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Chondrokalzinose

Einleitung

Die Chondrokalzinose (gr. chondro- = Knorpel, lat. kalzinose = Verkalkung) ist eine degenerative Erkrankung von Knorpel, Bändern und Sehnen, die sich vor allem mit Beschwerden in Gelenken bemerkbar macht. Wie der Begriff Chondrokalzinose beschreibt, handelt es sich um eine Verkalkung durch Kalziumkristall-Ablagerungen vor allem im Knorpel von Gelenken.
Dadurch treten ähnliche Symptome auf wie bei der Gicht, weshalb die Chondrokalzinose auch Pseudogicht genannt wird. Jedoch steht ein anderer Mechanismus hinter dieser Krankheit, man sollte die beiden Erkrankungen nicht verwechseln.

Meist sind das Knie, die Hüfte und die Hände betroffen, wobei das Knie am häufigsten Symptome zeigt. Meist verläuft eine Chondrokalzinose jedoch ohne Beschwerden.

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Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen einer Chondrokalzinose sind noch nicht vollends verstanden. Man weiß, dass es zu Ablagerungen bestimmter Kalziumkristalle in den Knorpel oder auch Bänder und Sehnen kommt, wobei es sich um Kalziumpyrophosphat-Kristalle handelt. Hier ist wieder der Unterschied zur Gicht zu sehen, bei Urat-Kristall-Ablagerungen die Ursachen der Beschwerden sind.
Das Kalziumpyrophosphat lagert sich in die Knorpelsubstanz ein und führt dort zu strukturellen Veränderungen. Der Knorpel ist nicht mehr so elastisch, wird mit der Zeit abgebaut, es kommt zu Entzündungsreaktionen im Gelenk. Erst dann bemerkt man Symptome.

Die genauen Ursachen, warum es zu den Ablagerungen kommt, ist jedoch unbekannt. Bei der Chondrokalzinose unterscheidet man eine primäre von einer sekundären Form. Die primäre Chondrokalzinose tritt ohne erkennbare Ursachen auf und betrifft meist alte Menschen. Sie verläuft schleichend, aber chronisch. Auch erbliche Ursachen werden diskutiert.
Im Unterschied dazu sind die Ursachen bei der sekundären Chondrokalzinose bei anderen Erkrankungen zu suchen, die das Entstehen der Verkalkung begünstigen. So werden eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, eine Unterfunktion der Schilddrüse, sowie Störungen im Eisen-, Magnesium- oder Phosphatstoffwechsel mit dem Auftreten der Chondrokalzinose assoziiert und als Ursachen diskutiert. Auch die echte Gicht erhöht das Risiko, Fehlstellungen oder vorausgegangene Entzündungen der Gelenke werden ebenso mit der Chondrokalzinose in Verbindung gebracht.


Symptome

Die Chondrokalzinose verläuft meistens still, ohne dass Symptome in Erscheinung treten. Kommen diese dennoch auf, sind die Symptome typisch und werden in ähnlicher Weise bei der Gicht beobachtet. Deutlich am häufigsten betroffen ist das Knie, gefolgt von Fingergelenken und Hüfte.
Doch auch Schulter, Ellenbogen oder Wirbelsäule können von der Chondrokalzinose betroffen sein. In seltenen Fällen sind nicht nur Gelenke, sondern auch Bänder, Sehnen oder Bandscheiben von einer Kristalleinlagerung betroffen.

Man unterscheidet mehrere Muster der Symptome. Bei der akuten Form, dem Pseudogicht-Anfall, kommt es zu einer sich schnell entwickelnden Entzündung eines Gelenks, meist im Knie. Man bemerkt eine Schwellung und Rötung über dem Gelenk, es kommt zu Schmerzen. Diese Symptome treten in Ruhe auf und verschlimmern sich bei Bewegung, sind jedoch insgesamt weniger quälend als bei der Gicht.
Die Symptome treten schnell auf und entwickeln sich nach wenigen Tagen zurück.

Im Gegensatz dazu kommt es bei der chronisch-intermittierenden Form zu längeren Schüben, die über Wochen gehen können, aber nicht so starke Symptome zeigen. Bei der chronischen Chondrokalzinose kommt es zur degenerativen Zerstörung von Knorpel und beteiligten Strukturen, das Bild ähnelt dem einer aktiven Arthrose.
Betroffene Gelenke schmerzen und sind geschwollen, in schweren Fällen kommt Fieber mit hinzu. Die seltenste Ausprägung der Chondrokalzinose zeichnet sich durch den Befall außerhalb von Gelenken und entsprechende Symptome aus, so sind z.B. die Achillessehne oder Bandscheiben betroffen.

