Divertikulose

    Symptome

    Häufig bleibt die Divertikulose unbemerkt oder wird im Rahmen einer Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge zufällig festgestellt. 80% der Patienten haben unter ihrer Divertikulose nie Beschwerden. Der Rest der Betroffenen leidet meist unter unterschiedlich starken, krampfartigen Schmerzen im linken Unterbauch, welche manchmal in den Rücken ausstrahlen.

    Je nach Lage des Sigmas, können die Schmerzen auch oberhalb des Schambeins liegen oder in den rechten Unterbauch ziehen. Bei einigen Patienten ist eine druckschmerzhafte Walze im linken Unterbauch tastbar.
    Hinzukommend leiden die Patienten oft unter Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfällen und hartem Stuhlgang bis hin zur Verstopfung. Die Konsistenz des Stuhls kann je nach Patient auch während eines Toilettengangs wechselnd oder auch konstant sein und der Stuhlgang kann teilweise mit Schleim oder Blut versehen sein.
    Hier finden Sie weitere Informationen zu Veränderungen des Stuhlgangs.

    Die Divertikulose an sich ist symptomlos. Wenn sich Symptome entwickeln, spricht man korrekterweise von der Divertikel-Krankheit.

    Lesen Sie hierzu auch: Schmerzen nach Stuhlgang


    Therapie

    Ist man über das Vorhandensein von Divertikeln im Darm informiert, so sollte man auch ohne Beschwerden auf eine ballaststoff- und faserreiche Ernährung achten. Diese Kost soll einer Entzündung und der Ausbildung weiterer Divertikel vorbeugen. Viele Ballaststoffe sind vor allem in Getreide, Hülsenfrüchten, frischem Gemüse und Obst enthalten. Eine tägliche Trinkmenge von mindestens 1,5 - 2 Litern hilft den Ballaststoffen beim Quellen und hält den Stuhlgang weich um Verstopfungen entgegen zu wirken. Der Konsum tierischer Produkte, z.B. Fleisch und Eier sollte hingegen reduziert werden.

    Wichtig: Während einer akuten Divertikulitis gilt ein anderer Ernährungsplan als bei der Divertikulose. Bis zur Abheilung der Entzündung sollte hier ballaststoffarme Kost bevorzugt werden!

    Da die Aussackungen der Darmwand nicht rückbildungsfähig sind, sollte ein Betroffener lebenslang seine Ernährung der Divertikulose entsprechend anpassen. Um den Darm zu entlasten, sollten Stuhlunregelmäßigkeiten über die Nahrung oder leichte Abführhilfen, z.B. Movicol oder Laktulose, nach Rücksprache mit dem Arzt, reguliert werden. Neben der Ernährung sollte auch auf regelmäßige körperliche Betätigung geachtet werden, da diese den Stoffwechsel und die Verdauung anregt und dies wiederum Verstopfungen vorbeugt. Bei Bauchschmerzen kann kurzfristig ein muskelentspannendes Mittel, z.B. Butylscopolamin (Buscopan®), die Beschwerden lindern. Medikamente, welche die Trägheit des Darms fördern, sollten nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden, um eine mögliche Verschlechterung der Divertikulose zu verhindern. So gilt es zum Beispiel Morphin als Schmerzmittel bei bekannter Divertikulose zu vermeiden, da es den Druck im Inneren des Darms erhöht. Bereits vorhandene Aussackungen können sich dadurch vergrößern, und neue Divertikel können sich bilden.

