Nebenwirkungen von Antidepressiva

Einleitung

Neben der erwünschten stimmungsaufhellenden Wirkung haben Antidepressiva natürlich auch Nebenwirkungen.
Dabei sind auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten sowie das Vorliegen von zum Beispiel bestimmter Erkrankungen, die eine Kontraindikation darstellen könnten.

Die Art der Nebenwirkung hängt stark von der Art des Antidepressivums ab.
Im folgenden sollen einige dieser unerwünschten Wirkungen entsprechend des Antidepressivums aufgeführt werden. Diese sind nur eine Auswahl und treten in unterschiedlicher Häufung auf.


Tri- und Tetrazyklische Antidepressiva (TZA)

  • Mundtrockenkeit, vermehrtes Schwitzen, Übelkeit, Kopfschmerzen
  • Störungen der Magen-Darm-Funktion mit Verstopfung
  • Miktionsstörungen mit Harnverhalt
  • ZNS-Symptome wie Desorientiertheit, Verwirrtheit, motorischer Unruhe (treten auch vorrangig bei einer Vergiftung mit TZA auf)
  • Auslösung epileptischer Anfälle
  • Einfluss auf die Herztätigkeit mit Herzrhythmusstörungen (bei Vergiftungen auch lebensbedrohlich)
  • Blutbildungsstörungen: es sollte alle 1-2 Monate eine Blutbildkontrolle erfolgen
  • absolute Kontraindikationen sind die Kombination aller Antidepressiva mit Antidepressiva der MAO-Hemmstoff-Gruppe sowie eine bestehende Suizidgefahr, da einige TZA psychomotorisch aktivierend und antriebssteigernd wirken
  • weitere Kontraindikationen: Grüner Star, Harnentleerungsstörungen, Missbrauch von Alkohol und Schlafmitteln, Epilepsie

Selektive Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI)

Mehr zum Thema SSRI und Alkohol finden sie unter: Citalopram und Alkohol - Verträgt sich das?

Noradrenalin- und Serotonin-Rückaufnahmehemmer (NSRI)

  • wie SSRI
  • zusätzlich Blutdruckanstieg und Zunahme der Herzfrequenz
  • Auslösung des Serotonin-Syndroms

Alpha2-Adrenorezeptor-Antagonisten

  • Müdigkeit, Schläfrigkeit
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit
  • Verwirrtheit
  • Mundtrockenheit
  • Leberfunktionsstörungen
  • Blutbildveränderungen

MAO-(Monoaminooxidase-)Hemmer

MAO-Hemmstoffe sind durch ihre Nebenwirkungen nur Mittel der 2. Wahl und kommen vor allem bei therapieresistenten Depressionen und sozialen Phobien zum Einsatz.

  • Mundtrockenheit
  • Schlafstörungen
  • Angstzustände, Reizbarkeit, Erregung
  • Schwindel, Übelkeit
  • niedriger Blutdruck

Lithium

Vorsicht ist auch bei Lithium geboten.
Es hat nur eine geringe therapeutische Breite. Das heißt, die Dosis, die wirkt und die Dosis, bei der es zu starken Nebenwirkungen bis hin zum Koma kommen kann, liegen in einem engen Bereich.
So muss regelmäßig die Konzentration im Blut gemessen werden, um mögliche Nebenwirkungen und Folgen zu vermeiden.
Nebenwirkungen sind u.a.:


Bei einer akuten Vergiftung mit Lithium kann es beginnend mit Erbrechen, starken Durchfällen und mentaler Vewirrtheit sogar zu Krampfanfällen bis hin zum Koma kommen.

Nebenwirkungen von Antidepressiva

Nebenwirkungen in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft kommt es Studien zufolge zu einem gehäuften Auftreten von Depressionen. Diese treten vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Damit einhergehender Gewichtsverlust oder eine Mangelernährung stellen einen Risikofaktor für ein niedriges Geburtengewicht dar. Aus diesem Grund kann die Fortführung einer antidepressiven Therapie während der Schwangerschaft indiziert sein.

Bislang liegen keine ausreichenden Untersuchungsergebnisse vor, die die Unbedenklichkeit einer Behandlung mit Antidepressiva während der Schwangerschaft bestätigen. Nichtsdestotrotz zeigen die Erfahrungen und die einzelnen durchgeführten Studien der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte, dass durch die Therapie mit den gängigen Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren) kein erhöhtes Risiko für körperliche und geistige Entwicklungsstörungen des Babys besteht. Eine mit dem behandelnden Arzt abgestimmte, individuelle antidepressive Therapie ist erforderlich. Eine Reduktion der Dosis, ein Wechsel des Präparats oder ein Ausweichen auf eine Psychotherapie kann indiziert sein. Der Arzt muss gemeinsam mit der Patientin individuell über den Nutzen einer Therapie und das damit einhergehende Risiko abwägen.

