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Schmerzen in der Pobacke während der Schwangerschaft

Einleitung

Die Pobacke beschreibt umgangssprachlich das Gesäß und Teile des Beckens und des unteren Rückens. Die Pobacke selbst besteht größtenteils aus großen, kräftigen Muskeln. Sie dienen dazu das Gewicht des Menschen im Sitzen zu polstern und sind beim Laufen und bei Tätigkeiten wie Treppensteigen von Nutzen. Die Muskulatur ist sehr kräftig und bewirkt bei Anspannung vor allem eine Streckung des Oberschenkels in der Hüfte. Bei Lähmungen einzelner Muskeln in der Pobacke kommt es zu schweren Einschränkungen beim Laufen.
Schmerzen in der Pobacke müssen nicht nur muskulär bedingt sein. Insbesondere in der Schwangerschaft ist der weibliche Körper einer Zusatzbelastung in mehrfacher Hinsicht ausgesetzt. Häufig werden Schmerzen in die Pobacke projiziert, entspringen aber im Oberschenkel, der Hüfte, dem Rücken oder dem Genitalbereich.


Ursachen

Die Schmerzen in der Pobacke in der Schwangerschaft können auf mehrere anatomische Strukturen zurückgeführt werden. Nicht selten ist der Muskel selbst betroffen, aus dem das Gesäß zu großen Anteilen besteht. Wie alle anderen Muskeln im Körper, kann auch das Gesäß unter Muskelkater, Zerrungen, Verspannungen und Verhärtungen leiden. Häufig gehen diese Probleme auf eine Mehrbelastung oder eine fehlerhafte Belastung der Muskulatur zurück. Insbesondere bei neu begonnenen sportlichen Tätigkeiten, zum Beispiel dem Joggen, kann der Muskel zunächst überfordert sein und schmerzen.
Die Bewegung, welche die Pomuskulatur am stärksten fordert, ist das Treppensteigen. Durch die fortschreitende Schwangerschaft und eine entsprechende Gewichtszunahme ist auch die Anstrengung der Muskulatur insgesamt höher.
Schmerzen in der Muskulatur können auch auf Sportunfälle zurückzuführen sein. Schnelle Drehungen können zu Zerrungen im Muskel und den Sehnen führen.

Neben der Gesäßmuskulatur können auch Nervenstränge betroffen sein. Von der Lendenwirbelsäule aus ziehen mehrere Nerven in die Beine, die Genitalien, die Haut und weitere Bereiche durch die Pobacke hindurch. Die Nerven können auf ihrem Weg gereizt und verletzt werden, durch Einklemmungen, Risse oder Druckbelastungen. In der Schwangerschaft sind insbesondere Reizungen durch vermehrten Druck häufig.
Häufig ist in einer Schwangerschaft der Ischiasnerv betroffen.
Ein ebenso bekanntes Problem stellt das Piriformis-Syndrom dar, bei dem es zur Einklemmung eines Nervs durch den Piriformis-Muskel kommt. Beide Erkrankungen gehen mit stechenden oder ziehenden Schmerzen in der Pobacke einher.

Auch die Wirbelsäule selbst kann ursächlich für die Schmerzen in der Pobacke in der Schwangerschaft sein. Die Lendenwirbelsäule ist ein häufiger Ort für chronische Rückenbeschwerden. Im Rahmen der Schwangerschaft werden diese Schmerzen in mehrfacher Weise begünstigt. Durch Hormonumstellungen lockern sich Band- und Muskelstrukturen, welche die Wirbelsäule und Hüfte stützen und stabilisieren. Gleichzeit führt die Mehrbelastung durch das wachsende Kind zu Zug- und Druckbelastungen im unteren Rücken und Becken. All dies kann Schmerzen verursachen, die mitunter bis in die Pobacke, die Leiste oder die Beine ausstrahlen können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schmerzen in der Pobacke - das sind die Ursachen

