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Muskelfaserriss des Oberarms

Definition/ Einleitung

Ein Muskelfaserriss am Oberarm ist in der Regel ein, durch starke Belastung ausgelöstes, Zerreißen von Muskelgewebe. Der Verletzungsmechanismus einer Muskelzerrung, eines Muskelfaserrisses und eines kompletten Muskelrisses ist der selbe, nur das Ausmaß des Muskelschadens ist anders.
Bei einem Muskelfaserriss zerreißen einzelne Fasern eines Muskelbündels, einige Fasern sind allerdings auch noch intakt, ansonsten würde man von einem kompletten Muskelriss sprechen.

Ursachen eines Muskelfaserrisses am Oberarm

Gründe für einen Muskelfaserriss am Oberarm sind vor allem plötzliche, ruckartige Bewegungen wie beim Tennis, Squash oder Golf, aber auch plötzlich auf den Muskel einwirkendes Gewicht (z.B. Gewichtheben, Heben von schweren Alltagsgegenständen etc.). Eine Überforderung durch Ermüdung oder Überbelastung der Muskulatur können einen Muskelfaserriss am Oberarm begünstigen. Weitere Ursachen sind schlechtes oder unzureichendes Aufwärmen oder Dehnen der Armmuskeln vor einem intensiven Armmuskeltraining, sowie Kälte oder Nässe (z.B. bei Regenwetter im Herbst/ Winter) oder vorausgegangene, nicht ausgeheilte Verletzungen der Oberarmmuskulatur.

Lesen Sie mehr zur Oberarmmuskulatur unter: Oberarmmuskeln.

Muskelfaserriss nach einem Sturz

Ein Muskelfaserriss am Oberarm ist sehr häufig eine Sportverletzung. Meist wird die Muskulatur dabei überstrapaziert, weil sich der Sportler nicht genug aufgewärmt, gedehnt oder schlichtweg überschätzt hat. Doch auch nach einem heftigen Sturz kann es zu diversen Muskelverletzungen kommen. Fällt man zum Beispiel auf die Schulter oder verdreht man sich beim Stürzen den Arm, kann die unnatürliche Stellung der Gliedmaßen zu Muskelfaserrissen führen. Häufig handelt es sich dann um einen Unfall, bei dem nicht nur die Muskulatur, sondern auch das Knochengerüst in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Wenn der Oberarmknochen bricht, kann dieser den Muskel verletzen. In manchen Fällen bleibt es nicht nur bei einem Muskelfaserriss. Wenn entsprechende Kräfte auf den Bewegungsapparat wirken, können auch Muskelbündelrisse oder gar ein Muskelabriss hervorgerufen werden.
Ein besonders heikles Patientenfeld stellen alte Menschen dar. Bei älteren Patienten kommt es häufig zu Stürzen, bei denen die langen Röhrenknochen, also der Oberarm- und der Oberschenkelknochen betroffen sind. Da das Bindegewebe, die Muskeln und Sehnenansätze nicht mehr ihre alter Kraft und Elastizität besitzen, kann es dabei auch hier zu Rissen oder sogar Abrissen kommen.


Anzeichen eines Muskelfaserrisses

Die ersten Anzeichen eines Muskelfaserrisses sind nicht immer eindeutig. Je nach Ausmaß treten mehr oder weniger Schmerzen auf. Auch können diese im Verlauf zunehmen. Der Muskelfaserriss im Oberarm wird oftmals beim Krafttraining verursacht. Treten erste Schmerzen auf, die für den Betroffenen noch aushaltbar sind, wird das Training häufig fortgesetzt. Das verschlimmert die Verletzung in den meisten Fällen und führt zu stärkeren Schmerzen.

Die Schmerzsymptomatik ist meist gleich: plötzlich einsetzend, heftig und anhaltend. Bei Ruhe gehen die Schmerzen zumeist langsam zurück und treten bei erneuter Bewegung wieder auf. Jede Stellung des Arms, die die Muskulatur beansprucht, schmerzt – ob Anspannung oder Dehnung. Zu vergleichen ist dies mit einem Muskelkater, bei dem Schmerzen ebenso bei Anstrengung der Muskeln auftreten. Der Unterschied liegt in der Intensität der Schmerzen und der zusätzlichen Funktionseinschränkung, die möglicherweise auftritt.

