Vitamin B1 – Thiamin

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Vorkommen und Struktur

Thiamin kommt sowohl in pflanzlichen, als auch in tierischen Produkten vor. Charakteristisch für seine chemische Struktur sind ein Pyrimidinring (enthält zwei Stickstoff (N) Atome in seinem Sechsring) und ein Thiazolring (enthält ein Schwefel (S) Atom in seinem Fünfring).
Vorkommen:

  • pflanzlich: (Weizenkeimen, Sonnenblumenkerne, Sojabohnen)

Funktion

Thiamin muss, um seine Funktionen im Körper erfüllen zu können, erst einmal aktiviert werden. Dies geschieht durch Anhängen von zwei aneinander gekoppelten Phosphatresten (Pyrophosphat), da diese beiden durch eine energiereiche Bindung miteinander verbunden sind. In dieser aktivierten Form ist Thiamin Hilfsfaktor (Cofaktor) in Reaktionen von

  • Citratzyklus (hier dient es dem Enzym alpha-Ketoglutarat-Dehydrogenase als Helfer)
  • Pyruvat-Umwandlung zu Acetyl-CoA (Helfer der Pyruvat-Dehydrogenase)
  • Pentosephosphatweg (Helfer der Transketolase)

Exkurs zu diesen Stoffwechselwegen:

Die Pyruvat-Dehydrogenase-Reaktion folgt auf die Glykolyse (Umwandlung des Zuckers Glucose in Pyruvat unter – jedoch geringer – Energierausbeute) und wandelt das dort entstandene Pyruvat zu Acetyl-CoA um, dass dann in den Citratzyklus eingeschleust wird. Diese Reaktion findet nur statt, sofern genug Sauerstoff vorhanden ist, läuft also aerob ab.

Auch der sich anschließende Citratzyklus (Zitronensäure-Zyklus oder Tricarbonsäure-Zyklus) läuft nur unter aeroben Bedingungen ab und dient der Bereitstellung von sogenannten Reduktionsäquivalenten. Diese können in der sich anschließenden Atmungskette in Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat, was sozusagen die Energie-Währung des Körpers ist) umgewandelt werden. Im Citratcyklus wird Acetyl-CoA unter Entstehung dieser Reduktionsäquivalente und unter Gewinnung von zwei energiereichen Verbindungen (GTPGuanosintriphosphat, sozusagen ein Bruder vom ATP) zu Kohlendioxid abgebaut.

Der Pentosephosphatweg dient in erster Linie der Bereitstellung von NADPH reduziertes Nicotinamidadenindinucleotidphosphat), das essentiell ist zum Schutz vor Sauerstoffradikalen, die großen Schaden im Organismus anrichten können.

Mangelerscheinungen

Die aus Thiamin-Mangel resultierende Mangelerkrankung nennt sich BeriBeri und findet sich heute in Industrieländern kaum noch. Dafür aber nach wie vor in Ländern, in denen vor Allem polierter Reis verzehrt wird, der keinerlei Thiamin enthält.
Symptome sind Skelettmuskelschwund, Herzfunktionsstörungen und Wassereinlagerungen (Ödeme).


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012