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Abszess im Darm

Definition

Abszesse sind Eiteransammlungen, die an unterschiedlichen Körperregionen auftreten können.

Der Abszess besitzt eine eigene Kapsel und schafft sich eine eigene Körperhöhle, indem er Gewebe einschmilzt. Man spricht dann auch von einer nicht-präformierten Körperhöhle. Auch am Darm kann es Abszesse aufgrund verschiedener Vorerkrankungen und Ursachen geben. Im weitesten Sinne gehören auch Analabszesse, die akute Form der Analfistel, zu den Darmabszessen.

Abszesse im Darm sind entzündliche Geschehen, die nach einer gewissen Zeit aufplatzen (perforieren) können. Dadurch kann sich der Abszessinhalt in den Bauchraum entleeren.

Ursachen

Ein Abszess im Darm kann aufgrund verschiedener Ursachen oder Vorerkrankungen entstehen.

Entzündliche Geschehen im Darm fördern die Entstehung von Abszessen. Aus einer anfänglichen Entzündung kann sich dann ein Abszess entwickeln. Erkrankungen, bei denen eine hohe Entzündungsaktivität vorhanden ist, neigen daher zu Abszessen.

Weiterhin können Abszesse auch leichter bei Erkrankungen entstehen, bei denen das Immunsystem geschwächt ist. So ist es nicht verwunderlich, dass eine mögliche Komplikation der Divertikulitis der Darmabszess ist. Eine Divertikulitis ist eine Entzündung sogenannter Darmdivertikel. Bei diesen handelt es sich um Ausstülpungen in der Darmwand, die sich sogar bei über 50% der über 70-Jährigen in den Industrienationen finden. Sie entstehen aufgrund verschiedener Faktoren und können sich im Laufe des Lebens entzünden. In den Divertikeln kann sich Stuhl ansammeln und zu einer Durchblutungsstörung in der Darmwand führen. Eine Entzündung ist die Folge. Die Entzündung breitet sich aus und es entstehen Abszesse, die sich bei Durchbruch der Divertikel in den Bauchraum entleeren können.

Eine weitere Erkrankung, die für einen Darmabszess ursächlich sein kann, ist der Morbus Crohn. Dabei handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Ursache ungeklärt ist. Die hohe Entzündungsaktivität beim Morbus Crohn führt nicht selten zur Ausbildung von Fisteln und Abszessen im Darm.

Weiterhin kann im Rahmen einer Blinddarmentzündung ein sogenannter perityphlitischer Abszess entstehen. Dieser Abszess entsteht als Komplikation eines Blinddarmdurchbruchs und muss sofort operiert werden.

Abszesse im Darm können selten auch durch das Einbringen von Fremdkörpern in den Darm entstehen. Das kann sowohl durch das Schlucken der Fremdkörper als auch durch ein anales Einführen eines Gegenstandes passieren. Der Fremdkörper stellt einen Entzündungsreiz dar und kann so zu der Entstehung eines Abszesses führen.

Chronische Erkrankungen, wie Diabetes, HIV oder andere Erkrankungen, die das Immunsystem unterdrücken, erleichtern es Infektionen und Entzündungen, sich im Darm auszubreiten. Darmabszesse sind zwar selten, können aber bei einer solchen Vorerkrankung einfacher entstehen.      

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Diagnose

Darmabszesse treten in der Regel im Rahmen anderer Vorerkrankungen, wie beispielsweise Morbus Crohn oder einer Divertikulitis, auf. Sie sind als Komplikation der Erkrankung zu werten und entstehen dann, wenn sich eine Entzündung ausbreitet.

Symptome, wie Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl, oder Bauchschmerzen können auf einen Abszess im Darm hindeuten. Meist erfolgen bei vorliegenden Vorerkrankungen, bei denen bevorzugt Darmabszesse auftreten, regelmäßige Untersuchungen beim Hausarzt oder Gastroenterologen. Bei neu aufgetretenen Magen-Darm-Beschwerden wird dann gezielt auch nach etwaigen Entzündungen oder Abszessen gesucht.

