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Brustschmerzen Mann

Allgemein

Brustschmerzen werden von Patienten aller Altersgruppen sehr gefürchtet – verbindet man doch damit unweigerlich Probleme mit dem Herzen, im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt. Nicht immer müssen Brustschmerzen oder Ziehen in der Brust jedoch mit einem Herzinfarkt in Zusammenhang stehen, es können auch diverse andere, relativ harmlose Ursachen eine Rolle spielen.

Im Falle von Brustschmerzen wird dennoch sowohl vom Notarzt, als auch vom Rettungsdienst stets vom schlimmsten ausgegangen, da ein Herzinfarkt eine absolut lebensbedrohliche Komplikation darstellt, und schnellstmöglich therapiert werden muss. Treten Brustschmerzen auf, sollten diese auf jeden Fall ernst genommen werden. Natürlich kann es Brustschmerzen geben, bei denen die Ursache auf ein eindeutiges Ereignis zurückzuführen ist, wie beispielsweise einen Unfall, oder eine Sportverletzung.

Welche Ursachen Schmerzen auf der Brust noch haben könnte, lesen Sie auch in unserem Artikel Schmerzen auf der Brust.

In allen anderen Fällen ist äußerste Vorsicht geboten. Strahlt der Brustschmerz zusätzlich in den linken Arm aus, sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Oft stellen sich Betroffene unnötig lange die Frage, welchen Arzt sie kontaktieren sollten. Ein Anruf beim Rettungsdienst mit der Beschreibung ausstrahlender Brustschmerzen hat immer auch die Mitalarmierung eines Notarztes zur Folge. Dieser verfügt auch präklinisch über die notwendigen Mittel und Medikamente, um einen Herzinfarkt zu bekämpfen.

Ursachen für Brustschmerzen beim Mann

Betrachtet man Brustschmerzen beim Mann, so kann man diese auf einige wenige, große Felder zurückführen. Erstens, das größte, und wichtigste Feld: Kardiale Beschwerden, spricht Herzinfarkt, Angina Pectoris, und allgemein koronare Herzkrankheiten (KHK). Zweitens, Sportverletzungen, und traumatische Ereignisse - also Brustschmerzen, die durch exogene Faktoren entstanden sind. Und drittens, psychogene Brustschmerzen, als Folge von Depressionen, oder Psychosen.

Die Ursachen für das erste Feld der Brustschmerzen beim Mann, die kardialen Beschwerden, sind typischerweise Stress, Überanstrengung, und chronische Erkrankungen. Zu diesen gehören beispielsweise dauerhafter Bluthochdruck, und ungesunder Lebensstil. Ein ungesunder Lebensstil beruht auf vielen verschiedenen Faktoren: Übergewicht, Rauchen, hohe Blutfettwerte, wenig Bewegung, viel Stress, ständiger Bluthochdruck, wenig Schlaf, und psychische Faktoren, um nur einige wenige Ursachen zu nennen.

Lesen sie mehr zum Thema unter: Herzstechen

Die Ursache koronarer Herzkrankheiten (KHKs) beruht so gut wie immer auf dem Verschluss eines Gefäßes, welches das Herz versorgt. Das Herz versorgt mit jedem Schlag nicht nur den gesamten Körper mit frischem, sauerstoffreichem Blut, sondern auch sich selbst. Der Sauerstoff im Blut wird benötigt, um Energie für Muskelarbeit bereitzustellen, er ist essentiell für das Überleben. Ohne Sauerstoff sterben Muskelzellen ab, geht Hirngewebe unter, und ist kein Überleben möglich. Nicht umsonst lautet ein Leitspruch in der Notfallmedizin „Jede Zelle des Körpers mit möglichst viel Sauerstoff versorgen“.

Stirbt Muskelgewebe an den Beinen, oder den Armen ab, ist dies vorerst nicht weiter schlimm. Aber wenn man bedenkt, dass das Herz ein einziger, großer Muskel ist, wird einem schnell klar, warum ein unbehandelter Herzinfarkt immer tödlich endet. Je weniger Muskelgewebe in der Lage ist, das Blut in den Körperkreislauf zu pumpen, desto weniger Sauerstoff kommt am Herzmuskel an, und desto weniger Muskelgewebe ist wiederum in der Lage, sauerstoffreicher Blut weiter zu transportieren – ein Teufelskreis.