Lesen Sie mehr zu Thema unter Symptome des Muskelfaserrisses

Diagnose eines Muskelfaserrisses

Neben einer genauen Befragung des Patienten (Anamnese) nach dem Unfallgeschehen und den Beschwerden sollte der Patient klinisch untersucht werden. Hierbei wird der Oberarm genau inspiziert und auf Schwellungen, Rötungen und Dellen (Gewebelücke) oder Beulen geachtet. Des Weiteren sollte der Arzt die Muskeln des Oberarms vorsichtig, aber gründlich abtasten (Palpation) und auf Schmerzen oder Blutergüsse (Hämatome) achten. Auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des betroffenen Oberarmmuskels kann wegweisend sein, da dort bei einem Muskelfaserriss teilweise der Riss selbst oder aber eine Schwellung in der betroffenen Region erkannt werden können. Auch das MRT gilt als eine erweiterte bildgebende Möglichkeit der Erkennung eines Muskelfaserrisses am Oberarm.

Symptome und Komplikationen bei einem Muskelfaserriss des Oberarms

Die Hauptbeschwerden bei einem Muskelfaserriss am Oberarm sind auftretende Schmerzen. Diese werden als sehr stark, stechend und anhaltend beschrieben. Den Patienten ist ein aktives Bewegen, eine Anspannung oder das Dehnen, bzw. eine Kraftausübung mithilfe des Oberarms kaum noch möglich. Zudem können Schwellungen, Einziehungen des Muskels (erkennbar als eine Delle) oder Verfärbungen (Hämatome) an der Stelle des Muskelfaserrisses auftreten. Diese entstehenden Verfärbungen sind Einblutungen in das umliegende Gewebe des betroffenen Muskels. Bei sehr starken Einblutungen kann es zu einer Rückbildungsstörung des Blutergusses und zum Einwachsen von Bindegewebe in diesen kommen. Das Bindegewebe kann sich dann zu Narbengewebe umbilden, welches die Kraft und Kontraktion des betroffenen Muskels erheblich einschränken kann. Der betroffene Oberarmmuskel ist in der Folge anfälliger für weitere Verletzungen.
Als eine weitere Komplikation, die nach einem Muskelfaserriss des Oberarms auftreten kann, ist die Bildung einer Kapsel (Zyste) um den entstandenen Bluterguss zu nennen, welche genau so wie das entstehende Bindegewebe die Muskelkraft und Kontraktilität einschränken kann.
Des Weiteren kann es durch eine zu frühzeitige Belastung des Oberarms zu einer chronischen Entzündung mit entstehenden Kalkablagerungen und anschließender Verknöcherung (Myositis ossificans) kommen, welche auch die Funktionsfähigkeit und Kraft des Oberarmes mindern kann.

Therapie eines Muskelfaserrisses am Oberarm

Besteht der Verdacht eines Muskelfaserrisses eines Oberarmmuskels, so sollten zunächst folgende Erstmaßnahmen nach der PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) durchgeführt werden: Der betroffene Oberarm sollte möglichst schnell für ca. 15-20 Minuten gekühlt werden. Die Kälte führt dazu, dass sich die Blutgefäße in und um den betroffenen Muskel zusammenziehen und verhindert so - durch ein verringertes Austreten von Blut in das umliegende Gewebe - die Entstehung von Komplikationen durch große Blutergüsse. Allerdings sollte das kühlende Eis auf Grund drohender Erfrierungen nie direkt auf die Haut aufgelegt werden.
Des Weiteren sollte der Arm mit Hilfe eines Kompressionsverbandes ruhig gestellt und hoch gelagert werden, da auf diese Weise auch der Blutfluss ins umliegende Gewebe verringert wird.

Nach Durchführung der Sofortmaßnahmen sollte möglichst schnell ein Arzt aufgesucht werden, der das weitere Vorgehen besprechen, sowie komplizierte Verläufe erkennen kann.

