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Haarausfall durch die Schilddrüse

Einführung

Den Haarausfall, bei dem mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen, nennt man Effluvium. An diesem zu leiden, ist eine enorme psychische Belastung, vor allem für Frauen. Oft findet sich die Ursache dafür in einer Fehlfunktion der Schilddrüse! Durch eine Überfunktion beispielsweise, wachsen die Haare um einiges schneller und werden dadurch aber immer dünner und fallen vermehrt aus. Ebenso kann eine Unterfunktion der Schilddrüse die Ursache sein. Die Schilddrüse produziert die Hormone T3 (L-Trijodthyronin) und T4 (L-Tetrajodthyronin), welche für viele Wachstumsprozesse und Stoffwechselvorgänge im Körper eine wesentliche Rolle spielen.

Ursache

Die Schilddrüse steuert viele Organe im Körper und so auch die Haut, das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie ist für die Steuerung des Wachstums und für viele Stoffwechselwege verantwortlich. Durch die Hormone T3 und T4 wird alles gesteuert. Liegt hier eine Fehlfunktion vor, sowohl eine Unterfunktion (Hypothyreose), als auch eine Überfunktion (Hyperthyreose),, kann die Schilddrüse nicht mehr richtig arbeiten und so es kommt dazu, dass sich die Haarstruktur verändert. Ähnliches kann man auch bei den Zehennägeln und bei den Fingernägeln beobachten. Ein diffuser Haarausfall wird vor allem bei einer Überfunktion der Schilddrüse beobachtet. Diese Überfunktion kann unterschiedliche Ursachen, wie eine Autoimmunerkrankung (Morbus Basedow) oder eine Einnahme jodhaltiger Medikamente, haben. Typischerweise treten weitere Symptome, wie ein schneller Herzschlag (Tachykardie), Durchfall, vermehrtes Schwitzen und eine Wärmeintoleranz auf.

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Haarausfall nach Operation der Schilddrüse

Eine Schilddrüsenoperation kann im Rahmen verschiedener Erkrankungen notwendig sein. Dabei werden entweder Teile der Schilddrüse oder die gesamte Schilddrüse entfernt. Eine gesamte Entfernung der Schilddrüse hat zur Folge, dass der Körper keine eigenen Schilddrüsenhormone mehr herstellen kann. Es entsteht also eine iatrogene, durch einen ärztlichen Eingriff verursachte, Schilddrüsenunterfunktion. Daher werden nach einer Entfernung der Schilddrüse lebenslang Schilddrüsenhormone medikamentös, in der Regel mit L-Thyroxin, ersetzt. Bei einer nicht ausreichend hohen Dosierung resultiert daraus ebenfalls eine Schilddrüsenunterfunktion. Typisch ist brüchiges und sprödes Haar. Ein Haarausfall ist jedoch eher nicht zu erwarten. Da die Haare aber vermehrt abbrechen, kann der Eindruck eines Haarausfalls entstehen. Im Falle einer solchen Unterfunktion muss die Dosis des Schilddrüsenhormons erhöht werden. Bei einer zu hohen Dosis an medikamentös ersetzten Schilddrüsenhormonen kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Dadurch kann ein richtiger Haarausfall entstehen. Eine Reduktion der Medikamentendosis ist in diesem Fall notwendig. Der Haarausfall ist dann reversibel, die Haare wachsen nach.

Weitere Informationen zum Thema Haarausfall bei Schilddrüsenfunktionsstörungen finden Sie hier: Haarausfall durch eine Schilddrüsenstörung

Begleitsymptom: Müdigkeit

Haarausfall ist ein typisches Symptom der weit verbreiteten Schilddrüsenüberfunktion. Die hohe Konzentration an Schilddrüsenhormonen führt darüber hinaus zu einer Reihe weiterer Symptome. Dazu gehört auch eine Müdigkeit und vor allem eine rasche Ermüdbarkeit. Das begründet sich vor allem auf Schlafstörungen, unter denen die Betroffenen häufig leiden. Gleichzeitig zeigt sich auch ein Gefühl innerer Unruhe und Anspannung.