    Operation

    Bei 5% der Patienten mit Divertikulose ist eine OP aufgrund mäßiger bis massiven Blutungen notwendig. In den meisten Fällen versiegen die Blutungsquellen jedoch, ohne dass eine Operation notwendig wird. Im Falle einer unkomplizierten Divertikulose ist eine Operation nicht gerechtfertigt. Die Risiken einer Operation überwiegen hier den möglichen Risiken einer noch nicht oder nur wenig symptomatischen Erkrankung, deren Verlauf nicht vorherzusagen ist.
    Erst beim Auftreten von mindestens zwei Entzündungsschüben einer Divertikulitis, ist über eine operative Entfernung des wiederholt entzündeten Darmbereichs nachzudenken. Die Wahrscheinlichkeit für eine Komplikation bei einer erneuten Entzündung soll dadurch reduziert werden. In der Regel erfolgt die geplante OP erst, wenn sich die Entzündung im Darm beruhigt hat.
    Bei jungen und Risikopatienten entscheidet man sich oft schon früher, teilweise bereits nach dem ersten Schub, für eine Operation, da bei diesen das Wiederholungsrisiko erhöht ist. Bei der Operation wird meistens die laparoskopische Schlüssellochtechnik verwendet, um unter anderem eine schnellere und komplikationslosere Wundheilung zu gewährleisten. Dazu werden 4 kleine Schnitte an der Bauchdecke gesetzt. CO2-Gas wird in die Bauchhöhle gepumpt um ein besseres Sicht- und Arbeitsfeld zu schaffen. Eine kleine Kamera und die OP-Instrumente werden dann über die kleinen Schnitte in die Bauchhöhle eingeführt. Der entzündete Darmabschnitt wird identifiziert, heraus getrennt und die beiden Darmenden mit einer Nahthilfe vernäht. Nach der Operation verspüren die Patienten meist eine sofortige Linderung der Beschwerden. Die ersten Tage nach der Operation ist der Darm, vor allem gefüllt, noch schmerzhaft. Diese Beschwerden versiegen in der Regel aber schnell. Nach Abheilung der OP-Wunden ist der Stuhlgang meist aufgrund des verkürzten Darms etwas weicher als zuvor. Ansonsten ändert sich für die Patienten nichts.

    Komplikationen

    Bei der Divertikulose kommt es in 10-30% der Fälle zu Blutungen, wobei sich die Blutungsstellen jedoch zu 80% von alleine wieder verschließen. Infizieren sich die mit Darminhalt gefüllten Divertikel, so kommt es bei ca. 20% der Divertikelträger zur Divertikel-Krankheit bzw. zur akuten oder chronischen Divertikulitis. Entzündete Divertikel können platzen und zu einer Infektion im Bauchraum führen. Je nach Größe des Defekts und der Menge der Darmbakterien, die in den Bauchraum eindringen, können sich verschiedene Krankheitsbilder entwickeln.

    Ist der Riss bzw. der Darmdurchbruch (Perforation) von anderen Organen, einer Haut oder Kapsel abgedichtet, so spricht man von einer gedeckten Perforation. Dies führt meistens zu einer lokalen Entzündung mit Abszessbildung (Kapsel mit Eiteransammlung). Nach Abheilen des Abszesses kann ein Wundgang (Fistel) zwischen dem Darm und umliegenden Organen wie Harnblase oder Eierstock zurück bleiben. Darminhalt kann somit in andere Organe gelangen und an diesen Orten Entzündungen auslösen. Eine freie Perforation (Darmdurchbruch) setzt voraus, dass durch das Loch in der Darmwand, Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt. Dies führt in der Regel zu einer schweren Bauchfellentzündung (Peritonitis). Eine Sepsis (Blutvergiftung) mit möglicher Todesfolge sind weitere Komplikationen eines Darmdurchbruchs mit Bauchfellentzündung. Nach jeder Entzündung bilden sich im Bauchraum und im Darm Narben aus. Diese können den Darm entweder von außen einschnüren oder den Durchmesser des Darms von innen verkleinern. Die Stuhlpassage ist somit durch die Engstelle eingeschränkt. Bei einem kompletten Abdrücken oder Zuschnüren des Darms kommt es zu einem Darmverschluss (Ileus), welcher dringend operiert werden muss.

    Lesen Sie mehr hierzu: Abszess im Darm

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    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.01.2018
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