ISG-Blockade

Bei der ISG-Blockade handelt es sich um eine Blockierung des Iliosakralgelenks, zwischen dem unteren Rücken und der Hüfte. Dabei blockieren Muskeln und Bänder die Bewegungsfreiheit und lösen die typischen Symptome einer ISG-Blockade aus: Schmerzen.
In der Schwangerschaft kommt es durch Hormonausschüttung zur Lockerung diverser Muskeln und Bandstrukturen im Körper. Dies soll die Geburt begünstigen, prädestiniert aber auch für Verletzungen, Schmerzen und Instabilität in Gelenken. Die Therapie einer ISG-Blockade besteht aus bestimmten Übungen, durch Ärzte angeleitet, die das Gelenk mobilisieren sollen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lösen einer ISG-Blockade

Ischiasreizung

Umgangssprachlich werden die Schmerzen, die durch eine Reizung des Ischiasnervs ausgelöst werden, als „Ischias“ bezeichnet. In der Fachsprache spricht man von einer "Lumboischialgie". Der Ischiasnerv kommt aus der tiefen Lendenwirbelsäule, zieht durch das Gesäß, um im Bein einige Muskeln zu versorgen. Ursache einer Lumboischialgie ist eine Mischung verschiedener Belastungen während der Schwangerschaft. Die Gewichtsbelastung durch das heranwachsende Kind ist ein wichtiger Faktor. Auch der Druck durch den wachsenden Uterus und die Schwäche des Gesäßmuskels begünstigen die Ischiasreizung.
Während der Schwangerschaft können leichte Muskelübungen und Dehnungen den Nerv entlasten. Auch Wärme und leichte Bewegung wirken sich positiv auf die Nervenreizung aus.
Lesen Sie hierzu: Therapie einer Lumboischialgie
Nach der Schwangerschaft legen sich die Beschwerden oft von selbst. Falls nicht, kommen medikamentöse und auch operative Maßnahmen in Betracht.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Lumboischialgie in der Schwangerschaft

Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom beschreibt eine Reizung des Ischiasnerven im Becken. Der Nerv zieht durch das Becken, unter der Gesäßmuskulatur, bis in die Beine, wo er diverse Muskeln versorgt. Den Namen erhält das Syndrom durch den Piriformis-Muskel, der räumlich sehr nah am Ischiasnerv vorbei läuft und auf diesen Druck ausüben kann.
Die Ursachen für ein Piriformis-Syndrom sind zahlreich, in der Schwangerschaft tritt es jedoch gehäuft auf. Dies liegt vor allem an dem Druck, der im Becken durch die wachsende Gebärmutter entsteht. Dadurch kann der Ischiasnerv schnell gereizt werden. Der Schmerz kann sich mitunter bis in den Rücken und die Beine ausbreiten. Im Regelfall sollten die Beschwerden spätestens mit dem Ende der Schwangerschaft nachlassen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Krankengymnastik bei einem Piriformis-Syndrom und Was ist die beste Behandlung für ein Piriformis-Syndrom?

Schmerzen in der Pobacke während der Schwangerschaft durch ein Holkreuz

Ein Hohlkreuz entsteht durch die übermäßige Anspannung der unteren Rückenmuskulatur. Langfristig wölbt sich der untere Rücken dabei stark nach vorne, was Schmerzen und Erkrankungen der Wirbelsäule begünstigt. In der Schwangerschaft wird das Hohlkreuz oft noch verstärkt. Die Bauchpartie wölbt sich in der Schwangerschaft nach vorne. Damit dadurch das Gewicht nicht zu sehr verlagert wird, spannt sich die Rückenmuskulatur dauerhaft an. Gezielte Muskelübungen und physiotherapeutische Maßnahmen müssen die Bauchmuskulatur stärken, um dem Hohlkreuz entgegen zu wirken.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Hohlkreuz - Das können Sie dagegen tun!

Schmerzen in der Pobacke während der Schwangerschaft durch die Gewichtszunahme

Die Gewichtszunahme wird häufig erst in den letzten Wochen und Monaten der Schwangerschaft zu einem Problem für die Frauen. Durch die Gewichtszunahme und den zunehmenden Druck im Becken werden vor allem die Beine, die Hüften und der untere Rücken zusätzlich belastet. Gemeinsam mit den Hormonumstellungen während der Schwangerschaft führt die Gewichtszunahme zu einer starken Belastung für die Hüfte und ihre Gelenke. Die Folge sind häufig Schmerzen in der Pobacke.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Symptome

Der Schmerz als Leitsymptom kann sich in vielerlei Gestalt äußern. Es müssen diffuse Schmerzen von lokal begrenzten, punktuellen Schmerzen unterschieden werden. Auch die Art des Schmerzes variiert mit der Ursache. Dabei kann es sich um brennende, stechende, reißende oder dumpfe Schmerzen handeln.