 

Symptome

Man muss bei den Symptomen zwischen einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) unterscheiden. Bei einer Unterfunktion sind meist nicht nur die Kopfhaare, sondern auch der Rest der Körperbehaarung betroffen. Die Haare sind durch die eingeschränkte Funktion der Schilddrüse ebenfalls brüchig und sie werden nicht mehr ordentlich gebildet. Außerdem nehmen Haardurchmesser und die Haardichte ab und die Haare wirken matt und stumpf.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wiederum, wachsen die Haare viel zu schnell und brechen so leicht ab und werden immer dünner. Sie wachsen sehr schnell und erreichen nur noch eine kurze Länge durch die Brüchigkeit und weil sie viel früher in die Ruhephase eintreten. Doch nicht immer müssen der Haarausfall und die verminderte oder vermehrte Hormonausschüttung miteinander korrelieren. Manchmal ist eine starke Schilddrüsenfehlfunktion vorhanden und dennoch manifestiert sich das nicht im Haarausfall. Man findet außerdem zusätzlich zum Haarausfall noch zahlreiche weitere Symptome wie Kälteempfindlichkeit, Antriebsarmut, Hauttrockenheit und Verstopfung bei einer Unterfunktion einerseits und andererseits bei einer Überfunktion treten folgende Symptome auf: Unruhe, Herzrasen, Gewichtsverlust, häufiger Stuhlgang, warme Haut und Wärmeunverträglichkeit.

Schilddrüsen bedingter Haarausfall an den Beinen

Eine Überfunktion der Schilddrüse kann einen Haarausfall verursachen. Typischerweise fällt der Haarausfall durch ein vermehrtes Ausfallen der Kopfbehaarung und insgesamt lichtes Haar auf. Gerade Menschen, die zu vermehrter Körperbehaarung, etwa an den Beinen und Armen neigen, können jedoch auch eine lichtere Behaarung an diesen Stellen bemerken.

Behandlung

In der Regel wird direkt die Schilddrüsenfehlfunktion behandelt. Wenn sich die Bildung der Hormone bzw. der Hormongehalt im Körper regeneriert hat, dann kann sich die Struktur der Haare wieder normalisieren. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) werden meist die fehlenden Hormone T3 und T4 in Tablettenform zugeführt, da es oft nicht möglich ist, die ursächliche Erkrankung festzustellen, durch die die Schilddrüse nicht mehr richtig arbeitet. Meist wird das Mittel Levothyroxin verabreicht. Es wirkt im Organismus wie das T4, welches normalerweise im Körper gebildet wird.

Meist ist es für den Körper kein Problem T4 in T3 umzuwandeln, deshalb reicht diese Form der Therapie meist aus. In manchen Fällen ist aber eine Kombinationstherapie mit T3 und T4 nötig. Es wird empfohlen, die Tabletten auf nüchternen Magen einzunehmen und anschließend ca. 40 Minuten mit dem Frühstück zu warten. Die Hormonkontrolle erfolgt meist erst relativ spät, ca. nach sechs Wochen, da man erst dann verlässlich sagen kann, ob eine Besserung eingetreten ist. Es dauert deshalb verhältnismäßig lang, da die Hirnanhangdrüse eine gewisse Zeit braucht, um sich auf die veränderten Hormonkonzentrationen einzustellen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) behandelt man folgendermaßen: Da hier zu viele Hormone produziert werden, muss man Medikamente verabreichen, die die Bildung der Hormone drosseln. Dazu gibt man Medikamente, die man allgemein als Thyreostatika bezeichnet. Bevor die Schilddrüsenhormone T3 und T4 gebildet werden können, muss Jod in den Körper eingebaut werden. Die genannten Medikamente können diesen Einbau stoppen oder minimieren.

