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Ursachen des Haarausfalls

Einleitung

In der Fachsprache spricht man beim Haarausfall von Alopezie. Es ist prinzipiell völlig normal, dass jeder Mensch Haare verliert und dies jeden Tag.
Überschreitet der Haarausfall jedoch eine Grenze von ca. 100 Haaren pro Tag, spricht man von krankhaftem Haarausfall. Dieser kann verschiedenste Ursachen haben, die hauptsächlich im Bereich des:

  • hormonell-erblichen Haarausfalls (Alopecia androgenetica),
  • diffusen Haarausfalls (Alopecia diffusa) und
  • kreisrunden Haarausfalls (Alopecia areata) liegen.

Synonyme im weiteren Sinne:

Effluvien, Hypotrichie, Atrichie, Alopezien
Englisch: falling out of hair, lopecia

Weitere Informationen finden Sie im Hauptartikel Haarausfall.

Ursachen des Haarausfalls

Beim Haarausfall besteht zwischen natürlich abgestoßenen und nachwachsenden Haaren ein Ungleichgewicht. Dies kann verschiedene Ursachen haben.

Diffuser Haarausfall

Beim diffusen Haarausfall unterscheidet man zwischen Haaren, die in der Wachstumsphase ausfallen (Anageneffluvium) und Haaren, die sich bereits in der Ruhephase befinden (Telogeneffluvium).

Anageneffluvien sind selten und entstehen beispielsweise durch Röntgenstrahlung, Chemotherapie oder Vergiftungen.

Telogeneffluvien treten häufiger auf und können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. Schwangerschaft, Postpubertät, Alter, Infektionen, Diäten, Medikamente (Betablocker, Lipidsenker etc.), Vitaminmangel, ZinkmangelSchilddrüsenfunktionsstörungen.

Neben besonderen Erkrankungen, die eine spezifische Behandlung benötigen, beruhen 90% aller Haarverluste auf dem erblich bedingten Haarausfall. Dieser zeigt sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Bei der Mehrzahl der erblich bedingten Fälle ist der Haarausfall durch hormonelle Faktoren bedingt und wird deshalb auch als androgenetische Alopezie bezeichnet. Das Haar wird immer dünner und kleiner und ist letztendlich fast nicht mehr sichtbar.

Etwa jeder zweite Mann entwickelt im Laufe seines Lebens einen Androgen bedingten Haarausfall. Das nahe Auftreten des Haarausfalls steigt bei Frauen deutlich nach der Menopause/ Wechseljahre und betrifft 75% der Frauen im Alter von 65 Jahren.

Durch die Androgenhormonempfindlichkeit der Kopfhaarfollikel kommt es zu immer kürzeren Haarwachstumszyklen.

Bei etwa 10% der Frauen ist die genetische Veranlagung so stark, dass diese bereits um das zwanzigste bis dreißigste Lebensjahr eine sichtbare Haarlichtung entwickeln. Durch die Hormonumstellung in den Wechseljahren wird die Alopezie verstärkt.

Umschriebener Haaraufall

Beim sog. umschriebenen Haarausfall handelt es sich um klar begrenzte kahle Stellen.

Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) entsteht durch eine Fehlfunktion des Immunsystems. Hierbei werden die Haarfollikel angegriffen und das Haar bricht ab.

Weitere Gründe für umschriebene Alopezien sind häufiges Tragen von Gummibändern in den Haaren, Perücken, Tragen von engen Strümpfen und engen Hosen sowie Bettlägerigkeit.

Vernarbende Alopezien enstehen durch Infektionen oder Hautkrankheiten.

Ursachen des Haarausfalls beim Mann

Männer sind in der Regel häufiger von Haarausfall betroffen, als Frauen.
Meist sind oben genannte Ursachen Grund für die Alopezie. Beim hormonell-erblichen Haarausfall (Alopecia androgenetica) sind oft auch schon sehr junge Männer betroffen.

Die Haarwurzeln reagieren besonders empfindlich auf das Dihydrotestosteron (DHT), welches ein männliches Geschlechtshormon ist. Das Hormon wird zwar normal und in physiologischen (gesunden) Mengen gebildet, aber die Haarwurzeln reagieren besonders empfindlich darauf. Das DHT wird durch ein Enzym (5-Alpha-Reduktase) aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet.
Die Haarwurzeln betroffener Menschen verfügen ebenfalls über dieses Enzym und so wird DHT in großen Mengen gebildet. Diese Ursache ist genetisch bedingt und wird auf die Nachkommen, nicht alle Nachkommen zwingend, weitervererbt.