Eine schnelle und unkomplizierte Untersuchung, die einen Abszess aufzeigen kann, ist der Bauch-Ultraschall. Fisteln und Abszesse können dort sichtbar sein. Zur genauen Bestimmung der Lokalisation des Abszesses kommen weitere bildgebende Verfahren, wie die CT- oder MRT-Untersuchung in Frage. In der Blutuntersuchung können Entzündungswerte wie das CRP, die Blutsenkungsgeschwindigkeit oder die Leukozyten erhöht sein. Dabei handelt es sich jedoch um unspezifische Werte, die bei einem geschlossenen Abszess nicht erhöht sein müssen. Letztendlich wird die Diagnose eines Abszesses durch bildgebende Verfahren gestellt.

Symptome

Die Symptome eines Darmabszesses können mitunter sehr unterschiedlich sein. Mögliche Symptome, die auf einen Darmabszess hindeuten können, sind Bauchschmerzen oder Krämpfe unterschiedlicher Intensität. Auch Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl können auf einen Darmabszess hindeuten. Dies sind jedoch sehr unspezifische Symptome, die auch im Rahmen einer gewöhnlichen Magen-Darm-Infektion auftreten.

Da sich Darmabszesse häufig im Rahmen von Vorerkrankungen finden, können spezielle Symptome dieses Krankheitsbildes oder eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes auf den Abszess als Komplikation hindeuten. Eine Divertikulitis äußert sich beispielsweise in einem akuten, linksseitigen Unterbauchschmerz. Der Schmerz ist sehr stark und verschlimmert sich mit der Zeit. Fieber ist ebenfalls für eine solche Entzündung typisch. Auch ein plötzlich aufgetretener Durchfall oder Verstopfungen sind häufige Symptome. Die Symptomatik fällt unglücklicherweise gerade bei älteren Menschen oft sehr mild aus. Daher besteht die Gefahr, dass der Abszess nicht als solcher erkannt wird. Ein Aufplatzen des Abszesses kann sogar zu einer anfänglichen Symptomverbesserung führen. Nach einiger Zeit verschlimmern sich die Symptome jedoch wieder und es treten stärkste Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Auch ein Schock mit Bewusstlosigkeit ist eine mögliche Folge.

Bei einer Blinddarmentzündung kann ein Abszess leicht die Symptome der Entzündung verschleiern. Es ist gar nicht selten, dass in solch einem Falle nur Fieber und ein leichter Druckschmerz im rechten Unterbauch auffällt. Das macht den Abszess bei einer Blinddarmentzündung so gefährlich.                        

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Schmerzen bei einem Abszess im Darm

Ein Darmabszess kann, muss jedoch nicht zwingend, Schmerzen verursachen.

Häufig sind es unspezifische Bauchschmerzen, die schwierig einer genauen Ursache zugeordnet werden können. Darmabszesse treten jedoch nur sehr selten bei ansonsten gesunden Personen auf. Meist liegt eine Vorerkrankung vor, bei denen Darmabszesse mögliche Komplikationen sind. Neu aufgetretene Bauchschmerzen werden daher bei solchen Personen näher untersucht, da ein höheres Risiko für Komplikationen vorhanden ist. Ein Darmabszess kann jedoch auch stärkste Bauchschmerzen oder Unterleibsschmerzen verursachen, weshalb die Betroffenen direkt eine Notaufnahme aufsuchen.       

Behandlung

Ein Darmabszess ist eine ernstzunehmende Komplikation, die zeitnah behandelt werden muss. Wenn ein Darmabszess nicht behandelt wird, kann er aufplatzen und schwerwiegende Folgen haben, die potentiell lebensbedrohlich sind.

Die Behandlung eines Darmabszesses umfasst zum einen eine Operation und zum anderen eine antibiotische Therapie. Ziel der Operation ist es, den Abszess zu beseitigen und auszuräumen. Die antibiotische Therapie soll Infektionen und weitere Entzündungen verhindern.

