruhezuständen führen, welche besonders in der Nacht zu Schlafstörungen führen kann.

Weitere Informationen zum pflanzlichen Präparat zur Therapie der Depressionen, indem ihn Johanniskraut finden Sie unter unseren Medikamententhema:

Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitive Verhaltenstherapie:

In den letzten Jahren gewann die Psychotherapie in der Behandlung der Depression zunehmend an Bedeutung. Im Besonderen die so genannte ”Kognitive Verhaltenstherapie” bietet in diesem Zusammenhang eine hohe Wahrscheinlichkeit auf längerfristige Besserung.

Kognitive Verhaltenstherapie, ist die Therapie, die sowohl mit den Gedanken und dem Verhalten des Depressiven arbeitet. Hierbei wird einerseits der Patient motiviert wieder aktiver am Leben teilzunehmen, so werden beispielsweise detaillierte Tagespläne erarbeitet in denen darauf geachtet wird, dass der Patient neben seinen Pflichten auch angenehme Aktivitäten in ausreichendem Maß einplant.

Beispiel: Kognitive Verhaltenstherapie

Frau S., 24 Jahre ist seit der Trennung von ihrem Freund schon seit vielen Wochen traurig und antriebslos. Nach der Arbeit geht sie nicht mehr zum Sport, oder trifft sich wie früher mit ihren Freundinnen, sondern liegt nur auf dem Sofa und schaut fern. Alles andere ist ihr zuviel. Mit Hilfe des Therapeuten wird sie ermutigt, Freundinnen anzurufen und gelegentliche Treffen zu vereinbaren. Als sie bemerkt, dass hierdurch ihre Stimmung sich schrittweise verbessert, sucht sie auch ihren Sportverein wieder auf. Erneut erlebt hierdurch weitere Erfolge und wird somit in ihrem Handeln verstärkt.


Dabei wird die eingeschränkte Belastbarkeit der Patienten berücksichtigt und der Patient wird motiviert auch Aktivitäten, an denen er früher schon einmal Freude hatte, wieder auf zu nehmen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Steigerung der Aktivität bei vielen leichtgradig an Depression Erkrankten schon zu einer deutlichen Verbesserung der Stimmungslage führt.

Die Depression (neben vielen anderen Störungen auch) ist in der Regel gekennzeichnet durch ein massiv verzerrtes “Negativdenken.

Beispiel: Eingeschränkte Belastbarkeit

Frau M., 48 Jahre und Hausfrau. Während sie früher mit Leichtigkeit ihren Haushalt hat organisieren können, fällt es ihr doch in letzter Zeit zunehmend schwerer. Sie macht sich deshalb große Vorwürfe und fühlt sich wertlos. So denkt sie: “Ich schaffe nichts! Mein Mann wird sich eine bessere Frau suchen! Ich bin zu nichts zu gebrauchen und die Nachbarn werden mich verachten, wenn sie sehen, wie meine Wohnung aussieht. Sie hat keine Hoffnung, dass sich dies einmal bessern wird. Sie grübelt sehr viel und oft und sieht sich bereits in naher Zukunft vereinsamt in einer vermüllten Wohnung leben.

Dieses “Negativdenken”, dass auf tief greifenden Überzeugungen beruht, wird in der Therapie mit dem Therapeuten hinterfragt und seinen Realitätsgehalt überprüft. So kann es dem Patienten gelingen, eine realistischere und damit weniger negative Sichtweise auf sich und seine Situation und seine Zukunft zu entwickeln.

Wenn der Patient die Depression überwunden hat, muss es Teil der Therapie sein, dem Patienten Verhaltensregeln mitzugeben, die es ihm möglich machen, bei evtl. Rückkehr der Depression oder bei schwierigen Lebenssituationen, frühzeitig und eigenverantwortlich zu handeln.