Zunächst sollte strenge Ruhe des Oberarms eingehalten werden. Auf diese Weise können sich die betroffenen Muskelfasern am besten von selbst regenerieren. Die Spontanheilungskräfte sind bei einem Muskelfaserriss am Oberarm relativ hoch. Oft werden jedoch auch unterstützende Maßnahmen wie Wärmetherapien, Massagen oder Salben bei vielen Patienten als helfend und die Heilung beschleunigend empfunden, jedoch ist die objektive Wirksamkeit der genannten Therapieoptionen in Fachkreisen umstritten.

Des weiteren können entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente (z.B. Diclofenac) dabei helfen, die Schmerzsympomatik zu lindern.

Bei einem sehr großen Muskelfaserriss am Oberarm, der mit starken Schmerzen und Funktionsstörungen verbunden ist, kann auch in seltenen Fällen eine Operation nötig sein, die den Schaden begrenzen kann, aber auch eine verlängerte Regenerationszeit mit sich zieht.

Tapen des Oberarmes

Mittlerweile wird bei unterschiedlichsten Problemen des Bewegungsapparats eine Behandlung mit Hilfe von Tapes vorgenommen. Diese selbstklebenden Kunststoffstreifen werden nach einem bestimmten System auf die Haut aufgetragen und sollen den Heilungsprozess verkürzen. So kann auch bei Problemen des Oberarms ebendieser getaped werden. Nach einem Muskelfaserriss ist vor allem die Ruhigstellung des Muskels und dessen Entlastung wichtig. Um den Wiedereinstieg in die Benutzung der Muskulatur oder das Muskeltraining leichter zu machen, kann unter Umständen auf eine komplette Ruhigstellung verzichtet werden, da sich sonst das Muskelgewebe stätig abbaut.

Je nachdem in welchem großen Muskel der Muskelfaserriss vorliegt – ob im Bizeps oder im Trizeps – muss das Kinesiotape unterschiedlich angelegt werden. Das Tape verhindert im gewissen Maß eine Überbeweglichkeit des verletzten Muskels und stabilisiert den entsprechenden Teil des Bewegungsapparats. Der Heilungsprozess wird somit verkürzt und die Dauer, die der Muskel zur Wiederaufnahme seiner alten Tätigkeiten braucht, wird minimiert.

Es ist trotzdem wichtig, dem Gewebe genügend Zeit zur Regeneration zu lassen, da sich sonst die Verletzung verschlimmern kann. Das Tape kann professionell und meist gegen ein kleines Entgelt durch einen Physiotherapeuten oder angelernten Arzt (auch Hausarzt) oder aber durch einen Laien aufgeklebt werden. Für Letzteren gibt es diverse Internetseiten, die Videomaterial zur Verfügung stellen, in welchem Schritt für Schritt das Tapen erklärt wird.

Ist beispielsweise der Bizeps vom Muskelfaserriss betroffen, wird ein I-förmiges Tape verwendet, welches von der Ellbeuge bis zur Schulter reichen sollte.
Der Streifen wird von der einen Seite bis etwa ein Sechstel der Gesamtlänge eingeschnitten (bei 30 cm sind das 5 cm), von der anderen Seite etwa vier Sechstel (bei 30 cm sind das 20 cm). Dadurch entsteht in gewisser Weise ein X.
Zum Aufkleben des Tapes sollte der Arm gestreckt werden. Der Teil des Tapes, welcher nicht eingeschnitten ist, wird in der Ellbeuge platziert, mit den kurzen Seiten zum Unterarm hin, welche dort fixiert werden. Die zwei langen Streifen, die durch den großen Einschnitt entstanden sind, werden nun links und rechts vom Bizepsmuskel bogenförmig aufgeklebt, sodass sie diesen einrahmen.
Sie sollten sich auf der Vorderseite der Schulter treffen und auch dort enden. Der Verlauf des Muskels wird auf diese Weise von seinem Ansatz bis zu seinem Ursprung nachempfunden und das Tape wirkt, wenn es richtig aufgeklebt wurde, unterstützend.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Tapen von Muskelfaserrissen

Homöopathie bei einem Muskelfaserriss des Oberarms

Besteht ein Muskelfaserriss am Oberarm, sollte in jedem Fall ein Orthopäde oder ein Sportmediziner konsultiert werden. Zusätzlich zur angeordneten Therapie kann eine homöopathische Behandlung erfolgen. Diese kann die ruhigstellenden Maßnahmen der Schulmedizin komplettieren. Zur Anwendung kommen hierbei verschiedene Naturheilmittel in Form von Wickeln, Salben, Tropfen und Globuli.