Da das Hormon DHT auf die Wachstumsphase wirkt, sterben die Haare früher ab. Nach und nach werden die Haare immer dünner, bis schließlich nur noch ein Flaum auf dem Kopf übrig bleibt. Dieser bleibt dann entweder bestehen, oder fällt letztendlich auch aus und es können keine Haare mehr gebildet werden.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) hat bisher noch weitgehend unerforschte Ursachen. In der Medizin geht man davon aus, dass es eine autoimmunbedingte Erkrankung ist. Es bilden sich runde und ovale kahle Stellen, die sehr scharf begrenzt sind. Nach und nach können sich diese Stellen vergrößern und es können immer mehr kahle Stellen hinzu kommen.
Diese Stellen sind völlig haarlos und an deren Rand findet man immer kurze abgebrochene Haare. Die bevorzugten Stellen der Alopecia areata sind an den Seiten und am Hinterkopf. Meist sind davon Jugendliche und auch Kinder betroffen. Oftmals wächst das Haar wieder nach, es kommt jedoch oft zu Rückfällen. Das Ausfallen des gesamten Kopfhaares ist ebenso in weiterem Verlauf möglich. Es sind mehr Männer als Frauen von dieser Erkrankung betroffen.

Die dritte, der häufigsten Ursachen ist der diffuse Haarausfall (Alopecia diffusa). Beim diffusen Haarausfall findet man entgegen dem kreisrunden Haarausfall keine bestimmten Stellen sondern das Haar wird insgesamt dünner. Es liegt aber keine hormonelle Ursache zu Grunde. Neben dem dünner werdenden Haar kann man auch insgesamt das Stumpfer werden, bzw. die Abnahme des Haardurchmessers erkennen. Für diese Form von Haarausfall gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie eine normale Alterserscheinung, Medikamenteneinnahme, Chemotherapie, Strahlentherapie, Mangelernährung, entzündete Kopfhaut, Hormonumstellungen oder auch Stress.

Lesen Sie mehr zum Thema: Haarausfall bei Männern

Ursachen für Haarausfall bei der Frau

Androgene Alopezie ist bei Frauen im Vergleich zu Männern viel seltener.
Man kann das meist an bestimmten körperlichen Merkmalen sehen, dass Frauen eine Hormonstörung haben, die das männliche Geschlechtshormon Testosteron, bzw. Dihydrotestosteron betrifft. Bei diesen Merkmalen, die die Hormonstörung sichtbar machen, spricht man von einer verstärkten Behaarung auf der Oberlippe, am Kinn, an den Brustwarzen und in der Bikinizone.

Bei Frauen kann man generell ähnliche Ursachen, wie bei Männern für Haarausfall nennen (diffuser Haarausfall, hormonell-erblicher Haarausfall und kreisrunder Haarausfall), jedoch sind die Usachen oft auch sehr vielschichtig und nicht eindeutig klar. Wie schon erwähnt, ist es bei Frauen sehr selten eine Hormonstörung, die Haarausfall verursacht.
Viel öfter ist die Ursache extremer Stress, dem Frauen oft durch die Doppelbelastung aus Familie und Beruf ausgesetzt sind. Hinzu kommen oft Mangelernährung bzw. falsche Ernährung.

Während der Schwangerschaft und der Menopause kommt es auch bei manchen Frauen zu Haarausfall, da der Körper übersäuert.
Durch die monatlichen Blutungen, kann der Säure-Basen-Haushalt sehr gut im Gleichgewicht gehalten werden und viele Giftstoffe im Körper können mit dem Blut ausgeschieden werden. Fällt die monatliche Blutung weg, muss sich der Körper über andere Wege helfen.

Da die Kopfbehaarung für den Körper nicht besonders wichtig ist, wird erst dieser Bereich „angegriffen“.
Der Nährboden für die Haare übersäuert schlichtweg und de Haare bekommen zu wenig basische Mineralien und fallen dann irgendwann aus.

Generell ist es aber schwierig, einzelne Ursachen zu nennen, da meist einige Faktoren den Haarausfall beeinflussen und verursachen.
Wie beim Mann können aber auch Medikamente, Strahlentherapie, Chemotherapie, eine entzündete Kopfhaut, als Folge des Alterns oder aber auch durch Hormonumstellungen die Ursache für den Haarausfall sein.