Das Operationsverfahren wird je nach zugrundeliegender Vorerkrankung und Art des Abszesses ausgewählt. Prinzipiell sind sowohl minimal-invasive als auch offene operative Verfahren möglich. Bei einer minimal-invasiven Operation wird das Operationsbesteck über kleine Schnitte in den Bauchraum eingebracht. Für eine offene Operation hingegen erfolgt ein Bauchschnitt. Der Abszess wird ausgeräumt und gegebenenfalls werden auch Darmanteile entfernt, wenn dies notwendig ist. Im Rahmen einer solchen Operation kann es notwendig vorübergehend einen künstlichen Darmausgang zu schaffen. Dies ist beispielsweise bei einer komplizierten Divertikulitis der Fall. Der Darmausgang wird dann im Verlauf nach einigen Wochen wieder in den Bauchraum rückverlagert.

Für die antibiotische Therapie werden Antibiotika verwendet, die Keime bekämpfen, die sich vor allem im Darm finden. Dazu gehören unter anderem die Antibiotika Metronidazol, Cefuroxim, Ciprofloxacin oder Piperacillin und Tazobactam. In der Regel werden zwei oder mehr Antibiotika miteinander kombiniert, um möglichst viele Keime bekämpfen zu können.

Abgesehen von der speziellen Therapie des Abszesses muss auch die Grunderkrankung, in deren Rahmen der Abszess aufgetreten ist behandelt werden. Bei einem Morbus Crohn beispielsweise muss nach der Operation des Abszesses eine sogenannte Remissionserhaltung erfolgen. Diese Remissionserhaltung umfasst die Behandlung mit Medikamenten, die einen Krankheitsrückfall verhindern sollen. Dazu gehören Glucocortikoide, die dem körpereigenen Kortison ähneln und entzündungshemmend wirken, sowie die sogenannten Immunsuppressiva, welche die Aktivität des Immunsystems herunterregulieren. In besonderen Fällen kann als Alternative zur operativen Entlastung des Abszesses eine Drainage (s. Abschnitt Drainage) in den Abszess gelegt werden, mit deren Hilfe dieser entleert wird.                 

Operation eines Abszesses im Darm

Der Darmabszess muss operativ entlastet und ausgeräumt werden, um potentiell lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern.

Ein Abszess kann jederzeit platzen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt von Tag zu Tag. Abszesse werden sowohl in Notoperationen als auch in geplanten Operationen ausgeräumt.

Sollte ein Abszess bereits geplatzt sein, ist ebenfalls eine Operation notwendig, um den Bauchraum vom Abszessinhalt zu säubern und gegebenenfalls entzündetes oder abgestorbenes Darmgewebe zu entfernen. Je nach Art des Darmabszesses, vorbestehenden Darmerkrankungen und individuellem Verlauf, wird die passende OP-Technik ausgewählt. In manchen Fällen kann ein minimal-invasives Verfahren ausgewählt werden, bei welchem das Operationsbesteck mittels kleiner Schnitte in den Bauchraum eingebracht wird. Bei einer konventionellen Operation wird der Bauchraum mit einem Bauchschnitt eröffnet, um an den Darm zu gelangen. Stark entzündete Darmanteile, etwa bei einer Blinddarmentzündung oder einer Divertikulitis, werden im Rahmen solch einer Operation mitentfernt.

Es kann außerdem notwendig sein, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen. Dies ist jedoch eher bei sehr komplizierten Verläufen der Fall. Im Verlauf wird der künstliche Darmausgang in einer zweiten Operation wieder in den Bauchraum verlegt. Nach der Operation müssen Patienten in der Regel auf einer Intensivstation betreut werden. Ein Krankenhausaufenthalt von ungefähr 14 Tagen oder länger ist nach solch einer Operation normal.

Drainagen bei einem Abszess im Darm

Als Alternative zu einer Operation kann in manchen Fällen eine Drainage in den Abszess gelegt werden, die den Abszessinhalt in ein Behältnis ableitet.

Die Drainage wird mithilfe eines Ultraschall-Gerätes oder einer CT-Bildgebung in die richtige Stelle gelegt. Dieses Vorgehen bezeichnet man auch als Sonographie- oder CT-gesteuert. Dennoch wird im Verlauf dann in der Regel noch eine Operation durchgeführt, um den gesamten Abszess mitsamt seiner Kapsel und eventuell entzündeter Darmanteile zu entfernen. Ein Grund für das vorherige Einlegen einer Drainage kann ein sehr schlechter Allgemeinzustand des Betroffenen sein, der eine sofortige Operation zu riskant macht.

