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Polyzystisches Ovarialsyndrom

Synonyme

PCO-Syndrom, PCOS
Stein-Leventhal-Syndrom

Definition

Das Polyzystische Ovarialsyndrom ist ein Symptomenkomplex, der aus ausbleibender (Amenorrhoe) Regelblutung oder verlängerten Regelblutungspausen (Oligomenorrhoe), vermehrter Körperbehaarung (Hirsutismus) und Übergewicht (Adipositas) besteht und auf hormonelle Funktionsstörungen der Eierstöcke (Ovarien) der Frau zurückzuführen ist. Der Symptomenkomplex wurde 1935 von Stein-Leventhal beschrieben.

Epidemiologie / Vorkommen in der Bevölkerung

Das Polycystische Ovarialsyndrom wird vermehrt bei Frauen zwischen dem 20. und dem 30 Lebensjahr festgestellt.
Der eigentliche Beginn der Erkrankung wird aber bereits in der Pubertät vermutet und entweder bei Routineuntersuchungen diagnostiziert oder eben erst, wenn die Erkrankung symptomatisch wird.
Ca. 5% der gebärfähigen Frauen haben ein Polycystisches Ovarialsyndrom.


Ursachen

Die Ursache des polyzystischen Ovarialsyndrom, die sich zum einen durch verschiedene Symptome äußert, aber auch im Ultraschall in Form von vielen im Eierstock verteilten Zysten zu erkennen ist, ist weitgehend unbekannt.
Man geht von einem fehlerhaften Zusammenspiel der Hormone FSH und LH aus, deren Ursache aber bis jetzt nicht bekannt ist. Im sogenannten Hypothalamus im Gehirn, der für die Produktion vieler hormoneller Vorstufen verantwortlich ist, wird das sogenannte Gonatotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ausgeschüttet. Dieses wirkt dann auf die Hirnanhangsdrüsen (Hypophyse) ebenfalls im Gehirn und lässt die beiden Hormone Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Luteinisierendes Hormon (LH) ausschütten, die beide auf die Eierstöcke (Ovarien) und den Menstruationszyklus einwirken.
GnRH wird in einem bestimmten zeitlichen Muster aus dem Hypothalamus ausgeschüttet. FSH und LH werden daraufhin stimuliert. An einem bestimmten Punkt sinken beide Hormone kurz ab, wodurch der Eisprung eingeleitet wird. Kurz darauf kommt es zum erneuten Anstieg der beiden Hormone. FSH wirkt bei der Frau sowohl auf den Menstruationszyklus, als auch auf die Ausbildung der Keimdrüsen. Die Ausschüttung von FSH fördert das Granulosazellwachstum in den Eierstöcken. Das Luteinisierende Hormon (LH) löst die Follikelreifung und schließlich den Eisprung aus. Des Weiteren bewirkt es die Entwicklung des sogenannten Gelbkörpers (Corpus Luteum), das die Hormone Östrogen und Progesteron produziert.

Beim Stein-Leventhal-Syndrom liegt vermutlich eine mangelnde Aktivität von bestimmten Enzymen (Aromatasen) in der oben erwähnten Granulosaschicht im Eierstock vor. Bei der gesunden Frau wird diese Schicht durch FSH stimuliert.
Bei der erkrankten Patientin bedeckt vermutlich eine hyaline Schicht die Granulosa und lässt somit FSH nicht richtig dort wirken. Die Granulosazellen beginnen sich des Weiteren aufgrund dessen leicht zurückzubilden. LH wird aber weiterhin produziert und ausgeschüttet, wodurch auch vermehrt Steroide im Eierstock gebildet und dadurch vermehrt Androgene (männliche Sexualhormone) produziert werden.
Diese sind es schließlich, die eine weitere hyaline Verdickung des Ovars (Eierstocks) und das typische cystische Bild im Ultraschall ausbilden lassen.

Des Weiteren führen die männlichen Geschlechtshormone zu der oft beobachteten vermehrten Körperbehaarung (Hirsutismus) und die erhöhte Steroidmenge zu der Übergewichtigkeit (Adipositas).

Der veränderte Menstruationszyklus wird zum einen den zystischen Veränderungen, zum anderen auch der in Unordnung gekommenen FSH/LH Ausschüttung zugeordnet.