Diagnose

Um feststellen zu können, ob es sich bei der Ursache für den Haarausfall (Effluvium) um eine Schilddrüsenfehlfunktion handelt, muss man eine Laboruntersuchung durchführen. Dabei wird der Gehalt des Hormons TSH (Thyroidea (Schilddrüse) stimulierendes Hormon) im Körper bestimmt. Liegt das TSH unter 0,1 uIE/ml, dann liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor und liegt das TSH über 20 uIE/ml dann liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor.

Wachsen meine Haare nach?

Der Haarausfall bei einer Schilddrüsenüberfunktion ist reversibel. Das bedeutet, dass der Haarausfall bei einer richtigen Behandlung der Grunderkrankung aufhört und die Haare wieder kräftiger werden. Es handelt sich nicht um eine sogenannte vernarbende Alopezie. In einem solchen Falle würden die Haare nicht wieder nachwachsen.                                  

Prognose

Eine Schilddrüsenfehlfunktion wird oft nicht komplett geheilt, sondern durch Medikamente in einem erträglichen Maß gehalten. Wenn die Fehlfunktion nicht ausreichend geheilt wird, ist es möglich, dass sich die Haarstruktur nicht komplett regeneriert. Dennoch kann man deutliche Verbesserungen gegenüber einer nichtbehandelten Schilddrüsenfehlfunktion erkennen.

Prophylaxe

Um einer Schilddrüsenunterfunktion vorzubeugen, wird bei Säuglingen sehr früh nach der Geburt eine Untersuchung durchgeführt, mit der man eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion erkennen kann und so, bevor Symptome auftreten, ihr entgegenwirken kann. Jodmangel ist zwar nur selten eine Ursache für eine Hypothyreose, dennoch ist es wichtig, immer ausreichende Mengen des Spurenelements zu sich zu nehmen. Dies funktioniert beispielsweise durch jodiertes Salz sehr gut. Schwangere und stillende Frauen haben einen erhöhten Jodbedarf und müssen ganz besonders auf die richtige Ernährung achten. In Seefischen findet man einen sehr hohen Jodgehalt, weshalb diese mehrmals pro Woche gegessen werden sollten.

Einer Schilddrüsenüberfunktion kann man selbst nur schwer vorbeugen, da meist eine andere Erkrankung ursächlich ist, die man selbst nicht beeinflussen kann. Dennoch gibt es ein paar wenige Gründe für eine Hyperthyreose, die man selbst verhindern kann. Es kann durch die Überdosierung von Schilddrüsenhormonen zu einer Hyperthyreose kommen. Des Weiteren sollte man eine Überdosierung anderer jodhaltiger Substanzen vorbeugen, wie zum Beispiel Medikamente oder jodhaltige Kontrastmittel.

Hormone T3 und T4

T3 ist im Körper zum größten Teil an Eiweiß gebunden. Nur eine sehr kleine Menge liegt frei im Organismus vor. Dieses freie T3 ist das für den Körper brauchbare Hormon. Es kommt auf die Tageszeit an, wie groß der Gehalt von T3 ist. Man findet tagsüber geringere Werte, als nachts vor. Außerhalb der Schilddrüse wird das meiste T3 aus T4 gebildet. Das T4 wird von der Schilddrüse gebildet und dient als Vorläufer von T3. Die Bildung der Hormone wird ursprünglich durch den Hypothalamus angeregt. Dies ist ein Zentrum des Gehirns, welches zum Beispiel durch körperliche Belastung oder Wärme angeregt wird. Der Hypothalamus regt die Ausschüttung von TRH an. TRH wiederum regt die Ausschüttung von TSH aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) an. TSH bewirkt an der Schilddrüse eine vermehrte Bildung von T3 und T4 und eine Ausschüttung ins Blut. T3 und T4 erhöhen den Energieumsatz des Körpers und passen ihn an Kälte und Bewegung an. Sie hemmen aber gleichzeitig auch die Ausschüttung von TRH. Dies nennt man negative Rückkopplung.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.05.2019
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