Tiefenpsychologische Psychotherapie (Psychodynamische PT)

Die Grundidee bei der tiefenpsychologisch - psychoanalytische Psychotherapie besteht vor allem in der Aufklärung und Bearbeitung von Konflikten. Diese Konflikte erklären sich in der Theorie durch eine frühe Entstehung einer auf sich selbst gerichteten (narzistischen) Bedürftigkeit. Diese in der Kindheit entstandenen Konflikte sind dem erwachsenen Depressiven häufig nicht klar. Seitens des Therapeuten wird nun versucht diese Konflikte zu bearbeiten und den Patienten ggf. seinen Zorn oder seine Aggressionen erleben zu lassen. Hierbei ist vor allem aber der Schweregrad der Depression entscheidend. Bei schweren Episoden sollte die Therapie eher einen stützenden als einen aufdeckenden Charakter haben.

Gewollter Schlafentzug kann die Stimmung verbessern.

Ergänzende Therapiemethoden

Schlafentzug:

Unter dem Schlafentzug versteht man nicht etwa eine Foltermethode, sondern vielmehr das gewollte Wachbleiben eine ganze Nacht hindurch. Bei über der Hälfte der untersuchten Patienten war schon einen Tag nach der ersten Schlafentzugstherapie eine deutliche Stimmungsaufhellung zu verzeichnen. Aber Achtung: bereits am darauffolgenden Tag kann es zu einem depressiven Rückfall kommen, insbesondere wenn der Patient seinem Schlafbedürfnis tagsüber nachkommt. Eine Schlafentzugstherapie sollte somit nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die besten Voraussetzungen bietet hierbei natürlich die stationäre Therapie im Krankenhaus.

Lichttherapie:

Bei diesem Therapieverfahren, welches ergänzend zu anderen eingesetzt wird, kommt die Erkenntnis zum Einsatz, daß eine etwa halbstündige Sitzung vor einer Lichtquelle mit mindestens 10.000 Lux dem Depressiven deutliche Besserung verschaffen kann. Die tatsächliche Wirksamkeit ist meiner Kenntnis nach noch nicht signifikant belegt. Als mögliche Nebenwirkungen sind Schlafstörungen beschrieben.

EKT (Elektrokonvulsionstherapie):

Wer kennt nicht die Bilder von Jack Nicholson im “Kuckucksnest” als er seine “Elektroschocks” bekommt? Die meisten Patienten sind hierdurch und durch viel Hörensagen und noch mehr dubiose Informationsquellen im Internet vollkommen zu Recht verunsichert.

Hier nun die Wahrheit, wie sie in diesem unseren Lande praktiziert wird.

Zunächst wird der zumeist schwer Kranke Patient durch einen Anästhesisten in den Zustand einer Kurznarkose mit Muskelentspannung versetzt. Anschließend wird durch einen Arzt mit Hilfe eines EKT-Gerätes durch Strom künstlich ein epileptischer Anfall provoziert. Dieses Verfahren ist durch die Kurznarkose für den Patienten stress- und schmerzfrei. Leider hat diese Methode (heutzutage zu Unrecht) einen sehr schlechten Ruf. Zu deutlich sind Bilder in den Köpfen verhaftet aus der Zeit als diese Methode noch fast wahllos oder als Bestrafung und ohne Narkose eingesetzt wurde. Ganz entgegen der landläufigen Meinung entstehen durch diese Methode keine dauerhaften Schäden. Tatsächlich ist diese Methode als eine der sichersten und nebenwirkungsärmsten zu bezeichnen.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind: Unkonzentriertheit am Tage der Therapie, mögliche Verwirrtheit nach dem Erwachen aus der Narkose, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Heutzutage setzt man die EKT in der Regel (in Deutschland) bei Patienten mit einer schweren Depression mit psychotischen Symptomen oder mit einer sog. katatonen Schizophrenie (siehe hierzu Kapitel Schizophrenie) ein, die unter einer medikamentösen Therapie keine ausreichende Besserung erfahren. Hierdurch kann man nahezu 60% der Patienten Besserung verschaffen. Die Therapie wird in 8-12 Sitzungen durchgeführt und muss ggf. nach einigen Monaten wiederholt werden, denn, und das soll hier nicht verschwiegen werden, die Rückfallquote nach etwa 6 Monaten ist als hoch zu bezeichnen.

Bei einigen wenigen Patienten ist der Zeitraum bis zum Rückfall sehr viel geringer, so daß man ggf. den Weg der Erhaltungs-EKT einschlagen muss. Hier werden in definierten Abständen (1-4 Wochen) EKT-Sitzungen durchgeführt.