Aber wie kommt es nun zu einem Herzinfarkt, was sind die konkreten Ursachen? Hohe Blutfettwerte haben Fettablagerungen in den Gefäßen zur Folge. Der Mediziner spricht von Arteriosklerose. Neben Fettablagerung können Gefäßverengungen aber auch durch Thromben, Kalk, und loses Bindegewebe entstehen. Das menschliche Blut ist ausgesprochen rigoros, wenn es um Fremdkörper im den Gefäßen geht: Sobald etwas entdeckt wird, was eigentlich nicht in die Blutbahn gehört, bildet sich ein Blutpfropf um den Fremdkörper.

Das ist eigentlich sehr sinnvoll, wenn man an Verletzungen denkt: Schließlich wird so verhindert, dass wir wegen jeder Kleinigkeit verbluten. In den Blutgefäßen hat dieser Umstand jedoch zur Folge, dass sich kleine Klumpen bilden, die mit dem Blutfluss mitgespült werden, bis sie irgendwann in einem kleinen Gefäß stecken bleiben, und dieses dann verlegen.

Ein solches kleines Gefäß kann beispielsweise ein Herzkranzgefäß sein. Manche Herzkranzgefäße können noch über Kollateralen versorgt werden, wenn diese dann mit der Zeit auch verstopft werden, kommt es zur Minderperfusion des entsprechenden Versorgungsgebietes. Man spricht dann entsprechend der Lokalisation von einem Vorder- oder Hinterwandinfarkt, je nachdem, ob die Vorder- oder Hinterwand des Herzens betroffen ist.

Dieser Prozess äußert sich beim Betroffenen durch Brustschmerzen, Atemnot, Panik, und Pulsbeschleunigung. Die Patienten haben Todesangst. Verschwindet der Schmerz nach 1-5 Minuten wieder, so spricht man von einer Angina Pectoris, zu Deutsch „Brustenge“. Sie stellt einen Vorboten für einen Herzinfarkt dar, quasi einen Warnschuss. Man unterteilt verschiedenen Stadien der Angina pectoris, je nachdem ob die Schmerzen in Ruhe, oder bei Bewegung auftreten.

Viele Patienten haben extra für diesen Fall immer ein kleines Pumpspray dabei, welches Nitrolingual enthält. Das ist ein Medikament, welches die chemische Verbindung „Nitroglycerin“ enthält – bekannt als Sprengstoff aus verschiedenen Kriegsfilmen. Und so ähnlich lässt sich auch die Wirkung des Nitrolinguals beschreiben: Es „sprengt“ verschlossene, oder verkrampfte Blutgefäße wieder auf, und sorgt so für eine ausreichende Durchblutung der nachliegenden Gefäße. Die Wirkung tritt in der Regel binnen Sekunden ein.

Für Brustschmerzen, die im Bereich des Herzens liegen, und eventuell von der Mitte des Brustkorbes nach links ausstrahlen (siehe: Brustschmerzen links) gilt stets: Nicht zögern, Rettungsdienst alarmieren, jede Sekunde zählt. Ein Notarzt wird automatisch mitalarmiert. Besondere Vorsicht ist bei Frauen und Diabetikern geboten, bei denen der Schmerz, und das Ausstrahlen in den linken Arm komplett fehlen können. Die zweite Gruppe der Brustschmerzen bei Mann, ist die der traumatischen, oder chronischen Schmerzen. Zwar sollte ein Herzinfarkt bei Brustschmerzen ohne vorherige Untersuchung nie ausgeschlossen werden, jedoch gibt es diverse Ursachen, die andere Krankheitsbilder wahrscheinlicher erscheinen lassen.

