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Absolute Arrhythmie - Das sollten Sie wissen

Einleitung

Bei einer absoluten Arrhythmie schlagen die Vorhöfe des Herzens viel zu schnell wie es bei einem Vorhofflimmern üblich ist.
Hinzu kommt hierbei jedoch, dass durch die zu schnelle Vorhofbewegung die Kammern des Herzens unregelmäßig schlagen, sodass das Herz komplett unregelmäßig zuckt. Dies führt dazu, dass das Blut das durch das Herz gepumpt werden soll, durch die vielen Zuckungen still steht und kein Blut mehr in den Kreislauf gelangt. Solch ein Zustand ist sehr gefährlich und birgt mehrere Risiken.

Diese Begleitsymptome treten bei einer absoluten Arrhythmie auf

Die absolute Arrythmie verläuft in den meisten Fällen unbemerkt, da es zu keinen typischen Symptomen kommt. Mögliche Symptome und Beschwerden, die jedoch bei einem Vorhofflimmern auftreten können sind Schwindelattacken, in seltenen Fällen sogar mit Ohnmacht, Angst und innere Unruhe, sowie das verstärkte Wahrnehmen des eigenen Pulses oder Herzrasen.

Bei schweren Formen der absoluten Arrhythmie, die zusammen mit einer Herzerkrankung auftreten, kann es zu einer Verschlechterung der Herzfunktion und in Folge dessen zu Symptomen einer Herzschwäche kommen. Hierzu gehören vorrangig die geminderte Belastbarkeit mit einhergehender Atemnot, Reizhusten, Blutdruckschwankungen, Wasser in den Beinen und häufiges nächtliches Wasserlassen. Ein weiteres schwerwiegendes begleitendes Symptom des Vorhofflimmerns kann die Folge eines Blutgerinnsels sein, beispielsweise nach einem Schlaganfall. Liegt ein Vorhofflimmern vor, kommt besteht ein stark erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Blutgerinnsels im Vorhof und die Gefahr eines Auswurfs in den Körperkreislauf mit potenziell schweren Folgen, wie dem Verschluss eines der gehirnversorgenden Blutgefäße.

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Ursachen der absoluten Arrhythmie

Ein Vorhofflimmern oder eine absolute Arrhythmie kann in Folge von vielen verschiedenen Erkrankungen auftreten. Nur bei den wenigsten diagnostizierten absoluten Arrhythmien, lässt sich keine zugrundeliegende Ursache finden. In diesen Fällen spricht man von einem idiopathischen Vorhofflimmern.

Zu den häufigsten Ursachen gehören Erkrankungen des Herzens, wie beispielsweise eine durchgemachte Herzmuskelentzündung, eine Herzklappenverengung, eine koronare Herzkrankheit, eine chronische Herzinsuffizienz, Herzschäden oder angeboren Herzfehler.
Aber auch Erkrankungen fern vom Herzen können ein Vorhofflimmern verursachen und dürfen deshalb bei der Diagnostik nicht aus der Acht gelassen werden. Hierzu gehören die Schilddrüsenüberfunktion, eine akute Verlegung der Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel, eine andauernde Herzbelastung durch eine chronische Lungenkrankheit wie der chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder auch die Fehleinnahme von einigen Medikamenten. Bei jungen und herzgesunden Menschen kann ein Vorhofflimmern auch nach Alkoholexzessen auftreten oder als Folge von langjährigem Ausdauersport.

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Wie wird eine absolute Arrhythmie diagnostiziert?

Die Diagnose des Vorhofflimmerns wird anhand des EKG gestellt. Allerdings können schon im Vorfeld ein ausführliches ärztliches Gespräch und klinische Untersuchungen die Diagnose des Vorhoffllimmerns festigen. Hierfür ist wichtig zu erfragen, ob es einen bekannten Auslöser für das Vorhofflimmern gibt, wie beispielsweise körperliche Belastung, Alkoholkonsum oder Infektionen. Außerdem sollte eruiert werden, ob in der Vergangenheit Leistungssport betrieben wurde oder es bereits Infarkte oder Schlaganfälle gab.

In der anschließenden körperlichen Untersuchung sollte der Schwerpunkt auf die Herzuntersuchung gelegt werden. Hier kann sich bereits beim Tasten des Pulses ein erster Hinweis auf das Vorliegen eines Vorhofflimmerns zeigen. Zielführend sind hier ein unregelmäßig tastbarer Puls oder eine Differenz der getasteten Pulse und der durch ein Stethoskop hörbaren Herzaktion. Beim Abhören des Herzen kann eine wechselnde Lautstärke des ersten Herztons auffallen.

Score bei absoluter Arrhythmie

In der Diagnostik und Therapieplanung der absoluten Arrhythmie kommen verschiedene Scores zum Einsatz. Der wohl wichtigste hierbei ist der sogenannte CHA2DS2VASc-Score, der zur Einschätzung des Risikos für einen Schlaganfall dient. Ab einem Score von 2 Punkten sollte eine zur Prophylaxe eines Schlaganfalls ein blutverdünnendes Medikament verabreicht werden. In den CHA2DS2VASc-Score zählen folgende Risikofaktoren, welche mit jeweils einem oder zwei Punkten bewertet werden: Chronische Herzinsuffizienz oder linksventrikuläre Dysfunktion, Hypertonie (Bluthochdruck), Alter > 75 Jahre, Diabetes mellitus, Schlaganfall oder Thrombose, Vaskuläre Erkrankungen (z.B. eine KHK oder pAVK), Alter 65-74 Jahre, und das Geschlecht.

