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Dengue-Fieber

Einleitung

Dengue-Fieber zählt zu den tropischen Infektionskrankheiten und verursacht jedes Jahr weltweit 50-100 Millionen Krankheitsfälle, Tendenz steigend. Bestimmte Mückenarten übertragen den Erreger, das Dengue-Virus, auf den Menschen.

Je nach z.B. Alter und Gesundheitszustand können die Symptome der Erkrankung sehr unterschiedlich ausfallen. Das Spektrum reicht von milden, grippeähnlichen Verläufen bis hin zu ernsten, hochfieberhaften Episoden mit Befall mehrerer Organsysteme. Gefürchtetste Komplikation stellt das in ca. 30% der Fälle tödlich verlaufende „Dengue-Schocksyndrom“ (DSS) dar.

Zurzeit existiert leider weder eine Schutzimpfung, noch eine ursächliche Therapie gegen das Dengue-Fieber. Prophylaktisch steht daher primär der Schutz vor Insektenstichen im Vordergrund.

Erkrankte Personen können lediglich symptomatisch therapiert werden, z.B. mit Flüssigkeit- und Eiweißgabe.


Übertragung

Die Krankheit wird durch sogenannte „Vektoren“ übertragen: Hierbei transportiert ein Organismus den Erreger von Wirt zu Wirt. Wichtigste Vektoren des Dengue-Virus sind die Weibchen der ägyptischen und asiatischen Tigermücke (lat.: Stegomyia aegypti und Stegomyia albopticus). Durch ihre auffällige, schwarz-weiß gemusterte Zeichnung ist sie in der Regel leicht zu erkennen!

Mit einem Stich können sie das Virus leicht in die Blutbahn des Menschen befördern. Umgekehrt können nicht-infizierte Mücken, die Erreger von einem kranken Menschen aufnehmen.

Da sich die tagaktiven Insekten im stehenden Wasser vermehren, ist eine Ausrottung außerordentlich schwierig. Bereits kleine Pfützen oder wassergefüllte Behälter (z.B. Flaschen) reichen aus. So ist gerade in dicht besiedelten Wohngebieten die Ausbreitungsrate besonders hoch.

Im Gegensatz zu anderen tropischen Infektionskrankheiten, wie z.B. Ebola, stellt die Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Dengue-Fiebers eine absolute Seltenheit dar! Isolierungen der betroffenen Patienten sind daher nicht notwendig.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Asiatische Tigermücke

Verbreitung

Dengue ist in mehr als 100 Ländern im subtropischen und tropischen Asien, in Australien, Zentral- und Südamerika, Ozeanien, Afrika und in der Karibik verbreitet. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung der Tigermücke, ist jedoch in Zukunft mit einer Ausbreitung der Krankheit auch in Europa zu rechnen. So gab es bereits 2012 einen größeren Ausbruch auf der portugiesischen Insel Madeira. Auch in Südfrankreich und Kroatien wurden Fälle gemeldet.

Aufgrund des steigenden Ferntourismus, wächst zudem die Zahl der „importierten“ Dengue-Fälle: Wurden 2001 in Deutschland noch 60 Fälle gemeldet, so waren es im Oktober 2010 bereits 387 Fälle. Hiervon waren insbesondere Reiserückkehrer aus Indien und Südostasien (Thailand, Vietnam, Philippinen, Malaysia und Indonesien) betroffen.

Symptome

Grundsätzlich kann man zwischen drei Verlaufsformen der Erkrankung unterscheiden: Das grippeähnliche Dengue-Fieber (DF), das schwere Dengue-hämorrhagische- Fieber (DHS) und das gefährliche Dengue-Schock-Syndrom (DSS). Alter, Ernährungszustand, gesundheitliche Verfassung, Geschlecht und wohl auch genetische Veranlagung des Patienten scheinen zudem eine wichtige Rolle bei der Schwere der Erkrankung zu spielen.

Wenn Betroffene zudem unter einer Zweitinfektion leiden, also bereits wiederholt an dem Virus erkranken, ist eine der beiden schweren Erscheinungsformen des Dengue-Fiebers (DHS und DSS) umso wahrscheinlicher.