Diagnose

Das Erstgespräch zwischen dem Arzt und der Patientin über die Krankengeschichte (Anamneseerhebung) gibt dem Arzt erste Hinweise auf die Art der Erkrankung.
Zeitpunkt und Fortschreiten der Symptome können häufig den Verdacht auf ein Polyzystisches Ovarialsyndrom lenken lassen. Auf jeden Fall sollte, falls noch nicht geschehen, die Weiterbehandlung und Untersuchung von einem Facharzt für Gynäkologie weitergeführt werden, der dann durch eine Ultraschalluntersuchungen meist die typischen, zystischen Veränderungen der Eierstöcke (Ovarien) erkennen kann. Das Bild reicht von völlig unauffälligen Ovarien, bis hin zu perlenkettenartig angeordneten, zystischen Strukturen. Durch Zunahme des Gewebes erscheint der Eierstock oft vergrößert im Ultraschall.

Symptome

Die typischen Symptome für ein PCO-Syndrom sind:

Meistens äußert sich das PCO-Syndrom nur durch einen Teil der genannten Symptome. Selten weißt eine Betroffene sämtliche Symptome zugleich auf. Manche der Symptome sind in fast allen Fällen des PCO-Syndroms zu beobachten, während andere seltener auftreten.

Durch das polyzystische Ovarialsyndrom kommt es oft zu Unfruchtbarkeit, sodass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zusätzlich zu den biologisch bedingten Symptomen auch eine depressive Verstimmung entwickeln können.

Lange Zeit kann das Polyzystische Ovarialsyndrom ohne Symptome vorhanden sein.
Wird es dennoch symptomatisch treten vor allem Unregelmäßigkeiten der Menstruation auf. Hier kommt es entweder zu einer ausbleibenden Regelblutung oder zu einer verlängerten Menstruationsfreien Zeit.
Ist die Menstruationpause zwischen 35 und 45 Tage, könnte ein Stein-Leventhal-Syndrom die Ursache sein. Teilweise kommt es auch zu Unterbauchbeschwerden während oder nach der Menstruation.
Übergewicht (Adipositas) und vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus) werden zeitweise ebenfalls beobachtet. Hier kommt es zum sogenannten männlichen Behaarungstyp (Bartwuchs, zum Nabel ziehende Schambehaarung, Brust- und Rückenbehaarung). In extremen Fällen kann eine sogenannte Androgenisierung (Vermännlichung) beobachtet werden. Hierzu zählen der oben erwähnte Hirsutismus, Vergrößerung der Klitoris, Verkleinerung der Brustdrüse, tiefe Stimme, Vermännlichung des Körperbaus.

Auch kann zum Teil ein vermehrter Haarausfall und Akne bei Patientinnen mit einem PCO beobachtet werden.

Schmerzen bei PCO

Einige Patientinnen klagen über Unterleibschmerzen, manchmal einseitig, zum Teil beidseitig lokalisiert. Die Schmerzqualität und -häufigkeit kann hierbei stark variieren, von anhaltendem Schmerz über kurz einschießende, bewegungsabhängige Beschwerden sind viele weitere Abstufungen möglich.
Hierbei kann es durch die Umfangs- und Größenzunahmen des Eierstocks aufgrund der Zysten zu Schmerzen kommen, wenn beispielsweise auf angrenzende Organe gedrückt wird. Seltener kann das Reißen oder Platzen einzelner Zysten Beschwerden im Unterleib bedingen. Auch können sich die Zysten an ihrem Stiel verdrehen und symptomatisch werden. Verdreht sich der Eierstock und wird dabei die Blutzufuhr unterbunden äußert sich das in heftigsten Schmerzen, oft in Kombination mit Übelkeit und Erbrechen und stellt einen medizinischen Notfall dar. Das Schmerzempfinden ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und somit variiert auch die Schmerztoleranz. Wichtig ist, auf seinen Körper zu hören und bei Bedarf ärztlichen Rat einzuholen, um die Beschwerden und Schmerzen unter Kontrolle zu bringen.

Ist eine Schwangerschaft möglich?

Beim polyzystischen Ovarialsyndrom ist zwar der geregelte Kreislauf des Menstruationszyklus gestört, die Funktion des Eierstocks hingegen nicht zwangsläufig beeinträchtigt. Daher ist eine Schwangerschaft trotz PCO grundsätzlich möglich, sogar spontane Schwangerschaftseintritte sind, wenn auch selten, beschrieben.
Die multiplen Zysten beinhalten funktionsfähige Follikel, welche mit medikamentöser Unterstützung synchronisiert und stimuliert werden und somit die Ovulation, also der Eisprung, stattfinden kann. Wichtig ist das vorherige Absetzen oraler Kontrazeptiva, welche in der Behandlung des polyzystischen Ovarialsyndroms regelhaft zum Einsatz kommen. Dann kann sich die Patientin der follikelstimulierenden Therapie unterziehen, die in der Regel mit dem Wirkstoff Clomifen vorgenommen wird. Dadurch wird der Eisprung in bis zu 80% der Fälle ausgelöst. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft durch hormonell stimulierende Maßnahmen variiert zwischen 25-40%. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht.
Weitere Möglichkeiten der Schwangerschaft bei polyzystischem Ovarialsyndrom stellen die Umstellung auf ein LH/FSH-Präparat oder die In-Vitro-Fertilisation (IVF) dar. Allgemein gilt, dass bei Blutzuckerunregelmäßigkeiten durch PCO über eine korrekte medikamentöse Einstellung der Zuckerwerte die Chancen einer Schwangerschaft erhöht werden können.