In der medikamentösen Therapie einer Depression während der Schwangerschaft stellen die trizyklischen Antidepressiva und die SSRIs die Mittel der ersten Wahl dar. Die SSRIs stellen dabei durch eine insgesamt bessere Verträglichkeit und eine etwas geringere Suizid-Gefahr die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva dar und können auch zur Langzeittherapie verwendet werden. Über die Wirkung von Johanniskraut auf Mutter und Kind liegen bisher noch wenige Studienergebnisse vor - über mögliche Auswirkungen auf den Geburtsvorgang wird diskutiert.

Einzelne in den letzten Jahren veröffentlichte Studien zeigen eine typische Entzugssymptomatik beim Baby in den ersten Tagen nach Geburt. Von vorübergehenden Bewegungsstörungen, leichten epileptischen Anfällen, Herzrasen sowie Schweißausbrüchen wurde berichtet. Diese Symptome lassen jedoch innerhalb weniger Tage nach der Geburt spontan wieder nach. Trotzdem kann eine Reduktion der Dosis in den letzten Wochen vor der Geburt notwendig sein. Weitere Studien haben ein leicht erhöhtes Risiko für Frühgeburten bei einer Langzeittherapie mit SSRIs gezeigt. Darüber hinaus wird auch ein Zusammenhang zwischen einer antidepressiven Therapie und der Gehirnentwicklung diskutiert, da durch die veränderten Serotonin-Spiegel im Körper des Babys auch die Entwicklung des Gehirns beeinflusst werden kann. Ein leicht erhöhtes Risiko für Autismus und ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) wird diskutiert.

Nebenwirkungen auf die Blase

Ein häufig von Nebenwirkungen betroffenes Organ bei einer antidepressiven Therapie stellt die Blase dar. Je nach Präparat kann sowohl ein vermehrter Harndrang mit der Symptomatik einer Reizblase als auch ein verstärkter Harnverhalt auftreten. Die Symptomatik beginnt dabei in der Regel bereits wenige Tage nach Beginn der Therapie. Häufig lassen die Nebenwirkungen im Laufe der Langzeittherapie kontinuierlich nach. Je nach Symptomatik können die Nebenwirkungen auch medikamentös therapiert und damit vermieden werden. Über eine mögliche dauerhafte Schädigung der Blase liegen bisher keine Erkenntnisse vor.

Bei einer Therapie mit trizyklischen Antidepressiva (Amitriptylin, Clomipramin, Nortriptylin) kommt es durch die Beeinflussung des vegetativen Nervensystems zu einer veränderten Anspannung des Schließmuskels der Blase. Sowohl ein Harnverhalt (Unfähigkeit zur Blasenentleerung mit Harnstau), der vor allem bei Männern mit einer vergrößerten Prostata auftritt, als auch eine Harninkontinenz (mit den Symptomen einer Reizblase) sind möglich.

Bei der Behandlung mit SSRIs (v.a. Duloxetin) wird ebenfalls häufig von Schwierigkeiten für den Patienten berichtet, die Blase zu entleeren (Harnverhalt).

Nebenwirkungen am Auge

In seltenen Fällen führt die Therapie mit trizyklischen Antidepressiva auch zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks. Dies ist auf eine Veränderung der Pupillenweite und den dadurch behinderten Abfluss des Kammerwassers zurückzuführen. Es besteht dabei die Gefahr der Entstehung oder der Verschlechterung eines Engwinkel-Glaukoms (grüner Star). Ohne Behandlung besteht das Risiko einer bleibenden Schädigung des Auges. In Einzelfällen kann auch eine Operation zur Behandlung des Glaukoms erforderlich sein.

Viele weitere Nebenwirkungen der gängigen Antidepressiva im Bereich der Augen sind möglich. Diese treten jedoch in der Regel nur sehr selten und häufig in Kombination mit einer bereits bestehenden Erkrankung der Augen auf. So kann zum Beispiel eine Bindehautentzündung bei einer Langzeittherapie mit SSRIs begünstigt werden.

Zittern als Nebenwirkung

Häufig kommt es im Laufe einer Therapie mit Antidepressiva zu einem regelmäßigen Zittern. Prinzipiell ist diese Nebenwirkung bei allen gängigen Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, SSRIs, MAO-Hemmstoffe, uvm.) möglich und kann von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Dabei sind vor allem die Hände betroffen. Aus diesem Grund besteht die Gefahr der Verwechslung mit einem Tremor, wie er bei anderen neurologischen Erkrankungen auftreten kann.

Bei den SSRIs kann ein ständiges Zittern auch als Entzugssymptomatik bei abruptem Absetzen des jeweiligen Präparats auftreten. Das Zittern lässt dabei jedoch in der Regel innerhalb kurzer Zeit (Tage bis Wochen) nach. Es bestehen keine langfristigen Auswirkungen auf den menschlichen Körper durch das Zittern.

Nebenwirkungen durch Alkohol

Während der Einnahme jeglicher Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, SSRIs, MAO-Hemmstoffe, uvm.) sollte in jedem Fall auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden. Vor allem bei der Kombination von Alkohol mit trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmstoffen wurden zum Teil lebensgefährliche Nebenwirkungen beschrieben.