Kleine Kinder leiden oft zu Beginn an 1-5 Tage anhaltendem, hohem Fieber.

Erst bei älteren Kinder und Erwachsenen lässt sich oft das typische, zweigipflige Fieber beobachten: Nach anfänglichem, kurz anhaltendem Fieber mit plötzlicher Normalisierung folgt ein zweiter Fieberanstieg, welcher meistens länger anhält. Viele Betroffene klagen über Kopfschmerzen, v.a. im Stirn-und Augenbereich, begleitet von Übelkeit und Bauchschmerzen.

Im Volksmund wird Dengue-Fieber häufig auch als „Knochenbrecherfieber“ bezeichnet, da Erkrankte unter extrem schmerzhafte Rücken- und Gliederschmerzen leiden. Manchmal kann ein knotiger, fleckiger Hautausschlag beobachtet werden.

In den ersten Wochen der Erkrankung, kann es unter Umständen zu einer Lymphknotenschwellung am gesamten Körper, sowie Missempfindungen (lat.: Dysästhesien) kommen.

Schwerere Verläufe führen zu einer Gerinnungsstörung, so dass Nasen-, Haut- und Schleimhautblutungen auftreten. Wenn die Blutungen stark sind, kann ein Volumenmangel in den Blutgefäßen zu einem gefährlichen Schock führen. In diesem Fall spricht man von dem lebensbedrohlichen Dengue-Schock-Syndrom (DSS).

Die Vorstufe, das Dengue-hämorrhagische-Fieber (DHF), tritt hingegen auf, wenn folgende 4 Kriterien erfüllt sind:

  1. Fieber
  2. Blutplättchenmangel (lat.: Thrombozytopenie)
  3. Zerstörung der roten Blutkörperchen (lat.: Hämolyse)
  4. Flüssigkeitsverlust durch die Kapillare , auch „Kapillarleck“ genannt

Ursache

Dengue-Viren gehören zu der Familie der Flaviviren, ähnlich wie z.B. die Erreger von Gelbfieber, FSME oder Japanischer Enzephalitis (Lesen Sie hierzu auch: Impfung gegen Japanische Enzephalitis).

Insgesamt können vier verschieden Typen des Dengue-Virus (DEN 1-4) den Menschen infizieren, wobei Typ DEN 2 den höchsten Krankheitswert besitzt.

Leider ist der genaue Krankheitsmechanismus bis heute nicht genau geklärt. Vereinfacht gesprochen, dringen die Viren in menschliche Zellen ein und nutzen deren Mechanismen zur weiteren Ausbreitung im Organismus. Daraufhin schüttet unser Körper verschiedene Botenstoffe, Enzyme, Entzündungsvermittler und Aktivatoren frei, welche dann 3-12 Tage nach Infektion (Inkubationszeit) zu dem klassischen Dengue-Fieber führen.

Insbesondere bei den schweren Erscheinungsformen, dem DHS und DSS, scheinen Strukturen des menschlichen Immunsystems, die Immunglobuline oder Antikörper, eine wichtige Rolle zu spielen.

Diagnostik

Fieber nach Aufenthalt in den Tropen ist kein seltenes Symptom und lässt sich bei ungefähr 20% aller erkrankten Reiserückkehrer feststellen. Leider äußern sich nahezu alle typischen Tropenkrankheiten in mehr oder weniger stark ausgeprägtem Fieber, so dass bei der Diagnose von Dengue-Fieber eine genaue ärztliche Untersuchung und Befragung erforderlich ist.

So können z.B. detaillierte Reisebeschreibungen, zeitlicher Ablauf der Beschwerden oder ggf. ähnliche Symptome bei Mitreisenden wertvolle Hinweise liefern. Häufig kann über Insektenstiche oder Süßwasserkontakt berichtet werden.

Neben der Befragung des Patienten (Anamnese), untersucht der behandelnde Arzt erkrankte Patienten gründlich. Dabei kann z.B. eine Vergrößerung von Leber und/ oder Milz (lat.: Hepato,- Splenomegalie) und der sehr schlechte Allgemeinzustand richtungsweisend sein. Unglücklicherweise, treten die meiste Beschwerden, wie z.B. Hautausschlag oder Lymphknotenschwellungen, auch bei anderen Tropenerkrankungen auf, so dass sie häufig als zu unspezifische gelten.