Intercostalneuralgie

Ein Beispiel hierfür ist die Interkostalneuralgie: Eine Interkostalneuralgie bezeichnet ein Schmerzsyndrom im Zwischenrippenbereich, das typischerweise stechende Brustschmerzen verursacht. Dabei werden die zwischen den Rippen liegenden Nerven durch verschiedene Ursachen komprimiert, was Schmerzen zur Folge hat.
Mögliche Faktoren sind Irritationen der Nervenwurzel, Bandscheibenvorfälle der BWS, Rippenbrüche, Fehlstellungen der Wirbelsäule, Herpes Zoster („Gürtelrose“), oder auch seltener: Tumore.
Lesen Sie mehr zum Thema: Interkostalneuralgie

Die so komprimierte Nervenwurzel verursacht vor allem beim Husten, oder beim Einatmen ein stechendes, anhaltendes Schmerzgefühl, welches aber nicht auf ein kardiales Geschehen zurückzuführen ist. Die Diagnose wird durch Abtasten, und Abklopfen verschiedener Druckpunkte am Brustkorb gestellt. Verursachen diese Brustschmerzen, die eindeutig von außen auslösbar sind, so ist die Diagnose relativ eindeutig. In dasselbe Feld fallen auch Frakturen, hauptsächlich des Brustkorbes. Während Frakturen einzelner Rippen oft unbemerkt bleiben, verursachen Rippenserienfrakturen in der Regel starke Schmerzen.

Diese treten nach Sportverletzungen, oder Unfällen auf, die Ursache der Brustschmerzen ist dann relativ klar. Allerdings kann man stets auch Läuse und Flöhe haben, wie man so schön sagt.

Psychogenen Brutschmerzen

Eine dritte Gruppe bilden die psychogenen Brutschmerzen. Sie sind beim Mann häufig, wenn dieser unter starkem Stress steht, oder an Depressionen leidet. Diese Art von Brutschmerzen sind für den Arzt am undankbarsten, da er sich in jeglicher Hinsicht auf dünnes Eis begibt: Einerseits steht immer die Möglichkeit einer Fehldiagnose im Raum, was der Betroffene auch vehement behaupten wird. Andererseits muss versucht werden, den Patienten seine Würde zu lassen, da mit der Diagnose „psychogen“ auch immer das Wort „verrückt“ assoziiert ist. Dies ist allerdings absolut nicht der Fall: Viel Stress, sowohl körperlicher, als auch psychischer Art, können sich sehr schnell auch auf den Körper auswirken. Psychosomatische Erkrankungen sind sehr häufig, und ziehen sich durch alle Alters- und Berufsgruppen.

Leider ist der Begriff in Deutschland nach wie vor mit einer unnötigen Scham belegt.
Die Patienten fühlen sich zudem nicht ernst genommen, da sie die Schmerzen tatsächlich erleben, und auch große Angst verspüren. Wichtig ist, diese Erkrankung auch als solche anzuerkennen, und eventuell beruflich einen Schritt kürzer zu treten. Aus psychosomatischen Erkrankungen können auf Dauer natürlich auch manifeste, tatsächliche Erkrankungen entstehen. Auf jeden Fall ist seitens des Arztes ein besonderes Maß an Einfühlsamkeit und taktischem Geschick gefordert, um auch diese Form der Brustschmerzen therapieren zu können.

Symptome

Die Symptome der Brutschmerzen können unterschiedlicher Art sein. Manche Patienten verspüren sie beim Einatmen, andere generell in Ruhe, wieder andere nur unter Belastung. Die Symptome geben Rückschluss auf die Art der Erkrankung.

Anfallsartige Brustengen, die nach wenigen Minuten wieder verschwindet, können Zeichen für eine Angina pectoris sein. Brutschschmerzen mittig, um den ganzen Brustkorb herum, können auf eine Interkostalneuralgie hinweisen. Nicht selten verspüren die Patienten dabei Angst, und Atemnot. Ein stechender Schmerz über der Mitte des Brustkorbes, mit Ausstrahlung in den linken Arm, wird als der Klassiker für einen Herzinfarkt bezeichnet. Dieser kann sich jedoch auch ganz anders äußern, vor allem bei Frauen sind die Symptome oft sehr verschieden: So werden manche Patienten auch mit immer wiederkehrenden Zahnschmerzen beim Zahnarzt vorstellig, wobei sich im Endeffekt herausstellt, dass die Schmerzen vom Herzen ausgehen.