Johanniskraut

Johanniskraut ist eine etwa 60 cm hohe Pflanze mit goldgelben Blüten. Sie wächst natürlicherweise in Europa, Westasien und Nordafrika und wird landwirtschaftlich, zum Beispiel in Deutschland, angebaut. Johanniskraut findet in der Medizin Anwendung als Heilpflanze und Antidepressiva. Ihr Wirkstoff Hypericum, welcher in Blütenblättern und Knospen des Gewächses vorhanden ist, wird bei leichten bis mittelschweren depressiven Phasen, als auch bei innerer Unruhe in Form von Tabletten verabreicht.

Während einer Depression wirken weniger chemische Verbindungen, sogenannte Neurotransmitter, im Gehirn. Die Folge ist eine sinkende Stimmung und der traurige Charakter der die Krankheit ausmacht. Johanniskraut bewirkt im Gehirn, dass die Neurotransmitter länger wirken und damit die Stimmung stabiler und gegebenenfalls besser wird.

Die Heilpflanze besitzt kaum direkte Nebenwirkungen auf den menschlichen Körper und gilt als allgemein sehr gut verträglich. Nur selten wird von Magen-Darm-Beschwerden, Unruhe oder einer allergischen Reaktion auf Johanneskraut berichtet. Der sehr selten entstehenden Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) kann mit Vermeidung übermäßiger Sonneneinstrahlung entgegengewirkt werden.

Johanniskraut hemmt in der Leber Enzyme (Isoenzym CYP3A4). Diese sind für den Abbau und die Aktivierung mancher Medikamente verantwortlich. Wenn der Patient solche Medikamente einnimmt, sinkt als Folge daraus ihre Wirkstärke. Dies kann bei wichtigen Arzneimitteln zu einem Problem werden. So sollte Johanniskraut nicht mit folgenden Medikamenten kombiniert werden:

Nach Absetzen der Behandlung mit Johanneskraut, kann es zu einem Anstieg der Wirkung verschiedener Medikamente kommen, was unbedingt durch den behandelnden Arzt zu beobachten ist. Es wurde lange Zeit darüber diskutiert, ob die Heilpflanze Johanneskraut überhaupt eine wissenschaftlich belegbare Wirkung gegen eine Depression hat. Im Gebiet der leichten bis mittelschweren Depression sind sich die Experten mittlerweile einig, dass dies so ist. Bei einer schweren Depression konnte jedoch bislang noch keine tatsächliche Wirkung der Pflanze auf den Krankheitsverlauf bewiesen werden. Weiterer Unklarheiten bestehen bei den Themen Dosierung und individuelle Wirkung der erhältlichen Arzneimittel bei Patienten. Außerdem muss Schwangeren von der Einnahme abgeraten werden.

Leider entwickeln viele Patienten neue Depressionen.

Ablauf

Eine Despression kann sich im Laufe mehrerer Wochen, Monate oder auch relativ plötzlich entwickeln. Auslöser dabei sind oftmals Ereignisse die den Patienten traumatisieren, wie zum Beispiel die Trennung vom Partner, den Verlust des Arbeitsplatzes oder den Tod einer nahestehenden Person. Dabei spielt die Persönlichkeitsstruktur des Patienten eine große Rolle. So befassen sich Frauen oftmals mehr mit ihren Gefühlen als Männer und begeben sich daraufhin häufiger in psychologische oder psychiatrische Behandlung aufgrund ihrer Depressionen.

Die Stimmung während einer Depression verläuft in Form einer Welle oder eines Intervalls. Nach Krankheitsbeginn steigern sich langsam die Symptome der Depression, woraufhin der Patient mit einer sich rasch verschlechternden Stimmung reagiert. Am Tiefpunkt des Intervalls treten nicht selten Suizidgedanken auf. Bei Auftreten solcher Gedanken sollte umgehend eine Bezugsperson oder ärztliches Personal kontaktiert werden.