Um eine exakte Diagnose zu stellen, ist moderne Labormedizin heutzutage unverzichtbar. Mit einer einfachen Blutprobe, können verschiedene Verfahren angewendet werden, die sich zum Nachweis von Dengue-Fieber eignen (Virusisolierung, Antigen- und Antikörpernachweis, PCR).

Therapie

Aktuell existiert noch keine ursächliche Therapie des Dengue-Fiebers, so dass rein symptomatisch behandelt werden muss. So können die Beschwerden der Betroffenen zwar gemildert werden, eine Heilung kann durch ärztliche Maßnahmen jedoch noch nicht erzielt werden.

Da die Kreislaufunktion bei vielen Patienten eher als instabil zu betrachten ist, erfolgt die Behandlung zumeist im Krankenhaus. Dort können mittels intravenösem Zugang („Tropf“) sowohl Volumen- und Eiweißinfusionen, als auch Fiebersenker verabreicht werden.

Strenge Bettruhe und Überwachung der sogenannten „Vitalparameter“, nämlich Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur, sind ebenfalls Teil der Therapie. Außerdem können Medikamente zur Schmerzbekämpfung eingesetzt werden. Hierbei ist darauf zu achten, keine Acetylsalicylsäure-haltigen Präparate wie Aspirin zu verwenden, da sie „blutverdünnende“ Eigenschaften haben und das Risiko für eine Blutung weiter verstärken würden.

Prophylaxe

In erster Linie, umfasst die Prophylaxe den Schutz vor Insektenstichen. Dazu eignen sich sowohl Schutzkleidung als auch sogenannte „Repellentien“. Helle, feste und langärmelige Bekleidung können die Haut schützen. Da die Tigermücke sogar durch bestimme Kleidung stechen kann, sollte eine Imprägnierung zusätzlich in Betracht gezogen werden. Sie sollten unbedingt beachten, dass die Vektoren des Dengue-Fiebers, anders als die Malaria übertragende Anopheles-Mücke, tagaktiv sind! Dennoch sollte ein Moskitonetz in der Nacht angebracht werden.

Neben genannter Schutzkleidung, empfiehlt sich unbedingt der Einsatz von Repellents bzw. Insektenschutzmittel. Aufgetragen auf gefährdete, freiliegende Hautareale wie Arme, Beine und Gesicht, bieten sie einen relativ sicheren Schutz gegen Insektenstiche. Zu den am häufigsten Insektenschutzmitteln gehören z.B. Diethyltoluamid oder Icaridin.

Bei Schwangeren und Kleinkinder können die Produkte unter Umständen nur mit Einschränkungen verwendet werden. Gleichzeitige Nutzung einer Sonnencreme ist möglich- allerdings muss zuerst die Sonnencreme und anschließend das Insektenschutzspray verwendet werden.

Bis heute existiert leider noch keine wirksame Schutzimpfung gegen das Dengue-Fieber. Da ein möglicher Impfstoff gegen alle vier Typen des Virus wirken müsste, ist die Entwicklung außerordentlich schwierig. Denn nach einer überstandenen Infektion wird der Patient nur immun gegen den Virustyp, der ihn infiziert hat.

Aktuell befinden sich mehrere, vielversprechende Impfstoffe in der Testphase. In naher Zukunft ist jedoch nicht mit einem Durchbruch zu rechnen.

Prognose

Insgesamt hat Dengue-Fieber eine günstige Prognose. Durch unterstützende Maßnahmen, wie Flüssigkeitszufuhr und Fiebersenkung, können in westlichen Ländern die meisten Fälle geheilt werden. Bei schweren Varianten, insbesondere dem Dengue-Schock-Syndrom, ist die Sterblichkeit mit etwa 30% jedoch deutlich höher. In Ländern ohne ausreichend medizinische Versorgung, können jedoch bereits mildere Formen wie das Dengue-hämorrhagische-Fieber (DHF) zum Tod führen.

Entscheidende Faktoren, wie Alter und Gesundheitszustand vor Infektion, bestimmen zudem die individuelle Prognose.

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Weitere Informationen finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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