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Das EKG bei Herzrhythmusstörungen wie einer absoluten Arrhythmie

Das EKG ist das Mittel der Wahl zur Diagnostik von Herzrhythmusstörungen und im Zuge dessen auch zur Diagnosestellung einer absoluten Arrhythmie.
Das Vorhofflimmern oder absolute Arrhythmie zeigt sich als Blickdiagnose auf dem ausgedruckten EKG. Normalerweise sieht man typische EKG Komplexe, wobei jede Zacke eine bestimmte Herzaktion wiederspiegelt. Vereinfacht lässt sich ein Komplex beschreiben als die Abfolge einer kleinen Welle (der P-Welle) gefolgt von einer hohen Zacke (der R-Zacke). Die p-Welle steht hierbei für das Zusammenziehen der Vorhöfe, gefolgt von der hohen R-Zacke, welche die Aktion der Herzkammern wiederspiegelt. Liegt eine absolute Arrhythmie vor, kommt es zu einer unregelmäßigen Abfolge der R-Zacken. Die sonst immer in gleichen Abständen auftretenen Kammerzacken sind nun unregelmäßig und variieren in ihren zeitlichen Abständen. Die P-Welle ist im Falle einer absolute Arrhythmie gar nicht mehr im EKG erkennbar, es kommt stattdessen in Folge der unkontrollierten Aktivität der Vorhöfe zu einer Art Schlangenlinie vor den R-Zacken. Liegt das Vorhofflimmern nicht permanent vor, besteht die Möglichkeit  die Diagnose mithilfe eines Langzeit EKG zu stellen.

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Therapie der Absoluten Arrhythmie bei Herzrhythmusstörungen

Die Therapie der absoluten Arrhythmie orientiert sich an der Prognose und den Komplikationen, die durch diese Erkrankung entstehen können. In diesem Rahmen lassen sich vier grundsätzliche Säulen der Therapie der absoluten Arrhythmie festlegen.

  1. Prophylaxe
  2. Frequenzkontrolle
  3. Rhytmuskontrolle
  4. Generalisierte Therapie

Die erste Säule der Therapie umfasst die Prophylaxe und ist die wohl wichtigste für jeden Patienten. Das Vorhofflimmern verursacht eine unregelmäßige Strömung des Blutes in den Vorhöfen, wodurch das Blut zur Bildung von Gerinnseln neigt. Diese Gerinnsel können im weiteren Verlauf in die Herzkammer gelangen und von hier aus in den Körperkreislauf ausgeworfen werden. Hier können sie schwerwiegende Schäden anrichten, wie beispielsweise den Verschluss eines Gefäßes, welches das Gehirn versorgt. Es kommt zum Schlaganfall mit schweren teils unumkehrbaren Defiziten. Aus diesem Grund sollte jeder Patient mit einem Vorhofflimmern eine sogenannte Thromboembolieprophylaxe erhalten, welche die Bildung der Blutgerinnsel verhindern kann.

Die zweite Säule der Therapie ist die Frequenzkontrolle. Diese kommt zum Einsatz, wenn das Vorhofflimmern nicht zu beenden ist. Da jedoch die Vorhöfe bei der absoluten Arrhythmie sich deutlich schneller bewegen, als der normale Herzfrequenz, besteht immer die Gefahr, dass die schnelle Frequenz sich auf die Herzkammern überträgt und es zu einem lebensbedrohlichen Herzrasen oder sogar Herzflimmern kommt.

Die dritte Säule der Therapie enthält die Rhytmuskontrolle, hierbei wird versucht die absolute Arrhythmie durch Medikamente oder Stromimpulse wieder in den normalen Herzrhythmus zu überführen.

Die vierte und somit letzte Säule der Therapie befasst sich mit den meistens bestehenden Neben- oder Grunderkrankungen die einen erheblichen Einfluss auf das Vorhoflimmern nehmen können. Hier beispielsweise die korrekte Einstellung des Bluthochdrucks.

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Macumar gegen eine absolute Arrhythmie

Der wohl wichtigste Therapieansatz in der Behandlung der absoluten Arrhythmie ist die Thromboembolie-Prophylaxe. Hierzu werden blutverdünnende Medikamente dauerhaft verabreicht.
Der bekannteste Vertreter dieser Medikamente ist das sogenannte Marcumar®. Eines der ältesten Blutverdünner, die bei der Prophylaxe der absoluten Arrhythmie eingesetzt wird. Marcumar® ist ein sehr zuverlässiges Medikament, welches bei korrekt eingestellten Blutspiegeln die Gefahr eines Schlaganfalls durch ein Blutgerinnsel signifikant senkt.