Knie

In den meisten Fällen zeigt sich die Chondrokalzinose zuerst am Knie. Bei der primären Form ist in 99% der Fälle das Knie mitbetroffen, auch bei den sekundären Ausprägungen kommt es in min. 90% der Fälle zu Beschwerden im Knie. In der Hälfte der Fälle ist das Knie die erste betroffene Struktur. Es zeigt die typischen Symptome.

Schmerzen in Ruhe, die sich bei Bewegung verschlimmern, führen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit im Knie. Dazu kommt meist eine Schwellung und Rötung, die sich auch in einer Überwärmung der Haut zeigt. Dies sind Anzeichen der im Knie stattfindenden Entzündungsprozesse. Das Bild der Chondrokalzinose am Knie ähnelt dann einem Gichtbefall, der jedoch meist an der Großzehe beginnt, oder einer Arthrose. Im Verlauf können weitere Gelenke befallen werden.

Diagnostik

In der Diagnostik der Chondrokalzinose bedient man sich vor allem dreier Verfahren. Zum einen können die Ablagerungen im Röntgen sichtbar sein, des weiteren ist es sinnvoll, Blutproben im Labor zu untersuchen und in die Diagnostik einzubeziehen. Neben Röntgen und Labor ist als Teil der Diagnostik in manchen Fällen eine Gelenkpunktion nötig, um Gelenkflüssigkeit zu entnehmen und mikroskopisch zu betrachten. Dies kommt jedoch vor allem in Zweifelsfällen zum Einsatz, wenn die Diagnostik nach Röntgen und Labor nicht ausreichend war.
Ebenso ist es wichtig, sich bei Beginn der Beschwerden nicht zu sicher zu sein eine Gicht behandeln zu müssen. Diese erfordert eine andere Therapie. Im Gegensatz zur Chondrokalzinose beginnt die Gicht nicht am Knie, sondern meist am großen Zeh. Außerdem handelt es sich bei der Gicht um andere Ursachen , die Harnsäurekristalle und nicht Kalziumpyrophosphat sind verantwortlich.

Röntgen

Das Röntgen ist eine der wichtigsten Untersuchungen in der Diagnostik der Chondrokalzinose. Auch wenn der Verdacht auf diese Erkrankung nicht naheliegt, fordert man bei anhaltenden Beschwerden meist ein Röntgenbild zur Diagnostik der schmerzenden Gelenke an. Hier werden die Ablagerungen der Kristalle im Knorpel sichtbar, da es sich um röntgendichte Strukturen handelt, die sich deutlich neben dem Knorpel hervorheben.

Im Röntgen sieht man dann im Gelenkspalt von Knie, Hüfte oder Schulter feine, streifenartige Strukturen, die meist parallel zum Knochen verlaufen. Je nach Stadium der Erkrankung zeigt das Bild im Röntgen mehr oder weniger ausgeprägte Linien. Die Ablagerungen sind bei schmerzenden Verläufen fast immer zu sehen, häufig ist die Diagnose der Chondrokalzinose im Röntgen auch ein Zufallsbefund bei der Diagnostik anderer Erkrankungen. Beim Gesunden ist der Knorpel im Röntgen nicht zu sehen.
Besonders am Knie, der Hüfte und anderen großen Gelenken, aber auch an den Händen steht das Röntgen an erster Stelle der Diagnostik.
Als Alternative bietet sich neben dem Röntgen der betroffenen Stellen auch eine Ultraschalluntersuchung an, in der man die Verkalkung ebenfalls erkennen kann.

Labor / Blutuntersuchung

Neben dem Röntgen gibt auch eine Blutuntersuchung im Labor weitere Hinweise auf die Erkrankung und ihren Verlauf. Bei der primären Diagnose ist das Labor zwar zu vernachlässigen, jedoch spielt es für das Abschätzen des Ausmaßes und für Verlaufskontrollen eine nicht unwichtige Rolle.