Bei lokalen Beschwerden, zum Beispiel im Muskel, kann der Schmerz durch Druck und Bewegung provoziert werden. Insbesondere Bewegungen, welche die Gesäßmuskulatur beanspruchen, sind zusätzlich eingeschränkt. Das betrifft vor allem langes Laufen und Treppensteigen. Bei Muskelbeschwerden lässt sich neben den Schmerzen oft auch eine schnellere Ermüdbarkeit feststellen. In der Schwangerschaft tritt diese Ermüdung durch die Mehrbelastung an Gewicht schneller auf.
Liegt der Schmerz im Nerv oder im Rücken, können sich andere Symptome dazu gesellen. Ist der Nerv betroffen äußert sich der Schmerz ziehend und stechend und breitet sich in Richtung Bein und Wirbelsäule entlang des Nervenstrangs aus. Bei Bandscheibenvorfällen oder anderen Erkrankungen der Wirbelsäule ist mitunter ein dumpfer Schmerz im Rücken vorhanden. In Ernstfällen kann es zu Schmerzen, Kribbeln und Taubheit in den Beinen kommen. In schweren Fällen ist sogar eine Lähmung der Beine möglich.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Rückenschmerzen in der Schwangerschaft und Hüftschmerzen in der Schwangerschaft und Steißbeinschmerzen währned der Schwangerschaft

Schmerzen in der Pobacke in der Schwangerschaft bis in die Leiste

Ein Schmerz, der aus der Pobacke bis in die Leiste zieht, kann auf viele Ursachen hindeuten. Auch bei Nervenreizungen leitet sich der Schmerz häufig fort und kann entlang der Leiste in das Bein ziehen. Bei Schmerzen der äußeren Leiste muss jedoch auch an Gelenkerkrankungen wie die Arthrose oder ein Hüftimpingement gedacht werden.
Liegen die Schmerzen weiter innen, können auch Erkrankungen des kleinen Beckens und der Genitalorgane zugrunde liegen. In den allermeisten Fällen liegen lediglich Leistenzerrungen vor. Besteht der Schmerz jedoch über einen längeren Zeitraum, sollten andere Ursachen durch einen Arzt abgeklärt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Schmerzen in der Leiste - Das sind die häufigsten Ursachen

Diagnose

Da bei starken oder lang bestehenden Schmerzen in der Pobacke in der Schwangerschaft therapiebedürftige Ursachen dahinter stecken könnten, sollte ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden. Anhand einer genauen Befragung kann der Arzt aufgrund der Art, Dauer und Umstände der Schmerzen und Beschwerden die Ursachen häufig schon stark eingrenzen. Ergänzend kann der Arzt die betroffene Stelle abtasten, um zu erörtern, ob der Schmerz durch Druck oder Bewegung auslösbar ist. Durch ein Abtasten können auch Verhärtungen der Muskulatur und Entzündungen im Muskel erkannt werden. Bei letzteren kommt es oft zur äußerlich wahrnehmbaren Rötung und Schwellung.
Entscheidend für die Diagnose ist auch eine vorangegangene sportliche Betätigung, eine Verletzung oder ein anderer potentieller Auslöser. Bei ruckartigen Bewegungen kann an ein muskuläres Problem gedacht werden. Bei schwerem Heben mit anschließendem Schmerz liegt eine Erkrankung der Bandscheiben nahe. Bei einer sogenannten „ISG-Blockade“ ist oft ein typischer „Tritt ins Leere“ auslösend.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Bandscheibenvorfall in der Schwangerschaft

Wird eine Ursache im Rücken vermutet, können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Mittels MRT und CT Aufnahmen, können Erkrankungen der Wirbelsäule und der Bandscheiben genauer erkannt und eingeschätzt werden.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT in der Schwangerschaft - ist das gefährlich?