Therapie

Bei der Behandlung des PCO-Syndroms (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) werden zwei Ziele verfolgt:

1. Es wird versucht, durch die Behandlung die bestehenden Symptome zu lindern.
2. Der Stoffwechsel soll normalisiert und dadurch Spätfolgen verhindert werden (z.B. Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen).

Wird ein polyzystisches Ovarialsyndrom diagnostiziert, so ist primär wichtig, das bestehende Übergewicht zu senken. Hierzu ist empfohlen, die Ernährung umzustellen und sich vermehrt zu bewegen. Alleine dadurch kann meist auch bei PCO-Syndrom ein regelmäßiger Zyklus, sowie ein regelmäßiger Eisprung erreicht werden.

Die bei der weiteren Therapie eingesetzten Maßnahmen richten sich nach den Wünschen der Patientinnen, insbesondere danach, ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht.

Ohne Kinderwunsch:

Das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) verursacht typische Hormonstörungen, gegen die eine hormonelle Therapie hilft, die meist mit der Antibabypille durchgeführt wird.
Diese Behandlung des PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) ist jedoch nur für Frauen ohne Kinderwunsch geeignet, da die verhütende Wirkung der Hormone andernfalls einer Empfängnis im Wege steht.
Das Hormonpräparat wirkt gegen männliche Hormone und hilft so, den Kreis der hormonellen Dysregulation zu durchbrechen. Außerdem wirkt die Therapie mit der Antibabypille ebenfalls gegen unerwünschte Folgeerscheinungen wie eine veränderte Behaarung (Haarausfall am Kopf und starker Körperbehaarung), sowie die Hautprobleme.

Mit Kinderwunsch:

Für Frauen, die am PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) leiden, aber schwanger werden möchten, ist eine Therapie mit zugleich verhütend wirkenden Hormonen nicht geeignet. Aus diesem Grund erhalten diese Frauen Kortisonpräparate in niedriger Dosierung, damit so die Bildung männlicher Hormone in der Nebenniere vermindert wird. Ist außerdem der Prolaktin-Spiegel (milchbildendes Hormon) zu hoch, so kann dieser mittels Medikamente gesenkt werden. Besteht zusätzlich zum PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), so ist diese ebenfalls zu therapieren, da ein nicht erfüllter Kinderwunsch auch an einer Schilddrüsenunterfunktion liegen kann.

Setzt trotz dieser Behandlung des PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) kein regelmäßiger Zyklus ein, so ist es möglich, den Eisprung durch Antiöstrogene (z.B. Clomifen) zu bewirken.

Wird Clomifen erfolglos eingesetzt, so kann der behandelnde Arzt auch das follikelstimulierende Hormon (FSH) spritzen, jedoch in niedriger Dosis.

Durch diese Behandlung erhöht sich das Risiko für eine plötzliche, gesteigerte Bildung von Eibläschen und damit das Risiko für höhergradige Mehrlingsschwangerschaften.

Die Therapie des PCO-Syndroms (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndroms) muss unter regelmäßigen Kontrolluntersuchungen erfolgen, die in kurzen Abständen (mitunter täglich) zu erfolgen haben.

Mitunter kann bei Frauen mit dem PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) eine Operation eine sinnvolle Therapiemöglichkeit darstellen. Dabei werden die überzähligen Zysten bei einer Bauchspiegelung (laparoskopisch) mit Hitze oder Laser zerstört.

Hier finden Sie noch weitere Tipps, um schwanger zu werden.

Lesen Sie außerdem unsere Seite Unerfüllter Kinderwunsch.

PCO und Metformin

Ist der Blutzuckerspiegel erhöht (bei PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) oft der Fall), so ist das Medikament Metformin zur Blutdrucksenkung geeignet, denn es regt zusätzlich den Eisprung und die Follikelbildung an.

Zu diesem Thema haben wir ein komplett eigenständiges Thema unter Metformin und PCO veröffentlicht.