Durch erfolgreiche Therapie und Unterstützung der Patienten, können die Symptome der Depression gelindert und ausgestanden werden. Außerdem verbessert sich während der Genesung die Stimmung, bis sie meist auf ihren ursprünglichen Stand zurückkehrt. Für einige Depressions-Patienten ist dies jedoch nicht das Ende der Krankheit. Etwa die Hälfte aller Erkrankten entwickelt nach ca. 4 Jahren erneut eine Depression. Im Durchschnitt durchlaufen Patienten in ihrem Leben 4 depressive Intervalle. Die Chance erneut zu erkranken steigt dabei mit jedem Intervall.

Dauer

Eine unbehandelte einphasige Depression kann über ein halbes Jahr bestehen. Bei Ansetzen einer Therapie sind die Aussichten deutlich besser. Hierbei dauern depressive Phasen im Schnitt 3-4 Monate und weisen eine geringere Rückfallrate auf. Die Therapie erstreckt sich meist über die Dauer der Depression hinaus. Somit wird die Gefahr vermindert, wieder zu erkranken.

Nur 25% der Patienten sind nach einmaliger Behandlung geheilt, die Restlichen müssen erneut gegen ihre Depression ankämpfen. Im Laufe des Lebens müssen an Depression erkrankte Menschen im Durchschnitt 4 Intervalle mit Verschlechterung, Tiefpunkt und Aufbau ihrer Stimmung durchstehen. Die Gefahr erneut eine depressive Phase zu erleben beträgt 70%. Somit kann eine einmal ausgeprägte Depression über Jahre, in schweren Fällen über Jahrzehnte hinweg dauern.

Bei intervallartigem Verlauf der Depression sind die stimmungsstabilen Episoden unterschiedlich lang. Sie werden im Allgemeinen jedoch mit jeder depressiven Phase kürzer und erreichen vielfach nicht mehr das vom Patienten gewohnte Stimmungsniveau. Die Dauer depressiver Phasen und die Gefahr einer Chronifizierung werden im Alter höher.

Kosten

Depressionen verursachen in Deutschland im Jahr Kosten von ungefähr 22 Millionen Euro. Diese Summen werden fast ausschließlich von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen getragen. Wie hoch die entstehenden Kosten sind, hängt dabei vom Geschlecht und vom Schweregrad der Depression ab; im Mittel betragen diese rund 3800 Euro pro Patient pro Jahr.

Kosten für den Betroffenen entstehen selten, jedoch wird der Behandlungsbedarf vor Beginn der Therapie eingehend überprüft. Dafür finden im Voraus 3-5 Vorgespräche mit einem Psychotherapeuten oder niedergelassenen Psychiater statt, bei denen festgestellt werden soll, ob eine psychische Störung vorliegt. Tritt dieser Fall ein und das Fachpersonal bestätigt beispielsweise das Bestehen einer Depression, kann mit einer Therapie aus der Liste der festgelegten Richtlinienverfahren begonnen werden. Die festgelegten Verfahren umfassen die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Zunächst wird normalerweise ein Behandlungsabschnitt von 30-50 Stunden von den Krankenkassen bewilligt. Bei Bedarf und Antrag auf Verlängerung durch den Psychotherapeuten kann die Stundenzahl weiter aufgestockt werden.

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Prognose

In der Regel dauern Episoden oder Phasen der Depression ohne therapeutische Hilfe ca. 7 Monate. Therapeutische Hilfe kann diesen Zeitrahmen auf ca. 2 Monate (für die Hälfte der Patienten) reduzieren. Nach ca.4 Monaten geht es in der Regel etwa 80% der Patienten deutlich besser.

Bei 10% der Erkrankten kann es zu einem schlechten, dauerhaften (chronischen) Verlauf kommen.

Das Risiko einen schlechteren Verlauf in der Krankheit zu erleben, erhöht sich, wenn das Alter der ersten Erkrankung deutlich vor dem 35 Lebensjahr liegt. Auch ist es ungünstig, wenn in der Familie ein "Hang" zur Depression besteht (Genetische Disposition). Auch dauerhafte soziale oder berufliche Belastung oder Störungen in der Konfliktbearbeitung können für einen ungünstigen Verlauf, bzw. zu einem erhöhten Rückfallrisiko führen.

Autor: Christoph Barthel      |     Letzte Änderung: 24.11.2016
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