Quarkwickel oder Wickel mit Lehm können durch ihre kühlende Wirkung eine Abschwellung des verletzten Gewebes herbeiführen. Salben, die Arnica oder Beinwell enthalten, sollen entzündungshemmend wirken und können zusätzlich aufgetragen werden. Arnica montana (Bergwohlverleih) kann ebenfalls in Tropfenform eingenommen werden. Von diesem Heilmittel wird sich eine abschwellende und entzündungshemmende Wirkung versprochen. Auch die Bildung von Blutergüssen soll vermindert werden, was den Heilungsprozess bei einem Muskelfaserriss maßgeblich positiv beeinflussen kann. Andere homöopathische Mittel sind Calendula (Ringelblume) und Apis mellificia (Honigbiene), deren Wirkung insgesamt ähnlich ist. Die Dosierung sollte von einer fachkundigen Person individuell auf den Patienten eingestellt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Homöopathie bei Muskelfaserriss

Dauer eines Muskelfaserrissses am Oberarm

Je nach Ausmaß und Schweregrad des Muskelfaserrisses variiert die Dauer bis eine vollständige Heilung erfolgt und eine Vollbelastung des betroffenen Muskels wieder möglich ist, recht stark. Aber auch die frühzeitige Versorgung inklusive Kühlung und Schonung ist für die Regenerationszeit von entscheidender Bedeutung.

Wenn der Muskelfaserriss nicht all zu groß ist, kann der Oberarm häufig schon einige Tage nach dem Unfall wieder leicht belastet werden. Im Laufe der nächsten Wochen kann dann, bei Schmerzfreiheit, die Belastungsintensität immer weiter gesteigert werden.

Ein Trainingseinstieg vor vollständiger Verheilung des Muskelfaserrisses, verlängert in der Regel die Dauer bis zur kompletten Belastbarkeit wesentlich. Auch die Wahrscheinlichkeit für weitere, größere Risse ist bedeutsam gesteigert.

Der Gesamtheilungsprozess dauert im Schnitt ca. 3-6 Wochen.

Nach der vollständigen Verheilung sollten keine Geschwindigkeitssportarten (z.B. Tennis oder Squash) mit dem betroffenen Arm betrieben und auch nicht mit viel Gewicht trainiert werden. Besser eignen sich zum Trainingseinstieg Sportarten mit langsamen und fließenden Bewegungen wie z.B. Schwimmen, Laufen und Fahrradfahren.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Dauer eines Muskelfaserrisses

Prophylaxe eines Muskelfaserrisses am Oberarm

Wichtige vorbeugende Maßnahme, um einen Muskelfaserriss am Oberarm zu verhindern, ist das gute Aufwärmen (mindestens 15 min) der Oberarmmuskulatur in Form von fließenden, langsamen Bewegungen. Dies sollte v.a. vor starker Belastung und intensivem Training geschehen. Zudem sollte, nach erfolgter Aufwärmphase, am Anfang des Trainings die Oberarmmuskulatur ihre maximale Belastung erfahren, da die meisten Muskelfaserrisse bei beginnender Muskelermüdung (30-60 min nach Trainingsbeginn) auftreten.

Insgesamt neigen überforderte und untrainierte Oberarmmuskeln häufiger zu Muskelfaserrissen, daher sollte immer auf dem individuellen Niveau trainiert werden und die Trainingsintensität nur langsam gesteigert werden.

Prognose beim Muskelfaserriss am Oberarm

Die Prognose kann je nach Ausmaß des Risses und Lokalisation am Oberarm sehr unterschiedlich sein, jedoch ist sie grundsätzlich gut. Normalerweise dauert es drei bis sechs Wochen, bis eine vollständige Heilung eintritt.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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