Im Labor zeigen sich bei der Chondrokalzinose erhöhte Entzündungszeichen (Leukozyten, CRP-Wert), die als Korrelat für die Entzündung im Gelenk stehen. Diese sollten bei erfolgreicher Therapie zurückgehen.

Auch können im Labor weitere Werte bestimmt werden, die für die Diagnostik der sekundären Chondrokalzinose von Bedeutung sind. So sollte das Labor unbedingt die (Neben-)Schilddrüsenwerte, Eisen, Magnesium und Phosphat abdecken, da Abweichungen dieser Parameter Hinweis für eine auf einer Grundkrankheit entstandenen sekundären Chondrokalzinose sein können. Hier ist die Therapie dieser Erkrankungen vorrangig.

Therapie

Die Chondrokalzinose erfordert nur in seltenen Fällen eine Therapie. Die Krankheit ist dann schon relativ weit fortgeschritten. Die Therapie ähnelt der von Rheuma oder Arthrose. Es werden entzündungshemmende Mittel wie ASS oder Naproxen eingesetzt, die auch schmerzlindernd wirken. Vor allem in der Akutphase können sie die Symptome lindern. Auch Kälteanwendungen lindern die Symptome.
Alternativ wird im Schub Colchicin gegeben. Schmerzen und Entzündung werden mit diesen Maßnahmen meist gut kontrolliert.
Bei chronischen Verläufen helfen nicht Kälte- sondern besonders Wärmeanwendungen die Beweglichkeit zu behalten und schmerzfrei zu sein.

In einigen wenigen Fällen erfordert die Chondrokalzinose eine invasive Therapie. Steht ein Gelenkerguss im Vordergrund, muss über eine Gelenkpunktion zur Entlastung nachgedacht werden. Hierbei dringt der Arzt unter sterilen Bedingungen mit einer Nadel in das Gelenk ein und lässt Flüssigkeit ab.
Die Indikation für eine Gelenkspunktion sollte jedoch streng gestellt werden, da immer das Risiko für das Verschleppen von Bakterien ins Gelenk besteht, die zu einer Infektion führen können.
Als letztes Mittel der Therapie kommt es zur Operation, wenn z.B. die Menisken im Knie schon zu weit zerstört sind. Diese werden dann entfernt.
Daneben sollten natürlich prädisponierende Erkrankungen wie Stoffwechselkrankheiten adäquat behandelt werden, um die Chondrokalzinose kausal zu therapieren.

Homöopathie

Es gibt auch in der Homöopathie verschiedene Mittel, die häufig gegen rheumatische Erkrankungen eingesetzt werden, so auch gegen die Chondrokalzinose. Ein bekanntes Mittel der Homöopathie in diesem Bereich ist Solanum malacoxylon. Es wird gegen die Schmerzen im Gelenk sowie die Entzündung eingesetzt.

Bei anfänglich leichten Beschwerden kann man über die Therapie mit Homöopathie nachdenken, es sollte jedoch zusätzlich eine schulmedizinische Abklärung erfolgen. Außerdem kann Homöopathie bei der Chondrokalzinose begleitend gegeben werden, um die Heilung zu unterstützen. Eine tatsächliche Wirkung wurde bisher jedoch nicht nachgewiesen.

Prognose

Die Chondrokalzinose verläuft in der Regel beschwerdefrei. Kommt es zur Entzündung und Schmerzen, lassen sich diese gut medikamentös behandeln, sodass die Symptome schnell verschwinden. Bei der chronischen Form ist die Therapie etwas komplizierter, in seltenen Fällen kommt es zur Arthrose im Gelenk.
Diese kann im ungünstigsten Fall zu dauerhaften Schäden führen und Bewegungen in Gelenk einschränken. Es kann eine Operation nötig sein, die zerstörtes Gewebe abträgt. In aller Regel ist die Chondrokalzinose jedoch keine Erkrankung, die Anlass zur Sorge geben muss.

Prophylaxe

Eine kausale Prophylaxe gegen die Chondrokalzinose gibt es nicht, es lassen sich hingegen Risikofaktoren reduzieren. So ist es immer sinnvoll, mit der Chondrokalzinose assoziierte Erkrankungen z.B. der Schilddrüse und des Mineralstoffwechsels konsequent behandeln zu lassen. So kann zumindest die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten der sekundären Chondrokalzinose minimiert werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.07.2018
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