Johanniskraut

Synonyme im weiteren Sinne

medizinisch: Hypericum perforatum

Volksnamen: Hartheu, Blutkraut, Johannisblut, Wundkraut

Häufiger Tippfehler: Johanneskraut

Erklärung / Definition

Johanniskraut in gehört zu der Gruppe der Pflanzenheilmittel (Phytopharmaka). Johanniskraut findet besonders in der Anwendung in der Therapie der leichten bis mittelschweren Depression.
Weiterhin findet es Anwendung als nebenwirkungsarmes Medikament im Bereich vom Asthma, Gicht, Rheuma und Muskelschmerzen.


Pflanzenbeschreibung

Johanniskraut - Pflanze

Das Johanniskraut ist eine aufrechte, im oberen Teil ästig verzweigte Pflanze mit 20 bis 100 cm hoch wachsenden, zweikantigen rötlich überzogenen Stängel, die mehrjährige krautig wächst.
Die ovalen Blätter des Johanniskrauts enthalten im Gegenlicht betrachtet eine helle Flüssigkeit aus ätherischen Ölen, die als schwarze Punkte in Erscheinung treten. Die kleinen Punkte erwecken den Eindruck, die Pflanze sei durchlöchert. Die goldgelben, asymmetrischen Blüten sind fünfzähnig und haben einen Durchmesser von etwa 2 cm. Sie fallen durch ihre zahlreichen langen Staubblätter auf. Die Staubblätter wiederum bilden Trugdolden, die traubig zusammengesetzt sind. Die Blütezeit des Johanniskrauts ist ab Mitte Juni.

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl, Flavonoide, Harze, Gerbstoffe und Rhodan. Der wichtigste Wirkstoff ist das Hypericin, der rote Farbstoff aus den Blütenblättern, auch Hypericumrot genannt.

Historie

Am Johannistag, dem 24. Juni findet man das Johanniskraut, in üppiger Blüte in vielen Gärten vor. Pflückt man die Blüten und zerreibt sie, tritt ein blutroter Saft aus von dem man sich viele Legenden erzählt.
Die austretende rote Farbe solle das vergossene Blut Christi symbolisieren. Des Weiteren erzählt eine Geschichte, dass das Johanniskraut aus dem Blut des Enthaupteten Johannes des Täufers entstanden ist.
Schon vor 2000 Jahren verwendeten die alten Ärzte Griechenlands und Roms das Johanniskraut als Heilmittel.
Auch im Mittelalter wurde es sehr geschätzt. Schon um 1525 schrieb der anerkannte Arzt und Naturforscher Paracelsus (1493 bis 1541) begeistert über das Johanniskraut als Heilpflanze. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte man auch die nervenstärkende und antidepressive Wirkung.
Erst seit den dreißiger Jahren erinnerte man sich wieder der Heilpflanze und die Schulmedizin nahm sich ihrer an.

Herstellung

Das Johanniskraut wird zur Herstellung von Arzneimitteln während der Blütezeit gesammelt. Um eine hohe Qualität zu erzielen, müssen gute Anbaubedingungen vorhanden sein. Standorte und klimatische Bedingungen, sowie die Bodenbeschaffenheit sind entscheidend für eine gute Qualität des Johanniskrauts. Die Pflanzen müssen einen hohen Wirkstoffgehalt haben. Das Johanniskraut, das zur Extraktion verwendet wird, ist hochwertiges Pflanzenmaterial. Im Vergleich zu Wildkräutern (Teufelskralle) kann es einfacher und hochwertiger gewonnen werden. Man erntet von Johanniskraut nur den Blütenhorizont, aus den oberen 20 cm der Pflanze, der aus Stängel, Blättern und Blüten bestehen. in einem schonenden Verfahren werden die Heilpflanzen getrocknet und auf ihre Inhaltsstoffe und Wirkstoffe geprüft. Sie werden getrocknet und zerkleinert und mit einem Methanol-Wasser-Gemisch (Alkohol) versetzt. Über diesen Weg wird das abschließende Extrakt gewonnen.

Folgende Zubereitungen von Johanniskraut sind weiterhin möglich:

  • Johanniskraut-Tee: 2 gehäufte Teelöffel getrocknetes Kraut werden mit ¼ l kochendem Wasser übergossen, man lässt 5 Minuten ziehen und seiht dann ab. Zwei bis dreimal täglich eine Tasse. Kurmäßig über mehrere Wochen angewandt bedingt, dass sich der Patient nicht der Sonne, Höhensonne oder Solarium aussetzt weil Hypericum die Haut lichtempfindlich macht.
    Zumeist enthält Tee ein zu geringe Dosierung, so dass eine Wirkung meist ausbleibt.
  • Johanniskraut –Öl: 150 g frische Blüten werden im Mörser zerkleinert, mit ½ l Olivenöl übergossen. In einem gut verschlossenen Behälter (Milchglas) in die Sonne stellen. Täglich einmal aufschütteln. Der Inhalt nimmt eine leuchtend rote Farbe an. Nach ungefähr 3 Wochen durch ein Leintuch filtrieren und darin auspressen. Kühl und verschlossen aufbewahren, begrenzt haltbar.