Therapie bei Kinderwunsch

Die Therapie des Polycystischen Ovarialsyndroms richtet sich in erster Linie danach, ob die Patientin einen Kinderwunsch hat oder nicht.
Unbehandelt kann eine Schwangerschaft schwierig, bzw. unmöglich sein. Besteht kein Kinderwunsch, kann die Androgenproduktion in den Eierstöcken durch die Gabe von Ovulationshemmern („Pille“) oder Glukokortikoide (Cortison) gehemmt werden.
Häufig kommen in diesem Fall Ovulationshemmer mit dem Wirkstoff Cyproteronacetat zum Einsatz („Diane“). Dabei kommt es zu einer kompensatorischen Hemmung der Androgenrezeptoren und durch Kombination mit Ethinylöstradiol zur Senkung von LH und FSH.
Aldosteronantagonisten, wie Spironolacton, hemmen die Bildung von Androgenen und die Ausbildung der Androgenrezeptoren und führen so zu einer Reduktion der beschriebenen Symptome.

Besteht ein Kinderwunsch, stellt das Vorhandensein des Polycystischen Ovarialsyndroms ein schwerwiegendes Problem dar.
Bei ausgeprägten Symptomen, kann die Gabe von Clomifen, Gonadotropinen (HMG,FSH), Cortison oder vergleichbaren Glukokortikoiden oder eine zeitlich abhängige Gabe des Gonatotropin-Releasing Hormons (GnRH) in Betracht gezogen werden.
Die Gefahr besteht allerdings, dass es hierbei zur sogenannten Überstimmulation der Eierstöcke kommt, was u.a. Mehrlingsschwangerschaften zur Folge haben kann.

Prophylaxe

Da der Entstehungsmechanismus weitgehend ungeklärt ist, sind prophylaktische Maßnahmen bis jetzt unbekannt.

Prognose

Viele Störungen, die die Androgen- und Hormonproduktion betreffen, sind leider chronisch bzw. nicht heilbar.
Die Patienten müssen sich beim Polycystischen Ovarialsyndrom auf eine Langzeittherapie einstellen.
Nach einem Zeitraum von 9-12 Monaten sollte die Therapie entsprechend angepasst werden und eine Erhöhung oder eine Erweiterung der Medikamente erfolgen.
Kosmetische Behandlungen der Begleitsymptome (Rasur, Epilierung, Aknebehandlung) können ebenfalls sinnvoll sein. Bei Einnahme der „Pille“ kann sich ein Aknebefall ebenfalls reduzieren bzw. komplett einstellen.

Ist eine Heilung möglich?

Eine Heilung des Polyzystischen Ovarialsyndroms (PCO-Syndrom) ist aktuell leider noch nicht möglich.
Es bestehen lediglich unterstützende Maßnahmen, welche darauf abzielen die Symptomatik zu mindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Das heißt, es werden zwar die Beschwerden, also die Folgen des PCO-Syndroms bekämpft, nicht jedoch die Ursache,also die Erkrankung an sich. Die Behandlung muss individuell angepasst werden um die effektivste Therapie für die jeweilige Patientin zu finden. So können die Symptome unter Kontrolle gebracht oder reduziert werden. In einigen Fällen ist sogar die komplette Beseitigung der Beschwerden möglich. Wichtig ist es, sich einem Arzt anzuvertrauen, welcher mit der Behandlung von PCO-Patientinnen vertraut ist und eine gute Expertise vorzuweisen hat.
Zu den einsetzbaren Mitteln, welche symptomlindernd wirken, zählen zum Beispiel Kontrazeptiva (schwangerschaftsverhütende Medikamente). Diese können bei Zyklusunregelmäßigkeiten, wie sie sehr häufig beim polyzystischen Ovarialsyndrom anzutreffen sind, Abhilfe schaffen. Wichtig ist hierbei mit dem Arzt darüber zu sprechen, ob aktuell ein Kinderwunsch besteht oder nicht um diesbezüglich die Therapie anzupassen. Auch wirken die Präparate präventiv im Hinblick auf das Endometriumkarzinom, also den Krebs der Gebärmutterschleimhaut.
In besonders schlimmen Fällen mit nicht zu beherrschender Symptomatik stellen auch operative Maßnahmen Behandlungsoptionen dar. Beim Hirsutismus, einer übermäßigen Körperbehaarung, können Kontrazeptiva ebenfalls Linderung verschaffen, da sie das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Hormonen besser einstellen. Dies gilt auch im Hinblick auf Akne. Bei Übergewicht sollte regelmäßig Sport getrieben und eine Ernährungsumstellung erfolgen. Der Wirkstoff Metformin findet beim polyzystischen Ovarialsyndrom ebenfalls häufig Verwendung, da er in den Blutzuckerhaushalt eingreift und diesen normalisieren kann. Zudem drosselt Metformin die Produktion männlicher Hormone, wodurch Akne reduziert werden kann, Zyklusunregelmäßigkeiten besser werden können und auch die Fruchtbarkeit steigen kann.
Es ist ratsam, sich einer längerfristigen Behandlung und regelmäßigen Kontrollen zu unterziehen um ein Fortschreiten der Beschwerden abzufangen und mögliche Spätfolgen frühzeitig zu erkennen.
Trotz fehlender Heilungsaussichten berichten einige Patientinnen nach einer erfolgten Schwangerschaft regelmäßigere Menstruationszyklen zu haben, was weitere medikamentöse Unterstützung zur Zykluskontrolle unnötig werden lässt. Auch kann eine erneute Schwangerschaft dadurch häufig einfacher erreicht werden. Des Weiteren bessern sich bei manchen PCO-Patientinnen viele Symptome mit Eintritt der Menopause.