Leider wird Marcumar® sehr individuell verstoffwechsel, was regelmäßige Blutkontrollen zur korrekten Dosiseinstellung notwendig machen. Im Vergleich zu neuen blutverdünnenden Medikamenten, die dieses regelmäßigen Kontrollen nicht benötigen, bleibt Marcumar® trotzdem eine gute Alternative, da es sich um ein sehr gut erprobtes Medikament handelt, welches in seiner Steuerbarkeit und Verträglichkeit vielen neuen Medikamenten nach wie vor überlegen ist.

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Kardioversion bei einer absoluten Arrhythmie

Die Kardioversion ist ein Therapieansatz, der der Rhytmuskontrolle des Vorhofflimmerns dient.
Eine Kardioversion kann entweder elektrisch erfolgen oder medikamentös. Bei der elektrischen Kardioversion wird dem schlafenden Patienten ein elektrischer Impuls versetzt, welcher auf die Herzaktion abgestimmt ist und den Herzrhytmus in den Normalrhytmus versetzen soll. Eine Alternative ist die medikamentöse Kardioversion. Hierbei werden spezielle Medikamente unter Kontrolle der Herzaktion verabreicht, welche ebenfalls die Rhytmusstörung beenden sollen und die Vorhöfe in den normalen Herzrhytmus zurück bringen.

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Komplikationen eines Schlaganfalls

Die Komplikation des Schlaganfalls ist wohl die schwerste und gefürchtetste Folge der absoluten Arrhythmie. Durch die unregelmäßige Bewegung der Herzvorhöfe kommt es zu einer Veränderung der Strömungseigenschaftes des Blutes, welches die Ausbildung von Blutgerinnseln begünstigt. Diese Blutgerinnsel können von den Herzvorhöfen in die Herzkammern gelangen und von hier aus in den Körperkreislauf ausgeworfen werden. Je nachdem welchen Weg das Blutgerinnsel einschlägt, kann es mehr und weniger schlimmer Folgen haben. Die wohl schlimmste Folge ist der Schlaganfall, wenn das Blutgerinnsel ein Gefäß verlegt, welches das Gehirn mit Blut versorgt. Aus diesem Grund ist eine der wichtigsten Grundlagen in der Therapie der absoluten Arrhythmie, die Blutverdünnung, um die Entstehung von Blutgerinnseln vorzubeugen.

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Wie ist meine Lebenserwartung bei absoluter Arrhythmie?

Die alleinige absolute Arrhythmie kann bei konsequenter Therapie mit einer normalen Lebenserwartung einhergehen. Kommen jedoch weitere Grunderkrankungen hinzu kann die Kombination der Erkrankungen die Lebenserwartung mindern.
Insbesondere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie Bluthochdruck, oder Störungen im Zucker- oder Fettstoffwechsel wie Diabetes können negativen Einfluss auf die Prognose des Vorhofflimmerns nehmen. Generell ist jedoch bei gut therapierten Nebenerkrankungen auch hier eine normale Lebenserwartung möglich. Am wichtigsten bei einem permanent bestehenden Vorhofflimmern ist die Thromboembolie-Prophylaxe, da die Entstehung eines Blutgerinnsels und in Folge dessen ein Schlaganfall eine der schwersten Komplikationen der absoluten Arrhythmie darstellt und die Lebenserwartung und Lebensqualität deutlich mindert.

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Formen der absoluten Arrhythmie

Das Vorhofflimmern oder die absolute Arrhythmie lassen sich in verschiedene Formen einteilen, wobei sich die Klassifikationen in der Entstehung und der Dauer unterscheiden. In erster Linie lässt sich das primäre Vorhofflimmern von dem sekundären Vorhofflimmern unterscheiden.

  • primär: Ungefähr 15% aller Menschen mit Vorhofflimmern leiden an einem primären Vorhoflimmern, bei dem es keine nachweisbaren, zugrundeliegenden Herzerkrankungen oder Risikofaktoren gibt.
  • sekundär: Dem sekundären Vorhofflimmern hingegen liegt immer ein auslösender Faktor zugrunde, wie beispielsweise eine Herzerkrankung, eine Herzklappenerkrankung, Störungen im Wasser- und Salzhaushalt oder andere Grunderkrankungen wie eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Neben der Ursache lässt sich die absolute Arrhythmie auch nach Häufigkeit und Dauer einteilen.

  • Ein Vorhofflimmern, welches spontan innerhalb von 48 Stunden bis sieben Tagen wieder in den normalen Herzrhythmus zurückfindet wird als paroxysmales Vorhofflimmern bezeichnet.
  • Dauert das Vorhofflimmern länger als sieben Tage an und findet dann spontan zurück in den normalen Herzrhytmus oder wird von einem Arzt mittels Kardioversion zurück in den normalen Herzrhytmus gebracht, bezeichnet man dieses als persistierendes Vorhofflimern.
  • Ein permanentes Vorhofflimmern hingegen beschreibt eine absolute Arrhythmie welche unter keinen Umständen mehr zurück in den normalen Herzrhtymus zu bringen ist und somit akzeptiert wird.

Mehr hierzu: Einteilung der Herzrhythmusstörungen

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.07.2020
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