Wirkung von Antidepressiva

Einleitung

Die gewünschte antidepressive Wirkung setzt erst nach 1-3 Wochen ein.

Das Prinzip der medikamentösen Behandlung einer Depression beruht auf der Annahme, dass dieser Erkrankung ein Mangel an Serotonin zugrunde liegt. Außerdem soll auch Noradrenalin mindestens für die (motorische) Antriebsschwäche verantwortlich sein.
Mit Antidepressiva macht man sich diese Erkenntnisse zu Nutze, in dem durch sie die Konzentration beider Botenstoffe im synaptischen Spalt erhöht wird.

Für sehr interessierte Laien:
Dies ist der Zwischenraum zwischen zwei Synapsen, der durch diese Botenstoffe überwunden werden muss, um ein Signal weiterleiten zu können. Wird die sogenannte Präsynapse durch ein Signal erregt, so setzt sie Neurotransmitter in den synaptischen Spalt frei. Diese überwinden dann die Strecke per Diffusion zur darauffolgenden Synapse, der sog. Postsynapse. Die Transmitter binden an die auf der Oberfläche liegenden Rezeptoren. Dadurch wird die Postsynapse nun ebenfalls erregt und kann dann das Signal weiterleiten.


Konzentrationserhöhung der Botenstoffe

Eine Konzentrationserhöhung kann auf drei Wegen erfolgen:

1. Hemmung der neuronalen Monoamintransporter:
Diese Transporter sorgen normalerweise für eine Rückaufnahme von Noradrenalin/Serotonin aus dem synaptischen Spalt in die Präsynapse, sodass das übertragene Signal endet.
Die folgenden Antidepressiva hemmen diesen Vorgang: Trizyklische Antidepressiva, Selektive Serotoninrückaufnahmehemmer, Noradrenalin- und Serotoninrückaufnahmehemmer.

2. Steigerung der Freisetzung aus der Präsynapse:
Für gewöhnlich wird die Freisetzung des spezifischen Transmitters durch eine Aktivierung von sog. Autorezeptoren auf ihren Neuronen begrenzt. Antidepressiva, die diese Rezeptoren hemmen, erreichen somit eine erhöhte Freisetzung und folglich auch eine erhöhte Konzentration im synaptischen Spalt: ?2-Adrenozeptoren-Antagonisten

3. Hemmung der Monoaminooxidase A:
Das Enzym Monoaminooxidase A baut normalerweise „unsere“ Neurotransmitter nach erfolgter Übertragung im synaptischen Spalt wieder ab. Durch dessen Hemmung werden weniger Serotonin und Noradrenalin abgebaut und dafür vermehrt in die präsynaptischen Speicher aufgenommen. Die nun „überfüllten“ Speicher setzen in der Folge eine größere Menge an Transmittern frei.
Folgende Antidepressiva haben diesen Effekt: MAO-Hemmer

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Einsetzen der antidepressiven Wirkung

Wichtig für die Therapie ist aber zu wissen, dass sich die Konzentrationen der Neurotransmitter schon direkt nach Therapiebeginn ändern und damit auch mögliche unerwünschte Wirkungen quasi sofort einsetzen.
Die gewünschte antidepressive Wirkung setzt dagegen erst nach 1-3 Wochen ein.
Verantwortlich hierfür ist die medikamentöse Hemmung der Transporter. Denn durch die dauerhaft erhöhte Konzentration der Neurotransmitter im synaptischen Spalt reagiert die Synapse mit einer verminderten Freisetzung dieser.
Eine antidepressive Wirkung kann folglich zu diesem Zeitpunkt nicht eintreten. Bei einer länger bestehenden Hemmung kommt es dann zu einer Herunterregulierung (Desensibilisierung) der Autorezeptoren, die ja für eine Begrenzung der Freisetzung aus der Präsynapse zuständig sind. Dadurch kommt es nach und nach zu einer langsamen Zunahme der Freisetzung.
Dem Patienten muss dem zu Folge bewusst sein bzw. muss er vom behandelnden Arzt zwingend darauf hingewiesen werden, dass diese „adaptiven Veränderungen“ eine gewisse Zeit benötigen.
Denn oftmals kommt es zu vorzeitigen Therapieabbrüchen, da der Patient früh über Nebenwirkungen klagt und die erwünschte Wirkung vermeintlich ausbleibt. Darüber hinaus wissenswert ist, dass Antidepressiva kein Suchtpotential haben und die Nebenwirkungen durch eine Toleranzentwicklung oft nur vorübergehend sind.

Lithium

Der genaue Wirkmechanismus von Lithiumsalzen ist noch nicht bekannt. Doch sollen sie in wichtige Transportsysteme eingreifen, was letztlich zu einer abgeschwächten Signalweiterleitung in bestimmten Rezeptoren führen soll. So auch bei den Autorezeptoren an der Synapse, die die Freisetzung von Serotonin in den synaptischen Spalt regulieren. Sind diese gehemmt, so wird mehr freigesetzt. Ebenso soll auch die Produktion von Serotonin erhöht werden.
Bei der Behandlung einer Depression kann Lithium zusätzlich zu einem Antidepressivum gegeben werden, wenn dieses allein keine Wirkung zeigt (sog. Lithiumaugmentation).

Weiterführende Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 30.01.2017
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