Diabetiker spüren auf Grund ihrer Polyneuropathie oft gar keine Schmerzen, und sind daher besonders gefährdet. Bei Rippenfrakturen, oder –Prellungen liegt meist ein traumatisches Ereignis zu Grunde, und es muss in erster Linie nicht von einem kardialen Geschehen ausgegangen werden. Ein typisches klinisches Bild einer Rippenserienfraktur, ist die paradoxe Atmung: Beim Einatmen zieht sich dabei auf Grund der thorakalen Instabilität der Brustkorb ein, statt dass er sich ausdehnt. Alle Symptome haben gemeinsam, dass eine koronare Herzerkrankung seitens des Untersuchers nie komplett ausgeschlossen werden sollte.

Therapie

Bei einem Herzinfarkt sollte zunächst der Patient beruhigt werden, einschnürende und enge Kleidung, wie Krawatte, oder enge Hose entfernt werden, und für frische, kühle Luft gesorgt werden. Auf keinen Fall sollte der Patient hingelegt werden, da sonst das Blut aus den Beinen in Richtung Herz fließt, und dieses zusätzlich belastet. Viel mehr wird eine „Oberkörper-hoch“ Position empfohlen. Verfügt der Patient über ein Pumpspray wie Nitrolingual, sollte dieses sofort appliziert werden.

Zudem muss sofort der Rettungsdienst verständigt werden, der Umweg über den behandelnden Hausarzt kostet unnötig zeit. Der Notarzt geht notfallmäßig in der Regel nach den MONAH- Schema vor: Morphium gegen die Schmerzen, Oxygen (Sauerstoff) , um das restliche Blut im Körper möglichst hoch aufzusättigen. Ferner N für Nitrate, wie Nitrolingual, um die Gefäße zu erweitern, und ASS plus Heparin, um das Blut schnellmöglich zu verflüssigen.

Danach erfolgt ein schneller Transport in die nächstgelegene CPU (Chest-Pain-Unit) und dort eine weitere Versorgung der Gefäßverlegung (meist Herzkatheteruntersuchung). Bei traumatologischen Ereignissen, wie beispielsweise Sportverletzungen oder neurologischen Problemen, ist meist keine Lebensgefahr gegeben.

Die Therapie erfolgt mittels Schonung, und eventuell Schmerzmedikation gegen die Brustschmerzen. Eine psychosomatische Diagnose darf erst nach Ausschluss aller anderen möglichen Erkrankungen gestellt werden, und wir dann in der Psychosomatik therapiert. Allerdings ist die Mitarbeit („Compliance“) der Patienten hier relativ gering, was die Therapie erschwert. In jedem Fall ist es ratsam, auf einen gesunden Lebensstil, mit möglichst wenig Stress zu achten, wenn man auch die Therapiekonzepte der Psychosomatik für den Moment nicht annehmen möchte. Erfolg im Beruf bringt einem schließlich auch nichts, wenn man in jungen Jahren verstirbt.

Diagnose

Die Diagnose wird bei einem Herzinfarkt in der Regel durch ein ElektroKardioGramm, kurz EKG gestellt. Auf diesem wird die elektrische Erregungsleitung- und Ausbreitung am Herzen gemessen. Notärzte erkennen sehr schnell typische Muster auf dem EKG, und veranlassen dann eine entsprechende Therapie. Die Diagnose bei Interkostalneuralgien wird meist durch eine körperliche Untersuchung, und das Auslösen der Brustschmerzen, durch verschiedene Druckpunkte gestellt. Ähnlich verhält es sich mit der Diagnose von Rippenfrakturen, die durch simples Abtasten und röntgen des Brustkorbes gestellt werden.

Prophylaxe

Die Prophylaxe von Sportverletzungen sollte jedem Sportler klar sein: Neben passender Schutzkleidung, und ausreichendem Aufwärmen, ist ein entsprechendes Maß an gesunder Selbsteinschätzung bei der Vermeidung von Verletzungen sehr dienlich.

Die Vermeidung von Herzkrankheiten ist an sich ähnlich einfach: Viel Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Tabak, und Alkohol, so wie ein gesundes Körpergewicht tragen zu einem ausgewogenen Lebensstil bei. Übermäßiger Stress sollte vermieden werden, gegebenenfalls muss beruflich kürzer getreten werden. Die eigene Gesundheit sollte immer Vorrang haben! Lagen in der Familie bereits Herzerkrankungen vor, so sollte auch eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung erfolgen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicoloas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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