Weitere Informationen finden Sie hier: Antidepressiva und Alkohol

Der Großteil der Antidepressiva wird in der Leber verstoffwechselt. Sowohl die Aktivierung als auch der Abbau erfolgt dabei durch Leberenzyme. Dadurch wird die Leber in ihrer Funktion stark belastet. Da der Alkohol ebenfalls über die Leber verstoffwechselt wird, können erhebliche Wechselwirkungen auftreten. Sowohl die Wirkung des Alkohols als auch die der Antidepressiva können massiv beeinflusst werden. Dabei können sich die beschriebenen Nebenwirkungen der Antidepressiva massiv verstärken und zum Teil lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Je nach Präparat kann ein breites Spektrum an Nebenwirkungen auftreten und sämtliche Organe in ihrer Funktion betroffen sein. Eine stark reduzierte Atmung, schwere Herz-Rhythmus-Störungen sowie Bewusstseinseintrübungen sind möglich. Ebenfalls wurde von möglichen Persönlichkeitsveränderungen berichtet. Auch die bekannten Nebenwirkungen des Alkoholkonsums (Schwindel, Übelkeit, Bewegungsunsicherheit) können sich dabei möglicherweise so verstärken, dass eine Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma möglich ist.

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Nebenwirkungen in der Sexualität

Eine weitere häufig vorkommende Nebenwirkung sind Störungen der Sexualität. Vor allem bei einer Behandlung mit SSRIs (Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin) wird häufig von sexuellen Funktionsstörungen und einem Verlust der Libido (sexuelles Verlangen) berichtet. Die genauen Ursachen sind dabei noch nicht geklärt. Über die Auswirkungen der veränderten Serotonin-Spiegel im zentralen Nervensystem auf die Sexualorgane wird diskutiert.

Die Nebenwirkungen in der Sexualität bei einer Therapie mit SSRIs treten gehäuft bei Männern auf. Nichtsdestotrotz können auch Frauen davon betroffen sein. Häufig berichten Patienten von einer ständigen sexuellen Unlust, Schwierigkeiten eine Erektion oder sexuelle Erregung hervorzurufen oder aufrechtzuerhalten sowie schwachen bzw. fehlenden Orgasmen.

Auch bei der Therapie mit trizyklischen Antidepressiva können sexuelle Funktionsstörungen vorkommen. Diese sind jedoch deutlich seltener als bei SSRIs. Patienten berichten auch dabei von einer regelmäßigen sexuellen Unlust und einer möglichen Verminderung der Potenz.

Gewichtszunahme als Nebenwirkung

Viele der häufig verschriebenen Antidepressiva haben Auswirkungen auf das Gewicht des Patienten. Dabei besteht je nach Patient bei einer Gewichtszunahme die Gefahr einer Verschlechterung der Depression. Während viele Antidepressiva zu einer Gewichtszunahme führen, gibt es umgekehrt auch einige Präparate, die gewichtsneutral sind oder sogar eine Gewichtsabnahme bezwecken.

Triyzyklische Antidepressiva (vor allem Amitriptylin) führen über eine Steigerung des Appetits zu einer Gewichtszunahme. Diese kann je nach Patient bis zu mehrere Kilogramm im Monat betragen. Darüber hinaus führt auch das stark schlaffördernde Antidepressivum Mirtazapin zu einer Steigerung des Gewichts.

Bei der Behandlung mit einzelnen SSRIs (v.a. Fluoxetin) sowie Bupropion und Reboxetin haben Studien eine Abnahme des Gewichts gezeigt. Diese Wirkung ist vor allem bei hochdosierter Therapie auf einen generell verminderten Appetit zurückzuführen. Gleichzeitig können die während der Behandlung auftretende Mundtrockenheit und Geschmacksveränderung zu einer Verstärkung der Appetitlosigkeit führen.

Zahlreiche andere Antidepressiva (unter anderem Duloxetin, MAO-Hemmstoffe, weitere SSRIs) sind in der Regel gewichtsneutral und haben keinen erheblichen Einfluss auf den Appetit.

Dauer der Nebenwirkungen

Generell treten die Nebenwirkung der Antidepressiva vor allem zu Beginn einer Therapie auf. Stattdessen tritt die gewünschte antidepressive Wirkung erst verzögert nach wenigen Wochen ein, was die Gefahr eines vorzeitigen Therapieabbruchs erhöht. Dabei sollte man jedoch berücksichtigen, dass die Nebenwirkungen größtenteils im Laufe einer antidepressiven Therapie kontinuierlich nachlassen oder durch eine begleitende Medikation vermindert werden können. Gleichzeitig bestehen starke Unterschiede bzgl. des Auftretens und der Dauer der Nebenwirkungen zwischen den einzelnen Patienten.

Zu den Symptomen, die typischerweise während der gesamten Behandlung mit Antidepressiva auftreten können, zählen unter anderem die sexuellen Funktionsstörungen, Gewichtsveränderungen und Erhöhungen des Augeninnendrucks. Stattdessen lassen ein zu Beginn der Therapie aufgetretenes Zittern, eine ständige Müdigkeit, Schlafstörungen sowie Magen-Darm-Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Wochen kontinuierlich nach.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.06.2017
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