Dauer eines Abszesses im Darm

Ein Abszess im Darm ist ein akutes Geschehen. Die Erkrankung, in deren Rahmen der Abszess entstanden ist, kann hingegen bereits über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen. Der Abszess bildet sich dann auf dem Boden einer bereits vorhandenen Entzündung. Die Entzündung kann wochenlang bestehen oder akut entstanden sein. Da ein Darmabszess binnen weniger Tage oder Stunden aufplatzen kann, muss er sofort behandelt werden.                                                         

Arten von Abszessen

Abszess durch Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die meist zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr die ersten Beschwerden verursacht.

Die Ursachen der Erkrankung sind weitestgehend unklar. Man weiß jedoch, dass Nikotinkonsum ein Risikofaktor für die Entstehung eines Morbus Crohn ist. Darüber hinaus ist auch eine familiäre Veranlagung für die Erkrankung bekannt.

Die Erkrankung zeichnet sich durch eine hohe Entzündungsaktivität im Darm und auch in anderen Körperregionen, wie den Gelenken, der Haut oder den Augen, aus. Patienten mit Morbus Crohn leiden in der Regel unter chronischen, unblutigen Durchfällen. Begleitend treten bei Menschen mit Morbus Crohn unangenehme Begleiterscheinungen wie Analfisteln, Darmverengungen oder auch Darmabszesse und Analabszesse auf.

Durch eine medikamentöse Therapie des Morbus Crohn mit Wirkstoffen, die das Immunsystem herunterregulieren, und Glucocorticoiden sollen Schübe, in denen Symptome auftreten, bekämpft werden. Auch Komplikationen, wie Abszessen, wird so vorgebeugt. Sollte ein Abszess entstehen, muss dieser operiert und ausgeräumt werden. In schweren Fällen müssen Teile des Darms mit entfernt werden. Nach einer Operation bei Morbus Crohn wird in der Regel eine postoperative medikamentöse Therapie fortgeführt. Diese soll einen Krankheitsrückfall und die erneute Entstehung von Komplikationen, wie Abszessen, verhindern. Die mehrmonatige Therapie umfasst den Einsatz von Medikamenten, die das Immunsystem herunterregulieren, wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder TNF-alpha-Hemmer. Dabei handelt es sich um sehr wirksame, aber oft auch nebenwirkungsreiche Medikamente.   

Lesen Sie mehr hierzu: Morbus Crohn

Abszesse im Bauchraum

Abszesse können sich nicht nur im Darm bilden, sondern auch im freien Bauchraum. In diesem Fall spricht man von einem intraabdominalen Abszess.

Solche Abszesse sollten jedoch nicht mit Abszessen verwechselt werden, die wirklich im Darmgewebe entstehen. Meist entstehen Abszesse im Bauchraum als Folge oder Komplikation einer Operation oder einer Organenerkankung. Magengeschwüre oder auch schwere Entzündungen der Gallenblase können als Komplikation einen Abszess im Bauch nach sich ziehen. Abszesse des Bauchraums sind potentiell lebensbedrohlich und müssen daher immer behandelt werden.     

Was tun, wenn der Abszess geplatzt ist?

Darmabszesse entstehen dort, wo sich Entzündungsaktivität findet. Der Abszess schmilzt das Gewebe quasi ein und baut sich so seine eigene Körperhöhle. Diese kann unglücklicherweise leicht aufplatzen und der Abszessinhalt entleert sich. Dabei handelt es sich um eine potentiell lebensbedrohliche Komplikation.

Ein geplatzter Abszess im Darm muss sofort operiert und ausgeräumt werden, um Komplikationen wie eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) zu verhindern. Ein mögliches Zeichen für einen geplatzten Abszess ist die plötzliche Symptomfreiheit. Stärkste Bauchschmerzen und Beschwerden sollten daher, gerade bei Vorerkrankungen, wie Morbus Crohn oder einer Divertikulose, abgeklärt werden, auch wenn vermeintlich Besserung eintritt.                                                                  

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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