Rezeptfreie Antidepressiva

Kann man Antidepressiva rezeptfrei bekommen?

Alle als Antidepressiva bezeichneten Arzneimittel sind verschreibungspflichtig. Das heißt ohne ein Rezept von einem Arzt kann ich als Patient solche nicht erhalten.

In der Zeit des Internets gibt es allerdings einige Onlinedienste, die Antidepressiva rezeptfrei online verschicken. Bedingung dafür ist teils ein Online-Fragebogen, der laut Internetseite von einem Experten geprüft werde. Dieser gebe dann auch eine Dosierungsempfehlung. Tatsache ist allerdings, dass man meist nur zu einer Internet-Versandapotheke weitergeleitet wird, bei er man das gewünschte Mittel dann bestellen kann.
Von solchen Seiten ist natürlich abzuraten. Denn auch ein Fragebogen ersetzt nicht ein Gespräch mit dem Arzt, der eine individuelle Therapie mit dem Patienten festlegen kann. Ebenso schützen solche Seiten auch nicht vor einem Missbrauch, zumal oft auch mit Rabatten geworben wird.
Die Therapie einer Depression gehört ohne Zweifel in die Hände eines Facharztes.


Eine rezeptfreie Alternative: Johanniskraut

Alle Antidepressiva sind verschreibungspflichtig. Eine rezeptfreie Alternative ist das Johanniskraut. Dessen Wirkung ist jedoch umstritten.

Eine rezeptfreie Alternative zu den klassichen Antidepressiva stellt die Verwendung von Johanniskraut dar. Es ist freiverkäuflich (rezeptfrei) in Supermärkten und Drogerien zu erhalten.
Dessen Wirkung ist allerdings stark umstritten. Es gibt viele Studien, die sowohl eine Wirksamkeit erweisen, als auch das Gegenteil zeigen.
In Deutschland ist es zur Behandlung einer „leichten vorübergehenden depressiven Störung“ angezeigt.
Als wirksamer Bestandteil wird das Hyperforin angenommen, dies ist bislang aber noch nicht endgültig erwiesen. Es soll ebenso als nichtselektiver Monoaminrückaufnahme-Inhibitor wirken, wie auch die trizyklischen Antidepressiva. Genauso wie diese, entfaltet dieses rezeptfreie Johanniskraut seine Wirkung erst nach ein paar Wochen.

Bei Johanniskraut ist allerdings zu beachten, dass es durch einen gleichen Abbauweg im Körper zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen kann. So führt es dazu, dass andere Medikamente schneller abgebaut werden und sie somit ihre Wirkung teilweise oder ganz verlieren.
Dies ist z.B. der Fall bei Antikontrazeptiva („Pille“), bei HIV-Medikamenten, Antibiotika oder auch bei Immunsuppressiva.
Dies kann schwerwiegende Folgen haben. So können schwere Infektionen begünstigt werden oder auch beispielsweise Abstoßungsreaktionen bei immunsuppressiver Therapie nach einer Transplantation herbeigeführt werden.
Auch Wechselwirkungen mit Antidepressiva können nicht ausgeschlossen werden. Bei Serotonin-Wiederaufnahmehemmern können deren Nebenwirkungen verstärkt werden und womöglich das Serotonin-Syndrom ausgelöst werden.
Hinzu kommt dass die übliche Dosierung von Johanniskraut bei ca. 600 mg/Tag beginnt. Die Präparate in beispielsweise der Drogerie enthalten aber weitaus geringere Dosen.
Denn Johanniskraut wird ab einer Wirkmenge von 300 mg rezeptpflichtig.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.12.2016
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