Therapie und Anwendungsgebiete

Johanniskrautöl

Als pflanzliches Arzneimittel wird das Johanniskraut heute hauptsächlich wegen seiner leicht stimmungsaufhellenden Wirkung zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Depression, Winterdepression oder nervöser Unruhe eingesetzt. Johanniskraut kann zur äußeren als auch zur inneren Anwendung verwendet werden.

Bei der äußerlichen Anwendung kommt es in öliger Konzentration bei Verletzungen und Verbrennungen zur Anwendung. Man vermutet, dass der Flavonoidgehalt des Johanniskrauts die entzündungshemmende Wirkung bei der äußerlichen Anwendung bewirkt.

Die antidepressive und nervenberuhigende Wirkung kann auf eine Beeinflussung von Botenstoffen (=Transmitter) des Gehirns zurückgeführt werden, die für mehrere, der enthaltenen Inhaltsstoffe des Johanniskrauts festgestellt werden konnte. Diese Wirkung kann das Johanniskraut jedoch nur bei innerer Anwendung entfalten. Durch die Beeinflussung von Botenstoffen kommt es bei der Therapie der Depression zum Einsatz. Insgesamt gilt die Heilpflanze als eine sinnvolle Behandlungsalternative bei leichten Verstimmungen.

Da das Johanniskraut jedoch mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen eingeht, darf es nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden!

Einsatzbereiche von Johanniskraut

In der Volksheilkunde wurde es unter anderem zur Therapie von:

Anwendung in der Homoöpathie

Hypericum ist ein wichtiges Mittel. Angewandt bei Hauterkrankungen ausgelöst und verschlimmert durch Lichteinwirkung. Auch bei leichten Depressionen, Nervenquetschungen und Entzündungen, Gehirnerschütterung. Gebräuchliche Potenzierung sind D3 bis D6.

Darreichung und Dosierung

Bei der Therapie mit Johanniskraut ist zu beachten, dass die Präparate aus der Apotheke stammen.
In Deutschland werden sie rezeptfrei verkauft. Es gibt alkoholische Auszüge oder eine ölige Form (Rotöl).

Empfohlen wird eine Tagesdosis von 450 bis 1000 mg Extrakt oder 3,0 bis 4,5 ml Tinktur. Für die äußerliche Anwendung ist Öl (Rotöl) zum Einreiben geeignet.
Das Rotöl wird als Einreibemittel bei Hexenschuss, Gicht, Rheuma, Verstauchung, Verrenkung, Gürtelrose und Bluterguss verwendet.
Johanniskraut in Form von Tee ist in der Regel zu niedrig dosiert, um eine Wirkung zu entfalten.

Bei der Behandlung der leichten bis mittelschweren Depression ist ein langer Behandlungszeitraum notwendig. Mit einem Wirkeintritt ist in der Regel erst nach drei bis vier Wochen zu rechnen.
Johanniskrautpräparate gehören zu den wenigen Mitteln gegen Depressionen, die nicht verschreibungspflichtigen sind und trotzdem von der Krankenkasse erstattet werden (Stand 2004).

Hersteller / Handelsnamen

Hersteller sind beispielhaft genannt und wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Wir haben mit keinem Hersteller eine persönliche Verbindung!

Johanniskraut Sandoz® 425 mg Hartkapseln | N2 60 Tabl. | 14,80 €

Johanniskraut Sandoz® 425 mg Hartkapseln | N3 100 Tabl. | 23,50 €

JOHANNISKRAUT- ratiopharm® 425 | N1 30 Tabl. | 7,80 €

JOHANNISKRAUT- ratiopharm® 425 | N2 60 Tabl. | 14,30 €

JOHANNISKRAUT- ratiopharm® 425 | N3 100 Tabl. | 23,50 €

Zusammenfassung

Das Johanniskraut ist eine mehrjährige Pflanze. Im Winter sterben die sichtbaren Pflanzenteile ab, und aus dem Rhizon wächst im nächsten Jahr wieder eine neue Pflanze heraus.
Von Juni bis September blühen die gelben Sonnenräder. Die Blätter, die 10 mm langen und 3 mm breit sind, haben im Gegenlicht betrachtet eine helle Flüssigkeit aus ätherischen Ölen. Sie lassen das Blatt durchlöchert erscheinen. Wenn man die frischen Blüten zerteilt, tritt ein dunkelroter Farbstoff aus, der medizinisch verwendet wird. Heute wird das pflanzliche Arzneimittel Johanniskraut wegen seiner leicht stimmungsaufhellen Wirkung oder zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Depression und bei nervöser Unruhe eingesetzt.

Phytopharmaka in Deutschland

Die Liste der umsatzstärksten Pflanzenpräparate führte mit Abstand die Ginkgo an:

  1. Ginkgo
  2. Johanniskraut
  3. Teufelskralle
  4. Rosskastanien
  5. Artischocke
  6. Mariendistel
  7. Brennnessel
  8. Umckaloabo
  9. Weißdorn
  10. Efeu

Eine Liste aller Heilkräuter / Heilpflanzen, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z.

Weiterführende Informationen

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Disclaimer / Haftungsausschluss

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Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass alle Medikamente nie selbständig und ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt abgesetzt, angesetzt oder verändert werden dürfen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.10.2016
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