Der Ort des Haarausfalls bzw. der Ausdünnung der Haare ist bei Frauen anders als bei Männern. Meist beginnen die Haare beim weiblichen Haarausfall erst am Scheitel auszufallen und sich zu verdünnen. Völlig kahle Stellen oder gar eine Glatze findet man bei Frauen kaum.
Ebenso ist das Phänomen des kreisrunden Haarausfalls eher selten.

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Ursache für den kindlichen Haarausfall

Auch bei Kindern kann Haarausfall vielfältige Ursachen haben.
Schon durch die Verwendung von Haargummis, die nicht unbedingt geeignet sind, oder anderem Haarschmuck oder auch, wenn die Haargummis über eine längere Zeit zu fest zusammen gezurrt werden, kann es zur Schädigung der Haare kommen. Typischerweise fallen hierbei die Haare in stirnnähe und an der Kopfseite aus.
Hierbei wachsen die Haare meist von selbst innerhalb kurzer Zeit wieder nach. Man spricht bei der Art von Haarausfall vom Traktionshaarausfall. Manche Kinder vertragen auch bestimmte Shampoos nicht, was dann Haarausfall verursacht. Bei Kindern tritt, genau so wie bei Erwachsenen, manchmal der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) auf, dessen Ursache noch nicht wirklich erforscht wurde. Es wird aber vermutet, dass die Ursache in einer Autoimmunerkrankung liegt, bei der die Haarfollikel plötzlich angegriffen werden und dann die Haare ausfallen.

Ein weiterer Grund ist eine Pilzinfektion. In der Fachsprache nennt man sie Tinea capitis. Sie befällt die Kopfhaut. Diese Infektionen sind völlig ungefährlich, aber sehr unangenehm. Leider kann diese Pilzinfektion sehr einfach von einer Person auf die nächste übertragen werden, wenn man beispielsweise gemeinsame Bürsten oder gemeinsamen Haarschmuck verwendet. Eine sehr schwerwiegende Ursache für Haarausfall ist das genetisch bedingte Menkes-Syndrom, welches Babys betrifft. Es wird x-chromosomal rezessiv vererbt und betrifft deshalb nur Jungen. Die betroffenen Kinder leiden unter einem enormen Kupfermangel im Blut, in der Leber und im Gehirn.
Anfangs haben die Kinder völlig normales Kopfhaar. Nach und nach wird es aber immer dünner, heller und brüchiger und wirkt wie ganz feine Stahlwolle. Eine weitere Ursache ist das Netherton-Syndrom. Es wird autosomal rezessiv vererbt und betrifft häufiger Mädchen als Jungen. Dieser Erkrankung betrifft alle Körperhaare und lässt das Haar stumpf und brüchig werden. Die Haare haben eine gesteigerte Haarschaftbrüchigkeit und man kann nur eine Linderung mit Medikamentengabe bewirken.

Anomalien am Haarschaft kommen auch immer wieder bei kleinen Kindern vor.

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Haarausfall durch eine Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika genutzt, die schnelle Zellteilung der Krebszellen ausnützen und dort angreifen.
Dabei können diese Zytostatika nicht zwischen kranken und gesunden Zellen unterscheiden, sondern greifen generell alle Zellen an, die sich schnell teilen. Dies betrifft neben den Zellen im Magen-Darm-Trakt in der Schleimhaut, die Blutzellen und auch die Haarzellen.
Das Haarwachstum wird unterbrochen und die Haare werden immer dünner und brüchiger. Sie lösen sich dann irgendwann einfach aus ihrer Verankerung. Haare wachsen pro Tag normalerweise etwa 0,3 mm und es sind ca. 85% der Haarzellen ständig in der Phase der Zellteilung. Manchmal betrifft der Haarausfall nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Augenbrauen fallen aus, Wimpern und der Rest der Körperbehaarung.

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Das kommt jedoch eher selten vor, da sich bei den Wimpern und den Augenbrauen meist nur ca. 20 Prozent der Haare in der Phase der Zellteilung befinden. Sobald die Zytostatika abgebaut sind, nachdem die Chemotherapie beendet wurde, beginnen sich die Haarwurzeln wieder zu erholen und die Haare wachsen sofort wieder nach.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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