Therapie

Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten für Schmerzen in der Pobacke während der Schwangerschaft. Jedoch muss in erster Linie eine ausführliche Diagnostik durchgeführt werden, damit die richtige Ursache therapiert wird.
In der Schwangerschaft können durch die hormonellen Umstellungen im Körper und die zusätzliche Gewichtsbelastung im Becken schnell Schmerzen auftreten. Bevor in der Therapie zu invasiven Maßnahmen gegriffen wird, sollten die Veränderungen nach Ende der Schwangerschaft abgewartet werden.

Bei Verletzungen des Muskels, zum Beispiel Verspannungen oder Muskelfaserrissen, hilft oft lediglich Abwarten. Unterstützend wirken zudem Kühlung und Schonung. Damit der Muskel sich erholen kann, sollten zumindest die Belastungen, zum Beispiel der auslösende Sport, eingestellt werden.
Es können bis zum Zeitraum der Heilung auch Schmerzmittel in der Schwangerschaft eingenommen werden, um den Schmerz erträglicher zu machen. In der Schwangerschaft sollte die Dosis der Medikamente jedoch auf ein Minimum begrenzt werden. Das Schmerzmittel der Wahl ist in diesen Fällen Paracetamol. Bei größeren Verletzungen des Muskels, können anschließend physiotherapeutische Maßnahmen erfolgen, um den Muskel aufzubauen.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Paracetamol in der Schwangerschaft

Bei Reizungen der Nerven, zum Beispiel im Piriformis-Syndrom, steht zunächst auch eine Schonung an erster Stelle. Hier hilft eine Physiotherapie und gezielte Dehnung weiter, um den Nerv nachhaltig zu entlasten. Können der Schmerz und die Reizung des Nervs dadurch nicht gelindert werden, kann der Nerv kurz- oder langfristig betäubt werden. Dazu werden Cortison als Entzündungshemmer und ein Lokalanästhetikum verwendet. Operationen zur Entlastung des Nerven sind möglich, werden aber selten durchgeführt.
Lesen Sie hierzu: Lokalanästhetika in der Schwangerschaft

Beschwerden, die vom Rücken ausgehen, sollten zunächst auch mit einer Bewegungstherapie behandelt werden. Bevor invasive Maßnahmen gewählt werden, sollte das Ende der Schwangerschaft abgewartet werden. Der Arzt sollte in diesem Fall entscheiden, ob eine Operation notwendig ist. Bei langfristigen Beschwerden können auch hier die ursächlichen Nerven durch Lokalanästhetika betäubt oder verödet werden. Dies stellt eine der letzten Maßnahmen in der Behandlung dar und es handelt sich nicht mehr um eine ursächliche sondern eine symptomatische Therapie.

Lesen Sie mehr zu dem Thema Schmerzen in der rechten Pobacke in unserem Artikel Schmerzen in der Pobacke rechts.

Dauer

Die Dauer ist abhängig von der Ursache für die Schmerzen in der Pobacke während der Schwangerschaft. In den meisten Fällen ist der Schmerz auf leichte Zerrungen des Muskels, Muskelkater oder kleine Muskelfaserrisse zurückzuführen. Der Muskel braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Oft verschwinden die Beschwerden innerhalb von 3-5 Tagen. Je schwerer die Verletzung und Beschädigung des Muskels jedoch ist, desto länger dauert die Heilung. Bei Rissen größerer Muskelanteile beträgt die Heilungsdauer einige Wochen bis Monate.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Dauer eines Muskelfaserrisses

Bei Beschwerden der Nerven im Gesäß, der Hüfte oder dem Rücken ist die Dauer abhängig vom Behandlungserfolg. Oft ist der Schmerz durch Hormonumstellungen der Frau zu erklären. Mit der Geburt und dem Ende der Schwangerschaft, sollten auch diese Schmerzen nachlassen. Falls nicht, sollte eine Therapie fortgeführt oder intensiviert werden. Gelingt es den Nerv zu entlasten, können die Beschwerden innerhalb weniger Tage nachlassen. Andernfalls können sie chronisch werden und über Monate bestehen bleiben. Auch Rückenschmerzen können chronisch werden, was bedeutet, dass sie länger als 6 Monate andauern.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.04.2018
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