Zusammenfassung

Unter einem Polycystischen Ovarialsyndrom (Stein-Leventhal-Syndrom), versteht man ein durch ein hormonelles Ungleichgewicht hervorgerufenes Krankheitsbild, das sich meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr bei den Patientinnen bemerkbar macht.
Obwohl die Ursache bis jetzt weitgehend ungeklärt ist, geht man davon aus, dass die Eierstöcke (Ovarien) durch eine hyaline Schicht unsensibler gegenüber dem Hormon FSH gemacht werden, während das zweite Hormon LH aber nach wie vor in normaler Menge ausgeschüttet wird. Durch LH wird die Bildung von männlichen Geschlechtshormonen angeregt, was zu Vermännlichungsmerkmalen, wie z.B. männliches Behaarungsmuster, Vermännlichung des Körperbaus, Klitorisvergrößerung und Brustverkleinerung aber auch Haarausfall führen kann (Androgenisierung).
Häufig werden die Frauen aber auch durch das Ausbleiben der Regel oder einer verlängerten Regelpause (zwischen 35 und 45 Tagen) auf die Erkrankung aufmerksam.
Unbehandelt kann ein Stein-Leventhal-Syndrom unter Umständen eine gewollte Schwangerschaft verhindern.
Neben einer Blut- und Urinuntersuchung, in der die Hormone kontrolliert und nachgewiesen werden sollten, gibt die Ultraschalluntersuchung des Facharztes für Gynäkologie häufig das typisch zystische Bild der Polycystischen Ovarien wider.
Charakteristischerweise erscheinen die Ovarien perlschnurartig aufgereiht. Auch die Art und die zeitliche Abfolge der Beschwerden, die durch die ärztliche Befragung herausgefunden werden sollten, tragen mit zur Diagnosestellung des PCO bei. Der Arzt sollte auch eine tumoröse Ursache der Beschwerden sowie das sogenannte Hyperthecosis ovarii ausschließen, bevor er die Diagnose eines PCO stellt.
Die Behandlung richtet sich danach, ob die Frau einen Kinderwunsch hat oder nicht. Wenn nicht, kann versucht werden die Beschwerden mit Ovulationshemmern („Pille“) sowie die Gabe von Glukokortikoiden (Kortison) zu lindern. Im Falle eines Kinderwunsches kann versucht werden, mit Clomifen oder Gonatotropingabe im zeitlichen Intervall zu behandeln. Die Gefahr besteht allerdings in einer Überstimmulation der Ovarien, die Mehrlingsschwangerschaften zur Folge haben können.
Unbehandelt ist eine Schwangerschaft schwierig bis unmöglich. Die Patientinnen sollten sich auf eine längere Behandlung einstellen. Die Erfolgsraten sind mässig und fordern zum Teil eine lebenslange Therapie. Kosmetische Zusatzbehandlungen können zum Teil hilfreich sein und vor allem die psychischen Komponenten der Erkrankung lindern.
Neuste Studien haben ergeben, dass Patientinnen, die an einem Polycystischen Ovarialsyndrom erkrankt sind, ein erhöhtes Risiko aufweisen an einer Insulinresistenz (Diabetes mellitus) oder an kardiovaskulären Erkrankungen (Herzerkrankungen, Bluthochdruckerkrankung) zu erkranken.
Auch ein erhöhtes Risiko zu bösartigen Erkrankungen der Gebärmutterschleimhaut durch ständige und unregelmäßige hormonelle Stimulation wurde diskutiert.

Weitere Informationen zum polyzystischen Ovarialsyndrom

Weitere Informationen zum Polyzystisches Ovarialyndrom finden Sie auch unter unserem Thema:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.04.2018
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